Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-6012

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Clavius .
Vorlesungen gehalten ; man bemerket es ausdrücklich in dem Ausluge sei - nes Lebens auf der >8 S . V . Ist es falsch , daß er jemals gesagt hätte , «r habe seine erste Reise nach Paris aus keiner andern Ursache nommen , als um zu zeigen , daß cr nicht die geringste Xvidersenlick - keit wider den Entwurf der Bereinigung hätte , womit man in Frankreich umgienge VI . Ist die Borausftkung des Urhebers von den Zusähen , daß dem Claude das Predigtamt in Languedoe durch einen Schluß , wegen seiner Widersetzlichkeit gegen dm Entwurf der Vereinigung untersagt worden , der Erzählung des Herrn de la Deveze in dem kurzen Leben des Claude auf der iy Seite , gleichförmig . Allein wenn man voraussetzet , daß diese Ursache in dem Befehle des Königes enthalten gewesen , so be - triegt man sich schändlich , ( t ) Nun muß man solches voraus gesehet haben , weit man gesagt hat . daß sich Claude nicht anders zu rechtfertigen langen können , als durch die Bezeugung seiner Neigung gegen die Ver - einigung . Man erwäge die Stelle der Zusätze wohl , wo man den Claude überführen will , daß er unter dieser Reise eine betriegliche Handlung gangen habe , welches man durch diese Anmerkung zu beweisen bemüht ist ; daß er ein Buch wider die stetige Dauerhaftigkeit des Glaubens gemacht hat : man erwäge dieses wohl , sage ich , so wird man sehen , daß der Fortseber des Moreri ossenbarlich voraussetzet , daß Claude nur dadurch an Aufhebung des Berkoths gearbeitet , daß er erklärte , daß es erschlichen worden , und daß es nicht wahr sey , wie man in dem De - fehle vorausgesetzt , daß er dein Vereinigungsentwurfe zuwider gewesen . Ein Prediger , der eine solche Sprache bey Hofe gehalten , und un - terdessen ein solches Streitbuch gm , acht hätte , als Claude geschriebm hat , würde außer allen Zweifel ein Betrüger seyn . Allein dieß ist eine falsche Einbildung , wenn man saget , daß er sich bey Hofe durch eine solche Sprache rechtfertigen wollen . VII . Ich halte den Grund für höchst falsch , den man in den Zusätzen angiebr , warum er sich mir der hohen Schule zu Groningen nicht eingelassen hat . Zch habe allezeit sagen hören , daß nichts , als das Bezeigen des KirchengcrichteS zu Cha - renton , und die Bitten vieler Privatpersonen den Claude bewogen ha - ben , es den Herrn Gröningern abzuschlagen . VIII . Ist es nicht wahr , vaß seine predigten jemals , auch von den - Hugonorren stlbst nicht waren für vortrefflich gehalten worden ; denn sie haben alle« das - jenige enthalten , was die Hugonotten verlanget ; eine große Ordnung , eine tiefe Gottesgelahrrheit , viel Erhabenes und Majestät , eine männ - liche Beredsamkeit , und gründliche Vernunftschlüsse . Die Reformirten halten nichts von denjenigen weltlichen Zierathm , und derjenigen schen Wohlredenheir , damit sich die Prediger von der andern Partey heraus brüsten . Alles , was man sagen kann , ist , daß Claude keine an - genehme Sprache gehabt , und dieses hat dem Herrn Morus Anlaß ge - aeben einen aufgeweckten Einfall vorzusingen ; allein dieß hat nicht ver - hindert , daß seine Predigten , nicht sehr hoch gehalten worden wären . Als man die Auqen auf den Claude für die Kirche zu Charenton zu wer - fen angefangen , so hat man ihn prediaen lassen . Nach gemdigter digt hat Morus gesagt : Er rvird alle Stimmen , bis auf die feini - ge , für sich haben . IX . Ist nichts falscher , als zu behaupten , daß die - jenigen unter den Calvinistcn , welche erleuchtet gewesen sind , erkannt haben , daß der Charaaer des Claude , eigentlich der Characrer eines geschickten Sophisten , und eines listigen Schreyers gewe - fen . X . Und es ist nichts unvergleichlicher« , al« dieses durch Dinge zu beweisen , welche der erlauchte Vicomre von Turenne gesägt haben kann : denn alle Welt weis , daß dieser große Held , dessen Witz , vor - nehmlich , was den Krieg und die Verrichtungen eines Heerführers trifft . wunderbar gewesen , sich der' Gelehrsamkeit nicht gerühmt , und also für keinen rechtmäßigen Richter ben den Kriegen der Schriftsteller angesehen werden kann . XI . Nichts schmecket mehr nach dem Roman , ich sage nach einem wider die Begriffe der Wahrscheinlichkeit ten Roman , al« derjenige erdichtete Entwurf des Claude . nach chem die reformirten Prediger mir den Bischöfen eine dung verlangen sollen . Es ist weltkundig , daß unter der Regierung
de« Claude , wenn es erlaubt ist , also zu reden , so wohl er , als die andern reformirten Prediger , alle Vorschläge zur Disputation oder Unterredung als Fallstricke angesehen haben . Einer darunter , ( eben derselbe , welcher nach diesem die Historie des Befiehl« von Nantes herausgegeben hat . ) hat ein Buch von dieser Materie drucken lassen , ( Es wird in den Nou - vellen von der Republik der Gelehrten des Monats May i6«y , auf der 574 S . nach der andern Ausgabe , davon geredet . Man sehe auch den Christmonat desselben Jahres aus der izzz S ) worinnen er gezeigt hat , daß man sich wohl hüten müsse , nicht in dieses Netz zu gehen . XII . Ich habe nichts von der geheimen Unterredung zu sagen , um welche Claude bey dem Erzbischose zu Paris , wie man will , angehalten hat . Man findet die Widerlegung in einer Nachricht , welche der Sohn diese« großen Mannes den Werken der Gelehrten einschalten lassen . Zm Winter - monate »689 , aus der izz und s . S - Man sehe auch den holländischen Moreri . Es ist eine Schande für unsere Zeit , daß man die Kühnheit gehabt , zuParis inein historisches Wörterbuch einen von der Wahrschein - lichkeit so weit entfernten Roman zusetzen , und daß diese Kühnheit nicht gezüchtiger worden ist . XIII . Es ist der - - des Weinmonats , und nicht der 22 des Christmonats i6gf gewesen , da Claude von Paris nach dem Haag abgereiset ist . XIV . Endlich ist es falsch , daß Claude die Unfehl» bärkeit der Kirche jemals zugestanden hätte .
( f ) trenn man voraus fcyet , saget Herr Bayle , daß dcr Defthl des Roniges diese Ursache enthalten , so bekriegt man sich . Man be - triegr sich ganz und gar nicht , der Befehl vom 6 August 1661 erkläret , daß , al« die drey Pastoren aus der Provinz dem SynoduS zu NimeS vorgesteller , es hatte sich in der provin ; ein Gerüchte tet . daß man von einer Vereinigung der beiden Religion redete , und als sie angesucher hatten : man sollte sich derselben widersetzen , weil es doch unmöglich wäre , das Äicht mir der Finsternis ? und Gott mit 25elial ; u vereinigen ; so setzete sich der Verordnete des Königes wider diese Ausdrückungen , und verboth im Namen de« Könige« , sie in die Acren mit einzurücken ; nichts destoweniger übertrat man sein Ver - both und kehrte sich daran nicht . Ja da man den Berichr und alle» betrachtet - - - weil der Prediger Claude , Moderator des besagten Synodus 5» Nimes derjenige ift , welcher die besagte Beratschlagung bekräftiget hat . - - - So haben ihm Sc . Majestät alle Verrichtungen seines predigeramres Jtt Nimes untersaget , lind ihm befohlen , sich innerhalb zween Monaten aus der provin ; ^ . anqucdoc ) u begeben . Man merke , im Vorbeygs - hen , daß sich Herr Bayle irret , wenn er in dem Texte dieses Artikels saget : Herr Claude habe eine Reise nach Montauban gethan , ohne zu Paris etwa« erhalten zu haben ; da er doch wenigstens die Erlaubniß erhalten haben mußte , nach Lanauedoe zurück zu kehren , woraus ihn der Befehl des Rothes verbannet hatte . Crit . Anmerkung , Libl . Franc . Toni . XXIX . P . II . p . 198 .
( H ) paulian hat ihm fälschlich ein Such und den Entwurf eines andern Äuches beigemessen . ) Er machet ihn zum Urheber des Briefes einiger friedfertigen Protestanten , der im »685 Jahre herausge - kommen . Er saget , Claude habe e« selbst in einigen Briefen gestanden , und es habe eine von seinen vertrautesten Freundinnen vor kurzem es ganz öffentlich bekannt . Er führet zu Ende des Buchs auf dem Rande die Briefe der Jungfer Dangeau und der Frau de la Garde an . Diese Beweise scheinen stark zu seyn , und gleichwohl ist es höchst falsch , daß Claude den Brief der friedfertigen Protestanten gemacht hat ; und ich bin gewiß überzeugt , er hat an Niemand geschrieben , daß er der Urheber davon gewesen . Die Critik der Pasroralschreiben irret sich nicht weniger , wenn sie auf der >6 S . saget , daß dem Herrn Claude ausgetragen wor - den , die Historie der Verfolgung , unter dem Titel der Hiftoire Dragon . nale , zu schreiben : daß er aber eher gestorben , als sie fertig geworden . Claude ist ein alhu großer Schriftsteller gewesen , als daß er einen sol - chen Titel hätte brauchen sollen : er hat nicht an der Historie der letzten Verfolgung , aber wohl an der Historie der Prinzen von Oranien gearbeitet .
( Christoph ) ein deutscher Iesuite gebürtig von Bamberg , war in Erkenntniß der Mathematik vortrefflich und eines von den vornehmsten Werkzeuge , , , die man zur Kalendervcrbesserung^gebraucht , deren Vertheidigung er auch wider die - jenigen unternahm , welche dieselbe tadelten , und namentlich wider den Scaliger . Ich glaube nicht , daß dieser letztere die Waffen so demüthig gestreckt hat , als wie ein Neuerer vorgegeben ( A ) , noch daß Clavius aus die Art gestorben , wie ein an - derer Neuerer erzählet ( B ) . Die außerordentliche Demüthigunc ; , welche Alegambe dem Clavius zueignet ( C ) , laßt sich nicht mit andern Eigenschaften vergleichen , die ihm iorenzo Crajso g»ebt , wenn er ihn dm Sinnen sehr ergeben , und als sehr em« pfindlich bey dem Tadel vorgestellt
o ) Lor . Craflo , Elog . Part . I . pag . 14 ) .
( A ) Ich glaube nicht , daß Scaliger die Xvaffen so demüthig gestrebt hat , als wie ein Neuerer vorgegeben . 1 Joseph Sca - Ugcr ist unter den Beunheilern des neuen Kalenders , als einer von den allerverstandigsten erschienen . , - - Allein Clavius har ihm so ? esch»ckte Gründe angezeigt , daß dieser gelehrte Runs ? - richter seine Meynungen 5» bestreiten aufgehört , und zugleich erkläret , daß er cs für rühmlich hielt , einem Manne von so aroüem Ruhme Jit weichen . Bullart . Academiedes Sciences T . II . pag 118 119 ^jch wollte wünschen , daß es dvm Wullart beliebt hatte , dasBuch anzuführen , wo Scaliger dieses gesagt hat : denn ivenn die Anführung getreulich wäre , so wurden wir darinnen eine Thar der Be , scheidmheit , und eine That des Widerspruchs finden . In Ansehung der Bescheidenheit redet die Sache für sich selbst ; den andern Punet betres - send , so wird man , wenn man die Scaligerana zu Rathe zieht , den Clavius sehr wenig geachtet finden . Er wird darinnen ein Esel , ein dummes Vieh , ein deutscher Dickwanst , ein Grihkopfgescholten , und für einen Men - schen ausgegeben , der zweymal frühstückt und einen guten Trunk rhur . Der Cardinal du Perron hat dasselbe Urtheil von ihm gefallt . Clavius , sager er in den Perronianm . von welchem die Jesuiten so großen Staat machen , ist ein schwerer , dummer Ropf , ohne Sckarfsinnigkeir und Geschicklichkeit , ein großer deutscher Gaul . Er ist in Sca - ligerS Briefen nicht weniger geschont worden : Iniäntiorem , lmperi . tioreni , et inagis ridiailurn reperies neminem ( . Cbrißopboro Clau'10 ) fi quidem vniiis Geometriae feientiam excipias , quam in e® etiam , fiftipes eilet , propter Iongum teinpus quo illud faxum volurt , aliquam oportet efle . Quinquaginta enim annos publice Euctidem legit . Hoc vnum excipe , tantus eft ftupor hominis , vt in iis etiam , quae ad thetin ipfam pertinent , Atßi ( Hof ««jiawrefsj fit . Iefcph . Scaliger ,
Epift . CVI . Wir wollen dasjenige besehen , was er in einem andern Buche fagrt : Certe non video , quid mathematica ftudia Clauio con . tulerint , qui in his adeo infans eft , vt mediöeriter litteris humaniori . bus tinchis haec melius intelligat , quam ille , qui toto vitae l'uae pore nihil praeter mathematica tradlauit . Ebenders . Canon . Ifagog . Libr . III . Man wird vielleicht zu mir sagen , daß Scaliger , ungeachtet aller dieser Schimpfworte , dennoch gestehen können , daß ClavinS die Sa - che des gregorianischen Kalenders unvergleichlich wohl behauptet hätte , und hiervon wird in den Worten BullartS gehandelt - allein die - ser Einwurf wird bald zurück zu weisen seyn . Nihil vidi ineptius , ie . iunius , falfius , et inipudentius libro Clauii in elenchum noitrum de anno Iuliano . Also redet Sealiger in dem XXIX Br Anderswo re - det er also von ihm : Clavius hat so viele Blödsinnigkeiten in An , sehung des pabs klicken Jahre« gemacht : de his adEiifebiuni . Cla , was hat sich so gar in seiner Verbesserung betrogen , er har es' schlimmer gemacht , als zuvor . - , ( Quae fenpferam grauio - ra taeuit , leuiora refutauit , fed nunc omnia oftendam in Eufebio . In den Sealigeranen .
Wenn sich Bullart auf das Zeugnifi des Richeome gesteifet hat , so hat er gezeigt , daß er den Sinn der Schriftsteller nicht richtig nimmt . Denn dieser Iesuite führet nur eine Schrift an , die alter , als des Clavius Ant - wort ist , und in welcher folglich Scaliger nicht bekannt hat , daß er bey den Aufiösunaen seines Widersachers beruhet . Dieß sind die Wort ? des Richeome : Ich übergehe - - - alle Acren der mathemanschen Xverke des Christopl ) Clavius , rvelche nicht allein von dem - Herrn Candal . dem Euklide» unserer Zeiten , sondern auch vom Joseph Scaliger gelobt werden , ( in Cartigat . Calendar . ) welcher so gar saget , daß cr von ihm lieber verachtet , als von einem andern ge -
lobt

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