Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6407

Critias .
cken zuschreiben , welche Gott selbst dem Geiste des Menschen mitgethei - let har , finden keine anständigere und scheinbarere Meynung , als daß sie sagen : es hätten diejenigen , welche gern über die andern Menschen herrschen wollen , die Religion erfunden , um das Volk desto leichter un - ter dem Joche zu erhalten . Die Historie biethet tausend und aber tau - send Beyspiele des Nutzens dar , welchen die Fürsten aus dem Aberglau - ben der Völker gezogen haben , es sey nun , daß man dieselben anfrischen , oder furchtsam machen müssen : ein delphisches Orakel , eine Antwort der Auguren , die Erklärung eines Wunders , sind bey tausend Gelegenhei - ten zu den Absichten der regierenden Häupter von großem Nutzen ge - wesen . Und ob man gleich durch eben dieselben Maschinen die Völker auch zum Aufrühre bringen kann , ( siehe oben die Anmerkung ( B ) , bey dem Artikel Abdas , ) so ist eS doch wahrscheinlich , baß , wie man nicht alle Beschwerlichkeiten zuvor sieht , die eine Erfindung hervorbringen kann , die geschickten und verständigen Regenten eine Religion erdacht ha - ben würden , wenn sie nicht bereits eine völlig eingeführte gefunden hät - ten . WaS will also Petit sagen , wenn er voraussetzet , daß EuripideS , den Tyrannen , und sonderlich dem Archelaus , Könige von Makedonien , eine Schmeichele ? zu erweisen , auf der Schaubühne eine lange Rolle habe hersagen lassen , in der Absicht , die Religion zu vernichten ? Ist wohl etwas geschickter , dieselbe zu Grunde zu richten , als wenn man die Völker überredet , daß sie bloß erfunden worden , zum Schreckbilde zu dienen , und daß es im Grunde ein Hirngefpinnste ist , vorzugeben : daß Donner , Schlössen und Ungewltter Zuchtruthen wären , deren sich Gott wider die Sünde bedienet ? Petit har sich selbst so augenscheinlich wi - verleget , daß man sich darüber verwundern muß : Die Tyrannen , get er , ( cum enim neque Religionis refpechim habeant , ick tarnen modis omnibns ftuckent , vt quibus imperant populi , religioni ma - xime pareant . Ebendas . 7 S ) spotten der Religion , sie haben nicht die geringste Hochachtung gegen dieselbe ; allein gleichwohl bedienen sie sich aller »sinnlichen Mittel , ihre Unterthai , en anzuhalten , der Religion zu gehorchen : und folglich muß man ihm antworten : daß Euripides seine Schmeicheley bey den Tyrannen sehr übel angebracht haben würde , wenn er eine so gottlose Lehrverfassung auf der Schaubühne hätte vorbringen lassen , als diejenige ist , welche Sextus Empiricus und Plutarch ange - führet haben .
Nach meinem Bedünken , hat Petit einen von denen Gründen »er - Hessen , welche am besten beweisen , daß Euripides , und nicht Critias , auf diese Art gelehret hat . Er hätte anführen sollen , daß es dem Euripides ganz gewöhnlich sey , Personen auf die Schaubühne zu stellen , die Gott - losigkeiten vorbringen . Sein Bellerophon lästert auf die verwegenste Art von der Welt , wider die göttliche Vorsehung , und beschließt , in Ansehung der Unordnungen und beständigen Unterdrückung der Un - schuld , die man auf der Welt sieht , sie zu leugnen . ( S . die Anmerkung ( AA ) , zu dem Artikel Euripides , ungleichen La Mothe le Bayer , XII Band , CXXXV Brief , 220 Seite , und den Athenagoras , in gat . pro Chriftian . p . m . 28 . und den Clemens von Alexandrien , in Admonit . ad Gentes , p . so . ) Ich beschließe diese Anmerkung , wenn ich gesaget , daß Petit eine lange Stelle des Seneea angeführet hat , welche beweist , daß dieser Philosoph dasjenige nur für einen gottseligen Betrug gehalten , was die Alten von den Donnerkeilen Jupiters gesa - gel haben . Quid tarn imperitum eft , quam credere fulmina e nn - Dibus Ionem mittere . . . . vt itnpunitis facrilegis , percuflis Ollibus , incenfis aris , pecudes innoxias feriat . - - - Si quae - ris a ine , quid fentiam , non exiftitno tarn hebetes fuifle , vt cre - derent Iouem , aut non aequae voluntatis , aut ccrte minus para - tum esse . Vtrum enim cum emifit ignes , quibus innoxia capita percuteret , fcelerata tranfiret , aut noluit iuftius mittere , aut non fucceflit ? Quid ergo fecuti funt , cum hoc dicerent ? ad coercen - dos animos imperitorum fapientiflimi viri iudicauerunt , ineuitabi - iein metum , vt fupra nos aliquid timeremus . Vtile erat in tanta audacia fcelerum , aliquid esse , aduerfuin quod nemo fibi fatis po - tens videretig * . Ad conterrendos itaque eos , quibus innocentia nifi nietu non placet , pofuere fuper caput vindicem et quidem arma - tum . Seneea , Natur . Quaeft . Libr . II . cap . XL II . Man merke , daß Seneea nicht leugnet , daß Jupiter seine Donnerstralen nicht losschieße , wenn man durch den Juviter , die Seele der Welt , versteht , welche alles hervorgebracht , welche alles regieret und einrichtet , welche man das Schicksal , die Vorsehung , die Nacur , die Welt nennen kann , und welche , eigentlich zu reden , nichts anders , als das Weltgebäude selbst ist . Iple enim eft totum quod vides , totus fuis partibus indi . tus , et fe fuftinens vi fua . Ebendas . XLV Cap . Die Spinosisten würden sich leichtlich zu diesen Gedanken bequenieu . Wein , man den Seneea fraget : warum Jupiter dasjenige trifft , was er schonen sollte , und dasjenige schonet , was er treffen sollte : so verlanget er Zeit , sich zur Antwort vorzubereiten . At quare Iupiter aut ferienda tranfit , aut innoxia ferit ? In maiorem ine quaeftionem vocas , cui fuus locus , fuus dies dandus eft . Ebendas . XLVI Cap . *
* Dieses ist diejenige Schwierigkeit , die bey ben Alten am mei - sten wider die Vorsehung gemacher worden . Lucian hat so wohl in seinem Timon . diesen Menschenfeind solche Zweifel und Läste - rungen wider den Jupiter machen lassen ; als in dem tragischen Jupiter , diesen Gott selbst so redend eingesühret , daß er sich vor dem Streite zweener Weltweisen in Athen , von der Vorsehung , fürchtet , wie derselbe ablaufen werde . In dem ersten heißt es nach des Erasmus Uebersetzung : Vbi tibi nunc magnicrepum fuL gur , grauifremum tonitru ? Vbi ardens , candens ac terrifi - cum fulmen ? Nam haec omnia iam palam apparet , nugas esse fumumque poeticum , nec oinnino quidquain praeter nomi - num ftrepitum . Sed decantata illa tua arina eminus ferientia nefcio , quomodo penitus exftinöa funt , fri -
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expromtaqi
gentqueadeo , vt ne minimani quidem fcintilJulam iracundiae aduerfus nocentes rehquatn obtineant . Itaque cititis quiuis ex his , qui peieraturi funt , exftindhim ellychnium metuerit , quam flanuuani fulminis cuncta necamis r etc . etc . Siehe Opp . Lu - ciani Edit . Bafil . 1563 . p . 86 . 87 - Tom . I . In der andern Stelle aber , 1^ . IH . I . c . p . 394 . feq . Jupiter : O murrmir ingens fulminis magnicrepi , quid vtilitatis addis aut alfers mihi ? - - - In extremum diferimen res noftrae perduftae , o Iu - no . - . , vt aut kolamurampliusoblatis in terra facrisfruentes , ai_it negledhii demur ab oinnibus habifi contemtui . ac nullius mo - II Sand .
menti efle videamnr . . - - Timocles ille Stoicus , olu - no , et Damis Epicureus , heri nefcio quo initio , in eam dela - pfi difputationem de prouidentia dideruerimt , in magna proba - torum hominum frequentia , et celebritate populari , id quod omnium maxime me conturbauit . Ac Damis quidem neque Deosesse , ncque amnino eorum , quae fierent , curam vilain habere , aut ca ordine gubernare , impudenter affinnare non verebatur : cetefuin optimus ille Timocles noftras partes omni ftudio tueri conabatur . etc . etc . Lucretius hat ebenfalls in seinen Büchern , de I^at . Rer . an verschiedenen Orten solche Schwierig - fetten gemacht : allein zu geschweige« , daß Plurarchus , de fera Nunünis vindifta , <0 . T . II . Opp . p . 176 . Ed . Francof . ' * 92 . in 8 . und Cicero an verschiedenen Orren seiner philosophischen Schriften sehr wohl darauf geantwortet ; so haben so gar verschie - dene Poeten die Verteidigung der guten Sache übernommen . Ich will nicht des Horatianischen :
Parcus Deorum Cultor et infrequens etc . gedenken : ich will auch nicht Juvenals Beschreibung vom Falle Sejans erwähnen , Ich will nur das Gedichte Claudians anfüi , - ren , wo er das Glück und den Fall Ruffins abgeschildert hat . Er hebt an , seinen Zweifel vorzutragen :
Saepe mihi dubiara traxit fententia mentem ,
Curaient Superi terras , an nullus inesset Re & or , et incerto fluerent mprtalia cafu ?
Nachdem er dieses mm weitläuftiger ausgeführet , so zeiget er end - lich , daß ihm der Fall dieses glücklichen Do , ewichts alle seine fel gehoben habe .
Abftulit hunc tandem Ruflini poena tumultum , Abfoluitque Deos . Iam non ad culmina rerum Iniuftos creiiifle queror : tolluntur in altum Vt lapfu grauiorc ruant .
Man lese hier nach , was Cudworth in 8 / ft . Intell . T . I . cap . II . § . XVII . und T . II . C . V . Setft . V . p . nöj . fequ . nach des Herrn AbtS Mosheims Uebersetzung , geschrieben hat . G .
<$ ) - , ! ( £ . e Fevre har es nicht gcwufir . Z Er bezeuget es vffenbarlich in seiner Note über diese Worte PlurarchS : tPic viel besser würde es für die vonCartbago gewesen feyn , wenn sie ju ihren ersten Gesetzgebern einen Crnias und Diagoras gehabt harren , welche weder Gott noch ©eistet geglaubtt , als daß sie dem Saturn»» Opftr gebracht , wie sie gerban haben i Ich be mich seiner Uebersetzung bedienet ; hier ist das Griechische : t ! Si
«x Kfin'av MÖiffc , 1 ) Aiayc'fav »»fioSsrip ccn
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%cv . Nonne vtilius erat Carthaginenfibus iam inde ab initio Cri - tia vel Diagora ad condendas leges adhibito , decernere , nulluni efle Detiin , nullum geniuin : quam talia facra facere , qualibus illi Sa turno operabantur . Plut . de Superftit . zu Ende , 171 Seite , Dieß ist seine Note : . . Ich weis wohl , daß Critias ein hitziger , wüthender und ^ungerechter Mann , kurz , der allergrausamste linier den z ? Tyrannen „ gewesen . Allein , hier ist die Frage von einem Philosophen und von „ keinem Tyrannen . f Dieserwegen glaube ich , daß man anstatt Critias , „ Theodorus lesen müsse , der ehmals einer von den berufensten Gottes , „ lengnern Griechenlandes gewesen ist . Man wird mir einwenden , daß „ unter den beyden Worten , und , fast nicht die geringste
„ Aehnlichkeit ist , was die Buchstaben bettifft , daraus sie zusammengeieht „ sind ; allein man muß sich erinnern : daß die griechischen Abschreiber , . die Worte , die sich mir Seo angefangen , gemeiniglich abgekürzt , so ; daß „ sie eäufot mit einem kleinen Strichelchen über dem « gejchriel'en . , . Dem sey , wie ihm wolle , so ist Critias ein Fehler . Hier ist der Machtspruch , welcher diesem Kunstriä ) ker nicht entwischet semi wurde , wenn er dasjenige gewußt hätte , was sich , den Critias betreffend , bey dem SexruS EmpirieuS findet . Der Kirchenvater , Theophilus , au den Zlurolveus , im II B . auf der 121 S . bey mir , har diesen Critias unter die Zahl der Gottesleugner gesetzer .
( K ) JTJoreri hat wenig Hiebt bey diesem Artikel gehabt . ] I . Hatte er nicht von einer einigen Elegie des Critias reden sollen , weil sich Plutarch und Athenäus der vielfältigen Zahl bedienet haben . II . Würde man nicht gesaget haben : daß Sertus , der Vbi - losoph , ein schönes Stück von ihn , angefübret harre , wenn man gewußt , daß dieses mangelhafte Stück eine abscheuliche i ! ebr ? . eine of - fenbare Gottesleugnuug ist . III . Hätte Criria« , des Cailaschrus Sohn , keinen absonderlichen Artikel haben sollen ; es ist derselbe Lei - tias , der einer von den dreyßig Tyrannen gewesen . IV . Hat man kei - ne gegründete Ursachen , uns einen Critias , einen griechischen Geschichte schreiber , zu geben , der von dem Sohne des CaUäschnis unterschieden ist . Man wird es in der folgenden Anmerkung sehen , V . Iii das aus dein Clemens von Alexandrien angeführte Zeuqniß für diesen Sciirttmeller nicht ftbr vorrheilhast ; denn dieser Vater rhur Srromat . Libr . VI . p . 620 . D . nichts weiter , als daß er einige Worte des Critias anführet , um ihn des gelehrten Diebstahls gegen den Euripides zu überzeugen . Dasjenige , was den Moreri betrogen , ist , daß er die ganze Starke die - fes Lateins des Voßius nicht verstanden har . HluNre Kuniz Scriptoris teftimoniuin adducit Clemens . Vofliiis , de Hntor . Graec . pag . 348 . Dieses bedeutet anders nichts , als daß Clemens von Alexandrien , den CririaS wegen einer merkwürdigen Mateueaiifilbrer , Nun beißt dieß nicht , daß man den Critias lobe , daß man ibn hoch schätze , vi . Hätte er nicht zweifeln sollen , das derjenige , welchen Plutarch im Leben des Lnkur , guS anführet , nicht ebenderselbe wäre , welcher von der Republik Sparta geschrieben hat , und welchen Athenaus ; weymal anführet . Wir wer - den bald sehen , daß dieß eine unstreitige Wahrheit ist .
( I ) ( - - und Voffius hat ihm 5» keinem allxuguten weiser dienen können . ] Er hat ohne den geringsten Grund gealaubc , daß Critias des CallaschruS Sohn , nicht derselbe wäre , der die Elegien gemacht hat , und einer von den drevßig Tyrannen gewesen ist . Ebendas . 44 Seite . Es ist leicht zu sehen , daß hier nicht mehr , als ein Critias , ist , und ich wundere mich , daß Voßius solches nicht gewahr geworden ist ; er hat ausdrücklich gesager : daß Critias . dcr Tyrann , eine Elegie an den Alcibiadeö gerichtet habe : ebendas . Nun führet Plutarch , im Leben des Hh - Alcibiades

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