Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Combabus .
hementius irritanj , totiim qilidem corrumpit animum , coi ad corruptionis actum inclementer inftigat . S . Bafilius , Libro de fän & a Virginitate , ad finem , apud Theophilum Raynaudum , in Traöatu de Eunuchis , cap . V . Art . II . mim . 17 . pag . in . 147 . Der h . Basilius ist nicht der einzige unter den Kirchenvätern gewesen , der den Frauenspersonen anbefohlen hat , sich wohl vor den Verschnittnen zu hüten , und überzeugt zu seyn , daß sie rausenderley Unflätercyen mit denselben begehen könnten . Ich rede von solchen Verschnittenen , denen man alles dicht an der Haut weggeschnitten . Siehe das von mir Hi er angeführte Buch des P Theophilus Raynaud . Die von diesem Jesuiten angeführten Benspiele und Stellen der Väter sind Ursache , daß er der Schukscbrift des Peter Abälard« spottet . Ich habe sie bereits in der Anmerkung CT ) , bey dem Artikel Abalard bemerket , und vielleicht werde ich auch in dem Artikel - Heloise noch etwas davon sagen . Allein wieder auf die Stratonika und den Combabus zurück zu kommen , so beobachten wir , daß sie bey ihrer strafbaren Schwachheit , außer ihrem Ehmanne eine andre Mannsperson zu lieben , sehr lobenswürdig gewesen , da sie sich in den Schranken eines bloßen Umganges gehalten bat . Die Dids gils würde nicht so weise gewesen seyn , weil sie auch bey der Abwesen - heit ihres Geliebten einen gründlicher» Zeitvertreib haben müssen , als Worte . Dieser Zeitvertreib hat darinnen bestanden , daß sie den Sohn desAeneas auf ihren Schooß gesetzt .
Illum abfens abfentem auditque videtque
Aut grcmio Afcanium , genitoris imagine capta ,
Detinet , infandum fi fallere poflit amorem .
Virgil . Aen . Lib . IV . Verf . gz .
( C ) ( D ) Es fanden sichZ'eugen , welche aussagten , daß sie ihndie Roniqinn misbrauchen gesehen . ^ Ich bin der Uebersetzung des Venedietus gefolger , so vicl den Ort betrifft , wo von den Unterredungen der Stratonika und des Combabus gehandelt wird . So wohl in der einen als in der andern Stelle bedienet sich Lucian einerley Worts , auf der 893 S »' ! einlies , pcrpetiia comierfatione cum 1II0 : auf der 89s S . lltoy%ov 'T' kvtfmln f «mhurkc «atv . Coar - guebant ipfum quod manifefte ipfos congredientes vidiflent . Allein dieses Wort bedeutet an diesen zwo Stellen nicht einerley Sachen . Es bedeutet in der ersten , beisammen sevn : und in der ander» , beysäm - men schlafen . Nach der Wahrscheinlichkeit von den Sachen zu ur - theilen , so können die Ankläger Recht gehabt haben : nichts destowcniger darf man es nicht bejahen ; weil es Lucian nicht bejahet . Theophilus Raynaud , in Traöatu de Eunuchis , pag . 148 . hat Unrecht , zu sagen , live Stratonicae a Combabo exfedto accidifle . . . narrat Lu - cianus , das heißt dasjenige , was der h . Basilius saget . Die lichkeiten sind , daß . weil die Koniciinn nickt aufgehört , den Combabus zu lieben und denselben vielmehr sehr oft besucht , und mit ihm gesprochen , sich wegen ihrer fehl geschlagenen Begierde etwas zu trösten , daß sie nicht bey bloßen Worten geblieben seyn möchte . Und weil Combabus gewiß gewußt , daß er seine unfehlbare und allezeit fertige Rechtfertigung bei , den , Prinzen hatte , die Angeber möchten so boshaft leyn . als " e im - mer wollten : so ist es sehr wahrscheinlich , daß er der Königin» nichcsvvn allem demjenigen abgeschlagen hat , was sie von ihm hat erhalten können . Die Schachtel hat sie alle bende wider die Bosheit der Angeber in Si - cherheit gebracht ; und dieß ist ohne Zweifel Ursache gewesen , daß sie sich nicht gehütet haben , ob man Achtung auf sie gäbe . Also haben viel - leicht die Angeber etwas gesehen , das sie vernünftiger weife des Verbre - chens überzeugen können , weswegen sie dm Combabus angeklagt . Wir wollen wieder an die Stelle des h . Basilius gedenken , und nock diese andre dazu fügen : Eunuchos , quibus exjcittditur tota virilitaf , negat S . Bafilius , ( Libr . de vera Virgin , fub finem , apud Theoph . Raynau - dum , de Eunuchis , num . 12 . pag . 14z . ) impudicitiae flamnia liberari : fed quamuis corpore nihil poflint , tarnen ait animo defiderioqtte iti - eiter in coeno , porcorum more , conuolui , et poft abfeiflionem eile fmpudiciorcs feruos voluptatis , qui liberi metu ne deprehendantur , oetulantiam licenter foedis atta & ibus et amplexibus exfatiant , vt boflunt non vt volunt , lafeiuientes . Und wer weis , ob Stratonika niemals zu ihm gesaget hat , wie diese andre , von welcher PetroniuS re - der : Languori tno gratias ago , in vmbra voluptatis dnitius Iu -
( E^ Der Roniq , * * gab ihm Freiheit , u allen Gtun , Sen , ohne alle Ausnahme , und ungerufen , mit ihm ; u spre - clien . ^ Diejenigen , wclckcn das Hofgeprange der alten und neuern morgenlandischm Prinzen bekannt ist , wissen auch , was die Freyheit ei - nes fteycn Zutritte bey dem Könige , wenn man will , für ein Merkmaal der Gnade ist . Das Vorrecht des Combabus ist aber noch viel weiter gegangen ; es hat ein ausdruckliches Verboth an alle Bediente» des Königes enthalten , ihn nicht abzuweisen , wenn er auch den Scherz des Königes und der Königin» unterbrechen sollte . Ar ( $£«i Si W
xnv i«xyye^ioe »Ü rtt n iiurfpit »J / ioc «i * >'wwd £Uv£ * "
Ad nos venies non vocatus , neque te quisquam a noftro confpeftu arcebit , non fi cum vxore conenmbam . Lucian de Syria Dea , Tom . II . pag . 896 . Diejenigen , welche nach dem Tode des Cam - byse« , des Sohnes des Cyrus . die Tyrannen der Magorum abgeschafft , be» sich mit einem viel kleinem Vorrechte , als diesem , begnügt . Sie ha - ben es so eingerichtet , daß sie zum Könige kommen konnten , ohne daß sie um Erlaubniß bitten durften , doch ausgenommen , wenn er bev der Kö -
niginn schliefe . Ua^ifvou lt rüc xivra rov ßvlopmov tuv ««ri
äviv liocyysKtot tjv ftif ruyx^V * / ierii ywanot ßxntoit ; . Vt re - giam introire vnicuique e feptem fine internuncio liceret , nifi forte aim vxore eubaret rex . Herodot . Libr . III . capite LXXXIV .
( F ) Man hat erzählt , daß er aus Mitleiden gegen dasLran , enzimmer die Mannskleider abgelegt . ^ Unter röhrender Feyer des großen Festes ist eine Fremde gewesen , welche den Combabus so schön befunden , daß sie sich sterblich in ihn verliebt hat . Nachdem sie hierauf erfahren , daß er ein Verschnittener wäre : so hat sie sich dermaßen darüber geärgert , daß sie sich mit ihren eignen Händen ums Leben ge - bracht . Combabus hat , in Betrachtung der Unglücksfälle seines Unver - mögenS , die ? ) ? annskleider abgelegt , damit sich keine Frauensperson sei - netwegen auf eine so unangenehme und klägliche Art mehr betriegm sollen . Ich erinnere mich hier eines lustigen Einfalles in den Menagia - - nen . Die Frau von Cornuel wußte daß der Herr von L - - - „ unvermögend war , kannte ihn aber nicht von Person : er war ein seht „ schöner Mann . Da sie ihn bey dem Herrn von Rambouillet antraf , „ fragte sie wer er wäre ? man sagte zu ihr , eS ist der Marquis von „ L . - - - Ach ! sagte sie , wer sollte hier nicht hinter« Licht geführt „ werden ? , .
Man wird - die Veränderungen , die diese - Historie betreffen , sehen . ^ Einige haben gesagt , daß Stratonika selbst den Com - babus angeklagt , und an den König geschrieben habe , daß er sie verfüh - ren wolle , die ehliche Treue zu breche» . Lucian verwirft dieses , als eine Fabel , und glaubetauch dasjenige nicht , was man von der Sthenoböa und
Phädra saget . E ? « ) y KHäonui , HÜ a / , roliSt
«' tih ivxötMiQ - / ÜTf>ixiu ? »to3«e At credo neque
8thenoboeam , neque phaedram , lalia perpetrasse , fi Hippolytum Phaedra vere concupifcebat . Lucian . de Syria Dea , Tom . II . p . 894 . Man erzählet , daß sie sich wegen des Übeln Fortgang« ihrer Anbiethun - gen bey ihren Ehmännern beklagt haben , daß ihre Ehre angegriffen worden , eine von dem Bellerophon , uiid die andre von dem Hivpolytus . Ich sel , e nicht , warnm Lucia» an diesen Historien zweifelt : denn es ist nickt allein sehr möglich , daß sich die Liebe dieser Frauen , sie mag so histlg getvesen sey» , als sie wolle , in Haß »vegen des Verdrusses einer abschlä - giaen Annvort verwandelt hat ; sondern es ist auch höchst wahrschein - lich . Ein solcher Abschlag ist die heftigste Beschimpfung : dieß ist eine tödtliche Beleidigung , wenn man den Antrag verachtct , der von einem Geschlechre geschieht^ ivelches die Gewohnheit hat , um sich werben zu lassen , und nicht selbst zu werbe» . Die Ordnung der verderbten Natur erfordert , daß man »ach einer solchen Beschimpfung nichts , als Rache kochet . Die heilige Schrift belehret uns , daß Potiphars Ehftau von der Liebe zu einem höchst rachgierigen Zorne gegen dm Patriarchen Io - seph , übergegangen . I B . Mos . XXXI X Cap . Eine von den Gemahlin , nen Constantins , hat es gegen de» Crispus ihres Gemahl« Sohn , eben so gemackr . Ich glaube also , daß Lucian in diesem Stücke von keinem gnten Geschmacke gewesen . Er scheint mir weit vernünftiger wegen des andern zu seyn . Er hat wohl gethan , daß er nicht gchlaubet , daß Stratonika den Combabus selbst angeklagt ; denn sie hat nicht , wie Phä - dra Ursache gehabt , sich für verachtet zu halten . Sie hat sich schmei - cheln können , daß sie in den Augen desjenigen , um dessen Liebe sie sich beworben , die liebenswürdigste Person von der Welt zu seyn geschienen . Warum hätte sie denn Ursache gehabt , sich wider ihn zu erzürnen ? Er hatte gegen die allerschönste Frau des ganzen Erdbodens nicht gefälliger seyn können . Sthenoböa , Phädra , die Ehftau Potiphars , Fausta kontu ten dieses nicht von dem Gegenstande ihrer Liebe sagen : die Unempsind - lichkeit , die man gegen sie hatte , ist kein unüberwindlicher Fehler ge -
< H ) * t - Und den Fehler derer , welche gesaget , daß sich die - Hofbedicnten verschnitten , um einen Theil an den Gunstbezei - gungcn 0erStratonika ; u Habens „ Die Liebe der FrauenSperso , „ nen gegen die Verscknittenen ist so gemein , daß alle Historien Bcy'pie - „ le davon geben . Diese Leidenschaft ist um so viel merkwürdiger bey „ Skratoniken gegen den Combabus geworden , daß alle^osbedienten die , „ ser Königin» sich aus Gefälligkeit verÄnitten . um die Gunst des einen „ und der andern zu erlangen . La Mathe le Bayer ist es , der dieses im CXII Br . XI Th . 5 - 5 . 5 : 6 Seite saget : Er machet drey Schnitzer : I giebt er zu verstehen , daß die Liebe der Stratonika angefangen . nach - dem sie erfahren , daß Combabus verschnitten gewesen . Dieß ist ein großer Zrrthum . Wenn Stratonika dasjenige gewußt hätte , was er an sick vollstreckt hatte , so würde sie ihre Absichten anders wohin gewendet haben : und es ist ganz gewiß , daß die Erkenntniß eines gewissen Feh - Ins vermögend ist . zu verhindern , eine Leidenschaft nicht zu erwecken , aber keineswegs dielelbe nicht zu ersticken , wenn sie ziemlich stark geworden ist . II , Er hätte nicht sagen sollen , daß sich alle Hosbediemen verschnit - ten bätten , denn Lucian saget dieses nur von den sehr vertrauten Freun den des Combabus . III . Noch vielweniger hätte er sagen sollen , daß sich alle Hosbedienten verschnitten hätten , die Gnade der Stratonika zu erlangen ; dennLucian saget nicht elnWort hiervon . Er saget lediglich , daß diejenigen , welche die meiste Neigung gegen den Combabus gehabt , sich verschnitten , um ihn wegen seines Unsterns zu trösten . Atyn» , li
r£ , vÄtnt tb« nilvs * ol t & oinr , < t< zccpxixv5i^ rS « & 9io ( xc / vwv^v 1>j . - 5« In» i * VTi« . Feruntur et illius amici , qui
erga ipfurn maxirna beneuolentia fuerunt affefti , in folatium eiui , quodille paflus fuit , eiusdem affeftionis focietatem fibi elegifle , nam et feipfoj caftrarunt . Lucian . de Syria Dea , Tom . II . p . H97 Es ist ein Trost für die Unglückseligen , wenn sie Gefährten ihres glücks habe» . Man muß zwcy Dinge bemerken : das eine , daß Comba - bus nach Eröffnung der Schachtel , bey dem Fürsten den höchsten Grad der Gnade erlanget ; das andre , daß er um Erlaubniß gebethen , nach der heiligen Stadt zurück zu kehren , wo er seine übrigen Lebenstage zu - gebracht hat . Man fetze noch dazu , daß er zur Erbauung de« Tempel» drey Jahre anwenden müsien . Ebendas , 892 S Man muß glauben , daß Stratonika nach diesen dren Jahren zu ihrem Gemahl zurück ge , kehret . Also ist sie von dem Combabus getrennt gewesen , dieserweg'en können die Personen , die sich aus Gefälligkeit gegen den Combabus ver ? schnitte» haben , nicht den Endzweck gehabt haben , der Stratonika znge - fallen . Ich bekenne , daß Lucian nickt saget , ob es an dem Oofe de« Königes , odit in der beil . Stadt geschehen , wo sich die Freunde des Com - babus verstümmelt haben : allein man kann klärlich schließen , daß es an diesem letztem Orte geschehen ; denn er will , daß ihre Aufführung zum
Grunde

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