Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6062

Colomies .
209
( C ) ( Sin presbyterianischerPrediger hat ett^ heftigeSchmäh , ftlirift wider ihn gemackt - - - Es wäre ihm ftbr leickt gewesen , vie Sckmabungen feine»Xviedersacliers , u widerlegen . ^ Ich habe den - öcrrn Colomies bereits geradelt , daß er dieses lcon ausgegeben . Er hatte besser gethan . wenn er die Stellen zerstreuet ge - lassen . die er qcsammlet hat , und überdieß hat er sich eine sehr ungele - gme Zeit erwählet . Es schickte sich nicht , bey einer solchen Gelegenheit die Schwäche eine . - , Landes zu zeigen : so , daß der verfasse , von dem I . Colomies bemerket auf dem Titel seines Werkes seinen Namen : per pavlvm colomesivm Rupellenfem . Hieruber treibt der Verfasser von dem Geiste des 'Arnaud eine Kurzweil , die so kalt , als Eis ist . Man sieht wohl aus der Größe des Namens die - fes großen Mannes , daß ihn der - Himmel versehen hat , ein L>ü - ckcrschreiber ju fem . Denn unter allen den Alton und Neuern wird man keinen Namen finden . der so geschickt wäre , vor ei , nem werke und auf der ersten Seite destclben , eine schone Figur zu machen > * - ( Hier setzet der Verfasser in drey Zeilen und mit großen Lettern , per Paulum Colomelium Rupellenfem . Dieses lebte Wort ist auf dem Titel des kern mit kleiner Schrift gedruckt . ) man muß bekennen , daß diefes den Mund und die Augen füllet ; und wenn man auch der Xvelt nichts anders zu zeigen hatte , fo diente man schon gedruckt zu werden . Efprit de Mr . Arnaud Tom . II . p 298 . 299 . Dieß riecht nach einem Menschen , der ans Furcht allzu kurz zu seyn , sich nicht entschließen kann , einen einzigen Gedanken vorbeyzulassen , der ihm einfällt . Vielleicht wäre es besser , zu sagen , daß dieses einen großen Mangel der Beurtheilungökraft und einen ganz ge - stumpften Geschmack , in Ansehung des Scherzes , bemerke . Dem fty , wie ihm wolle , so wird man seinen Übeln Geschmack nicht besser zeigen können , als wenn man bezeuget , daß man hier kein einige« Körnchen Salz findet , und wenn ich auf einen so falschen Scherz zu antworten hätte , so würde ich kein ander Mittel ergreifen , als das erste Buch , das mir in einem Düchersaale in die Hände fiele , mit der allergrößten heit aufzuschlagen^ Das Unglück nüißre sehr groß für mich seyn , wenn ich nicht gar bald Namen finden sollte , die eben so geschickt »vären , den Mund und die Augen zu füllen , als der Name Paulus Colomefius Rüpel lenfis . Ich würde solches noch viel leichter unter Menschen finden , die »ichts wissen , und alsdann würde ich meinemManne mit einem sehr ernsthaften Gesichte diese Strafpredigt halten : Ihr saget , daß man unter allen den Alten und Neuern keinen Namen finden wird , der so geschickt wäre , eine schone Figur vor einem Werke - < - zu mackcn ; und daß man , wenn man gleich der Xvelt nickt« anders zu zeigen hatte , gedruckt zu werden verdiene . Ihr würdet nickt auf die - se Art reden , wenn euck viel Schriftsteller bekannt waren : und man sieht wohl , daß weder die Alten nock die Neuern der Ge , genstand eures Anblicks und eures Nacksinncns gewesen sind . Geht und beklaget das Sckicksal einer unendlicken Menge Dauern , welcke ihre Namen vor kein XVerk senen , ob er gleich vcrdiem , gedruckt zu werden ; ob er es gleick , faae ick , aus der Ursacke verdienet , weil er aus vielen Äuckstaben belicht . Dicß iß euer Grundsan . Niemals gründen gute Spotter ihren Scherz auf eine offenbare falsche Sache ; niemals stellen sie einen Schrift - steller , wegen solcher Dinge , lächerlich vor , die er mit berühmten nern gemein hat , wenn sie an ihm nichts absonderliches finden . Allein ich bitte euch , geben Dauid ßlondcllus Catalaunenfis , Dionyfius Peta . «ins Aurelianenfis , Dionyfius Lambinus Monftrolienfis , und hundert andere , die ich anführen könnte , weniger Blöße , als Paulus Colomefius Rupellenfis ?
II . Die Schrauberey , welche der Verfasser darauf gründet , daß sich Colomies Rupellenfis zugenamet hat , ist nicht besser Wenn ein Scherz gut femi soll , so muß derjenige , den man schraubet , die Schrauberey ver - dienen : allein dieß kann man nicht von einem Manne sagen , der nichts ander« thut , als daß er dem Gebrauche folget . Wenn man jemanden wegen seiner Kleider spottet , so machet man sich selbst lacherlich , wenn er nickt zum wenigsten etwa« an seiner Kleidung hat , da« wider die Re - qeln und außer der Mode ist . Wenn also der Scherz über das Wort Rupellenfis gm seyn soll , so müßte es nicht der ordentliche Weg der Schriftsteller seyn , die lateinisch schreiben , daß sie den Namen ihrer Stadt ihren Familiennamen benfügen : nun ist es gewiß , daß diese« ih - re Gewohnheit ist , und folglich hat Colomies nichts anders gethan , al« daß er einem wohl eingeführten Gebrauche gefolget ist . Ich habe keine Deweise davon gegeben ; denn die Sache ist allzu bekannt . Wir wollen schließen , daß alle diese Spotterey aus ihren Erfinder zurückt fällt , und ihn verdächtig machet , daß er ein Fremdling in der Republik der Ge -
Nun wollen wir den allerfrostigsten unter allen Scherzen hen Nachdem er den Namen und den Zunamen feine« Widersacher« in großen Buchstaben anqeführet hat , so vergleicht er ihn mit andern . AVRELivs avgvstinvs hipponensis , saget er , I'Llprit ic Mr . Arnaud . Tom . II . P - - ? ? - und sidonivs ris claromontanvs , ( ♦1 kommen tbm nickt bep . Ick hoffe , daß die Nackkommen , welcke den - Herrn Colomies nickt fo gut , al» wir , kennen , sich überreden werden , es bedeute das rvpellensis den - Herrn Sischof vonRockelle , w»c das »ip - ponensis , bepi Augustin , den Sifckof von - Hippo be ,
* S®k Namen des Bischoft von Auvergne sind . «uf'diese^Art um redlich anqeführet . Dieß heißt sie verstümmeln , damit sie de« ^ . olomie« II Band .
seine nicht übersteigen sollen . Sie sollten also heißen : caivs sol -
l1vs apollinaris sidonivs avernorvm epis ,
copvs . Wenige Schriftsteller sagen : claromontanvs episcopvs .
Ein Scherz kann nicht ander« , als böse seyn , wenn man ihn auf einen abgeschmackten Grund bauet , und wenn er viel beißender für Leu , te ist , die man nicht durchziehen will , al« die man durchziehen will . Dieß ist die Eigenschaft des gegenwärtigen . Nichts ist der Wahrschein - lichkeit mehr zuwider , als wenn man saget , daß das Beywort , pellensis , mit der Zeit einmal den - Herrn Bifckof von Ro - ckelle bedeuten könne ; und dieß heißt unsem Nachkommen groß Un . recht thun , wenn man sie z „ einem so g' - obm Schnitzer geschickt hält . Es mußten die Leser in de» zukünftigen Zeiten tausendmal barbarischer leyn , als , , e vor drey oder vier hundert Jahre» ge , vese> , sind , wenn sie sich dasjenige einbilden sollten , was der Verfasser hoffet , das sie sich von dem Geiste de» Herrn Aruaud einbilden werden . Er hoffet e« nicht , wird man zu mir sagen , er brauchet eine Ironie . Ich weis e« wohl ; allein es wäre nichts destowemger seine Schuldigkeit " gewesen , seine gegebene und ironische Hoswung auf eine nxchrsckeinliche Begebenheit zu erstrecken . Anderer Gestalt hieße dieses einen bürgerlichen Edelmann ans eine sehr seine Art durchziehen , wenn man zu ihm sagte - Ihr habet euck mir dem Degen an der Seite abmalen laspn , ich hoffe , daß unsere Nackkommen , euck für einen Herzog oder pair halten werden . Allein , endlich wird man mir , zum Besten unser« schlechten Possenmachers , antworten : weil das Wort Hipponenfis deym heil . Augustin den Bischos von Hipvo bedeutet , so könnte Rupellenfis wohl den Bischof von Rochelle bedeuten . Die Folgerung kann gelten ich gebe eö zu : allein der Grund , woraus man sie zieht , ist falsch und albern : denn da« Wort Epifcopi ist beständig mit dem Worte nenfis , bey den Titeln des heil . AugustinS verknüpft , und man hält die» sen Vater keineswege« , wegen des Wort , e Hipponenfis , für den Bi , fchof von Hippo ; sondern lediglich , vermöge des andern Wortes . Der Ver - sasser der Cabale Chimerique hat dieses dem Urheber von dem Geiste de« Herrn Arnaud voraestellet , im 1 * 91 Jahre , auf der 186 und . 8' 0 in der Vorrede der Lfiimere demontnk . Die Vervielfältigung der Bischöfe wür« de in den zukünftigen Zeiten gewaltig zu befürchten seyn , wenn der Scherz unser« Splitterrichters gut wäre ; dem , dieß ist , wie ich bereit« gesaget habe . ein ganz gewöhnlicher Gebrauch bey den Schriftstellern die lateinisch schreiben , daß sie den Namen ihres Vaterlandes auf die Titel ihrer Bücher setzen . Die Glaubensverbesserer haben diesen brauch nicht unterlassen . Theodori Bezae Vezelii Volumen prinnim Traftationum Theologicarum . Dieß sieht man von den Werken Theodor« Beza . Ein Prose „ or zu Leiden , ein guter Bekannter unser« PossenmacherS , hat sich demselben gemäß bezeiget . Andreas
rlvfctl pictavi . sammaxentini s . s . theolo - giae doctoris et sacrarvm litterar vm' - - . professor is , Opera . Dieß ist ein Titel , derdenMund und die Augen zu füllen geschickt ist .
Habe ich nicht ein Reckt , zusagen , daß ihn Colomies wegen seiner Kurz» weile leichtlich hätte beschämen können ? Hatte er ihn' . nicht , als einen Menschen , durchziehen können , der sick über die allerbekanntesten Din - ge verwundert und erstaunt stellet , welches kaum den Halbgelehrre» 211 verzeihen ist V Dieser Fehler ist eben diesem Schriftsteller sehr öfters in den Schriften , Cabale Chimerique de Rotterdam bettessend , fen worden .
Es wäre ihm eben so leicht gewesen , ihn , wegen eine« andern viel richtiger , , Punetes , zu beschämen , als seine Spotrereyen sind Man hat ihn beschuldiget , daß er in des Isaac Voßius Besoldung gestanden , und sein Schmarutzer gewesen . SoIckeS Z>e , eiqen iff er diesem großen Mac sckuldig gewesen weil er ein Gebalt von ibm bnabll bekommen , und weil er dem - Herrn Paulus Colomefius fis die Nvohnnng gegeben bat ; denn bey ibm bat unsir steller gewöhnet . Man darf sick nickt verwundern , daß - Herr Colomies der Partes der Domherren ein wenig ergeben ist , die ruhig und gemäcklick von demFetre des - Hauses Gottes Übe» , weil er die Brosamen sammlet , die von ihrem Tische len , uns der Einwohner des Landes iff , wo Milch und - Honig flllißt - - - Efprit de Mr . ; Arnaud , Tom . II . p . 502 . Dieß if feine nie , derträcktigeGcfalligkeitwenn man feine Brüder der Leidenschaft derjenigen aufopfert , die uns eine Mahkeit geben . - - - Ebend zvz S . Ick weis nickt , von was für einer Reliqion dieser Mensch ist und so viel sehe ick gewiß , daß er von der Religion der Sckma , runer ift , die allezeit für diejenigen sind , die ibnen geben Ebend Z04 S . Diese Satire , welche an einer Seite für die Bischöflichen höflich , und an der andern für de» Colomies schimpflich ist , hatte leickt - sich widerleget werden können . Justel hat um diese Zeit eine» Brief geschrieben , den ich gelesen habe , Wommen er saget : daß man sehr Un - recht thue , de» Colomies für einen Schmaruher z» halten , und daß die Sitte» diese« Mannes und seine U»terha ! t»ng ? art in England die ganze Beschuldigung in dem Geiste des Herr» Arnaud völlig wider - legten .
( D ) ttt Sondern er hat sick vermmhlick befürchtet , feinen Zustand durck eine Gegenantwort 51» verscklimniern . Z Ich habe niemal« sagen hören : daß wider die des Paul Colomies , noch seiner Aeltern , üble Gerüchte herumgegangen wärm ; allein kurz , wo sind die Leute , deren Jugend und Familie von allen großen oder kleinen Flecken befteyet wäre , oder welche sich nicht vor Übeln Nachrich - ten eines Feindes zu fürchten hätten ? ^ , ch bilde mir ein , Colomie« hat überlegt , daß , wen» er de» Urheber von dem Geiste des Herrn Arnauld weiter reizte , derselbe nach Rochelle um Nachrichten sckre . be» , u»d man ihm solche an die Hand geben mochte , die vermögend wären , einen Menschen zu verschreyen , der sich bemühet hatte , die preSbnteria - nische Religion in ganz Europa verhaßt zu machen . Er hat also ge - schwiegen , " um sich nicht von neuem der Lästerung eures gefährlichen de« auszusetzen . Man sehe , wa« man hiervon in der Anmerkung ( G ) , des Artikels Arnauld , Doclor der Sorbonne , gesaget hat .
( E ) Er hat gefckwiegen - - , Dieß ist eine sehr übel vet» standene und 5ur Unzeit gebrauckce Tugend gewesen . 1 Die seligkeit , diese so liebenswürdige , so nützliche , so göttliche Tugend wird bey gewissen Gelegenheiten schädlich . E« giebt Uebel , welche Schärfe
Dd un»

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.