Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6249

Coornhert . Corbinelli .
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Hause Oestreich rauben wollten , sich mit den Städten Zürch , Lindau , und Uberlingen verbunden . Sie bat das Pabstthum im 1533 Jahre abgeschafft : allein da sie im 1548 Jahre in die Reichsacht erklart wurde , so ist sie von dem Kaiser Carl dem V dermaßen gedrängt worden , daß sie sich demselben unterworfen ; und dainals haben sich die meisten Protestanten und nament - lich Ambrosius Blaurer , ihr vornehmster Prediger , an andere Oerter begeben . Seit dieser Zeit hat Costm'H dem Hause Oestreich zugehört a , und Moreri hat sich stark betrogen , wenn er zweymal gesagt hat , daß sie eine Reichsstadt wäre . Sie hat sich un 1531 Jahre in den fchmaikaldifthen Bund begeben h , und ohne Zweifel ist dieses eine von den Bewegungsursachen gewesen , welche Carln den V bewogen , dieselbe nach Ueberwindung dieses Bundes unters Joch zu bringen . Die Schweden haben Costnitz unter der Anführung des Marschalls Horn 1633 belagert , und sich die Köpfe darvor zerstoßen . Die ten haben ein Tagebuch gemacht , worinnen sie viel Wunderwerke oder außerordentliche Merkmaale des Verstandes von oben herab eisest , die sich unter wahrender Belagerung zu ihren , vortheile gezeigt " ( A ) . Ein Protestant hat eine kleine Critik darüber gemacht ( B ) .
Munfter . in Cofinogr . pag . w . 397 . c ) Spanh .
a ) Aus des Matthäus Dresserus , Ifag . Hiftor . Parte V , pag . 196 und f . Merc . Suifle , pag . 372 .
( A ) Die Schweden haben sie 1633 belagert - - , die lagerken haben ein Tagebuch gemacht , worein sie viel XDurv verwerte - - - gesern , die sich unter wahrenver Belagerung zu ihrem Vortheile gezeigt ] Die vornehmsten sind , I , die wider „ alle« Vermuthen an deni schivachsten Orte der Stadt erhaltenen Vorthei - „ le ; II - der Much und die unglaubliche Herzhaftigkeit , so wohl ihrer ger als Soldaten , außer dem guten Verständnisse unter beyden . III . Die „ öftere Zuführe von Lebensmitteln , welche zu gelegener Zeit in die Stadt „ geworfen worden , und die guten Winde , die dazu behülflich gewesen ; ob , , gleich die Luft dieser Gegend gemeiniglich sehr widrigen Nordwest - winden , und ihre See , in diesem Monate , vielfaltigen Stürmen unter - , . worfen gewesen . IV . Die wenige Verwüstung , welche durch die Gra - „ naten und Feuerkugeln gemacht worden , ob man gleich eine erstaunli - . . che Anzahl hineingeworfen hat , welche zureichend gewesen wäre , die „ Stadt in Asche zu legen ? und die Einwohner an den Bettelstab „ zu bringen . V . Die Höhe des Rheins , welcher gewohnt ist , zufallen , „ so bald die Hitze des Sommers vorbev ist , der aber fortgefahren auf - „ juschwellen und einer von den Mühlen in der Stadt so überfiüßig „ Wasser zu geben , daß sie vermögend gewesen , den Belagerten die ganze „ Belagerung über die Norhdurft zu verschaffen : dieses haben sie durch „ den B - richt ihrer Müller bekräftiget , daß dieser Ueberfluß des Wassers „ nachgelassen , so bald die Feinde ausgebrochen , nnd die ftemden daten erlassen gewesen . VI . Die Allerbeschaulichsten haben dazu geseht , „ daß sie den vierten Tag der Belagerung am hellen Mittage die Jung - , , ftau Maria sich über der Kirche der Augustiner in einem außerordenr - „ liehen Glänze schwingen gesehen . Die schwedischen Schildwachen sind „ in eben diesem Tagebuche angeführt , als wenn sie dergleichen Erschei - „ nungen und ein mehr als englisches Gesichte gesehen hätten . welches „ längst der Mauer , nahe bey den Constabeln , von dem Thurm ? Revenegg , , bis an da« Thor von Creutzlingen hingegangen . Spanh . Merc . Suifle , pag . 372 und folg .
( v ) - - - Ein Protestant hat eine kleine Critik hierüber gemacht . ) Friedrich Spanheim , welcher Prediger zu Genf gewesen , als er den schweizerischen Mercur geschrieben , und mir die vorhergehende Anmerkunq verschafft hat , setzet folgendes dazu : „ Die Schweden ha - „ ben nichts davon , weder in ihrem Register , noch in dem Berichte der „ ihrigen , gefunden , und haben bemerket , daß es dem Verfasser des „ Tagebuchs öfters am Gedächmisse gefehlt ; nnd daß er sich beym Be - „ schlusse seiner Erzählung , weder des Schreckens derSeiniqen , das er zu „ Anfange seiner Erzählung bekennt , noch der Verwüstung der Stadt , „ noch der Besatzung ihrer Hospitäler , noch ihrer Todtenregister mehr „ erinnert , welche die Wirkung ihrer Granaten zureichend bewiesen . Sie „ erzählen auch als die gefährlichsten Erscheinungen , die sie unter wahren - „ der Belagerung entdecket , den Zugang so vieler Soldaten , welche zu „ verschiedenen Zeiten von der Seite der See hinein geworfen worden , den „ Mangel der Schiffe und die Breite der See , welche die Ihrigen verhin - „ derr , denselben den Ueberqanq anders , als von weitem , streitig zu machen . „ In der That haben die Belagerren in ihren Listen selbst ; ; c>c> Mann „ aufgezeichnet , die unter währender Belagerung in ihre Stadt gekom - „ men , außer dem Regimente des Grafen von Wolsegg , welches vor der „ Ankunft der Schweden allda in Besatzung gelegen . Die Stadt Uber - „ lingen hat ihnen soo Mann geschickt . Lindau 400 . Bregenz 200 .
. . Der Oberste von Mersv >200 . Das Regiment von Emb« 500 Da« „ von Altringen eben so viel . Der Oberste Eomargo 1000 . Der Oberst - „ wachmeister von Reinach 1000 , nnd sein Plakverweser 500 Die „ Schweden haben darfür gehalten , daß ein so mächtiger und so oft wie - „ derhohlter Beystand zureichend seyn können , sich nicht allein hinter dem „ Schutze guter Walle , gegen fünf bis sechs tausend Mann zu halten „ welche das Herz gehabt , sie unter vielen Beschwerlichkeiten und in et „ nem ftemden Lande zu belagern ; sondern sie auch zu zwingen , das fteld „ zu räumen , wenn diese Hülssvölker eben so begierig auf die Ehre „ als die Erhaltung ihrer Personen gewesen . „ Spanh . Mercure Suifle' pag . 374 und ferner . '
Man sieht , daß dieser Prediger einen THeil der Wunderwerke als Unwahrheiten verwirft , deren sich die Einwohner dieser belagerten Stadt gerühmt haben . Der andere THeil ist von einer solchen Art , daß kein Land ist , wo man nicht beobachten könnte , daß dergleichen Dinge , als Winde , Regen , Aufschwellung der Flüsse u . d . m . den kriegrischen Unter - nehmungen entweder Vorschub gethan , oder sie rückgangig gemacht haben . Allein da es nicht wahrscheinlich ist , daß Gott wider die allgemeinen setze der Natur handeln sollte , außer in denen Fällen , wo solches das Heil seiner Kinder erfordert , so muß man dasjenige nicht für Wun - derwerke halten , was sowohl unter den Ungläubiaen , als unter de» Gläu - bigen geschieht . Unterdessen ist man doch in allen Religionen sehr ae - neigt , sich mitwunderthätigen Wohlthaten begnadiget zusehen , und viel - leicht wurde Friedrich Spanheim , wenn er die Historie einer Belage , rung gemacht , die von einer protestantischen Stadt glücklich überstanden worden , Anmerkungen beigebracht haben , welche diesen , die er widerlegt hat , nicht sehr unähnlich gewesen seyn würden . Man liehe dasjenige zu Rathe . was in der Fortsetzung der Penfe'es diverfes gesagt worden Es giebt Prediger , die in denen Begebenheiten , die ihre Parten betreffen , ' alles snr Wunderwerke ansehm . Jurieu , zum Exempel , findet derselben überall , ( ebendas . 313 S - ) und noch letztens in demjenigen , was sich mir den Einwohnern in Sevenigs zugetragen hat . Siehe die Schrift , die er 1705 , unter dem Titel Avis aux Puiflänces de I'Europe , etc . geben hat . Allein Leute , welche die Kriegskunst verstehen , und die Lage des Landes , nebst der Neigung , darinnen sich die benachbarten Städte befunden , und alles dasjenige umständlich kennen , was die Empörung der Sevenner betrifft , werden nichts nnnatürliches in der Dauer ben und bey den Umständen finden . Ich will mich nicht in die Frage ein - lassen , ob ein Mensch , der überzeuget ist , daß der Zusammenfluß ver - schiedener Ncbenursachen die Unternehmungen des Feindes zu Grunde gerichtet hat , solches für Wunderwerke ausgeben ; nnd ob er sich mit dem Grunde rechtfertigen kann , daß er mehr Vertrauen und mehr Erkennt - lichkeit gegen die göttliche Hülfe in den Gemüthern erwecket : allein ich getraue mir wohl , zu versichern , baß , wenn er dadurch die Fürsten zu ei - nem Kriege zu vermögen hoffet , er sich viel falsche Einbildung machet . Jurieu mag immerhin schreyen , daß die Erhaltung der CamisardS eine bestandige Folge von Wunderwerken ist : die Prinzen werden sich nichr sehr regen , wenn sie nicht andere Ursachen der Staatskunst , die sie besser kennen , als er , und welche sie ihm zn melden nicht nöthig . haben , vermö - gen , diesen Leuten beyzustehen . Sie wollen bey einer Unternehmung helle sehen . Allein die Wunderwerke der zukünftigen Zeit sind ein Ge , genstand des Glaubens , und folglich ein dunkler Gegenstand .
Eoovnhert i ein holländischer Schriftsteller im XVI Jahrhunderte . Siehe Roornherr .
Corbinelli ( Jacob ) war ; u Florenz und aus einer von langer Zeit her berühmten Familie gebohren ( A ) . Er begab sich unter der Regierung Catharinen von Medicis nach Frankreich . Diese Königinn , mit welcher er verwandt zu seyn die Ehre hatte , gab ihn ihrem Sohne , dem Herzoge von Anjou , als einen Menschen von schönen Wissenschaften und gutem Rathe zu Er
fchen von der Germichsart derjenigen alten Römer an ( B ) , welche voller Gerechtigkeit und zur allergeringsten Leichtsinn , gkeir unfähig waren : er hatte viel Theil an der Hochachtung des Kanzlers von Hospital ( C ) . Er war ein offenbarer Freund und Beförderer gelehrter Leute , so gar , daß er auch , ob er gleich nicht sehr reich war , dennoch ein Theil von seinem Vermögen an - wendete , ihre Schriften drncken zu lassen ( D ) . Allein sein Pfund fand in den Uebungen der Musen ftine Grenzen nicht . Er war
mehr als auf eine Art ein Staatsmann : er war auch so wohl ein beherzter Mann und von hurtiger Entschließung , c und listig ( E ) . Raphael Corbinelli sein Sohn , Secretär bey der Königinn von Frankreich , Maria von Medicis , , st der Vater des Corbinelli gewesen , der ißiger Zeit einer von den guten und aufgeweckten Köpfen in Frankreich , stc ( r ) . Man sehe sein Lob in der Vorrede , die mir nicht allein die Materialien , sondem auch die Ausdrücke dieses Artikels dargevvthen hat . Das - ienige , was die Aufmerksamkeit wohl verdient , ist , daß man nicht weis , von was für einer Religion . Jacob Corbinelli gewe - fen ( G ) . Dieß könnte den Verdacht erwecken , daß er keine andere gehabt , als ein ehrlicher Mann zu seyn . Der Marschall von Bassompierre hat sich wider ihn heftig erzürnt ( H ) .
a ) Dupleix Historie Heinrichs des IV , aufs 1 * 89 Jahr , Nuni . > . saget , daß Jacob Corbinelli ein LNensch von seltener Gelehr , CattiPct'f her Oern Könige Heinrich Sem III , in Pohlen , gewesen fey , ihn in sckonen tvtssenschaflen zu unterhalten . t ) VI© .
' — f . . . O «ma QErtKr man Ofninit jjj ( ' " * " " '
sto 5 bev mir aufs H79 Jahr . Der Herzog von'Anjou ist damals König von Frankreich gewesen , c ) Aus der Nachricht an den Le - ser von einem Buche , Les anciens Hiftoriens Latins reduits en Maxiuies betitelt , im Jahre 1694 , gedruckt . Man schreibt diese Vor - rede dem p . »ouhours zu .
„ einem der ältesten und edelsten Häufer In Florenz entsprossen , und sein» „ Vorfahren haben zu den Zeilen der Republik , die vornehmsten Plätze „ unter den Herrn von der Regierung bekleidet . „
Ff - Man
( A ) «rwar auseinervon langer Zeit her berühmten Familie . ) Hier sind die Worte der Vorrede , die man vor die Maximen des Titus kivius gesetzt hat , die von dem Lerbinelli gesammlet worden . „ er ist aus ll » ( WO .

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