Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Dassouci .
S
„ gen griffen , und über die Erklärung de« Gesetzes , Erster , Fratre , „ einen förmlichen Zweykampf hielten . „ v^ssoucl Aventures , Tom . II . pag . 58 u . f . Ein wenig weiter unten , machet er keine Schwierigkeit , sagen , daß sein Vater aus seiner Magd seine Beyschläferinn gemacht , ich dem Eigensinne einer Magd unterworfen xoat , so fing ich an , die Sinerkeit Oes Gebens ? » empfinden , ehe ich Sie An - nehmlichkeüen desfelben gefthmecker harre . Denn Sa Oiese Magd , oder vielmehr Oiese Beyschläferinn , welche Freiheiten Hey meinem Vater harre , die ich einem seden wohl 5» bedenken , aber nicht zu lesen geben kann , so viel Haß gegen mich , als ich gegen sie harte : so vergieng keine Stunde des Tages , da wir nicht mir den Messern gegeneinander blank stunden . Ebendas .
^ Ohne Zweifel hatte ein Mensch von seinem Gemüthe die Schriften des P . Garasse gelesen , und ich bilde mir ein , daß er dasjenige daraus genommen , was die hohen Schuhe seiner Mutter betrifft : denn hier ist »ine Stelle aus der merkwürdigen Lehre dieses Jesuiten : , . Der heil . „ Bineens Ferrier erzählet in einer von seinen Predigten , daß ein an - „ sehnlicher Mann seiner Zeit , da er sich mit einer Frau , die er vielleicht „ niemals , als im Bildnisse gesehen , dem äußerlichen Ansehen nach , von „ guter und schöner Leibesgestalt , durch einen Bevollmächtigten verhei - „ rathet . sich sehr betrogen gefunden habe , da er sie ohne Schuh ttt seiner „ Kammer gesehen ; denn sie war um die Hälfte kleiner geworden ; wor - „ über er fid ) fo sehr entsetzet , daß er sie angeredet , und halb zornig zu ihr „ gesaget : Vbi pofuifti reliquum perfonae tuae ? Wo habet ihr das „ Uebrige von eurer Person gelassen ? Dieß war von Ablegung ihrer „ hohen Schuhe hergekommen , welche sie zuvor noch einmal so groß vor - „ gestellet harten , als sie gewesen . Garaflc Dodrine Curieufe , p . z - z . Wenn D'Assouci die Nachrichten des Brantome gelesen gehabt , so wür - de er seinen Ausdrücken , über die hohen Schuhe seiner Murrer , eine Allusion auf die Keule Herkuls beygefüget haben . und wenn es nur ge - schehen wäre , seinen Diebstal zu verheelen . Man lese diese Stelle : Ich erinnere mich , daß einsmal bey Hose eine schöne Dame und von «langem Wüchse , da sie eine schöne und kostbare Jagdtapete betrachtet , „ wo Diana und die ganze Bande von Jagdnvmphen sehr natürlich „ vorgestellet waren , die bey ihrer Kleidung alle ihre schönen Fuße und „ Waden zeigten , zu einer Gespielinn , die sie bey sich hatte , und die von „ sehr widriger und kleiner Gestalt war , die gleichfalls ihre Lust an Be - „ trachtung dieser Tapezerey hatte , gesaget : Ha kleine ! wenn wir uns „ alle auf diese Art kleiden sollten , so würdet ihr offenbarlich verlieren , „ und keinen aroßen Vortheil haben ; denn eure hohen Schuhe würden , . euch verrathen , und ihr würdet keine solche Anmurh in eurem Gange „ und in Zeigung eurer Waden haben , als wir andern ; die wir lang und „ hoch sind ; darum müsset ihr sie verbergen , und nicht sehr sehen lassen : „ danket also der Zeit und den langen Röcken , die wir tragen , welche „ euch sehr vorteilhaft sind , und eure Schenkel so wohl verbergen , daß . sie mit euern großen und eines Fußes hohen Schuhen , vielmehr einer Kenle , als einem Scbenkel gleichen ; denn wer nichts hätte , womit er " sich schlagen könnte , dürfte euch nur einen Schenkel abhauen , und ihn „ am Ende ergreifen , und man würde mit euerm bescbuheten Fuße m „ euren großen Stelzen sich tapfer herum schlagen können . „ Krantome vamc« Galantes , Tom . I . p . Z4O , Zqi . Julius Easar Scaliger beob - achter , daß die Frauen in Italien sehr hohe Schuhe tragen , und wie sein Vater zu sagen gepflegt , daß die Ehmänner , die dergleichen Ehgat - rinnen hätten , nur die Hälfte davon im Berte fänden , die andere Hälfte aber »väre in ihrem Fußwerke zurück geblieben . Soccus humilis cft . Italas mulieres altiffimis vfas vidimus , quanuiis diniinutiua voce dieant Socculo« . Patris mei pertacetum dithim niemini : Eiusmodi vxorum diinidio tan tum in leöis frui maritos , alters dimidio in foccis depofito . Iul . Caefar . Scaliger . Poet . Libr . I . cap . XIII . p . m . 48 . Einet von diesen Ehmännern hat sich auf eine sehr kurzweilige Art be - klaget , daß er eine zweytheilige Frau backe , die eine Hälfte von Holze , und die andere Hälfte von Fleische . Vnde etiam amwdwn qucrela , qui fe vxorem femiligneam duxifle dicebat . Corament . in Alciati Emblem , p . m . 589 . Scioppius stellet sich vor : er habe in dem Juvt - nal gefunden , daß bey gewissen Frauen die Einteilung dieser Halbscheid nicht gleich sey , und daß der menschliche Körper nur als ein Anhang an - gesehen werden müsse . Die Ausgaben enthalten :
Si breue parui Sortita eft lateris fpatium , breuioraue videtur Virgine Pygmaea , nullis adiuta cotnumis ,
Et leuis erefta confurgit ad ofcida planta .
Iuuen . Sat . VI . v . 50s .
Mein Scioppius will , daß man adiundla , anstatt adiuta , lesen solle , und er bestätiget seine Muthmaßung durch ein Beyspiel : Paruam puellac itaturam exprimit , dum eam cothurnis adiunctam ait , ( icut Cicero de genero fuo , quis meum generum alligauit glaäio ? Sciop - oius Verifimil . Libr IV . cap . X . p . m . 148 . " 49 -
( B ) Der - Herzog von St . Simon ließ ihn bey Ludwigen dem viit » , «t Germain hören . ] Wenn man sich an die Erzählung des Urheber« halten darf , so ist ihm dieser Vortheil im . 640 Jahre , et . was eher , oder später verschaffet wordm ; denn er setzet voraus , das ! im 1655 Jahre ein Laken des Königes zu ihm gesaqet : es : st über fünf -
. ; u «st . Germam hat ^ - . . . .
dieses zeiget , daß D'Assouci vor dieser Zeit k«mn Zutritt bey diesem Prinzen gehabt . Woher kömmt es dennn , daß er Tom . II . p . i4 . sichert : er karre den König Ludwig den XIII ganxer zwanzig Jal'ce belustiget . Dieß ist nicht das erstemal , daß ich beobachtet ha - be , wie die Schriftsteller in ihrer eigenen Historie keine guten ^eitrech - ner abgeben . Man merke , daß uiis unser Mann auf der 10 Seite richtet . er sey in den Diensten des Herrn vonAngoulesme , eines lichen Sohns , Carls des IX , gewesen , und habe alle Bestrebungen über - »unten , die man sich gegeben , ihn aus dem Sattel zu heben .
( C ) Er hatte Vekannrschafc mit einem Menschen gemacht , der in einem ^Vinkel der Sariren de» - Herrn . öotluu erschienen ist , und der aus dieser Ursache eine Stelle in meiner Auslegung verdiener . 1 Von Assonei erzählet uns in seiner Reise von Chalons , an der Saone nach Lion , dafr da er seinen Musikpagen einige
brechende und verliebte Lieder singen lassen , ( Ebendas . Tom . I . p . 247 . ) er einen Zuhörer an sich gezogen habe , der blind gewe - sen . und auf seder Seite , zum wenigsten ein gutes Thcil von den Ohren , so schöne und rothe Rinnbacken gehabt , daß man Mühe gehabt , zu urtheilcn , wer den preis verdiente , ob der Purpur seiner Nase , oder der Zinnober seiner Ohren . ( Ebendas . 24 ? Seite . ) Als man ihm fragte , wer er wäre , gab er zur Ant - wort : „ Ich bin - - - von den Nachkommen Homers ; und „ ich unterstehe mich , zu sagen , daß ich noch einigen Vorrheil über diese „ göttliche Person habe ; denn ob er gleich blind gewesen , wie ich bin , „ und seine Verse öffentlich vor den Thüren gesungen hat , wie ich die „ meinigen singe : so ist doch sein Schenkel nur rauch gewesen . und ich „ bin über den ganzen Leib rauch , wie ein Bär . - - - Ich bin ein „ berühmter Pver und Sänger ; allein ein Sänger von einer so mächri - , . gen Kehle und durchdringender und Heller Stimme , daß , wenn ich nur „ zweene Fingerhute Brantewein zu mir genommen habe , und auf dem „ Damme der Augustiner singen wollte , der König mich in den Feu , „ stern seines Louvres hören würde ; dieß gesaget , so sog er . ohne zu war , „ ten , daß man ihn bath , ein klein Büchelchen , mit blauem Papiere über - „ zogen , aus der Tasche , welches er einem kleinen Jungen gab , der ihm „ zum Geleitsmanue diente , und darauf vereinigten alle beyde ihre „ Stimmen , alle beyde mit dem Hute auf dem Kopfe , und sangen alle „ beyde diese angenehmen Lieder :
„ Helas ! mon ami doux ! etc .
„ und dieses andere , welches ehemals Gautier Garguille gesungen :
„ Baifez inoi julienne !
„ Jean Julien je ne puis etc .
„ Nach diesem sangen sie eines von ihrer eigenen Arbeit , davon dieses „ der Titel war : Rlagliches und lustiges ILieö , über den Tod ei , „ nes Schusters , der sich mir seinen , Rneife die Rchle abae , „ schnitten , um sich wegen der Untreue seiner Frau zu ra , „ chen . Man wollte seinen Namen und den Ort wissen , wo er seinen „ Parnaß hatte . Ich heiße , sagte er , Philippor , zu euren Diensten , „ sonsten der Savo / ard ; und wenn ihr einmal über die neue „ brücke gehet , so werdet ihr meinen Parnaß auf den Stufen „ dieser Ärücke finden , das metallene Pferd ist mein Pegasus , „ und die Samariranerinn meine - Hippokrene . Ebendas . 2 , 7 S . „ Er hat dem D'Assouci eines von seinen Liederbüchern gegeben . Ebend . „ 259 Seite . Wexland mein Vater , hat er dazu gesetzt , ( ebendas . . , 261 S - ) welchem Gort die ewige Ruhe gebe . hat die Ä . ie - „ der des Guedron und des verstorbenen Äoesier tausendmal gesungen .
Wem , man hundert Jahre vorbeygehen läßt , ohne daß man eine Aus - legung über die Satiren des Boileau machet , so werden sich Unverstand - lichere Stellen darinnen finden , als die allerdunkelsten in dem Glau - bensbekennwisse von Sanei und dem Katholiken sind . * Und ich bin versichert , daß ein Ausleger dieser Satiren im XIX Jahrhunderte gnüget seyn wird , dieses kleine Stück von der Historie eines berühmten Meistersängers auf der neuen Brücke zu finden , und seine Noten über diese Stelle damit herzlich gerne ausschmücken wird :
Wie groß ist nicht der Ruhm , daß deine seinen Werke Den Edelknaben Lust und Dienern Freude machen ;
Und wenn man endlich sie in einem Winkel stellt .
Der andre Liederband des Savoyarden sind .
Boileau , IX Satire , V . 7 ; u . f .
* Diesem Wunsche ist bereits ein Genügen geschehen ; denn seit 1717 , haben wir bey David Assortier , in Amsterdam , solche Ausga - ben der Gedichte des Boileau erhalten , wo alles , was nur einiger maßen dunkel und zweifelhaft feyn konnte , erkläret worden . Z . E . ben dieser Stelle steht im I B . auf der 131 S . diese Anmerkung . „ Savo / ard war ein berufener Sanger auf der neuen Brücke , „ dessen Lieder man noch itzo lober . Sie sind in einem kleinen „ Bande gedruckt , unter dem Titel : Recueil nouveau des Chan - „ fons du Savoyard , par lui feul chantees a Paris : d . i . neue „ Sammlung Oer SLieOev des Savoyarden , die er allein z» „ Paris gesungen hat . Er sang sie auf der neuen Brücke , mit „ Hülfe einiger Knaben , die er unterrichtet hatte , neben ihm zu „ singen ; und er begleitete seine Lieder mit allerlei ) Narrenpossen , „ die das Volk herbey lockren . Er hieß Philippor , sonsten der „ Savoyard . Sein Vater harre eben das Handwerk getrieben , „ und sang zu seiner Zeit die Lieder Guedrons und des alten Boes - „ setS . . , So weit die Anmerkung . Es wäre zu wünschen , daß man auch unserS Opitz , Flemmings , Dachs ui , d Rad ) elü Gedichte mit solchen Anmerkungen herausgeben möchte . G .
( v ) Sr kam zu Montpellier in Lebensgefahr . Dieser Zufall ist durcb die Reisebeschreibung der Herren von Sachanmonr und la Chapelle sehr berühmt geworden . ] Wie diese schreibung in der ganzen Welt Händen ist . so will ich nur den Inhalt desjenigen darauSziehen , was unfern Sänger betrifft . Die Herren von Bachaumonr und la Chapelle erzählen , ' daß sie an demselben Tage nach Montpellier gekommen , da D'Assouci , wegen eine» chen» verbrannt werden sollen , davor das Frauenzimmer einen Abscheu hat . Sie beschreiben den Widerwillen des schönen Gcschlech - res sehr kurzweilig : sie versichern , daß eine Standesperson diestn Unglücklichen habe retten lasten , und daß diescrwegen die Frauen in der Stadt einen Ausstand erreget , und bereits zwo oder drey Personen zerrissen hatten , weil sie nur in dem Verdachte sen , den D Aisöuci «1 kennen ; daß sie sid> besurchtet hätten , gleich - salls ft'ir seine Freunde gehalten zu werden , und diese Stadt eiligst ver - lasien hätten ; daß sie ihn mit einem xiemlicb hübschen Pagen an , gerroffi n , der ikm nacbgetrercn ; daß er ihnen mit zwry Worten sein ganzes Unglück erzahlet ; daß sie , nach Besehuna verschiedener Stad - te in Pmvnze , nach Aviano , , gegangen ; und daß sie eines Abends , da sie an dem Ufer der Rbone frische Äufc geschöpft , den D'As - se'uci angetroffen , und ihn auf eine ziemlich leichtfertige Art gesraget hätten :
Dieser

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