Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6471

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Daille .
„ hat er von seiner Arbeit zugleich mit Vergnügen und mit Nutzen aus - „ geruher . Und daselbst hat er nach den aller mühsamsten Beschäfftigun - „ gen seines Amtes Ruhe gesucht ; ich sage , auch von denjenigen , die im „ Studieren bestehen . Denn da ergetzte er sich mit Veränderung des Le - „ sens , und wenn er den Geist abgemattet fand , weil er allzuerhabene „ oder anziehende Materien gelesen und studiert hatte : so ergriff er einen „ oder den andern Schriftsteiler , welcher nicht so viel Nachdenken ersor - „ derte , und mit demselben «höhlte er sich auf eine angenehme Art ; er „ vermischte also das Ernsthaste mit dem Ergetzenden , damit er sich durch „ diese Abwechselung der Gerichte und Speisen , gleichsam bestandig bey „ der Lust erhalten wollte . Meines Erachtens kann man ihm auch oh - „ ne Schmeichelei ) das Lob geben , daß er einer von den Mannern seiner „ Zeit gewesen , der am meisten , und die meisten Gattungen von Bü - „ chern gelesen hatte ; nicht allein die von seiner Proseßion , sondern auch „ die , die am weitesten davon entfernt zu seyn geschienen . Es wird nie - „ manden schwer ankommen , sich davon zu überzeugen , wenn man be - „ trachtet , daß er sehr lange gelebt , und alle Minuten seines langen Le - „ bens wohl anzuwenden gewußt hat . Er ist sehr arbeitsam gewesen , „ und weil er sehr ftüh aufgestanden , wie er alle Tage gethan , so hat er „ durch dieses Mittel fünf bis sechs Stunden , bald mehr , bald weniger , „ für sich gehabt , welche von den ordentlichen Unruhen des Lebens ftey „ waren , und über welche er zum Besten seiner Srudierstube in Sicher - „ heit schalten können . Man darf sich also nicht verwundern , wenn er „ in so vielen Iahren , so vielen Vorrath anschaffen können ; denn er ist „ ein Mann gewesen , der sich alles zu Nutze gemacht , und kein einzi - „ ges Buch , so verächtlich es auch gewesen , gelesen hat , daraus er nicht „ Auszüge verfertiget , , , ( PliniuS hat eben dieses gethan . Nihil vn . quam legit , quod non excerperct , dicere etiam folebat , nulluni eile librum fam nialum , vt non aliqua ex parte prodeflet . Plin . Epift . V . Libr . III . ) „ für welche er ihren >platz zu finden nicht ermangelt , und „ sich derselben bey gelegener Zeit und Orte sehr wohl zu bedienen gewußt . » Abrege de la Vie de Daille , pag . 66 , 67 .
( H ) mit Erlaubniß einiger Splitterrichter , so ist fem Verfnd ) ein Meisterstück gewesen . ] Dieses findet man in einem Buche des Colomies . ( Bibl . Choifie , pag . ) Die Meinungen find wegen die - ses " Werkes , de Vfu Patrum , fiemlicb getheilt . Die ptesbyreri« , - ner machen einen großen Staat daraus ; und sie bischöflichen von England halten nicht viel davon . Da ich ehmals mir ei - nem gelehrten Manne von diesem Buche geredet , < der ino von dem Orden dieser leyrern ist , ) so Kat er mir gesägt , daß solches nach seinem Gutachten das geringste von den Lverken des Dal - laus wäre , und daß er erstaune , warum er , da er eine sehr wich - tige Belesenheit in den Vätern hatte , diese Belestnheit ; ur dunkelung des Verdienstes der alten Rirche angewendet . Scri , vener , ein englischer Gottesgelehrter , ist eben dieser Mymmg in seiner SchuNschrist für die Vater , wider denselben Dallaus . Man gebe wohl Acht , daß sich dieses Urtheil hauptsächlich auf den Nach - theil stützet , den dieses Werk dem Alterthume thun kann : man würde dieses nicht von einem Buche sagen , dessen Starke nur mittelmäßig wäre ; also sind die Tadler dieses Buches im Grunde seine Lobredner . Ich weis wohl , daß der englische Priester , Matthäus Scrivencr in Apologia pro S . Ecclefiae Patribus aduerfus Ioan . DaHaeum , >672 , zu London gedruckt , der wider dieses Werk geschrieben , vorgiebt , daß die Gründe des Dalläus nicht stark sind ; allein er behauptet sein Vorgeben schlecht : eS wäre nichts leichter , als seine Beurtheilung zu widerlegen . Allein wir wollen den Grund dieser Streitigkeit übergehen , und uns be - gnügen , zu bemerken , daß nach dem Bekenntnisse dieses Priesters , in sei - ner Vorrede , das Buch de Vfu Patrum , die Bewunderung der vre ? - byterianischen Partey gewesen ist . Dieß ist unter allen Werken Dalläus dasjenige , welches ein gelehrter Prediger in der Picardie am höchsten «ehalten hat . Wir wollen sehen , was er saget , wenn er den Verfasser ftlbst anredet . Licet quidquid operum hac\enus edidifti , vir Reue - rendc mihi plurhnum placuerif , tuaque omnia , cum Latint tum Gallice scripta , aequali plaufu ab eruditis , atque adeo a piis omni , bus , cxcepta fint , diffiteri tarnen non pofliim laborum tuorum pri - mitlas , Tra & atum nempe tmim de Patrum in decidendi ? de Rr / f - gione Controuerfiis Vfu , ine plurimum femper cepifie . Non foltim enim Opus iftud mira rerum leftu et feitu iueundiffimarum dignifli - marumque varietate refertum eft , verum etiam eloquentia orationis - que nitor cum rebus ipfis certant , tantaque eruditione et facundia argumentum illud pertraftafti , vt vix quiequam magis elaboratum erudito hoc feculo prodiifle videatur . loh . Mettayer , Epift . Dcdicat . Tra & atus de Vfu Patrum . Derjenige , der also redet , heißt Mettaner : er ist Prediger zu S . Quentin gewesen ; seine lateinische Uebersetzung von diesem Werke des Dalläus ist zu Genf im >656 Jahre gedruckt wor - den . Man giebt in dem Leben des Dalläns auf der 14 S . vor , daß ein gelehrter Engländer , Namens Thomas Smith , eben dieses Buch in sei - ne Muttersprache übersetzt hat : Mettaver saget es auch ; allein Scrive , ner in der Vorrede versickert , daß er die Unrichtigkeit dieser Sache durch tücktiae beugen wisse , und daß er von dem Smith sagen hören , eShabe ein aelehrter Mal " , zu Oxford , und nicht er . diese Uebersetzung gemacht ; und daß er Smith , das Werk widerleget haben wurde , wenn er es sei - ne« Zorns werth geschabt hätte . Sibi ahquando fiiifie in animo con - trario feripto Daliaeum refellere , fedrematuriusexpenfa nihil m Dal - laeano opere fua dignum opera repertum . Ebendas . Eine Sache , die man nicht leugnen kann , ist , daß sich eine Vorrede unter Smiths Na - men vor der englischen Uebersetzung findet , die '65 , gedruckt worden . Cottiby Replique a Mr . Daille , 245 0 . machet eine Anmerkung wider das Buch von dem Gebrauche der Väter , welche der Urheber zu unter - suchen nicht gewürdiqer hat . Man sehe die Gegenantwort des Dalläus jm XI Cap . des III Theils auf der 209 S . bey mir .
Hier ist mehr , als zur Rechtfertigung nöthig ist , daß das eiste Bück , womit Dallaus die Welt beschenket hat , für ein sehr gutes Buch , und für eines von seinen besten Büchern gehalten worden . Bey dieser Ge - legenhcit erinnere ich mich eines Grundsatzes , welchen ein ernsthafter Schriftsteller vor einigen Jahren zum Beweise vorgebracht : daß die Warnung an die Geflüchteten das Werk eines Seribenten wäre , der schon verschiedene Werke verfertiget hätte . Sein in einen Grundsatz gebrachter Beweis , läuft dahinaus : LLin jedes Buch , das wohl ge - schrieben und gut eingekleidet ist , ist wenigstens die dritte oder vierte Geburt seines Urhebers . Dieser Grundsatz ist falsch ; allein .
wenn man ihn in einen Beweis eines Staatsverbrechens verwandeln
will ; so verdienet man noch weit lächerlicher gemacht zu werden , als der Schriftsteller , von dem ich geredet habe , in der erdichteten Cabale lä - cherlich gemacht worden ist . Dalläus und sein Buch de Vfu Patrum , sind unter andern Beyspielen zum Beweise angeführet worden , daß das erste Buch , welches jemand heraus giebt , zuweilen ein höchst vollkomme - nes Werk ist .
dl ) Er würde dem Bischöfe Bossuet den Grundsatz von der - Historie der Veränderungen nicht bestritten Habens Hier ist der Grundsatz , davon ich rede : Die katholische XVahrheit , die von Gott gekommen ist , har gleich vom Anfange ihre Vollkommenheit : allein die Renerey , eine schwache Geburt des menschlichenVer - stände« , kann nicht anders entstehen , als durch übel jufammi« gelesene Stücke . Der Urheber der Pastoralbriefe ( siehe den vom > ; des Wintcrmonats >688 . ) hat vorgegeben , daß dieses als ein Heide schließen heißt , als wie der größte Feind des christlichen Glau , bens thun konnte , und daß dieses Sachen voraussetzen hieße , welche von Niemanden , als dem «llerunwissendsien unter allen Menschen vorgebracht werden konnten ; so daß man Lust bekömmt , zu glauben , es müsse der Bischof Bossuet die Schriften der Vater von den ersten vier Jahrhunderten mit keinem Äuge angesehen haben ; weil es sonst nicht möglich wäre , daß ein gelehrter Mann ein Merk - maal von einer so tiefen Unwissenheit geben konnte . Es ist eine Schrift unter dem Titel , Antwort eines Ncubekehrcen auf den Brief eines Geflüchteten , statt des Zusatzes zu dem Buche des Dio - nysius SamarrhanuS , zu Ende des 1688 Jahres erschienen , worinnen man auf der 9 0 . bemerket , daß diese Schimpfworte nicht weniger auf den Dalläus , als auf den Bischof Bossuet , fallen , welcher seinen Grundsat ; von den ersten seilen eines von den besten Werken des Dallaus abgeschrieben yu haben scheint . In der That setzet dieser resormirce " Prediger zu Anfange seiner Gegenantwort an den P . Adam den Grundsatz des Bischofs Bossuet voraus . Mali sehe die Anr - wort der gefangenen Gläubigen in Babel , auf das Pastoralschrei - be» vom 1 des WintermonatS 1604 . Man wird darinnen auf der ; S . die Worte des Dalläus und die Erklärung finden , welche die Gläubigen machen , die sich an diesen Grundsatz , ungeachtet der Lästerungen von dem Urheber der Pastoralschreiben halten . Diese Antwort ist zu Orleans den >5Jenner 1695 unterschrieben .
( K ) Die Folgen des Streites zwischen ihm und demMaresius sind nicht lang gewesen . ^ „ Die Jrruiig zwischen dem MaresiuS „ und dem Verfahr der Schntzschrist ist gar bald erloschen . Und weil „ sie bis dahin allezeit , als gute Freunde , gelebt haben , so hat man keine „ große Mühe gebraucht , sie wieder zu versöhnen : der Vergleich ist nach . . diesem durch ihre Unterredung in dem Pallaste von Turenne bestätiget „ worden , wo sie einander brüderlich umarmet , und bey einer Reise Wech - „ selsweise besucht haben , die MaresiuS nach Paris zu thun Gelegenheit , hacre . „ Leben des Dalläus - 6 S .
( L ) Die Xvelr hat , ich weis nicht wie viel , kleine Abendtheuer erfahren , die dem Nachruhme des Dalläus nachrheilig sind . Z Man lese die Vorbereitung des MaresiuS ; man wird darinnen eine lange Folge von Kunstgriffen finden , deren sich DalläuS bedienet hat , um sich wegen des Druckes seines Buches weiß zu brennen . Der wal - ionische Synodus hat einen großen Lärmen wider dieses Buch gemacht , und seine Klagen darüber an den Synodus in Jle de France ben . Er hat erklärt , daß der Titel dieses Buches bis nach der Heraus« gäbe bezüglicher weise Hinterhalten worden : daß dieser Titel schimpflich und ärgerlich wäre ; daß die wallonischen Kirchen ungemein dadurch ge - ärgert worden ; daß sie glaubten , eS würden sich die Kirchen in Frank , reich noch mehr daran ärgern ; daß die Ehre des Dalläus dadurch au - genscheinlick befleckt worden , weil man diesen Titel wider seine Absicht , an sein Bach angeflickt hätte . Dieß hat gezeigt , daß Dalläus nach Holland geschrieben oder schreiben lassen , es sey der Titel seines Buches nicht von ihm , und daß er ihn misbillige . Unterdessen erklaret die Ant - wort , welche der Synodus in Jle de France dem wallonischen Synodo gegeben , daß der Titel bis auf Spanheims Namen , der Titel der Ur - fchrift von dem Dalläus wäre , und daß Dallaus der Versammlung durch die Erlauterungen die er überdies ? Dinge gegeben , ein vollkomme - lies Gegnügm gethan . Vos feitis , Domini honoratifllmi fratres , id fädhim absque eins confenfu ipfoque infeio , et praeter id quod ipfi praeferibitis in veftra ad nos Epiftola , ita fe explicauit in hoc coetu , vt plene nobis fatisfachim fuerit . Maref . Prolog . Epieril " . Theolog . Ausgabe von 1658 in > ? . Dieß beißt so wohl deii Synodus in Jle de France , als den wallonischen Synodus , ossenbarlich verspotten ; den» , die Ursache des Aergernisses ist nicht gewesen , daß man Spanheims Na - men auf den Titel gesefet , sondern daß man das Werk betitelt hatte , Schulzschrift für die Synoden ju Alenson und Charenton . Der Brief des wallonischen Synodigiebt es ossenbarlich zu erkennen . 'Also ist es Dalläus gewesen , der die Aufsicht bey dem Synodo in Jle de France gehabt , und die Antwort nach seiner Phantasie einrichten lassen , ( in nuperis litteris fuae Synodi Prouincialis , cui praefiiit , quas curauit fabricari pro fuo lubitu . Ebendas . ) welcher die zween Synoden hinter - gangen hat . Dallaeum hac in parte fuae Synodo impofuiße , idque paruin et prudenter et pudenter , Iuce meridiana clarius poflim de - monftrare , non adoptando priorem partem tituli , altera» , omnino fuam facit : qui enim , etc . Wenn man zu seiner Eurschuldiqung , in Ansehung des Titels , sich falscher Ausflüchte bedienet , so hat maii sich der« selben noch mehr zur Entschuldigung , in Ansehung des Druckes , bedienet . Maresius rechtfertiget klärlich , daß die Entschuldigungen des Dallaus , des Blondels und das übrige , mit einander verglichen , einander umwer - fen , und daß man mit einem Worte zur Beschönigung einer Lügen viel andere thun müssen . Ich behaupte , daß dieses dem Nachrühme eines großen Mannes Nachtheil bringt ; denn unzählige Leute , und lich an den äußersten Grenzen des Königreichs , kennen diese Herren von Charenton nicht anders , als durch ihre andächtigen Werke und Reli - gionsstreitfchriftc» . Sie bilden sich ein . daß sie wahre Ebenbilder der Apostel sind , die sich um nichts von der Welt einiger Kunstgriffe und Verstellungen bedienen würden . Wenn man ihnen also einen Dalläns zeiget , der zween Synoden auf einmal bekriegt ; der nach seinem Gut - befinden in einem Synodo , dabey er Aufseher ist , Briefe aussetzen läßt , der Ausflüchte über Ausflüchte häufet , die wider seine Aufführung ein - gebrachten Klagen zu vernichten : so raubet man ihnen einen guten The , l
der

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