Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5986

Claudius .
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geschehen , feinen Worten ein Ansehen zu geben , und weil eS die Sprache de6 Befehlshabers gewesen .
Es haben eine unzahlige Menge Schriftsteller eine Stelle desh . Angu - stins beobachtet , die ich abschreiben will , und welche die Staatskunst der alten Römer betrifft , die denen von ihnen bezwungenen Völkern , nebst dem Joche der Dienstbarkeit , auch die Last ihrer Sprache aufgelegt . Opera data eft , vt imperiofa ciuitas non folum iugum , verum etiam linguain fuam domitis gcntibm per paccm focietatis imponeret . Per quam non deefiet imo et abunaaret etiam interpretiim copia . Au - guft . de Ciuitate Dei , Lib . XIX . cap . VII . Man kann aus einer Stelle des GregoriuZ Thaumaturgus erkennen , daß man zu seiner Zeit die Rechts - Gelehrsamkeit lateinisch studieren müssen ; denn er saget , daß er fast vergessen hatte , griechisch zu reden , weil die römischen Geseke in einer Sprache ge - schrieben wäre» , die ihm viel Mühe machte : ii ^
S$3ivrs ( Tp 'pai / u - siluv Cpuyf ftiy y / iJ , tjf ) svc^ijloi -
Tigcptip Icvrüv rii f£« Die Vorsorge der Römer , zur Ausbreitung ihrer Sprache , hat solche gute Wirkungen gehabt , daß sich zur Zeit Plutarchs fast niemand ge - funde» , der nicht rarein geredet ; ( dv ( rpapaim ) a«'\y cuique vtens exiftimabatur eloquio . Arnob . Lib . I . p . m . 27 .
* Wenn unsre deutschen Prinzen und Pnnzeßinnen , nebst ih - ren Hofleuten diesen Eifer für ihre Muttersprache gehabt härten ; würde nicht beynahe qanz Europa voriho deutsch redend Wie lan - ge haben nicht in Schweden schon Könige aus deutschen Häusern regieret ? Wie lange herrschet nicht schon das oldenburgische Haus in Dännemark und Norwegen ? Ist nicht Pohlen seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts , von dem durchlauchtigsten Sächsischen ; und Großbritannien , seit dem Anfange des itzigen unter der hamiöve - tischen Botbmäßigkeit gewesen ? In Spanien hätten Carl derV , und seine Nachfolger sich besinnen können , daß sie deutscher An - kunft wären : und selbst in Welschland hätten so viele Statthalter und Unterkönige des österreichischen Hauses ihrer Muttersprache sich nicht schämen dürfen . Wo bleiben nun noch so viele Königin - nen nnd Pnn'iksiiimen , die aus dem österreichischen , und andern deutschen durchlauchten Häusern den Thron in Frankreich , Por - tugall und beydenSicilien bestiegen haben ? Sind nicht endlich die durchlauchten braunschweigischen und mecklenburgischen Hänser zum rußisch kaiserlichen Throne gelanget ? Und was wäre also licher , als daß man in wenigen Jahren ganz Europa würde Deutsch sprechen höre» , da gleichsam qanz Europa von deutschen Regenten beherrschet wird ? Alsdann könnte man recht , mit dem Grotius , in der oben von mir angeführten Stelle , von unsrer Muttersprache sagen : sie sey Lingua imperare nata , eine zum herrschen aebohrne Sprache . Man sieht auch i» der Thar , daß an den Höfen der drey machtigen nordischen Reiche , das Hochdeutsche für eine Hof - spräche gehalten wird ; und daß so wohl in Pohlen , als in Eng , land sehr viele Magnaten und Große des Reichs derselben kundig sind . Hat nun dieses die eigene Schönheit , und der innere Werth derselben schon tbun können : waswürd» nicht geschehen senn , wenn die Herrschaften selbst diese Hochachtung gegen ihre Muttersprache hatten befördern wollen ? G .
J & o wollen wir von der Liebe reden , welche andre Völker gegen ihre Sprache gehabt haben . Die Griechen haben hierinnen den Vorzug : ich könnte viel seltene Umstände davon anfuhren - allein ich will m . ch mit folgenden begnügen . Sie haben den Them . stokleS gelobt , ( Plutarch . in Thernift pag . > daß er den Dolmetscher znm Tode verdammt , der den persiamschen Abgesandten gefolget war , nnd den Befehl dieser Barbarn auf griechisch erklarer hatte , den man dem Könige , ihrem II Sand .
Herrn , Erde und Wasser übirgeben solle . im ? * * Xvr«
iiic ^tpleiutrot itirfutuvev ort ( fiwvijv Mx ßx ( £äfoic , ngoväytia -
ei iroAftijrt Interpretern ex plebifcito coiriprehenfum
necauit , quod fcrmone Graeco mandata edere barbarorum fiiiilet aufus . Ebendaselbst . Er hat geglaubet , daß eine solche Entheiligung der griechischen Sprache , die man' zur Erklärung der Befehle emeABar - barn angewendet , nicht anders verbüßet werdet , konnte , als durch den Tod des Urhebers eines solchen MiSbranchS . Ohne Zweifel hat Grie - chenland dasjenige mit dem äußersten Verdruße erfahren , was zur Zeit Dionysius de« I , in Carthago vorgegangen ist . Man harte einen Rathschluß gemacht , kraft dessen allen Carthaginensern verbothen wor - den , die griechische Sprache zu studiere» . Die Geleaenheit und der Endzweck dieses Verboths sind gewesen , daß SuniaruS an den Tyran - nen , Dionysius , einen griechischen Brief geschrieben hatte ; und damit man verhindern wollte , das , niemand ohne Dolmetscher mit dem Feinde weder mündlich noch ( christlich handeln könnte . Dux belli Hanno Car - thaginienfis erat : cuius inimicus Suniatus , potentiflimusea tenipefta - te Poenorum , cum odio eius , Graecis littcris , Dionyfio aduentum exercitus , et fegnitiem ducis familiariter praemintiaflet , comprehen - fis epiftolis , proditionis damnatur : faäo fenatus - confulto , ne quis poftea Carthaginienfis , aut litteris Graecis , aut fermoni ftuderet ; ne aut loqui cum hofte , aut feribere fine interprete poflet . luftin . Lib . XX . zu Ende . Ich habe in der letzten Anmerkung des Artikels Attila , von demjenigen geredet , was man von dem Ehrgeize des Attila , wegen de« Ruhms feiner Sprache erzählet . Man erzählet eben dasselbe von einigen saracenischen Prinzen : „ Der Gebrauch der griechischen „ Sprache in Aegypten , hat nach den Eroberungen der Araber , unter dem „ Calisen Valid , ein wenig abzunehmen angefangen , der seinen Sitz zu „ Damaskus gehabt : weil dieser Prinz den Griechen verbothen , bey de - „ nen öffentlichen Handlungen keine andre Sprache . als die arabische „ zu gebrauchen , welche« die Unwissenheit sehr vermehret ; ( man ziehe hier auch die Stelle de« Mariana zu Rathe , welche in der Anmerkung ( E ) , des Artikels Tafkilien , ( Alphonsus von ) angeführet worden , ) „ welche damals in Griechenland nnd in Italien so groß geworden . „ Rapin , Comparaifon de Piaton et d' Ariftote , IV . Part . chap . III . pag . m . 388 . Die Ehrcrbiethunq der Türken gegen Ihre Sprache , ist sehr seltsam , wenn dasjenige wahr ist . was ich in dem Lebe» Bajazets des II gelesen habe : Da dieser Sultan drohere . die Venetianer mir Rrieg zu überziehen , fb schickte die Republik einen Gesandren an ihn , um Friede zu bitten . Dieser Prinz verbilligte ibm seine Sitte , und l'vsi ihm die Artikel lateinisch geschrieben atrsftrn , gen ; allein Andreas Gritti . ein venetianischcr Edelmann , web cl ? em alle Gebräuehe der Türken bekaym waren , weil ersteh lange in Constantinopel aufgehalten harre , meldete diesem Ab , gesandten , daß die Türken niemals das geringste von demjenigen hielten , was nicht in ihrer Sprache gcscl , rieben wäre . Der Abgesandte wendete diescrwegen viel L17übe an , um die Vera» , derung diese« Vertrags in ihre ilanörüfpradn - 5« erkalten ; alt lein es war vergebliche Arbeit . ( Bs gitng aucl , gleici ) nack sei , ner Abvcije die Flotte Saja , ers unter Segel , die Pläne der Ve - nerianer in Morea anzugreifen . Du Verdier , Abrage' de'l'Hiftoire des Turcs , in dem Lebe» Bajazets des II , siehe auch den Bembo , Hi . ftoria Venet . Lib . III . folio 91 . verfo , pariser Ausgabe Em an - drer Schriftsteller saget , daß die Türken behaupten , es wäre ihre Sprache zum guten Gebrauche in dieser v ? elr vorbehalten : im Paradiese würde man arabisch reden , und der unverlrandl - che Misclimasch der Persianer , ihrer Todrfeinde , sey für die - Holle hestimmt . La Mothe le Vaier , Tom . XIII . pag . 2 * 9 . Er führet die Relation ThevenotS , des iünqern , an . Hier ist ein Vorrecht der stla - vonischen Sprache : ein Edelmann , der dieselbe nicht versteht , kann in Mähren und Böhmen weder die geringste Erbschaft entheben , noch wisse Landgüter besitzen . Apud Bohemos et Morauos lex eft , ne cui Illuftri vel Equeftri ordine nato cuiusquam haereditatein cerncre , praediaue , quae no» Landgüter appellanius , poflidere liceat , niii lin - guae Slauonicae perito . Forftnerus in Tacittim , pag . m . 179 . Der Schriftsteller , der mich dieses belehret , hatte kurz zuvor gesaget , daß im XVI Jahrhunderte , der König von Spanien , die Mohren gezwungen , ihre Muttersprache zu verlassen , und spanisch zu reden .
Allein an der andern Seile har es Völker gegeben , die so gleichgültig gegen ihre Sprachen gewesen , daß sie sichs erstlich sehr langsam einfallen lassen , dieselben bey ihren öffentlichen Handlungen zu gebrauchen ^ie Spanier , ( siehe die Anmerkung ( E ) , bey dem Artikel Castilien , ( Alphonsus von ) ) und die Deutschen , ( siehe die Anmerkung ( AA ) , zu dem Artikel Franciscus der I , ) haben solches im XIII Jahrhun , derte angefangen , und die Franzosen im XVI . Siehe ebendieselbe Am merkung . *
* Aus dieser Anmerkung des Herrn Bayle erhellet wenig - stens , daß die Deutschen dreyhnndert Jahre eher ihre Sprache in öffentlichen Angelegenheiten zu brauchen angefangen , als die Fran - zosen : und es wäre nur zu wünschen , daß der Eifer Kaisers Maxi - milians , bey allen seinen Nachfolgern beständig geblieben wäre . Doch da das Deutsche nach der Zeit mehr durch den Fleiß , und die Bemühungen von Privatleuten auSgepuhet , unv zu der gegen - wattigen Schönheit und Anmuth gebracht worden , als durch den Schub nnd die Aufmunrerung großer Herren : so ist es kein der , daß es etwas langsamer zu Stande gekommen . Da« einzige muß einen rechten Patrioten nur Wunder nehmen , daß man näm - lich denen hin und her zerstreute» Wenden in Deutschland noch den Gebrauch ihrer Sprache gelassen , >a ihnen dieselbe noch durch Bücher , Prediger , und Bibeln in bessere Ordnung bringen lassen . Was nützet doch die Sprache eines so armseligen Volks , welches die Deutschen doch nur desto heftiger hasset , weil es sich für eine besondere Nation hält , die nur durch Gewalt der Waffen unters Joch gcbraclit wor - den ? Wäre es nicht besser , daß man die wendischen und deutschen Unrerlhanen auf adelichen Gütern , so untereinander vermengte , daß endlich bende zu einem Volke würden ? Oder könnte man nicht auf alle wendische Dorfer deutsche Schulmeister setzen . und die Kinder von engend aus deutsch bethen , ! ? 'm , sinqen und reden lehren ; und ihnen sodann deutsche Prediger , Rick>rer , Schulzen oder Scköp - pen geben ? Was gilt« , dieses boshafte Volk würde sich bald »er - lieren , und mit der deutschen Sprache auch deutsche Sitten und Cc Gebräu -

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