Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6329

Craterus .
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gimtii omnes Crantoris veteris Academici de hiöu , eft enim non magnus , verum aureolus et vt Tubcroni Panaetius praecipit , ad verbum edifcendus libellus . Cicero , Academic . Quaeft . Libr . IV . cap . XLIV . Es wird nicht undienlich seyn , zu bemerke» , bey welcl>er Gelegenheit dieses gesaget worden : es ist zum Beweise geschehen . daß die alte Akademie keine Unempfindlichkeit und Sinnlosigkeit gelehret hat , daraus die Stoiker einen Lehrsatz gemacht . Die unterredende son des Cicero beweist das Gegentheil , durch dieses kleine Buch Cran - tors . Es ist gewiß , daß dieser Philosoph die Lehre der Stoiker nicht ge , billiget und gesager , es konime die Ausnahme von Leidenschaften theuer zu stehen , weil man sie nicht anders erlangen könne , als durch die Dumm - Hm des Korpers , und Wildheit der Seele : Mij (

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iyylveroq fiiotäv t« xvägurtf rtüitgiü & oii yeig «xoc , ix« ni» ffufix roiirov , ivraüSa U Optandum eft , inquit Crantor Acade -
micus , ne aegrotenms . Sed fi in morbo fimus , fenfus eius aliquis adelle debet , fiue fecetur pars noftri aliqua , fiue auellatur . Indo - lentia enitn illa non fine magna iachira homini poteft parari ; quip - pe necefle eft , vt ibi corpus , ita hic animutn plane cfFeratum esse . Plutarch . de Confol . pag . 102 . D . Cicero hat eben diesen Gedanken Krantors angeführt : Minime , inquit , ( Crantor ) aflentior bis , qui jftam nefcio quam indolentihm magnopere laudant , quae nec poteft vlla eile , nec debet . Nec aegroto etiain inquit , nifi is qui fuerat fenfus adlit , fiue fecetur quid , fiue auellatur a corpore . Nam iftud nihil dolere , non fine magna mercede contingit iimnanitatis in ani - mo , ftuporis in corpore . Cicero , Tufcul . Quaeft . Lib . III . cap . VI .
Uebrigens erfahren wir von , Plutarch , daß dieser Philosoph dieses Buch verfertiget hat , den Hippokles zu trösten , der seine Kinder verloh - ren hatte . Plutarch . de Confol pag . 104 . B . Plutarch nimmt ge Gedanken daraus , die er in seiner Abhandlung vom Tröste an den ApolloniuS , in ihr rechtes Licht setzet . Derselbe Tractat Kran - tors ist dem Cicero sehr nützlich gewesen , welcher viel Dinge bey Ver - fertigung eines dergleichen Buches daraus gezogen hat . Er bekennet es , und deswegen unterscheidet ihn Plinius von den gelehrten Dieben . Scio enim , isaget er in der Vorrede , conferentem auäores nie depre - hendifle , a iuratiifimis et proxiitiis veteres tranfcriptos ad verbum , ncque nominatos : non illa Virgiiiana virtute , vt certarent : non Ciceroniana fimplicitate , qui in libris de Kepublica , Piatonis fe co - niitem profitetur : in confolatione filiae , Crantorem . inquit , fequor .
Der P . Hardouin beobachtet IN seiner Note über diese Worte de« Pli . nius , daß Cicero sage , es habe Krantor sein Werk , de Luöu minuen - do , betitelt . Allein e« ist gewiß , daß Cicero in dem XXI Br des XII B . an den AtticuS , ( welcher in der grävischen Ausgabe der zwanziaste ist , ) der von diesem geschickten Jesuiten angeführt wird , von seinem eignen , und nicht von KrantorS Werke reder . Dacier versichert über die II Epistel des I B . Horazens , auf der 142 und 143 Seite des VIII Bandes bey mir . daß sich Cicero in seinem Tröste dieser Worte bedienet hat : 8ed ego Crantorem fequor , cuius legi breuem illum quidem fed vere aureum et vt Panaetio placuit , ad verbum edifeendum de L11 & 11 librum , quo acute vniuerfam doloris niedicinam complexus eft Er unterscheidet diese Stelle . von der Stelle des andern Buches in den akademischen Fragen . Ich habe sie in den mangelhaften Stücken nicht gesunden ) die man aus des Cicero Tractate , de Confolatione , gefammlet Hat : allein sie befindet sich in der Schrift , welche Sigonius unter eben diesem Titel . mr ein Werk des Cicero auszugeben sich bemühet hat Ver - muthlich ist Dacier nicht der Meynung demjenigen Kunstrichter , che geglaubet haben , daß Sigonius die Welt bekriegen wollen . Man nierke , wie unter andern Dingen , die Cicero dem Krantor abborget , auch dieses ist , daß wir auf die Welt kommen , unsre Missethaten zu verbüßen Cicero «im in principio Confolationis fuae dixiflet , luendorum fee - lerum caufa nalci homines : iterauit id ipfum poftea quafi obiur - gans eum , qui vitam poenam non efle putet . Lactantius Libr III cap . XVIII . p . m . 197 . Man vergleiche dieses mit den griechlichen Wor - ten Plutarchs , so wird nian finden , daß ich Recht habe . yäe
vcf ) colplif Mg & ei» ( <2 ; Kfivrug ) tf väv r & kcm XfxAxv^mi riy - äfüttiix . TifjMflav iyvfihcn rivem roy ßtov , vjrf 2cgx•»» To yfvi£^
nov ouii$o ( uj tij» / uyln1» . Multi quippe , vt ait Crantor , iique fapi - entes viri , non nunc primum , fed uridem deplorauerunt res huma - nas , fupplicium iudicantes vitam nanc efle , et fummae calamitati» loco ducentes , nafei hominem . Plutarch de Confolat . ptg . 115 . B . Der gelehrte Casaubon hat auf die von mir angezogenen Worte de§ Plinius nicht Acht gegeben ; denn er führet zur Bestätigung seiner Muthmaßung , daß sich Cicero der Schrift Krautors bedienet hat , nur das Zeugniß des heil . Hieronymus an . Eum libellum . . . du - bium non eft , quin in fuo de Confolatione magnam partein expres - fiflet ( Cicero ) quod et Hieronymus his verbis teftatur : legtmus , in . quit , Crantorem cuius - Volumen ad conf . uendum dolorem Juum fequu . rus ejl Cicero . Ifaac . Cafaubon . Not . ad Diogen . Laertium , Libr . IV .
Craterus , der Urheber eines Werkes , dessen Verlust man bedauern muß ( A ) , war ein Macedonier
Gleichwohl Zanders des oßius dargebottzen hat ( C ) .
a ) Plutarch . in Ariftide , zu Ende , 334 . S . F . b " ) Siehe die Anmerkung ( v ) .
( A ) Er tf ? der Urheber eines Werkes , dessen Verlust man sehr bedauern muß . ] Dieß ist eine Sammlung der Rathschlusse des Volkes zu Athen geivesen . Schal . Ariftoph . in Kail . A6> . I . 8c . VII . Wie viele Schwierigkeiten könnte man nicht Heben , wenn man dieses Werk noch Hatte ? Wie viele besondere Umstände würde man nicht , ve , gen der berühmten Männer sehen . »wich ? in dieser berufenen Republik verbannet , oder auf andre Art misgehandelt worden ? Kraterus ist ein richtiger Schriftsteller gewesen : er hat den Inhalt der Anklage , und des gesproclienen Urtheils erzählet , und die Scribenten angeführt , die ihm diese Dinge dargebothen . t«t«v »Jtv 0 t« -
Utifiov vaetex . lv , ars } ( * ><» Sri tfäiena , xaiittf yfitpuv ra roixVra ,
tj ) tb« / TofBvr« ? . Huius rei Craterus feriptum monu -
mentuni profert nullum , neque formulam accitfotionis , neque ple - bifeitum , folitus alioqui talia adferibere et citare autores . Plutarch . in Ariftide , pag . 335 . A . Man hat auch Ursache , zu glauben , daß er sei - nem Werke den ganzen Friedensvertrag einverleibet gehabt . Sieheden Plutarch im Cimon 487 S . A . und oben in dem Artikel <£tmo»' , die angeführte Stelle . Zch glaube , daß Maussac ein solches Buch , unge - achtet der Verachtung und des Widerwillens , die er gegen die neuern Urtheilssammler bezeuget , mir so vielem Golde erkauft hätte , als es schwer gewogen : siehe in dem Wörrerbuche des Furetiere , unter diesem Worte , verschiedene Namen solcher Urtheilssammler : ttodie in Gallia , saget er , 110s huiusmodi homines e triuio vocamus , Collefleurs d " slrrefls , * A quomin migas , et fomnia exeudenda , et typis mandanda , diuina haec exeudendi ars potius inuenta videtur , quam ad ferias et non ita futiles doöoruni viroruin lucubrationes , pofteris imperitiam fe - quioris huius feculi hominum miraturis , et typographorum auari - tum contempturis relinquendas . Maufläc . Not . in Harpocrat . voce
Beobachtung über die Klagen , die man wider die Buchhändler führet .
Man sehe im Vorbengehen . daß sich die gelehrten Leute nicht erstlich heutiges Tages darüber zu beklaaen angefangen haben , daß die Buch - Händler lieber schlechte , als gute Bücher drucken lassen . Man darf sich nicht über die Buchhändler , sondern über die Leser beklagen ; denn wenn der Verkauf der guten Bücher so viel Gewinn brächte , als der andern , so ist kein Zweifel , daß die Buchhändler nicht die guten Schriften den schlechten vorziehen sollten . Ich nenne hier diejenigen gute Bücher , die «6 wirkliä ) sind , und nicht diejenigen , die es nur nach der Redensart der
^ " Man^findct eine Bestätigung hiervon bey dem Du Pin . „ Man eine Menge kleiner französischen Bücher ans Licht kommen , und man nebt fast kein einziges altes Werk , weder griechisches noch latet - n fdiH drucken Es ist wahr , die Buchhändler sagen , daß die Schuld ''nicht ihre , sondern des gemeinen Wesens sey Daß sich die ersten ver -
>16 . M - nmui - Is - htm Äfc
„ deswegen die Schuld beymesien . Man lMden Geschmack b - s After , „ thum« verlohren ; es gefällt nichts wehr^vas nicht >'eu ist . Die wah -
„ re und gründliche Gelehrsamkeit ist „ , '^m . br was
«sich , die Sachen nur obenhin zu wfte« . Man weis nicht mehr , was
II Sand .
„ ein gründliches Studium ist : man suchet das Alterthum in dm „ Neuenz unb es geschieht selten , daß man bis zur Quelle zurück geht . „ Dieß ist ein bejammernswürdiges Unglück für die Republik der Gelehr - „ ten , und es ist sehr zu befürchten , daß uns diese Scheingelehrsamkeit in „ einen ärgern Zustand versetzen wird . als die Unwissenheit und Bar - „ barey der vorigen Zeiten gewesen sind . Du Pin Bibl . des Auteurs Ecdef . Tom . II . pag . 200 . holländischer Ausgabe .
( B ) man darf dem Vofiius mcbt qlauben , daß es eben der , selbe Rrarerus gewesen , der so viel Theil an der Frcundscbast Alexanders des großen gehabt . ] Ich erstaune , daß Voßius eint Muthmaßung hat vorbringen können , wie diese ist : Sufpicor eile eum ipfum , qui cum Alexandro M . militauit , de quo fequenti libro dice - mus . Voflius , deHiftor . Graec . Lib . III . pag 347 . Er wiederholet seine Muthmaßung , wenn er von dem Kraterus redet , der den Alexander gleitet hat : FortalTe idem eft llle Craterus Macedo , de - quo inter in . certae aetatis feriptores dichim fuit libro tertio . Ebendas . IV B . 46 ? S . Er hatte den Strabo angeführt , welcher von einem gewissen Briefe des Kraterus an die Aristopatra . seine Mutter , redet , und saget : daß dieser Brief viel unglaubliche Dinge , und die mit keiner einzigen an - dern Erzählung überein kämen , enthalte . z'^tSerott St r< { rj ) Kf«rs ? 5
( Tf« { T«v wrigot AgitonaTgxv iriarolti Tia>k & ts x>ka rrxg & So^x

>« / «%' incioySi« Edita eft etiam Epiftola quaedam Craterl ad matrein Ariftopatram feripta , quae cum alia permulta admirabi - ha narrat , tum cum nullo concordat . Strabo , Libr . XV . pag . 484 . Dieß betrifft Indien . Ich bin sehr geneigt , zu glauben , daß dieftr Brief untergeschoben ist : denn , ob es gleich möglich ist , daß der Liebling eines großen Monarchen , und einer von den vornehmsten Heerführern eines Eroberers , sich eine Lust mit Verfertigung eines Briefes machen kann , der mit Mährchen angefüllet ist : so finde ich es doch nicht lich , daß er dergleichen Dinge an feine Mutter geschrieben hat . Noch weniger halte ich es für wahrscheinlich , voraus zu setzen , daß ein Herr , wie Kraterus , dessen Ruhm wegen des großen Antheils , den er an den Eroberungen nnd der Freundschaft Alexanders gebabt , so glänzend ge - Wesen , sich hätte entschliessen sollen , alle Rathichlüste des Volke« z» Athen , mit allen ihren Umständen , und denen dazu gehörigen Ansüh - rungen , ju ssmmlcn . Dieß ist die Sache eines praetilchen Sach - walterö gewesen . Dieß erfordert Leute , die den Staub einer Stadt - schreiberey , und nicht das Pulver der Canonen gerochen haben . Was eine Historie Alexander« , die Erzählungen seiner Feldzüge betrifft ; Ca ist e« eine andre Sache : ich leugne nicht , daß sich Kratern« , sein ling , nicht eine große Ehre daran« hatte machen können , daran zu beiten . Er hat auch in der That daran gearbeitet , wenn man dem Moreri glauben soll : Rrattrus , saget er . hat durch die stbonen rverke , die er von den iLroberrmgen Alexanders verfertiget . Merkmaaie - - ' fernes BPircs gegeben . Strabo , welcker derselben gedenket , fahret m dem XV £> . einen Brief des Rrate - rus an . Dieß heißt vorgeben . es habe Strabo diesen Brief von der Historie der Eroberungen Alexanders unterschieden Allein dieses ist falsch : er hat mir von diesem Briese gereder . Ich bekenne , daß heim den Kraterus unter die Geschichtschreiber Alexanders setzet ; al> lein man darf nur seinen Ausdruck betrachten , wenn man überzeuget seyn will , daß man Nichts davon gewußt . Craterus cum lud dro res gereret etiam hiftoriam dicitur confcripfiile . Freinshem .
Gg z Prole .

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