Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6347

Cremolum
- z ?
trübe . Man wird betrübte Personen viel eher zur Vernunft bringen , wenn man ihnen einigen Vortheil läßt : man lasse sich manchmal über - winden ; man beantworte nicht alle ihre Betrachtungen . Wenn man sie aber ja widerlegen will , so brauche man Umwege und thiie es nicht ge - rade zu ; mir einer Art , die mit Willfährigkeit gewürzt ist : und endlich sei ) man der erste , der schweigt , und erwarte eine bessere Gelegenheit . Die Zeit wird den Kranken geneigter machen , eure Philosophie zu sei - nem Nutzen anzuwenden .
Irnpatiens animiis , nec adlutc traftabilis arte Refpuit , atqtie odio verba monentis habet .
Aggrediar melius tunc , cum fiia vulnera tangi Iam linet , et veris vocibus aptus erit .
Qiiis matrein , nifi mentis inops , in funerc nati Fiere vetet ? non hoc illa moncnda loco .
Cum dederit lacrymas , aninnimque impleuerit aegrum ;
Ille dolor verbis emoderandus erit .
Temporis ars mediana fere eft . data tempore profunt , Et data non apto tempore vina nocent .
Quin etiam accendas vitia , irritcsque vetando ;
Tenlporibus ii non aggrediare Alis .
Ouidius , de Remcdio Amoris , v . 123 . etfeqq .
Unserm CrateruS ist dieses Geheimniß nicht unbekannt gewesen , und er hat es beym Pompejus sehr wohl auszuüben gewußt . Dieser große Mann ist damals nicht im Stande gewesen , die Vernunft bey dem Capitel der Vorsehung zu hören ; seine Wunde war noch allzusrisch : man würde seinen Verdruß durch eine starke Widerlegung seines Murrens nur vermehrt haben . Der Widerspruch hatte zu nichts gedient , als ihn zu rei - zen imd rappeiköpfisch zu machen . Man würde nur Oel ins Feuer ge - gössen und die Flammen vermehret haben , da man hoffen können , daß sie aus Mangel der Bewegung von sich selbst auslöschen würden .
Vidi egv iaftatas mota face crefcere flainnia * ,
Et vidi nullo concutiente muri .
Es war also besser , den Streit fahren zu lassen . Ein jeder in der Er - keimtmß der Welt erfahrner Mensch hätte diese Parrey ergriffen ; allein ein Gerngelehrter , ein Philosoph , der nichts als ein Philosoph sen , würde gerade das Widerspiel gerhan haben . Man merke , daß es im XVII Jahrhunderte Schriftsteller gegeben , welche versichern , daß Cratippus die in der von mir angeführten Stelle Plurarchs enthaltenen Antworten wirklich vorgebracht hätte . Unvergleichliche Leute ! die bessere Nachricht zu haben glauben , als die alten Geschichtschreiber : oder besser zu sagen , welche , dasie sich nicht die Miihe nehmen , in die Original , schritten zusehen , die Historie verdrehen und verunstalten . DerZesuite Bisselius giebt vor , es habe Kratippus zum PompejuS gesagt , daß Rom wegen der Unordnungen der Republik untergehen müsse , wenn es nicht' monarchisch regiert würde . Joannes Billelius , Riiinarum llluftr . Dec . IV . P . IV . pag . 2856 . Er sehet dazu , es hätten diejenigen , welche diese Antwort gehörtden Kratippus gefragt : Warum denn die Götter , wenn sie weise wäxen , diese Monarchie lieber dem Julius Cäsar , als dem Pompejus zugestanden hatten ? Und daß dieser Philosoph geantwortet - wisset ihr , ob Pompejus besser regiert haben würde , als Cäsar ? Die Götter allein wissen eS . Luit» mehercule euentus praefcientia pe - nes folos ( adiedt ) inimortales , penes nos nihil minus eft . Cbendas . Darf man sich venvundern , wenn die Zeitungsschreiber dasjenige übel erzählen , was man ihnen gesagt hat ? Führen denn die Schriftsteller dasjenige gut an , was sie in dem Plutarch lesen können ? Sie haben darinnen lesen können , daß Kratippus das Stillschweigen erwählt , weil er sonst dieses oder jenes hätte antworten müssen : uud sie ha - den dennoch die Kühnheit zu versichern , daß er alle diese Dinge geant - worret , und sich nach deren Vorbringung weg begeben habe , um nicht genöthiget zu seyn , verhaßte Wahrheiten entgegen zu setzen . Inter haec ne Poinpeio , fe pluribus fortaffis impugnaturo , veridicis refponfis moleftiam aggrauaret , obticuit Cratippus , et abiuit . Ebendas .
Wir wollen im Vorbevgehen sagen , daß man beobachtet , es Habe Pom - pejus nicht eher angefangen , unglücklich zu werden , als da er die gute Partey unterstnker hat . O rem miferam ! malas caufas femper obti . nuit , in optima concidit . Cicero , Epift . XXV . Libr . VII . ad Attic . Wir wollen dieses in einer Stelle des la Morhe le Bayer lesen , wo man ein Unheil finden wird , welches dem meinigen , wegen der Auffuh - rung des Kratippus sehr entgegen ist . Es giebt eine Rlugheir , die voller Eitelkeit ist , und die sich so gar bey ihrer Einbildung tersteht , den Rathschlüsten des - Himmels m widersprechen , und feine Verordnungen zu meistern . Dergleichen ist des dato seine gewesen , wenn er gefragt : wo die Vorsehung von oben wäre , welche zugäbe , Saß pompejus unüberwindlich gewesen , ö« er doch nichts rechtmäßiges gerhan , und bloß für seine Herrschsucht gear - bellet ; an starr daß er , da er schon vorlängst die gute partes zum Besten der gemeinen Freyheit crgriffenkeinei , guten Fortgang mehr babc , und dem Cäsar , als einem gewaltsamen cker derselben , unterliegen müsse i ( Plutarch im Ca tu und PompejuS ) pompejus selbst Harm seiner Sinnlichkeit dergleichen Reden ge . gen den Philosbpkcn Rratippus auf der Insel Mittlen« nach seinem Wege von Pbarsalcs geführt . Plutarch lobet diesen losophen , daj ? er den Empfindungen dieses großen und unglüek - liehen Feldherrn gar klüglich nachgegeben und sich begnügt ha - be , ihm einige - Hoffnung auf das Zukünftige zu geben . " Allein nach meiner i\\cymma , hatte er besser gerhan , wenn er weniger von dieser weltlichen Rlugheit gehabt , und den , pompejus die Ehrfurcht vorgestellt hatte , die er denRathschlüilen des Allmäch - tigen schuldig wäre ; als wodurch er ibn desto besser von seiner Gottlosigkeit ableiten können , welche ihn gereizt , wider die Ver - Ordnungen zu lästern , davon unsere Menschlichkeit weder die Bewegungsursache» noch den Endzweck zu begreifen weis , ob sie gleich allezeit »um allgemeinen Sesten aller Menschen len . VTach meinem 25edünken . würde die Philosophie des Rra - tippus nicht weniger klug und tröstlich gewestn seyn , wenn er diesen ÄOeg ergriffen ; und sie wäre weiser gewesen , wenn sie
nichts niederträchtiges gehabt , und der - Hitze des Pompejus ge , schmeichelt , welche Gott nur noch mehr wider ihn reizen mußte . La Mothe le Vayer Dialogue VI , de la Promenade p . 144 . Tom . XIII , seiner Werke . Siehe auch die 146 S . wo er diejenigen widerleget , die den CrarippuS entschuldigen .
( C ) Er hat seine Schüler durch die Annehmlichkeiten seiner Gespräche zu bezaubern gewußt , welche von derjenigen pedanri - sehen Ernsthaftigkeit entfernt waren . ] Wir finden dieses in einem Briese von dem Sohne des Cieero . Cratippo me leite» , saget er , Epift . XXI . Libr . XVI . Ciceron . ad Famiiiares , pag . 1n . 4jy . non vt difeipu - luni , fed vt filium efle coniunftiilimum - . nam cum et audio illum Ii . benter , tum etiam propriam eins fuauitatem vehementer ampledkor . Sum totos dies cum co , no & isque faepenumero partem : exoro enini , vt mecum quam faepilfime coenet . Hac introdufta confue - tudine , faepc infeientibns nobis et coenantibus obrepit , niblataque feueritate philofophiae , humaniflime nobiscum iocatur , Qiiare da operam , vt hunc talem , tarn iueundum , tarn excellentem virum vi . deas quamprimum . Dieß ist ein große« Lob , das er seinem Profefier giebt - er hat es unter einem solchem Meister weit gebracht , untiefer - wegen hatte Treboniuö , der ihn »ach Asien fuhren wollen , beschlossen , auch den Kratippus mit dahin zu nehmen . Epift . XVI . Libr . XII . Ciccr . ad Famil . Dieser hatte etliche Gelehrte von Mitylene nach Athen mit sich genommen , auf die er sehr viel gehalten . Ich ziveifle nicht , daß er sie erzogen gehabt . Sein Schüler hat es alseine gute Zeitung überschrie - den , daß er sehr vertraulich mit ihnen gelebt . Vtor familiaribus et quotidianis conuiftoribus , quos fecum Mitylenis Cratippus adduxit hominibus et dodlis et illi probatiffimis . Ebendas . XXI XVI B . 457 S . Man nehme dieses , wenn es beliebt , als ein Merkmaal an , daß Cratippus gute Schüler gemacht hat . Hier wollen wir einen Irr« thum des ^onsius anmerken : er saget , daß des Cieero Sohn im 708 Iah - re Viel Theil an der Vertraulichkeit dieses Phiiojovheii zu Athen gehabt . Ion5 . de Script . Hiftor . Philof . pag . 20 ? . Eine schlechte Zeitrechnung« denn der Traetat von den Pflichten , welcher nach Casars Tode verferti» gct worden , bezeuget , daß dieser junge Meusch nur erst ein Zahr unter dem Kratippus zu Athen studiert gehabt .
( v ) 2>ie Gründe - - - dasjeniac zu behaupten , was er bebakten , sind den Meinungen vortheilhafug gewesen , die er nicht behalten . ] Er har die Weissagung der Traume und der Wuth zugelassen , und dieß ist sein Lehrsah gewesen . Er har gesaget , die Seele des Menschen zöge zum Thede ihren Ursprung aus dem göttlichen Ver , stände , der außer uns ist ; und daß die Seele , welche empfinde , sich be« weg ? und verlange , nicht von der Handlung des Körpers getrennet sey : daß aber der Theil , welchermit Vernunft und Verstände begabt wäre , mehr Wirksamkeit habe , je weniger er mir der Materie verbunden wäre . Cicero , Libr . I . de Diuinat . cap . XXXI s . Er hat sich auf eine Mey - mmg des Aristoteles gegründet , die Averrhoes entwickelt hat . um daraus die ungeheure Lehre von einem allgemeinen Verstände herzuleiten , der bey allen Menschen einerley ist . Nach diesem har Kratippus die Ersah - rungen zusammen gerafft ; er hat angeführt , daß der Ausgang diese und jene Traume , diese und jene Weissagungen bestätiget , und nach diesem auf felgende Art geschlossen . Man kann ohne Augen nicht sehen , und es trägt sich manchmal zu , daß sie ihre Schuldigkeit nichr rhun : allein da sie uns einmal die Wahrheit entdecken , so ist es gewiß , daß wir Werk - zeuge l , aben , tvelche dieselbe sehen . Gleichsalls , wenn keine Weissagung wäre , so würde man niemals weissagen können ; allein daraus , daß eS eine Weissagung giebt , folget mckr , daß man allezeit weissaqet : nun weift saget man zuweilen , also muß man glauben , daß eine Kraft zu weissagen da ist . E bendaselbst . Es wird mir erlaubt se»n , zu sage» , daß sich Cicero in dieser Stelle seines Werkes wenig um die Richtigkeit bekümmert hat : mich dünkt nicht , daß man die Meynung eines Menschen mit a . ößerer Nachläßigkeit vortragen könne : ich wollte es leicht beweisen , wenn hier der Ort wäre , die richtigen Regeln der Vergleichung , oder der Gegeii - sähe vorzustellen . Er widerleget die Vergleichung des Kratippus und seiner Folgerungen viel netter . Er saget , daß die Augen , welche die Wahrheir entdecken , von der Natur und Empfindung geleitet werden : allein wenn unsere Seele die Wahrheit entweder durch Traume , oder durch Entzückungen weissaget , so ist es ein bloßer Glücksfall . Oculi vera cerncntes vtuntur natura et fenfu . Animi , fi quando vel vatici . nando vel fomniando vera viderunt , vfi funt fortuna atque cafu . Ebendaselbst II V . XLVIII Cap . Die Folgerungen des Kratippus wa - ren auf den Lehrsah gegründet , daß kein bloßer ungefährer Zufall Urfa - che daran wäre . daß sich so viele Träume und so viele Wahrsagungen wahr befunden hätte» . Cicero leugnet ihm diesen Lehrsak , und tet gegen ihn , daß der ungefähre Zufall solches beständig gerhan habe , und darauf bedienet er sich einer Schlußrede ad hominem : ihr verwerfet , saget er zu ihm , die Weissagungen aus dem Vogelfluge und cus dem Eingeweide der Opferthiere , der Sterndeuter u . s . w . Gleichwohl sind sie dem Ausgange zuweilen gemäß : also müsset ihr sie ennveder mit recht verwerfen , oder eure zwo Arten der Weissagung ohne Grund zu - lassen . Ich sehe nicht , was Kratippus hierauf har antworten können . Wir wollen die eignen Worte des Cieero anführen ; sie verdienen es wohl - Afiümit Cratippus hoc modo , funt autem innumerabiles praefenfio . nes non fortuitae : at ego dico nullam . Vicie , quantafit controuerfia ; iam aflfumtione non conceflä nulla concluiio eft . At impudentes fu - mus , qui quod tarn perfpieuum fit non concedamus . Quid eft per . fpicunm ? Multa vera , mquit , euadere . Qi»d , quod multo plura falfa ? Nonne ipfa varietas , quae eft pr " PrJ<> fortunae , fortunam eflfe caufam , non naturam efic docet ? Deinde fi tua ilta conclufio , Cra - tippc , vera eft ( tecum enim mihi res eft ) Nonne intelligis , eadem vti pofle et arufpices , et fulguratores , et mterpretes oftentorum , et augures , et fortilegos , et Chaldaeos ; quoriim generum nulliiin eft , ex quo non aliquid , ficut praeaictum . . t , euaferit ? Ergo aut ea quo - que generadiuinandi funt , quae tu reciiflime improbas : aut li ea 11011 Amt , non intelligo , cur haee duo ( Int , quäe relinquis . Qiia ergo ratione haec inducis , eadeni illa poflUnt efle , quae tollis . Ebendas . Ich zweifle nicht , daß der Krarippus . welchen Terrullianus in seinem Buche de Anima , in das Verzeichniß derer gesetzt , welche Bücher von Träumen gemacht haben , nicht der unsrige seyn sollte .
Cremomn ( Casar ) welcherPhisosophiezu^rraws . ebenjehn , und , » PaduavierzlaJabrekanaaem s - » war un 1550 ^ahre zu Cenw in dem Modeilchschen gebohrei , Er setzte sich m einen solchen Ruhm , daß die meiftm Kömqe und
— Wrften

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