Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6576

s6o Do
„ hat , dieselbe auszusäen ; wie angenehm sie denjenigen ist , die sich in „ Demuch daran halten : hingegen bemühet sich ein jeder durch seine Er - „ findunqen sich in Ansehen zu setzen , und das Evangelium muß schwei - «gen . Eitle Fragen und Fabeln erschallen alle Jahre auf den Kanzeln , „ und damit kehren die armen mit Winde geweideten Schafe zurück : es „ könnten viele andere Stellen wider die Jndulgentien und Ablaßbriefe „ des Pabstes und andere Misbräuche der römischen Kirche , dar - „ aus gezogen werden , daß es ohne Mühe zu sehen ist , wie wohl er „ die große Hure der Offenbarung Johannis erkannt hat . „ Dame del Paradifo c . lX et XXIX et del Purgatorio , c . XXXII . Coeffeteau , cher in der Autwort au Myftere d'Iniquite , pag . 1032 , lozz . auf diese Stelle antwortet , beobachtet I , daß Dantes ein Gibelliner gewesen , ( die Gibelliner waren die Partey , die den Päbsten zuwider war , ) und voller Rachgier über das Böse , welches ihm von der gegenseitigen Parrey war erwiesen worden . II . Daß Dantes so wohl die Schenking als die Ursache gestanden , die man von dieser Schenkung am führet , nämlich Conffantins - Heilung vom Aussalze . Ob es
? leich wahr iff , daß er in diesem suche von der'Monarchie im III B . letzten Cap . ) sich bemühet , 5» beweisen , es hatte sie Constantin nicht thun können , da dieses eine Zergliederung des Reiches gewesen : allein ein Poet ist kein Richter über diese Staarsmalerie . III . Daß sich in demjenigen , was er von den Tra - ditionen gesager , nichts böses befände , wenn man es nur ingesun - dem Verstände annähme . I V . Daß er nur die Päb>te ztt seiner Zeit radle , welchen er als Feinden und Verfolgern seiner parrey begegnet hat . V . Daß er , wenn er von diesen Pabsten redet , allezeit versichere , daß er ihre N ? krde verehre , ob er gleich ihre Personen radle . VI . Daß er nur die Betrüger verdammer habe , welche falschen Ablast predigten , oder einen schandlichen - Handel mit dem wahren trieben . Hier sind einige Verse dcs Dantes , die vom Coeffeteau als ein Beweis der Rechtgläubigst in Ansehung der Unterwürfigkeit , die er dem Pabste schuldig ist , angeführt werden .
Siate Chriftiani a movervi piu eardi . ( * )
Non fiate coine penne ad ogni vento .
Et non crediate ch' ogni acqua vi laui ,
Havete il vecliio , el novo teftamento ,
El pallor de la chiefa , che vi gnida :
Qiiefto vi bafti a voftro felvamento . Cant . V . del Parad . ( * ) Grangier übersetzet den ersten Vers also : XVegen der Gelübde , 0 ihr Chrisren , ftyd von einem ernsthaftern - Herzen . Der Poete hatte kurz zuvor von frevelhaften Gelübden geredet .
Rivetus i» den Anmerkungen über die Antwort auf das Geheimniß der Bosheit , IITH . u . f . S - antwortet darauf , daß der Urheber dcs italienischen Buchelchens , unter dem Titel , Avifo piacevole dato a la bclla Italia , die vornehmsten Glücke gesammler habe , über welche Scllarmin Vcrbothe an den Coeffeteau ausgebracht ; daß also der JLefev , welcher die Untersuchung dieser Sacben an - heben will , die Anmerkungen des gelehrten ^unius gegen den Äcllarmin vergleichen müfte : so würde er in denselben die lichsten Bestätigungen wider alle diese Blendwerke und wichrt - gen Ausflüchte finden , und klarlich sehen , Saß dieser Mann den N ? iderchrist auf einem Stuhle gesthen , der von ihm verehret worden , dessen Entheiligung aber er beweint ; kurz , er bat den Menschen der Sünden in dem Tempel Gottes gesehen , den er verehrt hat . Riverus ermahnet die Widersacher auf diese Verse des Dantes Acht zugeben :
Di voi Paftor s'accorfe l'Uvangelifta Quando colei che fiede fopra l'accjue Piittanggiar co' i Regi a hii fii vifta Qtiella che con le cette tefte nacque Et da le dieci corna hebbe argumento Ein che virtute al fuo marito piacqne .
Canto XIX , del Inferno .
'Hier , verfolget dieser Prediger auf der 495 S . hat er gewißlich erkannt , dast der heil . Jobann im XVII Cap . der Offenbarung unter dem Namen der großen - Hure , die über den XVassern sinr , und de« Thieres mir sieben Ropftn und zehn - Hörncril^voi ! dem pabste gereder hat , außer was er sonst von dem pabstlichcn Stuhle und der Gewalt der Schlüssel säg« . L» leugnet Nie - mand , daß diese Sachen an sich betrachtet , in der ganzen Rirche sehr loblich sind . Allein wenn sie von einem Tyrannen mit Ge - walr an sich gerissen werden , so darf auch nichts verhindern , denselben so zu beschreiben , wie er ist . - - - * £>»8 die hene Schenkung Consianrinz betrifft , so wird jedermann , der wohl Achtung darauf giebt , finden , daß er die gemeine und Zll seiner Zeit angenommene Meinung davon vorgebracht hat , nicht aber seinen Glauben , welcher mcmals einer solchen Alberkeit bevgcfallen scyn würde . Was die 6 Verse betrifft , welche Coeffeteau angeführt , so übersetzet sie sein Widersacher also : d> ihr Christen , seyd langsamer , euch zubewegen ; seyd nicht , wie die Ledern , die seder Iwind bewegt , und glaubet nicht , daß euch alles Nasser wascht , ihr habet das alte und neue Testament ; den - Hirten derRirche , der euch weidet . Dieser ist genug zu eurer Seligkeit . Hierauf redet er also : „ . Sat Coeffeteau wohl allen Christen rathen wollen , das „ alte und neue Testament zunehmen . sich wider die Leichtsinnigkeit im „ Glauben zu befestigen . Er wird sich wohl dafür hüten . Allein er „ schämet sich nicht dem Pabste zu zueignen , daß er der - Hirte sey , der zu „ unserer Seligkeit genug ist . Und er wollte gern , daß Dantes also „ gelästert hätte , welcher ohne Zweifel von dem wahren Heilande geredet „ hat , der uns durch das alte und neue Testament leitet . , . Wir haben hier ein wichtiges Beyspiel der Verblendungen , worein man fallen kann , wenn man bey dem ersten Sinne stehen bleibt , den die Ausdrücke eines Menschen dem Verstände darbierhen . Diejenigen , welche diese 6 Verse de« Dantes lesen , und welche sie in fcnfu obuio quem ipftmet propofitio - nurn verba prae fe ferant nehmen ; ( diese Worte sind aus einem Breve JnnoeentiuS des XII , an die Bischöfe in den Niederlanden un» ter dem 6 Hönning 1694 . ) welche sie , sage ich , auf die Art verstehen , wie JnnoeentiuS der XII , die 5 Sähe des Janfenius verstanden haben will , werden glauben , es habe dieser Poete sagen wollen , daß man , selig zu werden , weiter nichts brauche , als sich nach dem alten und neuen
Testamente zu richten , und dem Wege zu folgen , weichen nnsderPabst als allgemeiner Hirte der Kirche zeiget . Allein vielleicht ist dieses der wahre Sinn des Dantes nicht ; vielleicht hat er dasjenige sagen wollen , was ihm Rivetus zueignet . Wir wollen hieraus lernen , daß ein Schrift , steller , welcher vermeiden will , daß die zukünftigen Zeiten dasjenige , was er gesaget hat , nicht auf verschiedene widerwärtige Art auslegen len , fast eine unmögliche Sache wünschet . Wenn man die Streitigkeiten voraus sähe , die in drey oder vier hundert Jahren entstehen werden , so würde man sich auf eine viel deutlichere Art ausdrücken ; allein ich weis nicht , ob die Sprache« ? so viel Redensarten darbiethen würden , als no - thig wäre , die Zweydeutigkeiten zu heben , und den nichtswürdigen Zänke , reyen den Weg zu verlegen .
Man beobachte noch eine Sache , nämlich daß Dantes sowohl denen , welche sagen , daß er ein guter Katholike gewesen , als denen , welche sa - gen , daß er es nicht gewesen , Beweise an die Hand giebt . Der Urhe - ber des Avi5o a la bella Itaiia hat die letzter» gesainrnlet : Bellarmin hat die ersten gesammlet , und hat überdieß alle Stellen dieses Avifo , so gut als er gekonnt , vernichtet . Gretser Exam . Myitcrii Plcfiäeani , p . 46z . verweiser uns auf diesen Cardinal ; und dieß ist fast die ganze Antwort , die er aus die Stelle des MornäuS gegeben hat . In Dante , saget er . lue» , lentiflima teftimonia pro Pontificis Romani autoritäre , proqne omnibus illis capitibus , qnae Pleflkens et Illyricus attingunt , inue . ninnttir . Qua de re operae pretiura erit legere Bellarminuni in Ii - bello proprio contra Italum quendani calumniatorem , 'qui ex Dante potiffimum , Romani Pontificis maieftatem labefaöare nitebatur : A4 omnia enim profani hominis obiedta refpondit Iiluftriffimus Bellar - minus : Et cap . XIX . plurinia loca ex Dante producit , quae cum Plef - faei et IUyrici delirationibus non magis conlbnant , quam dies cum no6te , aether cum Tartaro .
( K ) iüc hat bey seiner Widerwärtigkeit ansehnliche Gönner gefunden , aber ihre Zuneigung nicht allezeit >« erhalten gewußt Z Ich finde einige Unordnung in den Erzählungen , welche seine Reisen nach seiner Verbannung betreffen . Einige Schriftsteller sagen , daß er , da er sich verbannt gesehen , in seiner Seele das Wachsthnm der Be - gierde nach Gelehrsamkeit empfunden , und daß er deswegen anfänglich liach Bononien und dann nach Paris gegangen , um sich daselbst aus die erhabensten Wissenschaften zn legen . Exfulem vbi fe vidit , tum vero magis incenfus eft studio liberalium Artium , ac Bononiae primwn dedit operam grauioribus feientiis , indeque I . utetiam Parifiorutn profecius eft . Dieses versichert Papyrius Masso Elogior . Tom . II . pag . 18 . Bullart bemerket insbesondere , daß er von Bononien nach Paris gegangen , um daselbst die Philosophie und die Grundsalze der Gonesgelahrtheit zu erlernen . Academie des Sciences , T . II . pag . 307 . Naude , Addit . ä l'Hiftoire de Louis XI , pag . 175 , 176 . giebt vor , es habe uns Boccaz in Schriften hinterlassen , daß Dantes , da er durch die Gewalt der schwarten und weißen Parteyen aus Florenz verjagt worden , ( er ist nur durch die Partey der Schwarzen daraus verjagt worden , ) nach Paris geflüchtet , und die Universität fleißig be - sucht habe , ( Libr . XV . Genealog , cap . VI . ) vbi faepißime adutrfus quoscumque circa quamatmqu : facultatcm volcntes refponfioniius nut fofetionibus oiiieere liifputans intrauit Gymnaßum : und er selbst machet großes U ? erk von einem Seguier , einem vortrefflichen Philosophen und Vernunftlehrer in dem 10 Gesänge seines pa , radiefts , welcher zu feiner seit in den großen Schulen auf der Straße Foucrres gelesen , und dessen L . ehre , wie er säget , nicht ohne Neid gewesen .
Quefti , ond' a ine ritorna il tu' rigardo E' il lume d'uno fpirto che'n penfieri Gravi ä morire , gli parv' efler tardo .
Efla e la luce eterna di Sitrgieri Che leggendo nel vico de Ii ftrami Sillogizzo invidiofi veri .
Zu erfahren , ob die Worte des Boecaz unumstößlich beweisen , daß unser Poet nach seiner Verbannung zu Paris studiert hat , so ist nöthig , das vorhergehende zu betrachten . Boccaz hatte gesaget , Fuit inter eine» fuos egregia nobilitate verendus : et quantumeumque tenues efl'ent illi fubltantiae , et a cura familiari , et poÜremo a longo exilio ange - retnr , feniper tarnen Phyficis atque Theologicis imbutus vacauit ftu - diis , et adhuc Iuliafatetur Pariiius , in eadem faepillime aduerfu» quoscunque , etc . De Geneal . Deor . Libr . XV , cap . VI . benm PapyriuS Masso Elogior . Tom . II . pag . 21z . Es ist klar , daß diese Stelle be - zeugt , es habe der verbannte Dantes in den Collegiis zu Paris allzuüber - mäßig disputirc . Nichts desto weniger kenne ich etliche Personen , die sich einbilden , es habe sich Boccaz in der Acic betrogen : sie können sich nicht üben - eden , daß Dantes , welcher einer von den vornehmsten Re - geiire» der Florentiner gewesen , und von einer ungemeinen Begierde angefeuert worden , feine Partey wieder herzustellen , sich eine Lust gemacht haben sollte , in einem Alter von mehr als z ; Jahren sich in den Schulen herum zu zanken . ( nach dem Buonanni , welcher seine Ge - burt ins 1 - 60 Jahre setzet , müßte er über q> Jahre gewesen seyn . Siehe seinen Discurs über den 21 Gesang von der Hölle 157 pe glauben also , daß er dieses zanksuchtige Gemüthe in den Schulen zu Parissehen lassen , da er noch ein junger Studente gewesen , und ehe er in den Rat ! ) der Achter befördert worden . Sie sagen , daß er des Brunettus Schü - ler zu Paris gewesen , und daß dieser Mann eher gestorben , als Dantes verbannt worden . Sie beweisen es durch den 10 Gesang von der Hölle . Dantes saget , daß er ihn in der Hölle gesunden ; allein er setzet voraus , daß seine Reise in die Holle im > ; oo Jahre geschehen , und er ist lich izoi verbannt worden . Es ist sicher , daß man darinnen findet , es sey unser Dantes der Schüler des verstorbenen Brunetto Latinu« gewesen .
Se fofle tutto pieno il mio domando
Rispos' io lui , voi non fai efte anchora Dell' humana natura pofto in bando ,
Che'n la mente m'e fitta , et hör m'accora La cara , buona imagins paterna Di voi , quando ncl mondo ad hora ad hora Mimoftravate , conie l'huom s'eterna ,
Et quant'io l'habbia in grado mentre vivo Convien , che nella mia lingua fi feerna .
Dante , Canto XV , del Inferno p m . 116 .
Allein

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