Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4037

Laintten .
denn sie haben nicht überseht : du sollst unstat und flüchtig , sondern du sollst betrübt und zitternd fern , ? * »•»» w1 Es giebt
nige , welche sagen , daß an allen Orten , wo er sich aufgehalten , ein Erd - beben um ihn herum entstanden . Salden . Ot . Theol . pag . 345 . Was für Träume ? Endlich finden sich einige , welch« sagen , daß er ein Hom auf der Stirne bekommen , ( beym Salianus , im I Th . 19 - S . ) nicht von der Art derjenigen figürlichen Hörner , welche die folgenden Zeiten denen durch die Untreue ihrer Weiber verunehrten Männern beygelegt haben ; sondern ein eigentliches so genanntes Hom , welches andern Menschen zum Zeichen gedienet , damit sie sich ihm nicht nähern sollten : Foenum habet in cornu , longe fuge . Horat . Satir . IV . Libr . I . v . 34 . Die figürlichen Hörner hätten seine Strafe nur schwerer machen nen : man hat sie vor Alters den Missethätern angewünscht , wie es aus einer Stelle deSHiobs , XXXI Cap . 10 93 . erhellet ; ( siehe Drufiurn Quaeft . Hebraic . Z8 . Libr . II . Imgleichen die Anmerkung ( K ) , bev dem Artikel Sgialea ) allein das Zeichen Cains war ihm als eine Wohlthat gegeben : es sollte ihm zum sichern Geleite dienen .
( C ) Xvas hat man nickt von den Ursachen gcsäget , rvesrve , gen Gort , wie n , an vorgiebt , ftin Opfer verworfen hat . ) Dieß heißt rathen , dieß heißt Streiche in die Luft thun , wenn man die Zeit verderbt , die äußerlichen Mängel zu suchen , die sich bey den Opfern Cains befunden haben könnten . Vielleicht hat von dieser Seite nichts daran gefehlet ; ( Fagius Genef . cap . IV . ) vielleicht hat er nur dieRich» rigkeit des Herzens vergessen , worauf Gort vornehmlich sieht . Wir sehen , daß der heil . Paulus an die Hebr . im XI , 4 . dem Glauben Abels allein den Vorzug zuschreibt , den er vor seinem Bruder gehabt , Dem sey , wie ihm wolle , so hat man drey große Mängel bey dem Opfer Cains gezählet : I . daß er sehr langsam damil gewesen ; II . daß er nicht die ersten Frücht» geopfert ; III , daß er nicht die besten darzu aus - gelesen . Es ist Philo gewesen , der diese Critik gemacht . Die alten Väter haben viel auf dieselbe gehalten ; denn ohne etwas von dem heil . Ambrosius zu sagen , welcher bey dieser Materie ein großer Anhänger des Philo gewesen : so bemerke ich , daß der heil . Cyrillus beym Sali» , nus , - 86 S den Cain beschuldiget , er hätte alle die schönsten Früchte der Erde für seinen Mund und seine Wollust aufgehoben , und für Gott nur die allerschlechtesten bestimmt , als die kleinsten Aehren und die fle - ckigsten Aepftl ; denn bis auf diese Kleinigkeiten ist man herunter ge - gangen . Biflelius , illuftr . Ruin . Decad . I . pag . 220 . Wie oft hat man nicht den Cain in Büchern und Predigten mit denjenigen verglichen , welche nur die ungestalresten und dümmsten Töchter in die Kloster schi - cken , und diejenigen für die Welt behalten , die Geist und Schönheit besitzen ? Was ist unterdessen weniger gewiß , als das Vorgeben des heil . Cyrillus ? Ist es nicht offenbar , daß sich Philo , in Ansehung des eisten Mangels , bekriegt ; weil die Schrift bemerket , daß Abel die Erstlinge seiner Schaferey nicht eher geopfert , als bis Cain die Früchte der Erde geopfert gehabt ? Zch will im Vorbeygehen sagen , »aß dieser rückwärtsgehende Vers ,
Sacrum pinguedabo , nec macrum facrificabo ,
von» Pontianus ist . Man sieht diese Worte auf einem Gemälde , welches das Opfer vorstellt , welches diese zween Brüder Gott gebracht : man sieht sie , sage ich , auf diesem Gemälde , in dem ersten Kloster un - serer neuen lieben Frauen zu Florenz : die beyden Brüder sind , in An - sehung der Aufschrift , so gestellt , als sie seyn sollen , damit ein jeder sei - nen Sinn darinnen findet . Mabillon , Mufac ItaL Tom . I . p . 162 .
( D ) Die nach Cains Veyspiele gewohnt waren , alle Arten Oer Ungerechtigkeit zu begehen . ^ Joseph behauptet , daß Cain ein Weichling und Straßenräuber gewesen , und daß seine Nachkommen immer schlimmer geworden . Man fuge diesen Dingen bey , was die De - fchreibung davon gesaget , welche Methodius von den Sitten dieses Ge - schlechtes der Menschen hinterlassen hat , ( das Buch , welches unter seinem Namen von diesen Materien herum geht , ist untergeschoben ) und man wird finden , daß man viel Grund hat , die von Cain erbaute Stadt Hanoch mit
non fufficientibus ad probra noflium tenebris , aut cubiculorum fo - Iitudinibus , connedtere turpitudini dierum fpatia , populique prae - fentiam et oculos infanda confuetudine foedare Sed
illius temporis longius adhuc multo funt abrepta dedecora , quam quae finibus limitibusque naturae continerentur . Superaret fidem , nili Methodius affirmaret , anftor fane grauis ac fanöus , coepifle iam tum , quod poftea diiiinus Paulus deplorauit in idololatris , vt in m * jeulos mafeuli turfitudinem exercerent , et in fotmtnus fotmt - nae , Lesbiis flammis exardefeerent . Biflelius Ruin . Illuftr . Dec . I . pag . - 58 . Alle diese Dinge sind eher geschehen , als die Welt 600 re gedauert hatte . Der von mir gleich angeführte Schriftsteller erzäy - let auf der - 72 Seite die eignen Worte des Methodius , so wie er sie in den Noten seines MitbruderS , RadeniS über die Chronicke von Ale - xandrien gesunden hat . Ich will hier eme Sache bemerke ! , , die mehr als zu gewöhnlich ist : so bald sich ein Mensch durch böse Thaten ehrlos gemacht , so verdammer man auch so gar die guten Dinge , die er thut . Cain ist ein Beyspiel davon . Nicht« war , in einer so unordentlichen Stadt , wie die seinige , nöthiger , als der Gebrauch des Gewichtes und MaaßeS . Ist Joseph unrerdeUn nicht unbedachtsam genug , daß er ihm aus der Einführung dieses Gebrauchs ein Verbrechen machet ? Er hat die Sachen vermengt , die leicht zu unterscheiden waren . Er hat ge - glaubt , weil das Gewicht und Maaß nicht nach der Einfalt und lichkeit schmeckten , so hätte der Erfinder derselben die alte Aufrichtigkeit der Menschen verderbet , und sie Ärglistigkeiren und neue Manieren zu betrügen gelehrer . Allein , wer sieht nicht , daß vielmehr das Verderb - niß dem Gebrauche des Wägens und Messens vorhergegangen , und daß man ihn , als ein Hülssmittel wider die Betrügerey einführen müs - ft ? Cain hat es hierinnen gemachr , wie diejenigen Tyrannen , welche , nachdem sie zu tausend Unordnungen Anlaß gegeben , nicht unterlassen , gute Gesetze zu machen , um derselben Lauf zu hemmen , mit einem te , Joseph hat an nichts weniger gedacht , als was er gesaget hat .
( E ) Diejenigen , welche sagen , daß nur vier Personen stecken im Irrchume . ] Dieser Jrrthum ist sehr alt : der h . Augu - stin widerleget ihn im VIII Cap , des XV B . von der Stadt Gottes , und in der ersten Frage über das 1B . Moses . Allein der h . Ambro - sius giebt sich demselben , an statt ihn zu widerlegen , gefangen , indem er dem Cain diese Strafpredigt hält ; cur nefeis , vbi eft Kater tuus i Soli eratis cum duobus parentibus ; inter paueos fiater te laterc non debuit . Ambro6 . Libr . II . de Abele Cap . IX . Eine sche Figur , der es an Wahrheit fehlet > Verschiedene Neuere sind in eben diesen Jrrthum gefallen . CuiiäuS und Burinann sind unter dieser Zahl . Ecclefiae primae ineunabula mundus vidit recens natus , cum in quatuor capitibus ftaret humanum genus . Confeftim enim im - puru» genius , cui ex malis noftris iueunda voluptas eft , Cainum a redla pietatis femita tranfuerfum cgit in omne nefas . . . . Gre . gern oppido exiguum , hoc eft quatuor oues in tanta mundi vaftitate agebat , magnus ille paftor : vnam ex his lupus hic abftulit . Cu - naeus , de Rep . Hebr . Libr . III . capite L ES ist wahr , daß sich ser letztere eine Hinderthüre aufbehalten zu haben scheint , weil er in Comment . Belg , ad Genes , cap . IV . pag . 65 . apud Saldenum Ot . Theo - log . pag . 339 . saget : daß Cain durch Abels Todtschlag den vierten Theil der Menschen hingerichtet , welche Namen in der Welt gehabt haben . Wenn man in ihn dringt , so würde er sagen , daß er die Leute nicht ausgeschlossen , welche die heilige Schrift nicht nennet . Diese Ausflucht würde nicht sehr gegründet und einem Manne von de noch unanständiger seyn , als diese Betrachtung eben desselben Schriftstellers : so groß , saget er , die XVelt auch gewesen , so war
sie doch noch zu klein für diese zwecne Brüder . Man könnte hierüber diesen Vers des Juvenals Satir X . V . 168 anführen .
Vnus Pellaeo iuueni non fufficit Orbis ,
Und viele dergleichen Gedanken ; allein , sie werden ihren Pfofr besser unter dem Artikel Alexander finden . Unser Poet Malherbe muß hier an die Reihe kommen ; denn er ist auch in diesem Jrrthume sen , den ich widerlege . Er hatte , saget un« sein Geschichtschreiber , überhaupt eine große Verachtung gegen alle Menschen ; und nachdem er die Erzählung von der Sünde Cains , und dem Tode seines Bruders Abels gemachr , so bricht er ungefähr al - so aus : gewiß ein schöner Anfang ! es waren nur drev oder viere in der U ? elr , und einer davon schlagt seinen Bruder rodr . tüas konnte ( Sott wohl nach diesem von den Menscben Hof - fen^ ^Harre er also nicht bester getban , wenn er diese Brur so gleich und auf ewig ausgerottet hättet
heit hat unter den Nachkommen Cains so abscheulich zugenommen , daß sie sich nicht begnügten , einer dem andern in die Rechte des Ehstandes Eingriffe zu thun , und ihre Buhlerinnen öffentlich und vor aller Augen zu gebrauchen , welch« Zeugen dabey abgeben wollten ; sondern sie ten alle Grenzen der Natur , und so wohl Manns - al« WeibeSpersonen besudelten sich mit Knabenschänderey . Furere mortales ac ruere lymphatis fimiles in quidquid dichi feriptuque foedum eft , ac
Cainiten , ( A ) ,
großen Ehrerbietung
Gnostiker geschöpft h , unv iwminH «uoiu / upuuw uto - ouititimu» , vev yuroiaus uno oes viarpofrafeg . Sie ließen große Anzahl Schutzengel zu , welche Kräfte ( Virtut« ) nennten , und davon einige mächtiger , als die andern waren Sie gaben vor , daß die Kraft , welche den Abel hervorgebracht , von einer viel geringern Ordnung , als diejeniqe aewesen 'weiche den Cain hervorgebracht f , und daß dieses die Ursache gewesen , warum Cain den Sieg über Abeln erkalten , und ihn aetödtet hatte ( C ) . Sie machten Profeßion davon , alle diejenigen zu verehren , welche in der Heiligen Schrift die aller sichtbarsten Merkmaale der Verstockung tragen , als die Einwohner zu Sodom , den Esali , denCorah , Datban und Abiram . heit hatten sie eine große Verehrung gegen den Verrather ju & as , unter dem Vorwande , daß der Tod Jesu Christi den den erlöst hätte : denn sie bildeten sich , ich weis nicht was für feindliche Machten unserer Seligkeit ein , welche das Leiden lefii Christi verhindert haben würden ; wenn Judas den Wirkungen ihrer Bosheit nicht zu vorgekommen wäre , und seinen Meister den Juden überliefert hätte , welche ihn zum Tode verdammt , daraus das Heil des menschlichen Geschlechts entsrrunaen d . ike Verwegenheit gieng so weit , daß sie das Gesetze Moses verdammten , und den Gott des alten Testaments als ein Wesen sahen , welches das Unkraut in die Welt gesaet , und unsre Natur tausend Widerwärtigkeiten unterworfen hätte , so daß sie sich deswegen zu rächen , gleich das Gegentheil von demjenigen thaten , was er vorgeschrieben hatte . Es war keine leibliche Unreinigkeit , worinnen sie sich nicht herumwälzten , keine Schandchat , woran sie Theil zu nehmen nicht Recht zu haben alaub - ten ; denn , nach ihren abscheulichen Grundsätzen , war der Weg des Heils den Gebothen der heiligen Schrift gerade entaeaen gesetzt . Sie bildeten sich ein , daß jede sinnreiche Wollust einen Schutzgeist zum Vorsteher hatte . Dieferweqen ermanae'ten sie nicht , wenn sie sich zu «mger unehrbaren That anschickten , denjenigen Schußengel mit Namen anzurufen , welcher die Auf - s . cht über diejenige Wollust hatte , die sie genießen wollten . Wenn man diese Dinge in den Kirchenvätern liest , so kann man sich kaum enthalten , zu glauben , daß ihnen , , n Absicht auf die Keßer , dasjenige begegnet ist , was den Heiden in Anschunq der christlichen Religion begegnet . Die Heiden haben ihr hundert Ausschweifungen und hundert Abscheulichkeiten beygemessen die nicht den geringsten Grund hatten . Dl« ersten , welche diese Lästerungen erdachten , waren ohne Zweifel einer Höchst ch«

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