Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-4026

Cain . 5
che ; nämlich , daß sich Cain in seinem Elende nicht gebessert , sondern im Gegentheile viel boshafter geworden < ; er that nen Leidenschaften mit dem Schaden eines andern ein Gnügen , und bereicherte sich mit den : Raube seines Nächsten , durch tausend Gewaltthätigkeiten . Joseph eignet ihn : die Erfindung des Maaßes , des Gewichts , und der Grenzen zu . Alles die - fes schickte sich ungemein wohl für Leute , die nach Cains Beyspiele gewohnt waren , alle Arten der Urlgerechtigkeit zu bege - Hm ( D ) . Man weis nicht eigentlich zu sagen , wie viel Brüder und Schwestern er gehabt , als er Abel» umgebracht : allem man darf nicht zweifeln , daß diejenigen , welche sagen , daß damals nur vier Personen auf der Welt gewesen , nicht im Jrrthu - me stecken sollten ( E ) . Denn wenn es wahr wäre , wie einige vorgeben / , daß Cain nur dreyßig Jahre alt gewesen , da er diesen Mord begangen , so wäre nicht zu zweifeln , daß Eva damals nicht schon mehrmals niederdergekommen wäre . Ich will mit einer alten * ) Zm IV Capitel . b ) In den Artikeln , Abel , Adam und Öh>c . 0 Josephs Alterthümer I SB . II Cap . d ) Siehe die merkung ( C ) . i ) Josephs Alterth . I B . II Cap . / ) Cunaeus de Republ . Hebr . Libr . III . cap . I . g ) Rabbi Gedahliah in Schalfch , pag . 93 . beym Heidegger . Toin . I . pag . 211 . b~ ) Wir werden hiervon weitläuftiger unter dem Worte £ . ftincd> reden . «> Bey deni Sa - lianuS 214 S t ) Ebendas s>6 S . / ) Ebendas . 2146 . m ) S . Romuald . Abrege' Chronoljwelcher den Cedrenutf anführt , » ) Vey
x - / . n ) \L . WUVWj . WJ tr * j t\viuuaiu> vmunui . jyviw / n : U'Vil ^vvhviim» " j «vvy
dem Pererius über das IB . Mösts IV Cap . 23 . 24 v . - ) Armcni apudGuidonemCarmelitam , citantePrateoloinfclencb . Haeref . p . m . 63 .
( A ) Lr fürchtete sich , daß ihn jedermann , der ihn fände , todt schlagen würdet
Untersuchung einiger Schwierigkeiten wegen der Präadamiten .
Diese Sprache scheint vorauszusetzen , es sey Cain überzeugt gewesen , daß der ganze Erdboden mit Einwohnern beseht wäre ; denn ein Mensch , welcher geglaubt hätte , daß das ganze menschliche Geschlechte in der Fa - milie Adams bestanden , würde kein besser Mittel gefunden haben , daß man ihn nicht umbrächte , als wenn er sich von dieser Familie entfernte : und hier ist im Gegentheile Cain , welcher sich vor keiner Ermordung fürchtet , wenn er bey derselben bleibt ; er fürchtet sich nur , ersckla - gen zu werden , wenn er unflätig und flüchtig auf der Welt seyn müßte . 1 B . Mos , 5 , >4 . Ich bekenne , daß diese Schwierigkeit nicht sehr groß ist ; allein wir dorfen uns nicht wundern , daß ihr die Freydenker einen Werth beylegen ; weil es gewiß ist , daß sich keine christliche Secte findet , die sie den andern nicht auf das lebhafteste vor - stellte , wenn sie von denselben , in diesem Punete , abgeht . Ich sehe fast keine einzige Person , welche nicht bey der Widerlegung dieses Ein - wurfs von den Präadamiten , zu der Fruchtbarkeit der Eva Zuflucht nähme und ausrechnete , wie viel Kinder , so wohl von ihr , als ihren Töchtern , in einer Zeit von hundert Jahren zur Welt gebracht werden können . Allein nach meinem Bedunkcn heißt dieses nicht zur Sache gehe« , weil man dadurch voraussetzt , daß Cain sich vor seinen Brüdern und Vettern gefürchtet hätte . Allein dieses war es keinesweges , dafür er sich gefürchtet ; den» wenn , wie ich bereits gesaget habe , dieses der Grund seil , er Furcht gewesen wäre , so hätte er nichts bessers verlangen können , als verbannt zu werden ; und er würde die Verbannung , zu welcher ihn Gott verdammte , nicht als eine Straft angeschen Habens die feine Kräfte überstieg . Ebendas . >z V . Also waren es die Einwoh , »er der entfernten Lander , vor denen er sich gefürchtet ; unbekannte Leu - te , und welche nicht die geringste Verwandtschaft mit ihm hatten . Ich wollte also gern sagen , daß die Unruhe seines Gewissens und die " ab - sdvitliche Vorstellung , die er sich von der Verbannung gemacht , ihm die Er - mnenmg desjenigen entzogen , was er , ohne Zweifel , vielmal von dem Ursprünge des menschlichen Geschlechtes , von seinem Vater hatte sagen hören . Und vielleicht hat er sich nur so aestellt , als wenn er sich furch - tele , in den entlegenen Ländern überall Mörder anzutreffen : vielleicht , sage ich , hat er sich nur so gestellt , dadurch die Widerrufung oder Ver - Wandlung der Strafe zu erlangen , die ihm Gott ausgeleget hat . Alis diese Art bezeiget man sich alle Tage gegen seine Richter : man bemüht sich , sie zum Mitleiden zu bewegen , und durch die Vergrösserung der Schärft ihres Unheils Gnade zu erlangen . Man saget mehr davon , als man glaubet . wende mir nicht ein , es wäre Cain nicht so uw wissend gewesen , daß er in der Einbildung gestanden hätte , vor Gott den Grund seines Herzens zu verbergen ; denn warum sollten wir ihn für unvermögend halten , seinem Vater nachzuahmen , welcher sich den Augen Gottes zu entziehen bemühet , da er sich unter den Bäumen des Gartens versteckt ? Noch mehr , was will diese Antwort Cains gegen Gott sagen : Ich weis es nicht : soll ich meines Bruders - Hüter fey« » Ist dieses nicht die Sprache eines Menschen , der mit einem andern Menschen zu reden und dasjenige - u verheclen glaubet , was er ihm mcht bekennt ? Ist dieses nicht eine offenbare Lügen gewesen ? Gott hat sich zu dieser Zeit eine« menschlichen Bezeigens gebraucht , damit er sich nach unserer Schwachheit richten wollen ; und man hat aus dieses Bezeigen solchergestalt geantwortet , daß es scheint , als ob man ihy für einen wirklichen Menschen gehalten . Man kann mir einen stärkern Einwurf machen , wenn nian saget : daß Gott anstatt den Cain aus sei - »er falschen Meynung . daß es überall Menschen gäbe , zu bringen , ihn vielmehr darinnen bestätiget hat . In der That antwortet er ihm nicht : du hast dich in den entfernten ^ . andern vor keinen Mördern ju fürchten ; denn es ifl kein Mensch an diefenGertern . Er tert ihn , indem er ihm ein Zeichen giebt , welches verhindern sollte , daß ihn diejenigen nicht tödteten , die ihn fänden ; welches offenbar voraus - sehet : daß Cain überall Leute finden könne , wo ihn sein unstäteS und fluchtiges Leben hinführen würde . Ick antworte , daß sich Gott be - gnüat , das dringendeste Uebel zu heilen , nämlich das Schrecken , welches er über diesen Brudermord zu haben bezeuget ; daß ihn der erste , der ihn fände , todtschlagen würde . Nun aber besteht der - kürzeste Weg , eine furche
fame Seele zu ermuntern , welche glaubet , daß ihr Leben der Raub des - jemgen styn wird , der sich desselben am ersten bemächtiget , nicht darinnen , daß man ihr vorstellet , es wären feine andere Menschen auf der Welt , als ihre Anverwandten ; sondern darinnen , daß man ihm überhat , pt sagte : e6 sollten ihn diejenigen nicht tobten , die ihn antreffen würden . Ich verlange auch nicht , daß man mit diesen Antworten nicht noch folgende Betrachtungen verbinde . Die Menschen haben da , mals etliche Jahrhunderte gelebt , und sich ungemein vermehret . Cain hatte ohne Zweifel die Proben von dieser Fruchtbarkeit gesehen . ES mußten also eine große Menge Leute aus dem Erdboden scyn , che er gestorben ist : also ist das Zeichen , welches ihm Gott gegeben , da er ihn in ein noch unbewohntes Land geschickt , keine überflüßige Sache gewe - sen . Ich will das Alter nicht berühren , welches er haben können , da er sei» neu Bruder aus dem Wege geräumet ; ich habe auderswo davon gere - det : diejenigen , welche ihm damals nur 30 oder 40 Jahre geben , ( naeus de Republ . Hebraeorum , Libr . I . cap . I . setzet hundert Jahre zwischen dem Tode Abels und der Geburt des Seths , welche sich im izo Lebensjahre Adams ereignet ) und welche sagen : daß weder er , noch Abel schon verheirathet gewesen , ( siehe die Anmerkung ( F ) , bey dem Artikel Abel . ) habe» , vielleicht nicht groß Unrecht : allein bey dieser Meynung wäre es noch seltsamer , daß Cain feine Furcht auf schen gegründet , die er aekanm . Adam ist der Mann nicht gewesen , der einen von seinen Söhnen hätte hinrichten sollen , um den Tod eines andern von seinen Kindern zu rächen ; und es ist nicht zu vermuthen gewesen , daß die andern Kinder Adams einen Bruder hatten tödten wollen , um den Tod eines andern Bruders zu rächen . Dergleichen schieht bey keiner vernünftigen Familie ; und vermuthlich ist dieses die Ursache , warum Gott unmittelbar über diese Sache erkennen wollen , und sich mit der Verbannung des Missethäter« begnüget hat . Er hat also nach unserer Natur gerichtet : bey dergleichen Fällen wollen die amilien weder Richter , noch Parteyen styn , und sie begnügen sich , den Mörder nicht mehr zu sehen . Die einzigen Kinder Abels , wenn er welche gehabt , haben ihm Furcht machen können : allein , noch einmal , Cain hat sich nicht vor seiner Freundschaft gefürchtet : er hat sich vor dem ersten gefürchtet , der ihm in einem fremden Lande begegnen würde , wo er sich aller Stütze beraubt , ohne Verwandten , ohne Freunde , ohne Kenntniß der Wege und Oerter sehen würde : er hat sich eingebildet , daß dergleichen Zustand einem jeden die Kühnheit , ihn anzugreifen , und die Hoffnung , ihn ungestraft zu tödten , eiublasei , würde . Er hat der« , gleichen Ursachen der Furcht in dem Lande , das er kannte , und mitten unter seiner Verwandtschaft nicht gesehen . Dieses hier ist der Knoten der Sache .
( B ) Gott gab ihm ein Zeichen u . s w . Z Man ist hierinnen nicht einig . Einige gebe« , vor , daß Gott der Stime CainS einen ben eingeknickt , und daß dieses Zeichen der Freybrief gewesen , vermit - telsr dessen , dieser Flüchtling durch die ganze Weit gehen konnce , ohne daß er sich befürchten durfte , erschlagen zu werden Dieser Buchstabe ist entweder aus dem Namen Abels , ( Vetercs Hebräer beym Gmc - brard ) oder aus dem unaussprechlichen Namen Gottes , ( siehe Salde - num 0t . Theol . pag . 34 ? . ) aus dem Namen Jehov . ih , genommen gewesen , welcher so viele Kraft hatte . Allein , andre sagen , daß derselbe aus den , Worte Buße genommen gewesen , damit ein jeder die Neue Cains sehen können . Andere wollen , daß dieses Zeichen in dreyen staben , woraus der Name des Sabbattages zusammen gesetzet ist , oder ans dem Zeichen des Kreuzes bestanden . Ebendas . Andre sagen : daß der Hund , welcher die Heerde Abels bewacht , dem Cain zu einem be - ständigen Reisegefährten gegeben worden , ebendas . entweder , damit man an diesem Zeichen erkenne , daß man den Can , nicht angreifen dör - se ; oder damit Cain , be« der Begleitung eines solchen Wegweisers , sich niemals in gefährliche Wege einlassen könne . Cornel . a Lapid . mGe - nef . cap IV . Andere sagen : daß seine ganze Stime und sein ganzes Gesichte mit Aussatz bedeckt geweien . Salden . Ot . Theo ! , pag . , 45 Andere wollen , daß dieses Zeichen nichts anders gewesen , als ein wilder Blick und blutfarbige Augen , welche sich auf eine erschreckliche An her - umgedrehet . Beym Salianus I Tb . 192 S . Andere sagen , er sey mit einem solchen Zittern des Leibes besallen worden , daß er kaum sein Es - stn und Trinken zum Munde bringen könne» . Procopius , in Gent f . cap . IV . Jmgleichen S . Hieronymus , Hpiftola CXXV . ad Damafv . Die Übersetzung der 70 Dolmetfther thut dieser Meynung Vorschub ;
A z denn

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.