Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5977

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Claudius .
ten , unvollkommen zu lassen . Inlins Clarfis inPraefat . Lib . V . recept . Scntentiarum .
( L ) Er bat einige TKeile davon abgesondert / die er ders drucken lassen^ Seine Absicht ist gewesen , ein Werk , rece - ptanim Sententiarum , in sieben Büchern heraus zu geben . In dem l hat er de Legibus et Conftitutionibus , in dem II , de Iure Perfona - rum ; in dem III , de materia Succefliomim et vltimaruni Volunta - tum ; in dem IV , de Contra & ibus ; in dem V , de Maleficiis ; in dem VI , de ciuilibus Iudiciis gehandelt . Das VII hat gute Register über da« ganze Werk nebst einigen Abhandlungen enthalten sollen , die sich nicht zu der Materie der vorhergehenden sechs Bücher geschickt hatten . Dieß sind die Stücke , die er herausgegeben hat .
Erstlich hat er den Tracat , de Feudis , drey Jahre nach seiner derung zum Rathe in Mayland herausgegebeu . Ebendaselbst . Dieß war ein Stück des I V Buches . Nach Verlauf einiger Zeit , hat er den Traetat , de Teftamentis , einen Theil des III Buches herausgegeben , und dem Bischöfe von ArraS , Anton Pcrrenot . zugeschrieben . Diese Zuschrift ist in Mayland , den i Man >559 , unterschrieben . Hierauf sind die Traetate , de Donationibus et de Iure Emphyteutico , als Stücke des I V Buches , gefolget . Endlich hat er das ganze V Buch herausge - geben , welches die peinlichen Materien betrifft . Man hat alle diese Traetate in der Ausgabe von Frankfurt , 15 ? » in Folio zusammen bracht , welche durch den Rechtsgelehrten , Johann Fischard , Syndieu« der Stadt , besorget worden . Diele Ausgabe ist von verschiedenen an - dern , an verschiedenen Orten gemacht , begleitet , und manchmal mit Ver -
Mehrungen , die man aus andern Scribenten erborget hat , versehen wor - den . Ich bediene mich der frankfurter Ausgabe von > ; « - in fol . Mo - reri , welcher den GHilmi abschreibt , ohne daß er ihn anführet , leget den Titel von den Werken des Julius Clarus sehr übel vor . Dieß sind sei - ne Worte : „ Er hat verschiedene Traetate aufgeseilt : Opera Iuridi - „ ca . Receptaruin Sententiarum Opera omnia . Volumen , in quo „ ornnium Criminum materia fub acccptis fententiis copioliffime „ tra & atur . , , Dieß heißt nichts umständliches gesagt , sondern einerley Sache mit verschiedenen Worten , drey oder viermal wiederholen . Das ärgste ist , daß man geglaubec , es wären die absonderlich bemerkten Wer - ke von einander unterschieden : ein häßlicher Schnitzer ! Die hebungen , welche Johann Fischard unserm Julius Clarus gegeben , sind billig ; Inter illos iam recitatos ( Iurisperitos , cum hic Iulius Clarus vir multis certe nominibus infignis , fiue generofos natales . . . iliie eruditionem ( in Iure potiffimum ciuili ) plane raram , fiue dex - teritatem denique in his , quae traftanda fibi fumit feliciffimam fpe - ftemus , facile princeps fit etc . Io . Fichard . Epift . Dedic . Operutu Inlii Clari . Und man darf sie keiner Schmeicheley verdachtig halten , unter dem Verwände , daß er seinem sebr lieben Gevatter , Sigismund Feyerabend , die Werke dieses Schriftstellers wieder zu drucken angera - then hat . Der Verwand ist zuweilen sebr gültiq : denn wenn man wegen der Ehre seiner eignen Einsicht , und zum Vortheile eines Buch - handlers , dem man gewogen ist , und der sicl , nach uns richtet , zum loben verbunden ist : so mißr man die Worte eines Zeugnisses , nicht allezeit nach dem Verdienste einer Person ab , denen man es leistet .
( JtßilfrlllS , latdmjchTiberiiis Claudius Dnifus , römischer Kaiser , bestieg den Thron , nach dem Tode des Caligula , seines Vetters , im 794 Jahre der Stadt Rom 0 . Moreri redet sehr weitläustig von ihm . Ich verschiebe die Untersuchung desjenigen , was er von ihm gesaget , und die Zusätze , die ich dabey machen könnte , bis auf ein andermal . Ißo will ich mich begnügen , zu sagen , daß dieser Kaiser diejenigen nicht in den Aemtern gelitten , welche die lateinische Sprache nicht verstanden haben . Aus dieser Ursache hat er eine Rathöperson abgedanket , und sie in den Zustand der Fremdlinge versetzt , die aus einer der erlauchtesten milien in Griechenland entsprossen gewesen . Rom hatte schon vor langer Zeit diese Eifersucht , wegen der Majestät seiner Sprache blicken lassen ; und man hat eben dergleichen Neigung in andern Ländern gesehen ( A ) . Uebrigens Hat dieser Kaiser viel aus der griechischen Sprache gemacht y , und er hat sich derselben auch bedicnt , den Abgesandten in "
in dem Rathe zu
antworten .
a ) Dieß ist das 41 nach der christlichen Zeitrechnung , b ) Sueton . in Claudio , cap . XLII .
( A ) bat diejenigen nickt in den Aemtern gelitten , welcke die lateiniscke Spracke nickt verbanden babcn - - - Rom darre sckon vor langer Zeit , diese tLisersuckr , rvegen der LNa , e - fkar stiner Spracke blicken lasten , und man bar eben diese Jlü : densckast in andern Ländern gesehen . ^ Ich habe oben in der An - merkung ( F ) , des Artikels Attila , meine Leser vorbereitet , hier einige Sachen zu finden , welche den Eifer der Völker für ihre Sprache berref - ftn . . Wir wollen also de» Anfang mit dem Beweise desjenigen machen , was wir von dem Kaiser Claudius gesaget haben : Splendidum virum , Graeciaeque prouinciae principem , verum Latini fermonis ignarum , non modo albo iudicum erafit , fed etiam in peregrinitatem redegit . Sueton . in Claudio , cap . XVI . Bey Beurtheilung einer wichtigen Sache , welche die Lycier betraf , hat er einen von ihren Abgeordneten etwa« geftaget . welcher in Lyeien gebohren war , und das römische Bür , gerrecht erhalten hatte . Er hat ihn auf Latein gefragt , und . als er ge - selxn . daß ihn der Abgeordnete nicht verstanden , ihm das Bürgerrecht genommen ; denn , hat er dazu gesehet , diejenigen , welche die romische Sprache nicht verstehen , dörfen keine Römer seyn . Eiiw ptj asv 'p« - fiMiov «vom tov ( iii vtjv - fipüv iiririfisw . Dicens Romanum
cum eile non deberc , qui fermonem cum nefciret . Dio , Libr . LX . auf * 796 Jabr , 777 S . bey mir . Im Vorbeygeben müssen wir einen Jrrthun ? CasaubonS bemerken : er setzet voraus , daß dieser Abgeordnete zu Rom gebohren gewesen ; l De legato Lyciorum quodam , oriundo quidem e Lycia , fed nato Roniae . Cafaub . in Sueton . Claud . cap . XVI . ' und er hat vermuthlich die lateinische Delmetschung sorgfältiger zu Rathe gezogen , als den griechischen Text ; denn wenn er die Starke " dieser Worte wohl untersuchet hatte : nh ro «n« - - » cvro« , 'p« , - n« . '« Si ytyovörot , so würde er vornehmlich in Betrachtung desjenigen , was auf dieselben folget , erkannt haben , daß sie übel übersetzt worden ; Lycium quidem origine , Romanum tarnen natum . Der Uebersetzer SipHilins ist glücklicher gewesen : er hat sie gegeben , Qui olim Lycius , tum ciuis Romanus erat . Xiphil . in Claudio , pag . m . 148 .
Valerius Maximus bemerket , als einen Beweis der alten römischen Ernsthaftigkeit , daß der Rath den Griechen allezeit lateinisch tet , und sie genöthiget , sich eines Dolmetscher« zu bedienen . Er hat es nicht allein in Roni , sondern auch in Griechenland und Asien also gehal - ten . Damit man den ganzen Umfang ihrer Staarskunst einsehen kön - ne , so will ich die Stelle diese« Schriftstellers anführen ; man wird dar - innen den römischen Ehrgeiz , in Absicht auf die Fortpflanzung ihrer Sprache bemerken . Magiilratus vero prifei qnantopere fuam populi - que Roniani maieftaten , retinentes fe gellerint , hinc cognofci pot - eft quod inter cetera obtinendae grauitatis indicia , illud qnoque magna cum perleuerantia cuftodiebant , ne ! Graecis vnquam , nili La - tine refponfa darent . Quinetiam ipfa linguae volubilitate , quaplu - rimum valent , exciiflä , per Interpretern loqni cogebant : non in vrbe tantuin noftia , fed etiam in Graecia , et Afia : quo fcilicet Lati - nae vocis honos per omnes gentes venerabilior diffunderetur . Nec illis deerant ftudia do6trinae , fed nulla non in re pallium togaefub - iici debere arbitrabantur : indignum eile exiftimantes , illecebris , et fuauitate litteranun imperii pondus et auöoritatem domari . Va - lerius Maximus , Libr . II . cap . II . num . 2 . pag . in . 140 . 141 . Ein wenig hernach . beobachtet er , das ; der Redner Molo , welcher den Cicero die Redekunst gelehret , der erste gewesen . dem es erlaubt worden , in dem Ratlie griechisch zu reden , welches nach diesem zu einer Gewohnheit ge - worden . Ol'i« ergo buic confuetndini , qua nunc Graecis acYionibus aures curiae exfurdantur , ianuani patefecit ? vtopinor , Molo rhe - tor , qui lhidia M . Ciceronis aeuit . Eum namque ante omnes exte - raruni gentium in fenatti fine interprete auditum conftat . Quem honorem non iunnerito cepit , quoniam funimam vim Roman'ae eloquentiae adiuueiat . Ebendas . z Num . 1^2 S . Div , IM LVII B . 702 S . aufs 9''7 Jahr , bestätiget dasjenige , was Valerius Maximus hier sazer , nänilich daß nian die Rechtssachen unter der Regierung des
Tiberius zu Rom in der griechischen Sprache abgehandelt : nichts desto - weniger hat dieser Kaiser nicht zugegeben , daß ein Soldate , der ein Grieche von Geburt gewesen , in seiner Mutteriprache vor den Richtern Zeugniß ablegen dörfen . Ebendaselbst . Dio belehret uns dieses . Sueton redet auch davon ; allein ei ist nicht wahrscheinlich , daß er dasjenige ge - saget habe , wa ? man in den Ausgaben i^det : Militem quoque Graece teftimonium interrogatum , nifi Latinc refpondere vetuit . Sueton . in Tiberio , cap . LXXI . Man sollte lieber lesen Graecum , als ce ; denn es ist der roinüche» Majestät nicht weniger unanständig gewe . sen , die Zmgen auf griechisch zu jragen . als zu erdulden , daß sie grie . chisch geantwortet : dieftrwegen müssen wir urrheilen . daß Tiberius . wenn er das eine erlaubet hätte , das andre nicht verbothen haben wür - de i und daß er , weil er auf griechisch zu anttvorten verbothen , nicht zu * gegeben Hat , daß man in derselben Sprache fragen dörfen . Sein Seru - pel , als er sich einmal genothiger gesehen , einen griechischen Ausdruck in dem Rathe zu gebrauchen , ist in dem Sueton , ebendaselbst , angeführet . Er hat lieber gewollt , daß man sich in den Befeblen einer Umschreibung bedienen , als ein fremdes Wort hinein setzen sollen . Ebendas . Man darf hier keine so allgemeine Regel erwarten , die keine einzige Ausnah - me leider : man sieht niemal« in der Aufführung der allergesitcesten Staaten die vollkommene Gleichförmigkeit . Man verwundre sich also nicht , daß der römische Abgesandte die Tarentiner auf griechisch angere - der . Er har diese Sprache übel ausgesprochen , sie haben darüber ge , spottet , und dieß ist eine von denen Beschimpfungen gewesen , die er erdul - den müssen , und weswegen sich die römische Republik zu ihrem Schaden so sehr zu rächen gesucht . Dionysius Halie . in Excerptis Legat . Die Romer , md auch noch keine so große Herren gewesen , als da man es dem Cicero als einen Fehler vorgeworfen , der nicht zu entschuldigen wäre , daß er in einem griechischen Rathe , griechisch geredet hätte , ille negat et ait , indignum facinus eile , quod ego in Senatu Graeco verba fe - eiflem , quod quidem apud Graecos Graece loquutus efftm , id ferri nullo modo pofle . Cicero , Orat . IV . in Verrein . cap . LXVI . Dieß ist die Ursache der Klage gewesen , und nicht , daß er in seinem Hause mit dem Karneades , und den andern Abgesandten aus Griechenland griechisch geredet hat . Derjenige , welcher die Sache auf diese Art vor - gestellt , ist m eine grobe Unwissenheit verfallen . In Verrinis etiam in - uenimus , Marco Tullioquafi crimen obiectum , quod domi cumCar - neade caeterisque Graeciae legatis Graece colloquutus fuifiet . ms , in Ordine perantiquo Iudiciorum Ciuilium , cap XLIII . folio z ; . verfo . Cicero ist erstlich lange Zeit nach der Gesandlschaft des Kar , neadeS auf die Welt gekommen : Meß ist nicht der einzige Schlüter , den man in den von mir angeführten Worten des le Bret bemerken te . Wir müssen eine Sache nicht vergessen , welche uns ein Bevspiel darbiethet , dessen sich Casaubon übel bedienet bat Paul Aemilius , welcher ? ? ! accdonien bezwungen hatte , hat diesem überwundenen Volke dasjenige lateinüch vorgetragen , was er ihm zu befehlen hatte : allein der Prator 0etav . us hat dieses sogleich auf griechisch erklärt . Silentio per praeconem faöo Paulus Latme quae Senatui , quae fibi ex con . eihi fententia vifa eflent , pronunciauit : ea Cn . Octauius Praetor ( nam et ipfe aderat ) interpretata fermone Graeco referebat . T . Li , uius , Lib . XLV . cap . XXIX . Casaubon . in Baronii Exercitat . IX . ne . III . pag . m . 199 . will durch diese Stelle des Titus Livius beweisen , baß der romische Rath seine Sprache gebraucht , weil er sich gemeiniglich in der griechischen nicht ausdrücken können ; denn , setzet er dai» . welch» die griechische Sprache fertig gereder . haben sich derselben bey Gelegenheit bedienet , und er führet gleich darauf den Prätor Octavius an . Dieß heißt offenbar voraus setzen , daß Paul AemiliuS nicht griechisch reden können , und daß , wenn er solche« gekonnt , er seine Befehle in dieser Sprache gegeben haben würde : allein dieß ist falsch ; er hat sie geredet , wenn er gewollt . ( Haec Graeco fermone Perfeo ( Paulus ) Latine de - inde fuis , exemplum infigne cernitis , inquit etc . I . iuius , Libr . XLV cap . VIII . ) und wenn er sich damals des LateineS bedienet hat , so ist es

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