Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6418

»44
Crito .
Alcibiades , auf der 209 © . E . eine Elegie des Critias , des Calläschrus Sohne , an , in welcher der Verfertiger den Alcibiades angeredet hat : ist es denn nicht offenbar , daß Critiaö , der Tyrann , der Dichter der gien , und des Calläschrus Sohn eine einzige Person find ? Dem Voßius ist es nicht allezeit unbekannt gewesen ; denn er hat in seinen griechi - sehen Geschichtschreibern , auf der 348 S . erkannt , daß der Critias , von welchem Plutarch im Leben des Alcibiades , Verse anführet , des Cal - läfchrus Sohn ist . Wir lesen auch im Athenäus , daß Critias , des Calläschrus Sohn , etliche Elegien gemacht hat . Was den Critias , den Verfasser eines Tractats von der Republik Lacedämon , betrifft , so Härte Voßius ebendaselbst »licht glauben , ( Puto et eundem Critiam efle , jus Plutarchus xnentionem facit in Lycurgo . ) sondern wissen sollen , daß er es ist , den Plutarch auf der 45 S . in dem Leben des Lykurgus anzieht . Dieses zu betveisen , ist genug , wenn man saget : daß Athenaus , wenn er eben dieselbe Sache erzählet , deren Plutarch gedenket , statt seines Bürgen , den Critias , den Verfasser von der Abhandlung von der Republik der Lacedämonier , anführet . Voßius entscheidet , dieser Critias sey nicht des Calläschrus Sohn : er giebt keine Ursachen an , und dieses machet , daß , ob ich gleich nicht bekräftigen wollte , daß er Unrecht habe , ich auch nicht Bürge dafür h ? tm möchte , daß er die Wahrheit gesager habe . Es könnte seyn , daß eben derselbe Critias , der ein Schüler des Sokrares und einer von den dreyßig Tyrannen gewesen , der Welt zeigen wollen , daß er zu glei - cher Zeit ein Poet , Redner und Geschichtschreiber wäre . Er hat Reden hinterlassen ; Cicero und Dionysius von Halikarnaß hatten sie gelesen .
Er hatte Gedichte hinterlassen ; Plutarch und Athenäus , im XI D . auf der 463 S führen sie an : warum sollte er Mchc auch einen Tractat von der Republik Lacedämon verfertiget haben können ? Ich finde , daß Athenäus eine Stelle aus den Elegien des Critias anführet , wo von den verschiedenen Arten geredet wird , wie man bey den Gastgebo - then getrunken hat . Critias halt sich weitläufrig bey dem Lobe der Ge - wohnheit auf . die man in diesem Stücke zu Lacedämon beobachtet hat .
Man bat ans niemands Gesundheit getrunken ; man hat nicht nach der Reihe herum getrunken ; man hat nichts Uebermäßiges dabey begangen ; man hat eine gewisse Mittelstraße beobachtet , welche das kriegerische
Crito . Diesen Rainen haben verschiedene alte Schriftsteller geführet . Ich will dasjenige nicht wiederholen , was Mo - reri davon gesaget hat ; ich will mich hier begnügen , einige Fehler desselben zu verbessern ( A ) .
Gemüthe aufgemuntert und die Lebhaftigkeit der Unterredungen unter , halten hat , und welche , mit einem Worte , dem Körper und Gemüthe Gutes gethan , sehr geschickt zu den LiebeSwerken gemacht , und einen gu - ten Schlaf befordert hat :
Oi AcmiSxiiuvtov Si xogot ffvVCi «rSrov ,
Site ToiaSm $i sro'ffi ; cüfixrl r «


Tmw ri , xriitu re xzAü ; «' { igy A'lpf «S / t« ,
ITfi« 6 * Stvov Zfnotui , tov k«fi«r«v Alfitox .
Lacedaemonii iuuenes cousquc bibunt ,
Vt ad capiendum feutum alacres totum animum vertant : Linguain vero ad hilaritatem , modeftumque rifum ;
Ea nimirum potatio corpori vtilis eft ,
Ac nienti : iuuatque muitum ad Veneris opus ,
Nec parum ad fomnum confert , qui laborum portus eft .
Ebenda , ' . X B . IX Cap . qz - S .
Ich bemerke auch , daß dieser Schriftsteller das Werk des Critias , über die Republik Lacedämon , im XI B . III Cap . 46z S . anführet , um die verschiedenen Arten zu trinken zn zeigen : und es befindet sich , daß ser Critias ebendasselbe beobachtet , was ich bereits angeführet habe ; nämlich , daß die Lacedämonier einander keine Gesundheiten zugebracht haben . ( Voßius bat geglaubet , daß Athenäus dieses Buch nur zwev - - mal anführet . Ich finde es dreymal angeführt . Harpokration führet es unter dem Worte Avxim>yZ ( an . ) Dies ! ist viel geschickter > zu be - weisen , daß hier nur ein Critias ist , als zu bekräftigen , daß derselben zweene sind . Man merke , daß Julius Pollnx , welcher den Critias , ne Benennung eines Buches , unzählige mal angeführet hat , einmal die Atalante , Kfnixf Ii iv ÄTaAanrif , Libr . VII . cap . X . und einmal den Tractat von den Republiken , anqeführet hat . n«f« k ? ( A ) Ick will Mick hier begnügen , einige Fehler desselben 5U verbessern . ^ I . Hat Crito , der Athenienser , zwar in der 94 Olympias , aber nicht im 150 Jahre Roms gelebet ; er hätte das z ; o Jahr sehen sollen . II . Ist er einer , ich gebe es zu , von den Schülern des Sokra - te« gewesen : allein es ist falsch , daß uns Dioqenee LaertiuS solches leh - ret ; und gleichwohl ist dieß der einzige Schriftsteller , den Moreri an - zeigt : er hätte den Xenophon , de Fachs et Diftis Socratis , Libr . I . pag . m . 418 . anfuhren sollen . Man sehe auch den Suidas in K * fr«v . Ich werde solcl>es zn Ende dieser Anmerkung erläutern . III . Hat Cri - to keinen Sohn gehabt , der den Nainen Cbesippus geführet : es sollte Cresippus beißen . IV . Hat Crito , der Arzt , keine Runs ? ver - Hof - lickkeir gelehret , da Galenus saget : daß man ihn cnrscknlSizen müsse , weil Crito die Ar^ne / kuns ? bey Ronigen und Damen ge , über . Sollte man nicht sagen : daß dieser Arzt Bücher verfertiget bätte . nicht von der Höflichkeit für Kinder , sondern von der Höflichkeit für vollkommene Menschen , ja gar von einer erhabener» Hofli^keit , als des Galataus seine , von dem Monsignor de la Casa ist ? Sollte man nicht saqen : daß er der Ritter von Mere seiner Zeit gewesen wäre , und daß er Traetate von dem zärtlichen Geschmacke Herausaegeben . die ihren Titel weil mehr verdienten , als die Schudichnft deßP . Bonhom'swi - der den Cleanthes ? Unterdessen hat er nichts von diesem allen getban , er hat sich begnüget , diesen Theil der Arzneywissenschaft zu lehren , den man die Losmetik nennet . Dieß ist derjenige , welcher die Häßlichkeit l>nd andere Gebrechen des Leibes zn bestreiten unternimmt , welche ver - mögend sind , bey verheiratheten Leuten einen Ekel gegen einander zu er - werten . Dieser Theil der Arzneyknnst ist nicht allzusehr ausgebessert : allen , man giebt vor , daß er von großem Nutzen . auch was das Heil der Seele betrifft , feyn könnte , weil man dadurch den Ehbrüchen zuvor kä - me . Ad niedicinam etiain pertinet Cofmetice : quae ars non de - bet reprehendi , fi quis rede vtatur . Nain et mariti quandoque Ie - uibus vxorum vitiis oftenfi amoretn ad concubinas , vel etiam niere - trices , imo et alienas vxores applicant . Quandoque et homines lle natos inque honore conftitutos pudet cum eiusmodi vitiis in blicum prodirc . ltaque nec Galenus dubitauit in Arte fua tradere comphira , quae ad artem xo^niojv pertinent : vt de iis quae pul . cruin vultui colorem concilient ; quae maculas , feabritiem , aut rugas tollant ; quae capillis colorem mutent ; quae dentes albos reddant . Volfius , de Philofophia , cap . IX . p . 74 . Die Aerzte UN - terfcheiden diesen Theil gemeiniglich von derjenigen ehrbaren Kunst , wel - che die Schminke und alle die schönen Spezereyen darbiethet , die Ovi - dius tu seinem Gedichte , de Medicamine Faciei , wenn er anders der Urheber davon ist , ausgekramet hat . Man hat sich in dem holländi , sehen Moreri bemühet . diesen Schnitzer zu verbessern ; allein man hat darinnen nicht glücklich seyn können , weil man ihn nicht für so plump gehalten , als er ist . Er hat seine Runs ? mit dersenigen - Hoflick - reit gelehrer , welche man , wie Galenus saget , entsckulvigen muß , u . s . w Dieß ist die Verbesserung der Stelle des Moreri : al - lein es ist gewiß , daß sie nichts tauger . und dieses ist wohl zu entschul - digen ; denn wer hätte sich einbilden können , daß , da man drey Zeilen darauf findet , es fey Crito der Erfinder der Cosmetik genasen , man bey ihm die Cosmetik und Höflichkeit nicht unterscheiden müsse . Der Schni - der des Moreri zeiget sich nicht eher in seinem ganzen Umfange , als bis man den Urheber untersuchet , den er abgeschrieben hat . Dieß ist Vos - sius . Dem , hier ist es , was man im Voßius findet : Hie Crito do -
cuit artem x» fiue comtoriam vel exornatoriam : qua in re , vt Galenus ait , veniam meretur , quia apud reges et reginas nam faceret . Voflius , de Philof . cap . XI . p . 86 . 87 . ES ist auS die - sen Worten augenscheinlich , daß die vorgegebene Kunst der Höflichkeit , welche Galenus entschuldiget haben wollen , nichts anders , als die CoS -
metik gewesen . Ohne Zweifel hatte Moreri in etwan einem Buche lesen , daß Crito artem poliendi einem gelehret , die Kunst , die Haut gelinde zu machen , die Flecken wegzunehmen , 11 d m . Er hat auf cutem nicht Acht gegeben , und aus dem Uebrigen hat er die vorgegebene Kunst der Höflichkeit gemacht . Allein , hätte ihn denn VoßiuS , sein beständiger Wegweiser , sein beständiges Orakel , hier nicht leicht wieder zu Rechte bringen können ? V , Heißt dieß den Voßius nicht wohl dolmetschen , wenn man versickert , daß GalenuS ein genaues Verzeichniß der Werke deS Crito gemacht hat . Jiyaxe der der Cosmetik gewesen : so ist dieses ein übles Vorgeben . Es ist ein entsetzlicher Unterschied unter einem Arzte , der seinen meisten Fleiß auf einen gewissen Theil der Arznevkunst leget , und unter einem Arzte , welcher der erste Erfinder dieses TheilS ist . Crito , welcher Hof - arzt war , und sah , daß Prinzen und Prinzeßinnen , eben so begierig wünschten , von einer Röthe , oder von Finnen , und überhaupt von al - len Mängeln der Haut befteyet , als von einer Krankheit gebeilet seyn , so hat er sich völlig aus die Cosmetik geleget . Dieß heißt nicht , daß vor ihm niemand von derselben gehandelt hatte . VII . Endlich be - schreibt Moreri die CoSmetik sehr übel . Sie ist , saget er , die Runs ? , roelcke für die Sckonheit und Zierrathen des Rorprrs sorget . Nach dieser Erklärung , begriff die Cosmetik , die Kunst sich aufzusetzen , einen Anzugzuerwählen , Edelgesteine zusammenzusetzen , und mit einem Worte , allen Fleiß der Frauenspersonen , die eine Verlobte an ihrem Hochzeittage ankleiden : aliein dieß ist grund falsch .
Wir wollen sehen , ob ich bey dem andern Puncte dieser Beurtheilung Recht gehabt habe . Man hat mir eingewandt , ( siehe den Moreri von Holland , II Band , - 9 ? S - Ausgabe von 1698 . ) daß Diogenes Laertius , da er von der Zuneigung des Crito , gegen den Sokrares , redet , und ihn unter die Zahl der Sokratiker ♦feilet , dasjenige deutlich genug sage , was ihm Moreri zueignet . Ich antworte : daß die Schü - ler eines Philosophen nicht die einzigen sind , die ihm viel Freundschaft bezeigen können ; und daß also dasjenige , was Diogenes Laertius von der Zuneigung des Criro , gegen den Sokrares , erzählet , kein Be - weis ist , der dem Moreri Vorschub thut . Ick füge dazu , daß er zwi - schen den Sokrates und Crito etliche Philosophen gesetzt , die weder Schüler , noch Anhänger des Sokrates gewesen , und folglich kann man nicht schließen , daß er den Criro unter die Zahl der Sokratiker ge - ' selzer har : man kann es , sage ich , aus der Stelle nicht schließen , die er in seinem II B . angegeben hat . Vielmehr beobachtet er aiiSdrück - lich , ^ daß Critons Söhne des Sokrates Schüler gewesen , oincuUt 2i uvtü SiqKüam zaixfZTuc , ipfius liberi Socratis auditores fuere . Diog . Laert . Libr . II . num . l - l . Da er nichts dergleichen vom Crito sager , so ist es ganz natürlich , zu glauben , daß er uns die Sache nickt berich - ten wollen , weswegen man ihn im Moreri angeführet hat . Man merke auch , daß Plaw den Sokrares einführet , wie er saget : daß Crito so alt , als er , wäre , und der Vater des Critobulus , ein Schüler von ihm , dem Sokrates , gewesen . Plato in Apolog . Socratis , p . m . 26 . Alle Arten der Ursachen haben niemals erfordert , daß dieser Philosoph so wohl den Vater , als den Sohn , unter die Anzahl seiner Schüler ge - setzet ; und gleichwohl leget er diesen Titel nur dem Sohne bey . Un - terdessen bin ich einig , daß Plaro an andern Orten sehr deutlich zu er - kennen giebt , daß Crito unter die Zahl von Sokrates Sckülmi gereck - net werden müsse . Dieß geschieht nicht in dem Gespräche , phg - drus betitelt ; es geschieht hauptsächlich in dem Gespräche , phadon betitelt .
Entl ) , ( George ) ein Schottländer , ist Professor der griechischen Sprache , in dem königl . Collegio zu Paris , gewesen . Er ist ein sehr guter Papiste gewesen ( A ) . Er hatte sich mit der Tochter eines ^»chottlanders , Raths bey dem Landgerichte zu
' PoitierS ,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.