Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6603

Dassouci . 263
®afii>UCi oder D A^outl , ( CarlCoypeau , Herrvon ) einfranzöslstherMusicus und Poet imXVIlIabrhundsrte . Ee hat selbst seine Abentheuer , die sehr wunderlich sind , in einer fast närrischen Schreibart herausgegeben . Er erzahlet , daß er zu Paris gebohren ist " ; daß sein Vater , Meister GregoriuS Coypeau , Herr von Assouci , ParlenientSjachwalter b , der Sohn eines cremonesischen Cavalierö , Namens von Agnanis , eines vortrefflichen Geigenmachers c , von Sens in Burgund gewe - fen A ; daß seine Mutter eine Lothringerinn e , sehr klein und gallenreich gewesen ; und daß sich so wenig Einigkeit unter ihrem Ehmanne und ihr gefunden ( A ) , daß sie nach Theilung ihrer Rinder und Hüter sich srcpwilliy von einander den f ; daß er bey seinem Vater in^Paris geblieben , und von der Magd übel gehandelt worden , welches ihn oft veranlasset , zu entwischen s ; und daß er im 9 Jahre h seinen Flug bis nach Calais genommen - , wo er auSgesprenaet , daß er die Sterndeuterkunst verstünde , und der Sohn des großen und berühmten Nativitatsiellero k Namens Casar 1 wäre ; daß er , nachdem er einen Kranken in der Einbildung , durch einen kleinen Taschenspielerstreich geheilet , für einen berühmten Schwarzkünstler gehalten worden m , ob er gleich nur 9 Jahre alt gewesen ; daß diejenigen , die ihn beherberget , nachdem sie tPind bekommen , daß ihn der Pobel ins Meer werfen wollen , - - - ihn ino geheim auo Calais geschafft » . Ich habe die Folge seiner Abentheuer nicht gefunden , als zur Zeit , da der Herzog von St . Simon ihn bey Ludwigen dem XIII , zu St . Germain hören ließ - > ( B ) . Er schmeichelte sich in dem Gemüthe dieses Prinzen f durch ein Saufued ein , das er machte , und welches jedermann bey Hose sang . Seitdem horte der Rönig seine Gesänge beständig , und erlaubte ihn , der ? Eintritt in sein geheimes Zimmer , und man nennte den von Assouci , den PhöbuS Rleiderbervahrer , weil er seine Haute beständig in den , Äleiderzimmer des Roniges hatte ? . Er fuhr mit dieser Haushaltung unter der Minderjährigkeit Lud - wigs des XI V fort . Dieser junge Prinz las die Verse dieses Poeten beym Mittagoschlafe , und lachte beständig und zu rechter Zeit über die lustigen Einfalle , da solche viele Hosbediente , die zur Unzeit lachten , nicht einsehen konnten r . Lr würdigte ihn nicket nur , stine Gesänge anzuhören , sondern er sang sie auch selbst Von Assouci , welcher nach Tu - rin zu Ihren königlichen Hoheiten zurückgehe , : wollte * , reisete ums 1655 " Jahr , mit so großer Eilfertigkeit , von Paris ab , daß er kaum die Zeit hatte , einen Cheil von feinen Schulden zu bezahlen Er ward von zween Pagen von der Capelle begleitet * . Er kam zu Lion erstlich nach verschiedenen überstandenen verdrießlichen Zufallen an , nachdem er mit einem Menschen Bekanntschast gemacht , der in einem Winkel von den Satiren des Boileau erschienen ist , und der aus dieser Ursache eine Stelle in meiner Auslegung verdienet ( C ) . Er fand viel Annehmlichkeiten zu Lion : er gab daselbst seine Music in alle Rlöstec der singenden Nonnen , und es war nicht eine einzige von diesen andächtigen Jungfern , die nicht so gleich ei« ne Abschrift von seinen , lustigen Gvidiuo hatte > . Also betitelte er das Werk , worinnen er einen Theil von den Ver - Wandlungen des Ovidius in kurzweilige Verse übersetzt hatte . Er blieb drey Monate zu Lion , unter lauter Spielen , Comödicn und Gastgebothen * , wobey ihn Möllere und Des Bejars sehr liebkoseten " a , worauf er mit dem Moliere nach Avignon bb , und dann nach Pezenas gieng , wo sich die Stände von Languedoc aufhielten Er wurde einen ganzen Winter von den Coinö - dianten erhalten u , und er bekam von dem Prinzen von Conti , dem Herrn von Guilleragues und vielen Personen von diesem Hose ansehnliche Geschenke Er hatte einen von seinen Musicpagen verlohren , und wie er sich in der Nahe bep einer Pro - vinz von Frankreich befand , welche fo wohl schone Stimmen , als schone Früchte hervorbringet ; so wollte er von da nicht eher nach Piemont zurück gehen , als bis er einen Versuch gethan , die erledigte Stelle wieder zu besetzen . Er begleitete den Molie . re , bis nach Narbonne ff . Er gieng darauf nach Montpellier , und kam daselbst in Lebensgefahr . Dieser Zufall ist durch die Reisebeschreivung des Herrn von Bachaumont und la Chapelle sehr berühmt geworden ( DJ . Ich werde in den Anmer« kungen davon reden . Er hielt sich noch drey Monate zu Montpellier auf , seitdem er aus dem Gefängnisse gekommen war ss . und verfertigte daselbst eine Beschreibung dieser halb traurigen und halb lustigen Begebenheit ; allein er hatte sie noch nicht drucken lassen , als es ihm der Richter , Herr Mage , der sie gelesen , erlaubet hatte hh . Er durchstrich nach diesem schiedene Städte in Provenze , und wartete zu Monaco dem Prinzen von Morgues auf , der ihm dreyßig Pistolen gab : er gieng über das Gebirge von Tende , u . s . w . Bey seiner Ankunft in Turin hatte er einige Mühe , die falsche Nachricht von seiner Todesstrafe zu widerlegen , die man in den kurzweiligen Zeitungen gelesen hatte . Er wendete alle ersinnliche Mühe an , sich eine beständige Bedienung an diesem Hofe zu verschaffen und er giebt vor , daß er zum Zwecke gekommen seyn würde , wenn er sich nicht allzu sehr aufs Versmachen geleget , sich keine Grenzen geseßet , den vornehmsten Gottheiten seine Aufwartung zu machen , und bey den Musicis des Landes keine Eifersucht erwecket hätte Er will , daß die Schönheit seiner Poesien ihn dem
geglauver , oap es ymiangucy wäre , sicy an lyre ronigucye ^oyeuen zu yanen oie uoein Dienste verschiedener Personen zugezogen : und daß ihm dieses großen Schaden gethan . Er ist gewahr worden , daß man kaltsinnig gegen ihn wurde , und was das Schlimmste war , so erhielt er , da er entweder um seine Erlassung oder um eine gewisse Bedienung bath ™ zu nem großen Verdrusse . das erste von diesen zweyen Dingen °° . Ich kann die Fortsetzung seiner Abentheuer nicht geben , weil ich nur die drey ersten Theile von der Historie in Händen habe , die er davon gemacht hat . Ich erinnere mich , daß er ums 1674 Jahr zween kleine Bändchen herausgegeben hat , die er in dem Gefangnisse des Chatelet zu Paris aufgesetzet ; er saß damals noch dar» innen , und ich weis die Umstände von seiner Befreyung nicht . Man hat nicht nöthig , die Satiren seiner Feinde zu Raths zu ziehen , um eine sehr üble Meynung von ihm zu haben . Dasjenige , was et bekennet , was er selbst erzählet , ist zureichend dazu» Ich weis nicht so eigentlich pp , ob man zu Parts Freyheit erhalten könnte , ein solches Werk zu drucken , das den Relationen nnftrs kurzweiligen Poeten ähnlich wäre ; denn sie sind mit Ruchlosigkeiten angefüllet : und man merre , daß man ihn unter andern Verbrechen der Gottlosigkeit beschuldiget ; gleichwohl rühmet er sich , die Feder zur Vertheidigung der römischen Kir - che ergriffen zu haben ( F ) . Er beklaget sich über den Boileau , der gleichwohl nichts gesager hatte , als was er wider das Pos - sicrltchc sagen sollen ( G ) . Die Stelle , wo er von den vier närrischen Poeten redet 11 , ist lustig : Ich will dasjenige nur da - von abschreiben , was den betrifft , den er nennet , und der ein gedruckter Schriftsteller ist ( H ) . ' Erbat , unter andern Feinden den Cyrano von Bergerac " und Loret gehabt . Dieser hat ihn bey allen Gelegenheiten m seinen kurzweiligen Zeitungen 6er» umgenommen , und ist so geschwind gewesen , die den D'Assouci nachtheiligen Zeitungen auszustreuen ( I ) , daß er vielmals seinen Tod , und allezeit höchst falsch , ausgesprenget hat .
a ) D'Aflmtci , Tom . II . de fes Avanturcs , p . 55 . b ) Ebendas . 57 S . O Ebendas 56 S . <0 Ebendns 54 S . Ebendaselbst . f ) Ebendas . 62 ® . g ) Ebendas . 64 S . b ) Ebendas . 69 0 . 1 ) Ebendas . 68 0 . k ) Ebendas . 73 0 . / ) Siehe den Artikel Raggeri , in der Anmerkung ( B ) , zu Anfange , m ) D'Afiouci Avantures , Tom . II . p . 89 . » ) Ebendas 90 0 . 0 ) Ebendas 47 0 . JO Eöendas . 48 0 . q ) Ebendas . 47 0 . 0 Ebendas . in der Zuschrift an den König , s ) Ebendas . Tom . II . p . 12 . » ) Er saqet im III Bande seiner RelÄionen , aus der 15z Seite , daß ihn der Herr Graf von Hareourt ehemals Ihrer könjgl . Hoheit gegeben , * ) D'Aflbuci , Tom . I . p . z .
Ebendas , 0 . Ebend . - 96 0 . z ) Ebendas Dieses find dieComödianten von Molierens Bande gewesen . tb ) D'Afiouci , P " i°9 * cc ) Ebendas zi ; 0 . Ä / ) Ebend . z>6 0 . Ebendas z>8 0 . ff ) Ebendas 319 S . ^ El'nidas Tom . II . p . bb ) Ebendas . , 6z 0 . »7 ) D'AÜöuci Avantures d'Italie , p . 74 . kk~ ) Siehe die Anmerkung ( E ) . U ) D'Afibuci Avantures d'Italie , p . 33° u . f . mm ) Ebendas . 163 0 . »» ) Ebendas 338 0 . 00 ) Ebendas Z4 - 0 . pp ) Man schreibt dieses im Weinmonat ? , 1699 . qq ) D'Afiouci Avantures d'Italie , p . 27z u . f . rr ) Die 0tücke wider den Goucivas , die sich in seimn Werken finden , sind wider den Dastduc , .
( A ) Seine Mutter ist - » $ febr klein und gallenreick ge , „ nicht noch an der Materie gehangen hätte , zu sagm pflegte : meine rvesen ; unv es b«c sick wenig »Sinigkcit unter ihrem Ernannt „ Mutter sey sv klein , daß sie sich in dem Berte verlöhre , »nd weit er sie unv ihr gefunven . ^ Man wird ein Beyspiel von den Unordnun - „ nicht in dm Betttüchem finden konnte , sich beklagte , daß sie keinen gen der Feder fthen , Alchen sich diejenigen aussehen . die sich zu Possen - „ Körper Härle , und ganz und gar Geist wäre . Allein zur Vevqelrung reißen , und kurzweiligen 0eribenten auswerfen . 0>e sind verbunden , die „ war sie , außer daß sie , wie ein Engel fang , und göttlich auf der Laute Welt auf ihre Unkosten zu belustigen , und wider sich selbst und alles , „ spielte , mit einem fo wunderbaren Geiste der Widersprechung und ei - was sie am meisten stkonen sollten , Pickel ! >eri>igspossen zu treiben . Wir „ nem so herrischen Gemutbe begäbet , daß sie in vierzig Iahren noch wollen sehen , wie D'Assouci von seiner Mutter redet : „ Sie war ein „ nickt in einer Sache mn meinem Vater , dem Sachwalter , einig gewesen „ Srümpfchen von einer Amazone . geschwind und zornig ; weiche den Man , . . war ; daherder Herr Sachwalter , mein Vater . sich fast nicht unter - „ gel ihrer kleinen Leidesqestalt zu ersetzm , so hohe Schulz trug , daß der - „ stund , das Maul aufzmhun . aus Furcht , ihrer Fähigkeit eine Befchim - „ jeniqe , weicher die Absätze davon spalten wollen , gar leicht Schulholz - „ psung zu erweisen . Und ob ich gleich noch sehr jung gewesen , so erin - „ bündel daraus hätte machen können ; so daß sie , wenn sie Schnh und „ nere ich mich doch , daß , da eines Tages mein Vater von den Geseke , , „ Strümpfe auszog , qerade die Hälfte von ihrer ansehnlichen Person ver - „ reden , und meine Mutter auch davon reden wollte , sie einen so hitzigen „ lohr . Daher mein Vater , welcher noch nicht so geistlich war , daß er „ Wertstreit über eine Stelle Iustinians hatten , daß sie bepde zum De -
„ gen

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