Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6252

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Corbinelli .
S
Man sehe dm Claudius Malingre , Herrn von St . Lazar . in einer Zuschrift der Hiftoires tragiques de notre tems , welches Buch 1641 zu Riuien gedruckt worden , an die edle und erlatvhre Person , - Herrn etcr von Corbinelli , Räch und - Haushosmeisiern des Röniges . ieß ist einer von den Söhnen Jacobs Corbinelli gewesen . ( 8 ) Man hat ihn als einen Menschen von der Gemüthsarr derjenigen alten Romer angesehen . ] In der Borrede , davon ich ge - redet habe , führet man diese Worte des Justus LipsiuS an : Gemen , veftram amaui femper , et ex ea illos maxiine , qui vetere illa Italia digni , qualem te esse , mi Corbinelli , video . Lipfnß , Epift . V . Cent . IV . Mifcelian . Er ist zu Leiden > ; 86 unterschrieben . Die Stelle ist verstümmelt , man muß sie ganz sehen : man wird darinnen finden , daß Victoriuö unsern Corbinelli sehr hochqeschätzet hat . Quälern te efle , mi Corbinelli , non folum ex igniculis litterarum tiiarmn , quos fpar - fos colligo , video ; fed etiam ex teftiinonio viri magni Viftorii , qui de indole tua ad virtutem magna praedkat nec vana . Dieser Brief des Lipsins belehret uns , daß Corbinelli einen Bruder gehabt , dessen Schicksal unglücklich gewesen . Fratris tui ntyutoWx * hiftoriam et trifte exitium legi : quid miremur ? hodie illae viae , et nil nifi exe äiov videmus a plerisque his Dynaftis . Ebendas . Es ist ein großes Glück , wenn er zu Florenz nicht unter einiger republikanischer Unter - nchmunq umgekommen ist .
( C ) iLr hat viel Theil an der - Hockachtung Oes Rangers von - Hospital getobt . ] „ Wir sehen in dem Briese , in lateinischen Ver - „ sen , die dieser Kanzler an ihn gerichtet , daß Corbinelli nicht allein unter „ allen seinen Freunden derjenige gewesen , dessen Unterredung die meiste „ Anmuth gehabt , sondern daß er auch bey nahe der einzige gewesen , den „ der Hof nicht verdorben gehabt , und die schönen Wissenschaften dem „ Eigennuke und dem Glücke vorgezogen har . „ Diese Worte sind des Verfassers von der Vorrede , und hier sind einige Vers - dieses Kanzlers :
Corbinelle , libens te plus fruar omnibus vno ,
Praefentisque animum fermone obledter amici .
Tu feruare rnodum nofti prope folus in aula ,
Et praeferre bonas inhoneftis quaeftibus artes .
Hofpital . Epift . VI .
( D ) hat ein Theil von seinem Vermögen angewendet , schiedene Schriften drucken ; u lasten . ] Das Buch des Dantes , „ über die italienische Sprache , ist durch seine Vorsorge ans Licht gekom , „ men ( « ) , ohne vieler andern schönen Werke zu gedenken , die in der „ Vergessenheit geblieben seyn würden , wenn er sie nicht ans Licht ge - „ bracht hatte . , » In der Vorrede zu den Maximen des Titus Livius .
O ) Er hat nicht allein dieses Buch des Dantes nach einem einzigen Manuscripte herausgegeben , das er davon gehabt , sondern er hat auch die italienischen Anmerkungen in der pariser Ausgabe , von 1577 , in 8 . bereichert , die sich zu Ende des Textes befinden . Eine Stelle in den Anmerkungen des Marschalls von Vapoinpierre , über einige Leben des Geschichtschreibers Dupleix , >velche in der Anmerkung ( H ) , dieses kels angeführer wird , fetzet als eine ausgemachte Sache voraus , daß dieser Mann , wegen Staatsverbrechen , aus Florenz verbannt worden : wel - cheS diesen Worten des I . A . von Baif in seinem Briefe in Versen , an den König . Heinrich den lll ganz zuwider ist , wo er von eben diesem Corbinelli redet : Er ist , ohne sein geringstes Verschulden , aas Florenz verbannt worden , saget dieser Pocke . Unterdessen machet dieser Brief das 4 Blatt in besagtem Buche aus , welches betitelt ist : Dantis Aligcrii praecellcntilT " . Poetae de vulgari Eloquentia Libri duo . Nunc primum ad vetufti et vnici feripti Codicis exemplar editi . Ex Libris Corbinelli : Eiusdcmque Annotationibus illuftra - ti . Ad Henricuin Franciae Poloniaeque Regem Chriftianiffimum . Paris , lo . Borbon . , 777 . Crit . Anm .
( E ) Er ist fö wohl ein beherzter und hurtiger Mann , als lMuchaltig und listig gewesen . ] „ Nach dem Berichte des Peter „ Matthäus , in seiner Historie Heinrichs des IV , hat sich der König , „ Paris genähert , wegen eines Anschlages , den seine Bedienten anqe - „ spönnen , die ilm versichert , ihm ein Thor zu öffnen . Er hat von ih - „ nen , sehet der ^>istorienschreiber dazu , alles erfahre , , / was vorgegangen „ ist : nnd die allergeheimsten Nachrichten sind vom Corbinelli überbracht „ worden , einem beherzten Manne , und der für Eifer gebrannt , die Sa - „ che des Königes über die Rebellion siegen zu sehen . Corbinelli , saget „ eben dieser Geschichtschreiber weiter , hat alles , was er erfahren , über - „ schrieben , und cs öffentlich in seiner Hand getragen , als ein Papier „ von einer gemeinen Sache , oder einem Rechtshandel . Seine so kühne „ und zuversichtliche Stirne hat die Wachen betrogen , und da er sich ge - „ zeiget , als wenn er sich auf alles verließe , so hat er bey niemanden „ Mistrauen erwecket . „ Ebendas . Ein anderer Geschichtschreiber re - det auf folgende Art davon : Der Ronig halte eine gute Anzahl treuer Diener m der Stadt , welche ihm von allem , was vor - meng , die genaueste Nackrickr gaben , und sich bereit hielten , , bm den Eingang zu erleichtern . Unter andern hat Jacob Cor - binelli hierbev alle Arten des Fleißes und der Aif ? angewandt . ! Lr hat seine Nachrichten allezeit , als Stücke eines Recktshan - vels in der - Hand getragen , um sieb durch diese Rühnbeit de - stoweniger verdächtig zu machen . Da er Se . Majestät , zur Aus - führnnz seines Anschlages nothigen wollen , hat er nicht mehr , als diese drey * X " Pocte : kommet , kommet , kommet , auf so viele pier geschrieben , als hierzu nothig gewesen , und es in einem ver - siegelten Federkiele verborgen , den OerBorbe in seinem Monde getragen - - - Dieser Corbinelli ist ein Italiener , aus einem von den ältesten und edelsten - Hausern zu Florenz gewesen . Ü - r war nach Frankreich geflüchtet , weil er ein Mitschuldiger von Ver Verschwörung des Pandolfo Puccio gewesen , wie Chuanua in seiner - Historie bemerker hat . Dupleix Hiftoirc de Henri IV . p . 22 . aufs 1589 Jahr .
( F ) Corbinelli - - - iff iniger Zeit einer von den ten und aufgeweckten Röpsen in Frankreich . ] Die Vorrede merket nicht , daß er in verschiedenen Bänden eine Sammlung der al - lerfchönsten Stellen herausgegeben hätte , die sich in den Werken der wl - higen Kopfe dieses Jahrhunderts befinden . Es ist betitelt : Extrait de tous Ies beaux Endroits des Ouvrages des plus celebres Auteurs de ce - tems , und zu Amsterdam 1681 gedruckt . Dieserwegcn bemerke ich dasselbe . Uebrigens verweise ich meinen Leser i» die Vorrede , wo man den Corbinelli auf eine sehr sinnreiche Art abgeschildert findet . die ihm
viel Ehre bringt . Die Mühe , die er sich genommen , die alten Ge - schichtschreiber in Lehrsvrüche zu bringen , dienet zugleich zu ihrem Ruh - me und zur Unterweisung des gemeinen Wesens . Der Verfasser der Vorrede hat Recht , zu sagen : „ daß die Kenner ein Vergnügen finden „ werden , eine Menge Gedanken und Grundsätze zu sehen , womit sich „ die Neuern schmücken , die sie den Alten abgestohlen haben ; und daß „ dieses einzige , wegen der Verdienste dieser großen Männer , die Augen „ eröffnen , und vielleicht einige eingenommene Gemüther werde heilen „ können , die gegen das Alterthum nicht alle Ehrerbiethung und Bewun - „ derung haben , die dasselbe verdienet . , ,
Betrachtungen über die Vergleichung der Alten und Neuern .
Ich zweifle nicht , daß , wenn man durch abgesonderte Gedanken die Alten mit den Neuern vergleicht , mau sich leichrlich überzeugen wird , daß der Vortheil nicht auf der letztern Seite ist ; denn ich glaube nicht , daß man in dieser Zeit etwas Erhabenes und Scharfsinniges gedacht hat , das man nicht in den Büchern der Alten findet . Die allererha - bensten Begriffe der Grundlehre und der Sittenlehre , die wir bey eini - gen Neuer» bewundern , finden sich in den Büchern der alten Weltwei - sen : also muß man , wenn unsere Zeit aus den Vorzug einen Anspruch soll machen können , ein ganzes Werk gegen ein ganzes Werk halten . Denn wer kann zweifeln , daß ein Werk , welches in demjenigen , was es Sckönes hat , andern Werken , nach demjenigen betrachtet , wc>s sie nes haben , nicht weicht ; ihnen nachstehen müsse , wenn seine schwachen Stellen viel zahlreicher nnd gröber , als die schwachen Stellen der an - dem sind ? Wer kann zweifeln , daß Cartesius , wenn er auch in den Bü - chen , der Alten alle die Theile seines Lehrgebäudes gefunden harte , nicht mehr Bewunderung verdienen sollte , als sie , . weil er so viele zerstreute Theile mit einander zu verbinden und ein ordentliches Lehrgebäude von einer Materie zu machen gewußt , die ohne Zusammenhang gewesen ? *
* Hier wäre eS wohl billig gewesen , einen Unterschied unter demjenigen zu machen , was zu den freyen Künsten , und was zu den Wissenschaften gehöret . So gewiß eö nämlich ist , daß die alten Griechen und Römer in der Dichtkunst . Beredsamkeit , Bau - kunst , Malerkuust . Schnitzkunst , und vielleicht auch in der Musik , die ganze Stärke derselben erschöpft , und uns nichts übrig gelassen haben , darinnen wir sie übertreffen könnten , ( wie ich in den An - merkungen zu des Herrn von Foncenelle Gedanken , vom Vorzuge der Alten vor den Neuern , bei ? seinen deutschen Gesprächen , von mehr als einer Welt erwiesen habe : ) so schwer dörfte dieses in den gründlichen Wissenschaften zu behaupten seyn . Die Werke des Witzes lassen sich von guten Köpfen bey nahe auf einmal zur Vollkommenheit bringen : die tiefsinnigen Wahrheiten aber , wozu viet Erfahrungen und Versuche , viele vorläufige Entdeckungen und Grundsätze , viele Erfindungen von Werkzeugen , Vortheilen und Handgriffen gehören , brauchen mehr Jahrhunderte und einen lang - anhaltenden Fleiß vieler nacheinander folgenden gründlichen Män - ner , die sich immer die Arbeit ihrer Vorgänger zu Nutze machen , und vermittelst derselben weiter fortgehen . Wer wird , z . E . nicht gestehen , daß man in der Mathematik heutiges Tages viel »veiter gekommen , als Euklides , Archimedes , Apollonius : c . ? Wer wird es leugnen , daß man in der Naturlehre , Chymie , Arzneykuust nichts neues wisse , was die Alten nicht auch gewußt ? Wer wird es nicht zugeben , daß man in dem Rechte der Natur , in der Sir - renlehre und Politik nicht bessere Werke in neuem Zeiten ben , als was uns Plate . Aristoteles , Theophrastus , Cicero , Sene - ca n . a . m . davon hinterlassen haben ? Es ist wahr , in allen diesen Stücken haben die Alten schöne Stücke , ichmeyne , vortreffliche Grundsätze , glänzende Lehrsprüche hinterlassen . Aber in der systc - malischen Abhandlung derselben kon , men sie den Neuen , gar nicht den . Der Zusammenhang machet eigentlich den Werth einer Wis - ftnschaft aus ; wo mau nicht des Cato vifticlia moralia , oder sers Anronins Betrachtungen für eine vollständige Morale ben will . Daß aber Herr Bayle dem Cartesius diese vortreffliche Ordnung zuschreibt , darinnen die Neuern den Alten überlegen wären ; darüber könnten ihn einige Ungläubige zur Rede setzen . Seine metaphysischen Gedanken sind es wohl nicht ; und die so vielfältigen Einwürfe , die ihm von den gelehrtesten Männern mit so vielem Grunde gemacht worden , so , daß sie auch alle tung verlohren haben , bezeigen es sattsam . Seine Physik ist ge - wiß auch so systematisch nicht , wie theils Huetius in CenfuraPhi - lofophiac Carteiianae , theils der P . Daniel in seiner Reise . durch die cartesianische Welt sattsam dargethan . Von seiner Morale und Logik ist nicht viel zu sagen , indem er von beyden nur einzelne kleine Theile geschrieben har . Vom Rechte der Natur und der Politik hat er gar nichts entworfen : folglich sieht man die große Methode in diesem Philosophen eben nicht ; ob er sie gleich andern anzupreisen gesucht . Claubera . unser Landsmann , hat der cattesia - Nischen Philosophie diejenigen Dienste gethan , die nachmals Wolf der leibnitzischen geleistet hat . Nur unserm Deutschlande ist also die Ehre der gründlichen Verbindung aller Wissenschaften anfbehal ten gewesen ; und die Nachwelt wird ihm diesen Ruhm nicht versagen können ? <5 .
Man merke , daß Corbinelli einen starken Briefwechsel mit dem Bußi Raburin gehabt . Dieses erhellet aus den Bänden der Briefe diese« letztern , wo man verschiedene mangelhaste Stücke von denjenigen einge - schaltet , die Corbinelli geschrieben hat : sein Name ist darinnen nur mit einem C . bemerket .
( G ) Man har nicht gewußt , von was für einer Religion Jacob Corbinelli gewesen . ] Thuanus saget es : wir wollen die ganze Stelle anführen : Man har nickt gewußt , von welcher Religion Corbinelli gewesen : es ifi eine Sraarsreligion sen , nach florenrinischer Art , allein er ist ein Mann von guten Sitten gewesen . Siehe die Thuana , z ; S . bey mir . Dieses Zeug« niß ist , wegen zwoer Ursachen , von großem Gewichre : weil Thuanus ein ernsthafter und redlicher Mann gewesen ; 2 . weil er den Corbinelli besonders gekannt hat . Wir wollen sehen , was er bereits znvor davon gesaget hatte : Ick habe den - Herrn Corbinelli , den Florentiner , genau gekannt . Er ist ein sehr gestheidrer Ropf gewesen . Lr iff zu den Xveltgesckäffren sehr geschickt gewesen , und hat eine

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