Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6226

Conon .
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denn ein Redner machet sich keine Schwierigkeit zu sagen : Gustav hat ganz Europa in Freyheil gesekt , weiches des Hauses Oesterreich Sklave war ; allein bey einem Gcschichtschreiber ist diese Sprache allzuun - bedachtsani .
( F ) Cimotbeus , sein Sohn , ist des Ilokrates Sckuler sen . Plntarch . in Vita Ifocrat . ] Cicero bezeuget , daß Timotheus seinem Vater in den kriegerischen Tugenden gleich gewesen , und ihn in Wissen - schaften übertreffen habe . Q«od idem fecit Timotheus Cononis filius , qui cum belli laude non inferior fuiflet quam pater , ad eam laudem doörinae et ingenii gloriam adiecit . Cicero , de Offic , Libr . I . cap . XXXII .
( G ) - - - und er bar sick manierlick aus der Sacke ge , Wolfen , da man ihm da« üble Gebert seiner Mutter fen . ^ Diese Frau ist aus Thracien gewesen , und hatte das Handwerk einer öffentlichen Buhlerinn getrieben : allein nachdem sie demselben ab - gesagt , so hat man keine strengere und exemplarischere Aufführung hen , als die ihrige ; und dieß ist dergleichen Frauenspersonen eigen , wenn sie sich aufrichtig bekehren : wenigstens ist dieses der Gedanken des Schrift - stellerS , den ich abschreibe . TinoStos i'i rfartfytjtae a'9ipoclm faipavü ; , iraigat - »» , ggärrik to yhos , «vjivjf« 5' «a» { t« tjots« , tu - rußiX^nroit yuQ al toixStoi d ( to tupf oh , t»» in ) tbt» ct ( Mtnofitnn
ilt ) ßiArluc . Timothei , qui cum magna gloria Athenienfium dux exercituum fuit , niater erat Thracia genere , meretrix , fed grauibus et laudatis moribus . Nam eins conditionis foeminae , cum ad tem - perantiam et continentiam fefe applicuerint , aliis , qui ob eas virtu - tes gloriantur , probiores sunt . Athen . Libr . XIII . cap . V . pag . m . 577 . Timotheus , als er sich geschraubt gesehen , daß er eine solche Mutter hat - te , hat geantwortet , er wäre ihr große Verbindlichkeit schuldig , weil sie Ursache gewesen , daß er der Sohn eines berühmten Vaters wäre . Ebendas . In der That hätte diese Frau niemals beym Conon geschlafen , wenn sie sich nicht übel ausgeführt Härte , und also würde Timotheus in seinem Nichts geblieben seyn . Er hat also sein Daseyn dem unordentlichen ben seiner Mutter zu verdanken gehabt ; allein dieses Daseyn ist , in An - sehung der Figur , die Conon in der Welt gemacht , rühmlich gewesen . Dieses erinnert mich desjenigen , was man von der Mutter dreyer be - rühmter Bastarde sager . Sie hat ihre Fehler nicht bereuet , da sie gese - hen , daß drey Männer von großen Verdiensten daraus entsprossen wären . Man betrachte die Anmerkung ( B ) Key dem Artikel iScßsmus .
( H ) Conon , sein Enkel , wurde verdammt , ein Grücke von der Stadtmauer rvieder aufzubauen . ^ Cornelius NepoS bat hierüber durch einen ziemlich artigen Gegensah moralisitt : Huius ( Timothei ) poft mortem , quumpopulum iudicii fui poeniteret , mul & ae nouem partes retraxit , et decem talenta Cononem filium eins , ad muri quan . dam partem reficiendam , iuflit dare , in quo fortunae varietas eft ani . maduerfa ; nam quos auus Conon muros ex hoftium praeda patriae reftituerat , eosdem nepos cum fumma ignominia familiae ex fua re familiari reficere coadtus eft . Cornel . Nepos , in Vita Titnothei , cap . IV .
( I ) Man findet - - - weder be^ dem Justin Nock indem Cornelius Nepos allzugroße Rickrigkeit , man mag sie mit ein - ander vergleichen . - - - ] Hier ist die Erzählung Justins im VI B . II und f . Cap . Die Lacedämonier , nachdem sie die Republik Athen unters Joch gebracht , wurden viel herrschsüchtiger , als zuvor , und die Äobeninq von ganz Asien war da« wenigste , woran sie dachten . More ingenii humani , quo plura habent , eo ampliora cupientes . daselbst I Cap . Wegen dieser Absicht mußten die Persianer überwun - den werden , sowohl diejenigen , die vom Tissaphernes , als diejenigen , die vom Pharnabazu« angeführt wurden . Die Unternehmung kam dem lacedämonischen Feldherrn Hercyllides zu groß vor : dieserwegen bestach er den Tissaphernes ; er machte einen absonderlichen Vertrag mit ihm , kraft dessen er sich verbindlich machte , ihn gegen Bezahlung gewisser Summen nicht anzugreifen . Pharnahazus beklagte sich über diese Auf - führung : er stellte vor , daß Tissapherhes , an statt die Feinde zurück zu treiben , von ihnen einen Waffenstillstand erkaufte , der ihnen Gelegenheit gäbe , die andern Provinzen der Monarchie viel stärker anzugreifen : daß man ihm also die Gewalt über die Flotte nehmen , und sie dem Conon auftragen müßte , der auf der Insel Cvpern im Elende lebte . Der Kö , nig von Persien fand die Klagen de« Pharnabazu« gerecht , und gabBe - fehl , die Seemacht dem Conön zu untergeben . Hierauf hielten die dämonier bey dem Könige von Aegypten um Beystand an , und erhielten viele Schiffe , worauf sie beschlossen , ihren König Agesilaus mit einer großen Kriegsmacht nach Asien zu schicken . Mo bekamen Conon und Agesilaus in Asien mit einander zu thun . Die Partie war gut gemacht ; sie waren einander in allen Dingen gleich ; es geschah auch , daß keiner den andern überwand . Non facile dixerim quod aliud par ducum tam bene comparatum fuerit , quippe aetas , virtus , confiliimi , fapi - entia vtiqiie prope vna , gloria quoque rerum geftarum eadem : qui - bus cum paria omnia fortuna dederit , inuictum tarnen ab altero vtrumque feruauit . Iuftin . Libr . VI . cap . il . Sein tamen zeiget mir keinen guten Logikverständigen ; denn anstatt , daß man es befremd - lich finden sollte , wenn zween in allen Dingen gleiche Feldherren ander nicht überwunden haben , so sollte man sich verwundern , daß sich solches zugetragen hätte . Dieserwegen habe ich nicht nach dem Texte Justins sagen wollen : Nickis destoweniger ist es geschehen , daß ner den andern überwand : ich habe auck anstatt de« nickts destowe , niaer gesetzt . Wie sich aber die Soldaten Cononswegen außenbleiben - der Bezahlung empörten , und die Briefe , die er deswegen an den Kö - ttia sckrieb . nickt« Halsen : so that er eine Reise an den Hof von Persien , und stellte die üble Anwendunq der königlichen Einkünfte von den De - dienten so nachdrücklich vor . daß der König einen Mann ernennte , der dem Conon die nöthigen Gelder auszuzahlen sorgen sollte . Gleich dar , auf ward Conon zu der Flotte abgeschickt , und er that ohne Zeitverlust
Landunaen in den feindlichen Provinzen : er verheerte sie , er »ahm die
Städte darinnen ein und sehte alles in solche« Schrecken , daß die von 8eedäm ! n beschlossen , den Agesilau - zurück zu rufen^ Unterdessen rüste - ren sie eine große Flotte au« , »nd glaubten , im Stande zu seyn . eine
iiiÄ . ijm fcrtnnm • nflfitt tDtttbftl vom Tonon Dieser S - eq hat die Atheni'enser wieder in Frevheit gesetzt . und den The - ££ fflÄftiSLS ! 1Wk» Krieg
selben , und sielen hierauf mit aewaffneter stck
cedämonier ein . Die Lacedämonier riefen den Agesilau« «uruck , sich
II Band .
diesem Strome zu widersetzen . Siehe die letzte Anmerkung zu Ende Agesilau« kam zurück und erhielt einen Sieg . Conon that , nachdem er erfahren , daß AgesilauS Asien verlassen hatte , eine neue Landung in den feindlichen Ländern ; er plünderte sie und kam darauf »ach Athen zurück Man sehe die Erzählung des Cornelius Nepos in dem Texte de« tikels und halte sie gegen Justins seine , so wird man finden , daß entwe» der der eine , oder der andere von diesen zweenen Geschichtschreiber» große Schnitzer gemacht hat . I . Nach dem Justin , giebr man dein Conon
erstlich die Bedienung , da sich der König von Persien von der Verrärherev
de« Tissaphernes , durch die Bemühungen de« Pbarnabazes überzeugt hatte . Die erste Bedienung , die man ihm gegeben , ist da« Commando über die Flotte gewesen : er hatte sich bis zu der Zeit auf der Insel Cv - per» , aufgehalten , da ihm Pharnabazu« dasselbe verschafft . His vocibus regem a Tifl'apherne alienatum hortatur { Pharnabaxut\ vi in locuin eius naualis belli ducem eligatConona Athenienfem , qui amiHä hello patria Cypri exulabat . luftin . Libr . VI . cap . I . Allein nach dem nelius NepoS , Hatte er sich nicht nach der Insel Cypern gerettet ; er war gerades Weges zu dem PHarnabazus gegangen ; er war die Seele des Kriegsheers gewesen , welche« von diesem Heerführer commandirt und dem Konige Agesilaus entgegen gesetzt worden : er war durch seine au - ten Nachschlage Ursache gewesen , daß Agesilaus keine weiter» gen gemacht ; er war nach dem Abzüge de« Agesilaus nicht unbrauchbar geblieben ; er war vom PHarnabazus nach Hofe geschickt worden 'den Tissaphernes anzuklagen ; er halte den Artaxerxes wegen dieses Vcrrä - ther« aus dem Jrrthume gebracht ; uud nach diesem allen hatte er da« Gebiethe über die Flotten erhalten . Kann man wohl zwo unterschied - lichere Erzählungen sehen ? IL Nach dem Justin haben die Lacedämonier aus die erhaltene Kundschaft , daß Canon die SchissSmachr der Persianer commandiren sollte , große Zurüstungen zu Lande und zu Wasser macht : sie haben den Pisander über ihre Flotte gesetzt , und den Agesilau» mit sehr schönem Volke nach Asien geschickt , sich dem Conon zu wider - setzen : so daß man damals zween große Manner wider einander auftre , ten gesehen . Agesilaus und Conon haben ihren Ruhm behauptet ; kei« ner von ihnen hat seinen Widersacher Uberwunden . Weil aber Conon« Soldaten schlechten Gehorsam geleistet , weil sie nicht bezahlt worden , so ist er gezwungen gewesen , an den persischen Hof zu gehen , um dem Könige da« nöthige Hülssmittel vorzustellen ; er hat Geld bekommen lind ist zur Flotte zurück geschickt worden . Cornelius Nepo« enädlet die Sachen viel cmders ; er will , daß Conon erstlich die Schiffsmacbt commandirt , nachdem Agesilaus Asien verlassen . um Lacedämon zu fe zukommen : er will , daß Conon den Tissaphernes anzuklagen , und nicht wegen der Meutereyen seiner Soldaten an den Hof von Persien gegangen . III . Nach dem Justin , ist die persische Kriegsmacht nur vom Conon commandirt worden ; allen , nach dem Cornelius Nepos ist e« PHarnabazus gewesen , der sie commandirt hat : es ist wahr , daß da« Hauptcommando dem Conon gehöret , weil man sich nach seinen Rath - schlagen gerichtet hat . Man müßte keine Augen haben , wenn man die Fehler in der Erzählung Justins nicht sehen wellte : denn nachdem uns dieser Schriftsteller den Conon als Admiral de« Königes von Per - sien angegeben , Iufliis eft ( Pharnabaztis ) Conona clafli praeficere , ebendaselbst : so zeiget er uns denselben an der Spitze eines Kriegsheers zu Lande , ohne daß er uii« meldet , warum und wie der Hof eine selche Verwandlung besohlen , und ohne uns einmal zu sagen , daß er ftinetwe» gen andere Anstalten gemacht hätte . Es wird mir niemand leugnen , daß Agesilaus den Krieg zu Lande geführet hat ; ( Xenopho» . Libr . III . pag . 294 . bemerket , daß die Lacedämonier dem Agesilaus nach Asien die Verordnung zugeschickt , die Schiffsmacht zu commandiren ; daß er aber diese Bedienung seinem Schwager gegeben f>rfbe . j es ist also nach dem Justin ohne allen Zweifel , daß Conon , der ihm entgegen gestellt wor - den , zu Lande commandirt haben muß . Der Geschichtschreiber begnüget sich nicht mit diesem Schnitzer , er begeht noch einen andern : er stellet uns nicht allein einen erdichteten Admiral vor , welcher , ohne da« gering - ste zur See gethan zu haben , nur an der Spitze eines Knegsheerö mit - ten im Lande erscheint ; sondern er saget auch , daß dieser Feldherr , da er eine Reise gethan , sich zu beklagen , daß man seine Soldaten nicht be - zahlte , auf die Flotte zurück geschickt worden . Wer sollte nicht glauben , wenn er diese« liest , daß Conon bereits auf der Flotte des Königes von Persien erschienen wäre ? Unkel dessen ist e« gewiß , daß er , nach dem Justin , sich nur unter der Kriegsmacht zu Lande sehen lassen . Dieß sind Fehler der Aufmerksamkeit , die man nicht rechtfertigen kann , wenn man gleich sagen wollte , daß dieser Schriftsteller nur der Auözua einer großen Historie wäre : dem , ein guter Auszug«versertiger läßt niemal« dergleichen Umstände aus , als wie hier fehlen . Dieses betrifft die Be - urkheilung , die man über den Justin machen könnte , wenn man ihn be . trachtet , als wenn er der einzige gewesen , der von diesen Dingen geschrie - den ; allein ich zweifle nicht , daß man denselben , wenn man ihn mit andern Historienschreibern vergleichen will , nicht ganz leicht etlicher Lügen überzeugen sollte . Ich wollte wünschen , daß seine Ausleger auf die Mängel seiner Erzählung und seine historischen Verwirrungen Acht gehabt hätten . Sie haben fast alle die Anmerkungen der Sprach - lehre mehr geliebt .
Ich wollte den Cornelius Nepos dem Justin nicht gern allezeit vor» ziehen ; denn ob er gleich , da er nur das Leben eine« einzigen Mannes abhandelt , viel richtiger davon hätte reden sollen , al« diejenigen , die bey Verfertigung einer allgemeinen Historie diesen Mann nur unter Wegen« antreffen : so ist e« doch wahr , daß ich tn gewissen Dingen lieber der 'allgemeinen Historie trauen wollte , die un« Xenophon hinterlassen , al« ihm . Xenophon kömmt in verschiedenen Stucken mit den , Corne - liu« Nepo« mehr und weniger überein , als Justin . Cr menger den Conon weder in die Kriege zu Lande wider den Agesilaus , noch in die Ungnade de« Tissaphernes . Dieß heißt zugleich den Cornelius Nepo« und den Justin widerlegen . <£r laßt den Conon nicht eher auf den Schauplatz treten , al« iiach ^r B estrafung de« Tissaphernes , und um den Vortrupp von der Schiffsmacht des Artaxerxes in der Schlacht bey Cnidu« zu commandiren . Xenophon , de Rebus geftis Graec . Libr . IV . pag . 303 . Hier findet Cornelius Nepos nichts für sich . Justin findet daselbst etwa« , das ihm Vorschub tf ) ut . Tenophon erkennet , daß Conon zwo Landungen aus dem Gebiethe der Lacedämonier gethan , allein bevde nach der Schlacht bey CniduS , und als Plahverweser oder AmtSgenosse des PHarnabazus . Ebendas z . z , 3i40 . Diese« widerleget den Justin , welcher vom PHarnabazus nur als wie von einer Nulle redet und vor« aussetzet , daß die erste Landung vor de» Schlacht bey Cnidus geschehen Ff sev .

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