Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5902

( F ) Tinige Feit darauf bemeisterte er sieb der Insel Scyros . Z Cornelius Nepos hat hier die Ordnung der Zeit sehr übel beobachtet ; denn er setzet voraus , daß die Eroberung dieser Insel jünger , als diese zwo Schlachten sind , welche Cimon über die Persianer in einem Tage gewonnen . Cornel . Nep . in Vita Cimonis cap . II . Ich widerlege ihn nicht durch die Anführung Plutarchs , welcher diese zwo Siege nach der Ueberwindung der Insel ScyroS folgen läßt , sondern durch die Anfüh - rung eines Schriftstellers , welcher die chronologisä ) « Richtigkeit besser beobachtet , als Plutarch . Dieser Schriftsteller ist Thucydides : man lese denselben im l B . auf der ? z S . bey mir ; so wird man finden , daß diese Insel gleich nach demjenigen überwältiget worden , was bey dem Flusse Strymon vorgegangen ist . Dieser Fehler des Cornelius Nepos steht im Moreri und ist von den Auslegern nicht beobachtet worden , die ich zu Rathe gezogen habe . GibertuS LongoliuS , JanuS Geb - hardus , Georgius Caspar Kirchmaier .
( V ) <£r har die Flotte der Persianer bey der Mündung des Lurymcdons zu Grunde gerietet . ^ Hier ist noch ein anderer Schnitzer des Cornelius Nepos , der von dem Moreri angenommen wor - den Dieß ist ein geographischer Jrrrhum ; die Ausleger haben ihn beobachtet . Man sehe den Kirchmaier über diese Stelle des Cornelius Nepos : er führet zweene andere Ausleger an , den Christian Friedrich Frankenstein , und Johann Andreas Bosius . Dieser Geschichtschreiber versichert , daß die Schlachten zur See und zu Lande , welche Cimon in einem Tage gewonnen , bey Mykale gehalten worden . Er bekriegt sich , man mag gleich durchMykale eine Seestadt in Carien , oder eineJnsel von Ionien verstehen . Thefaurus Geographicus Orteiii unter dem Worte Mykale . Diese Stadt und diese Insel sind allzuweit von Pamphylien entfernet , als daß man den Cornelius NepoS dadurch entschuldige» könne , wenn man voraussetzet , daß er von den andern Geschichtschreibern weiter nicht abgeht , als durch die Benennung eines wahrhaftigen Orts , den sie nicht bemerkt haben . Es trägt sich sehr oft zu , daß man einer Schlacht zween oder drey Namen giebt : ein Schriftsteller betriegt sich nicht , wenn er einen von diesen Namen allen andern vorzieht , und auch der andern nicht einmal gedenket . Allein in diesem Falle muß die Schlacht bey zween oder drey Oertern geschehen seyn , deren Namen zur Bemerkung derselben dienen können . Diese« kann man nicht von Mykale und dem Flusse Currmcdon oder einem andern Theile der Küste von Pamphylien sagen . Allein die Umstände wollen , daß man bekennen muß , daß diese zwo Schlachten an dieser Küste vorgegangen sind . Ich wollte ohne Mübe glauben , daß Cornelius Nepos in diesen Irrthum durch die dun - keln Begriffe von dem Gefechte gefallen ist , welches nahe bey Mykale ( Herodotus Libr . IX . cap . XCIX . n . f . ) über die Persianer eben an demselben Tage gewonnen worden , da Mardonius in Bestien bey Plates , geschlagen worden .
( H ) Der Friedensschluß , der die Frucht von seinen Siegen war , kranke den Feind grausamlich . Z Man kann nichts schimpfii - chers , als die Friedensbedingungen sehen , welche die Griechen ihm aufge - legt . Wir wollen den Plutarch reden lassen . lä fafhim regis ani - mum ita deiecit , vt nobilem illam pacis conditionem äcceperit , vti femper equi cnrriculo a Graeco mari abftineret , intra Cyaneas et Chelidonias infulas naui longa et aerata nc nauigaret . Callifthenes quidem non hoc padhim efle regem fcribit , fcd ita clade accepta per . territum fuifl'e , vt hoc faceret : adeoque procul a Graecia fe conti -
Cinyras . I93
nuifle , vt quinquaginta nauibus Pericles , triginta Ephialtes vltra Chelidonias prouecti , nullam fibi obuiam claflein barbaricam habue - rint . In decretis tarnen , quae Cratcriis congeflit , tanquam foederum exemplaria , ea quoque conditio tanqnain conuenta ponitur . Fenint etiaro propterea aram Pacis ab Athenienfikis pofitam , fumniosque Calliae , qui legatus pacificationi praefuit , honores habitos . Plut . Tom . II . pag . 174 . 175 . Edit . Franc / . 1592 . Diodor aus Sicilien ket dieses Vertrags ; allein er ist , »vas die Zeit betrifft , mit dem Plutarch nicht einig : er sager nicht , daß man denselben geschlossen , nachdem Cimon in einem Tage zweene Siege in Pamphylien erhalten hat : er sehet indes XI BLVI Cap . diese Siege in die 77 Olympia« , und in de« XIIB . IV Cap . den Friedensschluß in die 8 - Olympias . Es ist wahr , er setzet voraus , daß ein wenig zuvor , ehe der Konig von Persien in diese schimpfliche Bedin - gungen gewilliget , die Athenienser unter der Anführung CimonS zwo Schlachten hinter einander , eine zur See und die andere zu Lande ge - wonnen hätten , die eine in dem Meere von Cypern , und die andere auf den Küsten von Cilicien . Die Zeitung von diesem Unsterne , fährt er fort , hat den Koma genothiget , seinem Kriegsobersten zu melden , daß sie einen Frieden schließen jollten , er möchte kosten was er wollte Sie schief - - ten dieserwegen Abgeordnete nach Athen : ihre Vorschläge waren den Atheniensern angenehm , welche so gleich den Callias zuni Haupte ihrer Bevollmächtigten benennten , und hier ist dasjenige , was beschlossen wor - den : Vt Graecis per Afiam ciuitatibusvniuerfis , übertäte ac fuoiure vti permittatur . Ne Satrapae Perfarum trium dierum itinere infe - ritis ad mare defeendant . Nc longa naui intra Phafelidem et neas excurratur . Haec vbi Rex et militiae praefedH rata habuerunt Arhenienfes contra iurarunt , fe in prouincias Artaxerxis arma non expedituros . Ebendas . pag . m . 413 . Wie Diodor aus Sicilien in Be - merkung der Zeit viel richtiger ist , als Plutarch . so sind die Vorurrheile für ihn . Man muß bekennen , daß Plutarch in der Zeitrechnung kein guter Wegweiser ist ; er versehet manchmal die Begebenheiten , gleich als wenn er ein episches Gedichte verfertigte , und nach dem Lobspruche streb - le , welchen Horaz dem Homer gegebe» .
In media ; res Non feciis ac notas auditorem rapit .
Horat . de Arte Poet . Verf . 148 .
( 1 ) Seine vornehmste Sorge , nach seiner Zurückkunfc war , den Frieden nieder herzustellen , und er ist darinnen glücklich gewesen . ) Ich bin dem Plutarch im Leben C«m°ns auf der 4yo S und nicht dem Cornelius Nepos gefolgt , welcher zu sagen scheint , daß er vor seiner Zuruckkunft in Athen nach Lacedamen gegangen , und daselbst die Irrungen dieser zwo Städte verglichen habe III - , quod hofpitio Lacedaemomorum vtebatur , fatiiis exiftimans contendere Lacedae - nionem , fua fponte eft profedhis , pacemqne inter duas potcntiflimas ciuitates conciliauit . Cornel . Nepos , in Vita Cimonis , cap . II . Der Redner Atschines beobachtet , daß Cimon , welcher zu Lacedämon da« Gastfreyheitsrecht genossen , einen Stillstand auf 50 Jahre vermittelt ha - be , welcher aber nur iz Jahre gedauert hat . Aefchines , de falfa Lega - tione , pag . m . 270 . Diese Zahl ist mir ein wenig verdächtig , wenn ich betrachte , daß Thucydide ? , im IB . auf der <9 und 60 S . bey mir , nur eines Bündnisses von ; Jahren gedenket . Man merke , daß die Verban - nung Cimons , welche 10 Jahre dauern sollen , nur ; Jahre gedauert hat . Cornel . Nepös , in Vita Cimonis , cap . II .
Cinyras / nach einigen König von Atrien , oder nach andern , Königvon Cypern , hat nichts , das ihn berühmt machet , als daß er den Adonis mit seiner eignen TochM>Myrrha , gezeugt hat ( A ) . Wir wollen an einem andern Orte sagen " , das ? diese Blutschande von seiner Seite wider seinen Willen geschehen , angesehen er nicht gewußt , daß die ihm zugeführte Frauensperson die Myrrha gewesen . So bald er es erfahren , hat er sich bemuht , sie zu tobten , und es hat an ihm nicht gefehlt , daß er sie nicht getödtet hat . Man will , daß ihn der Verdruß über diese Blutschande bewogen , sich das Leben zu nehmen h : allein man zählet auch andere Ursachen seines Todes ; denn es sagen einige , daß er umgekommen , weil er den Preis der Musik wider den Apollo bestritten habe c : dieß ist geschehen , nachdem er den Griechen sein Wort nicht gehalten ( B ) . Er sollte ihnen unter render Belagerung vor Troja Lebensmittel verschaffen , und er hat solches nicht gethan d . Agamemnon hat ihn mit Verma - ledeyungen überhäuft , und das schlimmste war , daß sich die Griechen zum Meister von der^nsel Cypern machten , und ihn daraus verjagten Das lange Leben , welches ihm Anakreon gegeben f , kömmt mit dem Musikstreite nicht überein , davon jch geredet habe ; denn wer wollte wohl glauben , daß sich ein Greis von hundert und sechzig Jahren über diese Materie mildem Apollo in einen Kampf hätte einlassen wollen ? Die mythologische Historie ist wegen des Vaters , der Ehfrauen , der Söhne und der Töchter des Cinyras mit Veränderungen angefüller s . Man giebt ihm bis auf fünfzig Töchter , welche alle in Eisvögel verwandelt worden * : andere sagen , daß sie Juno in Steine verwandelt , die zu Stufen in der Treppe ihres Tempels gedient Er ist von dem Apollo sehr geliebt worden * , und er hat sich so großen Reichthum erworben , daß selbiger , wie des Crösus seiner , zum Sprüchworte gediehen Außer diesem ist er sehr schön gewesen « , und hat viel Theil an den Gunstbezeigungen der Venus gehabt . Die Kirchenvater , welche wider die Abfcheullchkeiten der Heiden geschrieben , haben ihnen vorgeworfen , daß die auf der Jnjel Cypern verehrte Venus des Cinyras Hure gewesen ( C ) . Der vornehmste Tempel der Venus auf der Insel Cypern ist der zu Paphos gewesen . Es war zwar eine alte Sage , daß er von den , Könige Aerias erbauet wordenallein die neuere Tradition enthalt , daß Cinyras denselben eingeweihet hat , und daß die Göttinn bey ihrer Geburt daselbst angeländet sey . Er ist es nicht gewesen , der die Wissenschaft von den Wahrsagungen aus den Eingeweiden der Thiere eingeführet hat ; es ist Thamyras gewesen , der auS dein Lande Cilicien gekommen , worauf man eine Verordnung gemacht , daß die men des Cinyras und des Thamyras die Aufsicht über die heiligen Gepränge haben sollten . In den folgenden Zeiten haben die letztern ihr Recht den andern abgetreten ; und alsdann har man nicht Ursache gehabt , sich darüber , als eine Unordnung zu beklagen , daß die königliche Familie nicht den Vorzug über eine ausländische Familie hätte . Tacitus bemerket ° , daß niemand als CinyradeS p um Rath gefragt worden . Cinyras hatte in seiner Person das Priesterthum und die königliche Würde einiget 1 . Daher ist es gekommen , daß nach der Zeit das Priesterthum der paphischen Venus allezeit unter den Händen ei - neS Prinzen vorn Geblüte geblieben : und dieserwegen hat Cato geglaubt , dem Könige PtolomäuS sehr vortheilhafte Anerbie - thungen zu thun , wenn er ihm sagen lassen , daß ihn das römische Volk , wenn er die Insel abtreten wollte , zum Priester der Venus machen würde > . Man hat von einem andern Tempel geredet , welchen Cinyras auf dem Äerge Libanon bauen lassen ) er hatte auch drey Städte bauen lassen , r Paphos , Cinyreum , und Smirna : er hat dieser letztem den Namen seiner Tochter ge - geben Er hat verschiedene Dinge erfunden ; die Ziegel , den Hammer , die Zangen , den Hebebaum , den Ambos » . Er ift auch der erste gewesen , der die Kupferbergwerke auf der Ins'l Cypern entdeckt hat : man zählet ihn unter die allen sager * sein und seiner Nachkommen Grabmäler sind in dem Tempel der Venus zu Papbos gewesen , wie es Clemens von Alexandrien bemerket wenn er PhilopaterS Historie anführet , die vom Ptolomauö , dem Sohne des Aaefarches aufgesetzt wor - den . Einige haben gejagt , daß er nicht auf der Insel Cypern gebohren gewesen , sondern daß er aus Assyrien dahin gekommen , wo er regiert hätte . Siehe die Anmerkung ( A ) des Artikels Adomo .
a\ 0 . » k™ Artikeln Avonis und Myrrha . t ) Hyein . Capite CCXLII . <• ) Stiidas in K , v O Theoponipus , apud Photium , pag . 589 - / ) APl , d Plimi , m' Ll~ VVl1» XLVIU - £ ) Sieh« Meurlium in Cypro , cap . IX .
II Sans B l> k ) huilathius

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