Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6385

Critias .
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lange sie unter seiner Anführung gestanden , k * } k ( tritt Si a'a * i -
( Siüby ; Hu ; fiiv swxfirri ffovtf'fifv iö - jt * £yv ixtlvif täv
Iii ) x * a£i> Kfurih . Itaque Critias atque Alcibiadcs dum So -
ci atis confuetudine vtebantur , potuerunt illius fubfidio praiias fiu pcrare cupiditates . Ebendas 416 Seile . Sie haben ihrem bösen Na - turelle nicht eher den Zügel schießen lassen , als bis sie seine Schule ver - lassen hatten . Critias ist nach Thessalien geflohen , und hat sich daselbst durch den Umgang verderbet , den er mit den allerliederlichsten Leuten gepflogen . Ebendas . Anderestehen im Zweifel , ob er nicht vielmehr die Thcssalier verderbet , und versichern , daß er sich bemühet habe , da - selbst die Tyrannei ) einzuführen . Philoftratus , in Vitis Sophißar . pag . so< ) , 505 . Dieß ist seine Gemüthöart gewesen , er hat die Neuerungen nnd Staatsverwirrunqen geliebet . Tenophon beobachtet , daß So - kralev bey diesem Schuler die Strafpredigten nicht gesparet habe . Xc . noph . de Faftis et Dictis Socratis , p . 417 . „ Da er einsmal« inne qe -
worden , daß sich Critias in den Euthydemus verliebet hatte , und be - „ mühet gewesen , die letzte Gunst zu erhalten , welche die Ueppigen su - „ chen , ss hat er sich anfänglich bemühet , ihn von seinem Vorhaben „ durch Worte abzuwenden , indem er zu ihm gesaget , daß eS für einen „ fteyen Much und einen ehrlichen Menschen schändlich wäre , demjeni - „ gen beständig überlästig zu scyn , dessen Hochachtung man erlangen „ wollte , und um die Erhaltung einer unehrbaren Sache einen Bettler „ bey ihm abzugeben . Unb da sich Critias auf diesen ersten Angriff „ nicht geben wollen , so soll Sokrates , in Gegenwart vieler Personen , „ und de« Euthydemus selbst , gesaget haben : daß Critia« ein Schwein - „ jucken hatte , und sich an dem Euthydemus reiben wollte , wie sich die „ Schweine an den Steinen rieben . Seit diesem ist Critias allezeit bö - „ se auf ihn gewesen : und unter währender Tyranney der Dreyßiger , un - „ ter deren Zahl er gewesen , da er , nebst dem Charikles , das Policeywe - „ sen besorget , hat er sich dieser Beschimpfung sehr wohl erinnert ; und , „ sich deswegen zu rächen , ein Gesehe gemacht , kraft dessen die Unter - „ Weisung in der Vernunstlehre zu Athen verbothen worden . , . Ich führe die ganze Stelle so an , wie sie Charpentier , von der ftanzösischen Akademie , überseht hat . Hier ist ein Stück davon , nach dem Griechi -
scheu : Ai - ytron tcv Zuxfä - nr» , äXkm Ti «roAKfiy owtmv ycfj ri Ei - iui , üntiv Sri t / ix0v Soxoiy imäufiSt Evät / Sil - ftoi frttrxväSoq wrxtf rät viiiet rote A ( 5 CD ) Er if ? rvegen seines Adels lobenswerth gewesen . ^ Er ist vom Dropidee , SolonS Bruder , abgestammet . Dieser Dropides ist des Critia« , dieser des Caläschrus , und dieser unser« Critias Vater ge - wesen . Man giebt vor , Selon stamme vom Codrus , Könige zu Athen ab , und wenn man noch weiter zurück gienge , so träfe man den Neläus und Neptunus unter den Uhrahnen seines Stammes an . Diogenc» Laertius in Piatone , Libr . III . mim . 1 . siehe auch den Plate inChar - mide , p . m . 463 . C . Im Vorbeygehen zu sagen : so verwundere ich mich , daß Proklus , über eine Stelle des Plato , die sehr geschickt ist , die - jenigen zu widerlegen , welche versichern , daß Dropides Solons Bruder gewesen , eine Auslegung machet , worinnen er sich für diese Brüderschaft erkläret , ohne daß er auf den Einwurf antwortet , den sein Text an die Hand geben kann . Critias saget daselbst , ( in Piaton . Timaeo , p . m . 1042 . C . ) . daß Solondem Dropides eine gewisse Fabel gemacht ; denn , sehet kr dazu , er hat vertraulich und als ein guter Freund mit dem Dropides gelebet , > ? » nh »» ohUot qUoc . Führet man wohl derglei -
chen Ursache an , wenn man von zween Brüdern redet ?
( E ) i f t wegen seiner U ? ohlrcdenheir . ^ Dieses saget Ci - cero im Brutus VII Cap . davon : ttuic aetati fuppares Alcibiades , Critias , Theramenes , quibuj teinporibus quod aicendi genusvi . guerit , ex Thucydidis feriptis , qui ipfe tum fiiit , intelligi maxime potell : grandes erant verbis , crcbri fententiis , comprellione rerum breues , et ob eara ipfam caufam interdum fubofeuri . Dionysius von Halikarnaß Hot von der Wohlredenheit des Critias einen vortheil - haften Begriff gegeben : siehe seine kritischen und rhetorischen Werke , >45 , 4 - ; S . nach der Ausgab« in 8 von 1615 : allein er malet sie ganz anders ab , als Cicero selbige gleich ibo beschrieben . ES ist äugen - scheinlich , daß Cicero vorqeqeben , man dürfe , die Beredsamkeit des Cri , tias zu erkennen , nur des ThucydideS Schreibart betrachten . Er hat , ohne Zweifel , sagen wollen , daß diejenige kurze und spruchreicbeArt , sich auszudrücken , die in diesem berühmten Historienverfasser herrschet , zur ftlbigen Zeit Mode gewesen , und daß Critias und andere Redner , die er nennet , keiner andern Schreibart in ihren öffentlichen Reden gefolger ren . Dionysius von Halikarnaß hingegen versichert uns , daß Thucydi - des f . ine Nachahmer gehabt , und dieses zu bekräftigen , verweist er sei - r . c i'effr namentlich auf den CritiaS . Ad eos autetn , qui Thucydidis orationem ad veterem atque illis temporibus vfitatam dicendi ratio - nem refenmt , neque obfeuro neque prolixo mihi fermone opus erit . Quibus illud dici poteft ; cum niulti eflent Athcnis et Orato - res , et Philofophi , quo tempore bellum inter Peloponnenfes atque Athenienfes gerebatur , neminem tarnen repertum efle , qui hunc di . cendi moduin vfurparit , neque Andocidem , neque Antiphontem , neque Lyfiam , qui Oratores erant : neque Critiam , neque An - tifthenem , neque Xcnophontem , qui Socraticam philofophandi ra - tionetn feftabantur . Ebendas . 4 - 5 0 . Cicero verändert an einem an - dern Orte den Ton ein wenig ; er gesteht , daß CritiaS nicht so kurz , als Thucvdides ist ; ich weis nicht , warum er , was die Zeit betrifft , einen Un - terschied zwilchen dem Critias und dem Alcibiades sehet ; denn nach aller Schärfe der Ausdrnckungen müssen sie zu gleicher Zeit gelebet ha - ben . Ich will die Worte de« Cicero Hersehen ; man wird darinnen finden , daß man noch zu seiner Zeit einige Schriften vom Critias ge - habt . Antiquiflimi fere fbnt , quorum quidem feripta conftent , Pe - ricles , atque Alcibiades , et eadem aetate Thucydides , fubtiles , aeuti , breues , fententiis magil , quam verbis abundantes . Non po - tuifl'et accidere , vt vnum eilet omnium eenus , nifi aliquem tibi pro - ponerent ad änitandum . Confequuti funt hos Critias , nes , Lyfias . Multa Lyfiae feripta funt , nonnulla Cntiae , de The - ramene audiuimus , omnes etiam tuir1 retmebant illum Peneüs fue - cum , fed erant paulo vberiore filo . Cicero , de Oratore , Libr . II . cap . XXII . Der Pater Caußin rechnet den Critias unter die alten Sophisten , und lobet ihn gar sehr . Non obfeun quoque nomuiis ter veteres Sophiftas Critias , qui in gram genere diccndi exercUatu .
II Sand .
fimus fuit . Nec tarnen grauitatem verbis poeticis aut dithyrambi . eis metiebatur , fed vocabulis maxime propriis , vt natura poftulat , concinnabat orationem . Irfigni praeterea breuitate et magna Atti - eifmi temperie loquutus , nihil habet infolens aut ineptum . Cauffin . de Eloquentia , Libr . I . p . m . >8 . 19 . Er führet den Hermogenes zu seinem BeHufe an : Ab Herniogene iudicatur rt^ot s^^ae wfoi 0 * * 0 * . Ebendas . Zch wollte meine Leser lieber bemerken lassen , daß Critias einer von den treyßig Tyrannen zu Athen gewesen , als daß ich ihn einen bloZen Sophisten nennen sollte . Gleichwol , l gestehe ich , daß Philostratus , welcher diesem Worte einen allzugroßen Umfang giebt , den Critias unter die alten Sophisten gesehet hat . Wir haben gese - hen , daß er einen Bösewicht aus ihm gemacht hat , und wir wollet , je - hen , daß er ihn , von Seiten der Beredsamkeit , ungemein lober : t> } »
ii liixy TB A6yu i r 1 inmurarot , 8 tiJk S'Supa / xßtlSti fe / j . - ; oAoylxv , tiii KKTtctytvyitexv i (
r» ix Ton / Tixtj ; Ovtfiarx , ^ Ik rßv xvt>iu - rär»r / evyxtifi£\y . vc / j xa -
tä TOV a - jo^a vgl ß ? * zuAeyiivTa Ixn & t tj - l öer . £ ( ,
tutittriöntvov änokoylett i3h är7<« / Critiae quoque decor eft fcopis dillölutis vni loco inhaerere . Ebeiid . Dieß ist ebendasselbe , was man vom Seneca sagen könnte . Der Wind seiner Beredsamkeit ist öfters gefallen ; allein er ist allejeit viel gelinder und angenehmer , als dieZephyrs , gewesen . Ebendas . Ein Brief des Philostratus lehret uns , daß Critias und Thueydide« den Gotgias zu ihrem Muster genommen , und daß sie ihm das Erhabme ihrer Wohlre - denheit , nebst der Fertigkeit des ersten , und der Stärke des andern zu verdanken gehabt . Kgirixi ; Si vjf ©uxi / äiäx« «V ky - mvtoh to tuyctKo - yviixov ># ! ti ) » ityth irctt : ' xiItS xixnt'JjOi' iHTxxoiävTet Si at / ro ti ; ri tlxtiov , i fii» or' tüyÄurlixf , i t' av uro fu / iiis . Critiam vero et Thucydidem non dam eft magnitudinem animi et fupercilium ab eo ( Gorgia ) aeeepifle . Tranftulerunt autem ad propria , alter ad linguae promtitud & nem , alter adrobur . Philoftrat . in Epiit . ad Iuliatn Auguftam , p . 887 .
( F ) Und durch seine Vcrst . 1 Plutarch führet eine S'elle derEle . gien des CritiaS an , in welcher der Verfasser den Alcibiades erinnert , daß er es gewesen , der ihn wieder zurück rufen lassen ; ich will sagen : daß er dem Volke zu Athen das Gesetze vorgetragen habe , kraft dessen er zurück berufen worden . Man kann nicht vorgeben : daß der Urbeber dieser Elegien ein anderer Critias wäre , weil ihn Plutarch den Sohn des CalläfchruS nennet , K ? k yfityaytos « ? aßrO ( iv t« ? ; itoyiUn ol * * i . Ex Critiae Callacfchri filii rogatione , vt ipfe hifee Elegiis eecinit . Plut . in Alcib . p . 209 . E . und an einem andern Orte , da er eben dieses Werk anführet , giebt er ihm den Namen eines
von den 30 Tyrannen . Koi Tßv JTM y^l / nvat iv TO , Ii 1 / 1 . 7tuxiTcu . Critias ex triginta tyrannis optat in Elegiis . Ebend . im Cimon , 484 S . L . Es hat sich ein Fehler in des Amiots Alcibiade« eingeschlichen : anstatt Critias , der Sokn des Tallasckrrw , sieht man daselbst , Callias , der Sohn dcs Callasckrus . Eben diesir Fehler findet sich in dem Plato des Johann von Serres , in dem Gespräche
Sromgoras . ist in dem Griechischen , und Galliaa m der
eberfetzung . Plutarch ist nicht der einzige , der die Elegien des CritiaS angeführet hat ; man findet verschiedene Stücke davon im ArhenäuS : man sehe im X B . die 4V - und im XV die 666 S . Diese lehte Stelle belehret uns , daß die Stelle im I B . auf der - 8 S . aus ebendemselben Werke des Critias genommen ist . Ich zweifle nicht , daß er nicht noch andere S - edichte verftrtmet haben sollte . Man weis nicht gewiß , ob er der Verfasser eines Gedichtes , pirichous betitelt , gewesen ist ; einige schreiben es ihm , andere dem EuripideS zu . Athen . Libr . XI . p . 496 . Wir werden Hiertmren sehen , ob er von dem Verfasser des Buches , de Politia Lacedacmoniorum , zn unterscheiden ist .
( G ) fJzt if ? rom Plato mehr , als vom Proklus , gelobet wor , den . Z Es ist jedermann in dieser Stadt bekannt gewesen , daß Critias alles dasjenige befesien hat , davon wir geredet haben : } i r» n & jTt ( >1 rp St icfitv nSsvot ISiojryv ovtu «I» A^yofitv . Critiam vero omnes vtique hae in vrbe , nullius eonim , qtiae dieimus , eile im - peritum fcimtis . Plato in Timaeo , p . m . 1041 . E . Dieß ist das Lob , welches ihm Plate giebt : allein er hatte zuvor von den Vorrheilen ge - redet , die man durch ein vortreffliches Naturel und das Studium der guten Philosophie erlanget . Wir »vollen sehen , was Petit über diese Stelle anmerket . Prochis in commentario ad hunc lo - cum : fO Kfirfoc b rtmalote »V iSfä ; Qvrtot , nx / rre St vyj

et vehement ! indole , nec philofophicai - ttm exfers difccftatior . um • feJ ita tatnen , vt idiota inter pbilofopbos ; pbilofopbus tnter tdtOtas Vo - caretur ; vt quidem bißoria te / iatur . Qiiod figniheat hunc quidem non fiiifle perfeötim in philofophia , fed tarnen ingemo aptum , et multae eruditionis . Petrus Petitus , Mifcellanear Obferuat . pag . 6 . Man merke bey diesen zweyen letzten Worte» des Petit , daß des Pro - klu« Worte nicht zu bedeuten scheinen , daß Critias viel Gelehrsamkeit besessen hätte . Man kann auch ohne dieß bey den Unwissenden für ei» nen Philosophen gelten . Inter caecos regnat ftrabus .
( H ; Man fenet ihn unter die 3abl derjenigen , welcke rvider das Daftyn Gottes gestritten haben . } Sextus Em . pirifu« , aduerfus Mathematicos , pag . z , 8 . drucket sich hierüber nicht mit dcutlichen Worten aus : ( saget er ) , ^ e * »
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aio» . H5 / ktirlav ts» a'3iivaiov . feie meisten ÄeittC
qlauben , daß es Gotter giebt , aber einige , als Diagoras , Theo - dorus und Critias , der Atkenienser , sagen , daß cs keine giebt . Er erkläret in einem andern Buche die Gedanken dieses Mannes : Critias , einer von den dreyßig Tyrannen zu Athen , sagte er auf der H h sig T .

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