Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6141

Comenius .
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trächtigste begegnen . Allein zu gleicher Zeit geben sie zu erkennen , daß sie sich mir Unrecht der Eingebungen rühmen : denn wenn ihnen Gott die große Ehre erwiest , so würde er ihnen den Geist der christl . Demnrh nicht versagen ; sie würden nicht einen so großen Haß gegen alle diejenigen fassen , die ihren Traumen keinen Glauben geben wollen . Vt elt fui plenus ( also redet MaresiuS auf der 5 Seite , von dem Comenius ) et grandia sentit de feiplo , prout folent omnes ifti Vifionarii , qui speciale cum nuniine commercium tibi intercedere gloriantur eile fuperbiflimi , non poteft aequo ferre aninio fuas , non dicam folum naenias , et quisquilias , fed fanaticas et enthufialiicas cogitationes im . probari . Zum II , beschuldiget man ihn , daß er sich darüber erzürnet , weil man ihn des Widerspruchs überzeugt hatte . Er hatte wider einen Felyenhauer geschrieben , welcher Prophezcyungen vorgegeben , die de« Drabicius seinen ganz ahnlich gewesen : er hatte ihn mit sen bestritten , welche denen ganz gleich waren , die des Drabicius Ge - sichte zu Grunde richteten : er hatte sich also selbst zum voranS wider , legt , und man dorfte ihn nur wider sich selbst anführen , wenn man ihn lacherlich machen wollte . Dieß hat ihn in der Seelen gekranket . Dieß ist das Schicksal der Einbildung und derer , welche wegen allzu starker Leidenschaft gegen gewisse Dinge Schwärmer werden . Ihre ersten Werke werfen die letztem übern Haufen , und wenn man sich erkühnet ihnen Widersprechungen vorzuwerfen , so gerathen sie in einen rasenden Zorn . Man hat nach dem Tode des Ccmenins ein so bekanntes Bey . spiel davon gesehen , daß es nicht nörhig ist , dasselbe zu bemerken . Zum III , beschuldiget man ihn , daß es ihm an Beurtheilungskraft gefeh , let : den Witz und das Gedachtniß betreffend , leugnet man nicht , daß er viel davon besessen . Und zn beweisen , baß er kein Urtheil gehabt , so wirft man ihm vor : daß er sich in allzu viel Dinge gemischt , daß er un , ruhig und unbeständig gewesen , und daß er auch bey seinen Begriffen von der Sprachlehre'nichc beständig geblieben sey . Non mirum eft , quod in Comenio summa äufml» furnrnae ingenii dexteritati coniiui - gatur . Illarn comprobant U^icIjlv conftans eins * oku * t * yy . oc4ini , ge - nus vitae defultorium , et perpetua , quae maxime in fuis
Granimaticationibus fingendis et refingendis per totos 30 annos elu - xit . Ebendas . Zum IV , beschuldiget man ihn der Unbeständigkeit in Betrachtung der Religion . Man wirft ihm vor , daß er lange Zeit gemeinschaftlich mit den Socinianern die Befriedigung der Kirche im Kopfe gehabt . Zwickerus , dcr von dieser Secte gewesen , hat es ihm öffentlich vorgeworfen . Man sehet darzu , daß er eine wunderbare Ge - falligkeit gehabt , sich nach dem Geschmacke der Partey zu richten , mit welcher er leben müssen ; daß er aber . wenn man dem allgemeinen Gerüchte glauben darf , bei , keiner einzigen Partey das Nachtmahl ge - braucht . Man wirft ihm seine Laulichkeit in Widerlegung der Pabstler vor , indem er nicht ? wider sie geschrieben , als ein kleines Buch ge - gen den Capuciner Valerian Magni , vor welchem er auch nicht ein - mal seinen Namen anders gesetzt , als nachdem er ihn nach den geln der Cabale versteckt hatte . Ita tepidus eft in propugnanda Proteftantium caufa contra Pontificios , vt nonnifi feinel tale quid fecerit aduerfus Valerianum Magmim Capucinum A10 ordinario nomine dilüinulato , et afliunto Cabaliftico Huldrici Newfeldii , quod praefixit illi paueularum plagarum opufeulo . Marelius , in Antirrhetico . Et hat sich in dcr andern Ausgabe qcrechtfertiget . in - dem er gesager , daß er niemals die Streitigkeiten geliebt . Er hat die , ser andern Ausgabe einen Entwurf zu dcr Vereinigung zwischen denKa , tholiken und Protestanten beyfügen wollen ; allein seine Freunde haben ihn vermocht , denselben wegzulassen . Dieß ist das Buch Ablurditatum Echo betitelt . Die andere Ausgabe ist von 1658 . Man hat gegen ihn als einen BeiveiS von seiner Unbeständigkeit , die Schriften anzusüh - ren vergessen , die er wider das Irenicon Irenicorum des Socinianer« Zwickerus herausgegeben hat . Siehe die Anmerkung ( M ) . Allein man hat nicht vergessen , ihm zu sagen , daß er bev Lebzeiten seiner zweenen Mäcenaten nichrs als rühmliches von dem CartesiuS gesprochen , da er hingegen nach ihrem Tode eine Schmähschrift wider diesen großen Phi , losophen herausgegeben hatte . V . Der Hauptmangel , den man ihm vorwirft , ist die Schivarnierci ) : Sed praefertim eft Comenius Fanati - ticus , Vifionarius , et Enthuliafta in folio . Marelius , in Antirrhetico pag . 9 . Er hat vorgegeben , daß die Prophezeyungen des Drabicius allen Prinzen von Europa zur Tablatnr dienen sollten ; hiervon kommt es , daß er Briefe an den Pabst , den Kaiser , die Könige und die Carbi - näle geschrieben , um ihnen dieses Werk als die Regel ihrer Aufführung anzupreisen . Datis ad Papam , ad lmperatorem , ad Reges , ad Cardi - nales litteris , has naenias illis de meliori nota commendare atque exinde quid facere , quid ewere , quid metuere debeant illis praelcri . bere . Ebendaselbst 10 0 . Er ist bestandig wachsam auf die europäi - fchen Begebenheircn gewesen , damit er sie nach dem Lehrgebäude seiner Träumerenen einrichten könnte . Dieß ist dielen Leuten eigen , wie man es aus frischen Bespielen weis , daß sie ihre Weissagungen nach den Berichten der Zeitungsschreiber einrichten . Comenius hat in der Ungewißheit , ob die englischen und holländischen Bevollmächtigten , wel - che den Frieden im 1667 Jahre zu Breda unterhandeln sollten , ben würden schließen können , einen von seinen Engeln an sie abgeschickt , ihnen anzudeuten , daß sie den Krieg endigen , und durch dieses Mittel die Ankunft des Reiches Jesu Christi erleichtern müßten , das tausend - jährige Reich , welche« die goldnen Zeiten und die Herstellung der Unschuld zurück bringen wurde . Er hat ein Buch herausgegeben , unter dem Titel : Angelus pacb ad Legatos pacis Anglos et Beigas Bredam mif . fus , indeque ad omnes Chriftianos per Europam , et mox ad omnes Populos per Orbem tottim mittenduz , vt fe liftant , belligerare defi - ftant , pacisque Principi Chrifto , paceni eentibus iam loquitturo lo - eum faciant . Er hat noch zwey andere Bücher versprochen , welche die doppelte Morqenröthe des großen Tage« seyn sollten , der bald anbrechen würde Maref . in Antirrhetico pag . 10 . VI . Man hat ihm vorge - werfen , daß er und andere dergleichen chiliastische Schwärmer keinen andern Zweck hätten , als das Volk aufzuwiegeln , und daß er bey Cromwelln nichts vergessen habe , es so weit zu bringen , daß in Böhmen Emvörungen entstünden . Ne obiic . am Comenio , quae iofe auon . dam per tertium molitus eft apud Cromwelhum ad res turbandas in Bohemia Ebendas < ; * S . VII . Endlich hat man ihm schuld gegeben , mTmÄÄT» tr ( «1 S«ft tu * » * «I» MM» wollen , daß er Unrecht l>atte . Er hatte ehedem . n Epiftola ad Stolc . um im . 640 Jahre geschlossen , daß die Prophezeyungen Fe genhaue « mjt von Gott wären , weil sie der Ausgang nicht bestätiget , allein seiner II Sand .
drey Propheten ihre , des Cotteru« , der Poniatovia , und de« Drabicius hat er auf da« eifrigste verfochten , und sie mit denen im alten mente in eine Gleichheit gesetzt , ob sie gleich der Ausgang Lügen gestraft Nunc vero fuas propugnat , etfi ab euentu fuerint deftitutae imd eas impie , profane et facrilege cum prophetis V . T . audet conferre . Maref . in Äntirrhet . pag . 66 .
( H ) Tr hat endlich die Eitelkeit semer Arbeiten erkannt 1 Man sehe da« Buch , welches cr zu Amsterdam unter dem Titel : Vnius neceflarn im 166g Jahre herausgegeben hat , und die Lobsprüche , die ihm Spizeliu« in Infelice Litterato 1024 u . f . S . wegen dieses Be - kennriusses und de« Vorsatzes , in Zukunft weiter an nichts , als an da« große Werk des Heils zu denken , beygelegct .
( I ) Wenn cr noch ein wenig gelebt hätte , so würde er ein Zeuge von dcr Unrichtigkeit seiner Versprechungen wegen de» tau , sindiabrizm Geichs gewesen styn . ^ Er hat gesagt , daß das tausend - lührige Reich 167 - oder , 67z anfangen würde . Maref . in Antirrh p g Fast jedermann wird glauben , daß er zu höchstgelegener Zeit aestorben ist . weil er der Schande entgangen , die Eitelkeit seiner Provhezeyunqen selbst zu sehen . Ich bin überzeugt , daß er nicht viel gew° , m ? nha " Er ist zu dergleichen Widerwärtigkeiten so gewohnt , mid man möchte sagen , abgehartet gewesen , daß er diesen letzten Stoß ohne Empstn . dung würde ausgestanden haben . Diese Herren sind von einer unver , gleichlichen Leibesbeschaffenheit : e« bringt sie nichts au« ihrer Gelassen - heit ; sie erscheinen nachdem Verlaufe de« gesetzten Ziel« eben so keck in den Gesellschafren , als zuvor ; sie fürchten weder die Sporrreden noch die ernsthaften Klagen , denen sie zum Raube dienen sollten . Sie sind all ? - zeit bereit , wieder anzufangen ; mit einem Worte , sie halten die Probd der allerrechrmäßigsten Beschimpfungen aus . Man darf nicht allein die Einrichtung ihres Wiheö und ihre« Herzen« befchuldiqen : das ge - meine Wesen ist hierbey wegen seiner erstaunlichen Nachsicht tadeln« - würdiger , al« sie selbst . Man saget gemeiniglich ; Gott vergiebr alles , die Menschen vergeben nichts : allein dieser Grundsah ist in Ansehung der Aueleger über die Offenbarung Johannes falsch : es ist sehr wahrschein - lich , daß Gott gegen diejenigen , die mir seinen Aussprüchen so frech gehen , und sie den Ungläubigen verächtlich machen , nicht so gelinde ist als die Welt . Ein gelehrter GotteSgelehrter beobachtet , daß Comeniu« nichts von seinem Ansehen verlohren , ob er gleich das Volk hundertmal durch seine Schwarmereyen betrogen ; er ist allemal für einen großen Propheten gehalten worden : , 0 gewiß , ist es , daß man Gefallen har , be» gewissen Sachen betrogen zu seyn . Interea toties ineptiis eius deeepti eurn pro magno Propheta habere pergunt , ne quiequam inde detri . menti authoritas eins fentit . Sic mundiw vult deeipi . Arnoldus in Append Difcurf . Theol . p . vlt . Ich habe bereits gesagt , daß Come - niuS darauf bestanden , die Weissagungen de« Drabicius für göttlich aus , zugeben . ob sich gleich dcr AuSganq wider dieselben erkläret hat . Hier ist ein Beyspiel davon . Er ist des Drabicius Gehülfe gewesen , und er hat einer von denen seyn sollen , die in Gegenwart dieses Propheten dem Prinzen RagotSky die ungarische Krone zu PreSburg auf das . Haupt fetzen sollen ; ( Scribe Adiunfto ( Comenio ) ( Dum fore vniirn de illis , qui regio capiti coronam imponenf te quoque praefente . Reuel . 155 . v . 3 . 4 . " apud Arnoldum Difcurf . Theol . contra Comen . p . 37 . ) dem Drabiciu« in Siebenbürgen gewesen seyn würde , um diesen Prin - zen auch daselbst zrlm Könige von Ungarn auszurufen , und ihn , vor al - lem Volke , nach der gehaltenen Predigt über den Text : jd> habe mei , nen König cmgeseyr , auf meinem heiligen Berge ? ion zu salbm . 8ufcipe irer sd prineipem . . . . vt e , . in coram toto exercitu , quem ad jpftim collegi , vngas et proclamcs Regem terrae huius . Sed praenuttas concionem fuper verba Pfalmi fecundi , Ego vnxi Regem meiini , etc . quam concionem ftatim meditare , peradlaque ilia emin - des oleum vnöionis , olei Baifamini ( quod reperies in aula priueipis ) in confpeftu totius populi fuper caput prineipis . Reuel . 30 . 4 . daselbst . Er hak lange genug gelebt , sich zu überzeugen , daß diese« nicht geschehen können . *
* Da man uns nach dem Tode Kaiser« Carl« de« VI , die Weis - sagungen de« Drabicius , und anderer wiederum hervor gesuchet , und dadurch abcrmal den Fall de« österreichischen Hauses , digen wollen : so kann man leicht Mlithmaßen , aus was für einer Quelle die damali^n Propheten geschopfer haben . Drabiciu« war ein evangel . icher Geistlicher , der ans Böhmen in den ehmaligen Unruhen> vertrieben worden Weil nun das österreichische Hau« damals die Protestanten verfolgete . so war nichts natürlicher , al« daß die Verfolgten demselben alles bose wünschten . Was man nun wünschet , - das hoffet man gemeiniglich ; und wenn e« in Religion« - fachen ist , so glaubet man auch , daß Gott die Wahrheit und ihre Bekenncr unfehlbar schützen werde . Kömmt nun ein solcher Ei , ferer über die prophetischen Schriften des alten und neuen Testa - ment« , so erhitzet sich seine Einbildungskraft leichrlich , daß er da« - jenige , was cr wünscher und hoffet , mit prophetischen Redensarten abfasset , und feinen verfolgten Glaubensbrüdern zum Tröste , al« eine göttliche Offenbarung bekannt machet . Daß e« aber ganz menschlich dabey zugehe , erhellet daraus , daß der gute Prophet sich sehr betrogen . Er hat damals , als Oesterreich die Protestanten verfolgte , in Frankreich aber , das Edict von Nantes dieselben noch schützere . dafür gehalten : daß dcr König in Frankreich derjenige Knecht Gottes sey . der die österreichische Macht zu Grunde richten würde . Allein man hat den Unqrund dieser Weissagung nur gar zu deutlich gesehen , als Ludwig XIV diese« Edict widerrief , und ganze Millionen Hugonotren aus den , Lande trieb , . tzier hättcn alfo Drabicius und Comenius keinen Knecht Gottes mehr in Frank , reich gefunden . Als ferner im dreyßigjähngcn Krieae der Konig in Schweden den Prote , ranren zu - bnlfe kam . fo hieß es der Löwe aus Mitcernachtwllte einmal die österreichische Macht stutze» . Doch da dieses auch nicht geschehen ist ; so hat man neulich durch den Lö - wen aus Mitternacht den König in Preußen zu verstehen anaefan - gen , der fteylilb . im Absehen auf die österreichischen Lande aus Nor - den kömmt . ( 5 ,
^ * 1 Schande

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