Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5899

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Cimon .
funden . Man hat also die That eines Menschen als eine abscheuliche Sache angesehen , der seine eigne Schwester gemisbrauchet , und , da er die Erlaubniß gebabt , dieselbe zu heirathen , mit derselben lieber im Eon - cubinate leben wollen . I V . Der aus dem Worte gezogene
Grund hatte besser widerleget werden können ; man halte den Athenäus selbst anführen können , welcher an einem Orte saget , es sey Alcibiade« anaeklaqet worden , daß er in seiner Liebe gegen das Frauenvolk die Ge - setze nicht beobachtet , weil er bey seiner Mutter , bey »einer Tochter und ben seiner Schwester geschlafen , n«»at tiym vjh ei ? ywattat
yj flf Ti ) v X & - 1V Staireni tvtslm y * t %yaT „ t ntftxi . Dicens contra leges cum et femi -
narum congreffu abuti , et reliquam vitae partem agere : efl'e N AM -
q v E illi cum matre , filia , forore , more Perfarum , ftupri confue - tuineiti . Athen . Libr . V , cap . XX , p . 220 . ( f ) V . Dasjenige , was den heil Cyrillus betrifft , ist sehr schwach . Hier sind die Worte des Mu - retus im XV B . V Cap . seiner verschiedenen Lectionen auf der nzyS . bev mir : Poftremo fanäiflimus et eruditifllmus vir Cyrillus Alexan - drinus libro fexto aduerfus Iulianum , non furtiuos concubitus , fed nuptias cum forore , Cimoni , vt fcelus nefarium obiicit : non fadhi - rus , fi id apud Athenienfes legitimum et vlitatum fiiiflet . Tunc enim accufari Solonem oportuerat , qui id permififiet , non ciuem ,
qui patriae fuae legibus paruifl'et . Wenn der heil . Cyrillus nur von der Heirath geredet hat , so ist deswegen nicht zusagen : daß Cimon seine Schwester nicht gemisbrauchet hatte , ehe er sie geheirachet hat . Ueber - dieß qiebt es Vergünstigungen , die der Ehrbarkelt so zuwider sind , daß diejenigen höchst tadelnswürdig sind , die sich derselben bedienen ; und ist «s denn nach diesem nicht augenscheinlich , daß sich dieser Kirchenvater hauptsächlich vorgesetzt , das Heidenthum wegen der öffentlichen ordnungen zu beschämen , die darinnen vorgiengen ? Ist es nicht offenbar , daß er die Republik Athen in Solans Person angreisen «ollen ?
m Weil Muret den Cornelius Nepos getadelt , daß er gesagt , Cimons Delrath mit seiner Sch'vester Elpinice sey den atheniensischen Gesetzen «mäß gewesen : so wurde er dieses Tadels wegen gleichfalls getadelt . Nnlir behauptete , Cornelia Nepos hatte Recht ; und damit er dem Murer , welcher Cimons Verbannung , als einen Beweis seiner Mey - nuna anführte - antwortete , so sagte er , Cimon wäre nicht darum net worden , weil er seine Schwester geheirachet , sondern darum , weil er mit ihr vor der Verehligung zu . thun gehabt hätte Cr unterstützte die - seS mit einer Stelle , wo Athenäus saget : Cimon habe sich semer Schwe . ster wider die Geseke bedienet , woraus er schließt , es müsse
also eine Art eines Umgangs mit Elpinicen gegeben haben , welchen die Gesetze dem Cimon nicht verbothen ; denn wenn das nicht gewesen wäre , so würde Athenäus ganz schlechtweg gesagt haben , Cimon habe mit sei - ner Schwester Umgang gehabt . Muret enviederte , wenn das
Albenäus cnviese . daß es Umstände gegeben , wo der Umgang mir einer so cben Schwester , als Elpinice , erlaubt gewesen : so würde das ne . flrie dessen sich Cicero bedienet , wenn er von des Caril . na Verschwo , runa'redete^auch beweisen , daß es Umstände g be , wo man ohne Ver - brechen sich wider sein Vaterland verschworen konnte . Dieser Beweis des Xvlanders , saget Herr Bayle , könnte besser widerleget werden . Man hatte den Altenaus selbst anführen können , welcher irgend - wo saget : Alcibiade« sey angeklager worden , daß er in se , ner - L . . c - be gegen das Frauenzimmer mclir die Gesetze beobachtete ; weil er bey seiner Mutter , bev semer Tochter , und seiner Schwester schlieft . Mir scheint es , daß des Herrn Baylens Beweis noch vielweni - «« gilt , als des Muretus seiner . ArhenäuS wender den Ausdruck * ■ * - nicht bey des AleibiadeS Umgange mir seiner Mutter , seiner Tochrer und seiner Schwester an . Er saget nicht , daß er bey ihnen , in Bicken Umstanden , schliefe , die von den Gesincn nicht bestätiget 1 . tu . J ( : , on ivrx< ; Dieß lNiißre , eyn . wenn es der
Anmerkuna des Herrn Bayle einigen Nachdruck geben sollte . Er f welchen ich diesem Ausdrucke in der andern Stelle gebe . Denn wenn es an sich selbst in dem Hauptbegriffe keine ui^rlaubte Sache ist , mit dem Frauenzimmer zu thun zuhaben : so hat Athenaus anführen mus -
sen , daß AleibiadeS - i ? gewesen , um zu zeigen , daß
man auch in diesem Stücke seyn könne ; und das hat er auch aethan . Ich habe also einRecht zu muthmaßen , daß er sich dieses Wortes ^ chen dem Verstände bedient habe , da er von Eimens Umgange mit Upjnicen geredet . Cr« . Anmcrk . KW . Franc . T . XXIX . Part . IL P . 195 .
ich schließe , muß ich noch ein Worr von dem entgegen geletzten «rw ( aaeii welchen Selon und Lykurgus genommen haben . Jener «• ( «»Lt die Schwestern vom Vater zu Heirathen , und verbiethet die von LvkurguS hingegen erlauber es , sich mit diesen zu verehli - verbiethet die andern zu heirathen . Auf jeder Seite ist etwas Druckes und ich möchte wohl wissen , auf was für Ursachen sie ihre Umerscheid'ung gegründet haben ; mich^dunkt . sie können nicht anders , als eitel fem , ; Win was könnte wohl abge , chmackters , eyn . als wenn man zur Entschuldigung des atheniensischen Gesetzgebers sagen wollte , daß die Blutosreundschast in An , ehung dn Schwchern von einer Mutter allezeit gewiß sev . an statt day die Tochter aus der andern Ehe eines Mannes zuweilen den Kindern a»6 dem er>ren Ehbette gar nichts ange - hen ? Verringerte dieses die Blutschande ? Ist es nicht genug , daß man alaubet . man heirathe seine Schwester ? Der ägyptische Gesetzgeber spot - tet sehr billig des Scrupels dieser zween Griechen , und ob er gleich im Grunde groß Unrecht hat , dasjenige zu vereinigen , was sie getheilet ha« bm' so hat er doch Recht , ihre Theilung ein Hirngcspmnste zu nennen . Man lese diese Worte des Philo : 6 nh 3» täwalte zoiu» 4 / « * » . tp voiuSit« « ( ■»r« * ' " » T°v Ta't y & fuv T»'v r ? ot
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Avajws'ev . Athenienfis Solon hoc obfertiat in vterinis tanturn ger - manis , eodein patre prognatis relinquit liberum : contra Laceaae - moniorum legislator vterinis non interdicit connubio , fed foli« eodem patre genitis : at Aegyptius ridens vtriusque fiinplicitatem et feiniperfefta placita , laxauit libidinetn , et auxit in corporibus anirnisque infanabile rnalum intemperantiae , permifla licentia du - cendi forores , liue per alterutrum parentem , fiue per vtrumque cognatas , maiores pariter et minores aeaualesue , ne gemellis qui - dem exceptis , quas natura ipfa natali feiunxit , intemperantia vero focietate copulauit infociabili , et male coniparata iundhira . Philo , de fpecialibus Legibus , quae ad fextum et feptimum Praeceptum De - calogi referuntur , pag . 779 , 780 . frankfurter Ausgabe von 1^91 . Hier sind drey Arten von Gesetzgebern , die Philo verdammet ; allein was würde er denen geantwortet haben , die zu ihm gesagt hätten : Selon bekräftiger nur ein Gesetze , welches zur Zeit eurer Erzväter im Schwan - ge gegangen , und vom Abrabam dem Varer und Sramme aller Glau - bigen ausgeüber worden ? Siehe die erste Anmerkung bey dem Artikel Sara . Es ist gewiß , daß Clemens von Alexandrien Stromat . Libr . II . pag . 421 . B . die Worre dieses Patriarchen eingeschaltet har , daß man zu derselben Zeit nichr gesundiget , wenn man seine Schwester gehei - rathet , in so fern man nur seine Schwester von einer Müller nichr HeiratHere . *
* Wer hier Lust hätte dem Herrn Bayle zu widersprechen , der könnte sagen , daß die Einsicht zweener so großen Gesetzgeber und weisen Männer hier einen Beweis abgebe : daß es nicht wider das Recht der Natur sey , auch seine leibliche vollburrige Schwester zu heirathen ; wie die Aegyptier auch wirklich geglaubr und gethan haben Deiin nimmt man beydes zusammen , was Solon und Lykurgus einzeln gelehret haben , so kommt dieser Schluß heraus . Daß aber diese große Leute in ihren Republiken nur eins von bey . den dulden wollen , kann aus verschiedenen Ursachen hergerübret ha - ben . Der eine hat etwa gedacht , daß die Mutter bey der Hervor - bringung einer Frucht den größten Antheil hätte : der andere aber hat den'Vater für die Hauptursache der Erzeugung und Fortpflan - zung , die Mutter hingegen nur gleichsam sür die Pflegerinn und Saugamme der unzeitigen Frucht angesehen . So tonnten etwa auch heutiges Tages die Naturkündiger verschiedener Meynung seyn , nachdem sie behaupteten : daß die Fortpflanzung der Thiere , entweder aus kleinen Saamenthiercheii , oder aus denen in dem Eyerstocke der Weiblein schon befindliche ! , beseelten Puncten . ge« schähe . Vielleicht aber hat auch die Widerwärtigkeit zwoer Repu - bliken , die einander immer in den Haaren lagen , viel zu diesem Unterschiede der Gesetze beygetragen . Derjenige , der sein Gesetze zuletzt gegeben , hat es mit Fleiß so eingerichtet , daß eö dem ander - wärts bereits vorhandenen widersprechen sollte . Der erste aber hat in seiner Stadt andere politische Ursachen haben können , diese Hei« rathen nichr überhaupt zu «erstatten . Es würden sich viele reiche Familien , der Erhaltung ihres Vermögens wegen , allezeit in sich selbst verheirathet haben ; und diese Falle hätten sich gar zu oft zu . tragen können , wenn beyden Arten der Stiefgeschwister gleiche Er - laubniß gegeben worden wäre . Siehe übrigens was ich bey dem Arrikel Biblis , im I Bande bey der Anmerkung ( B ) davon ange - merket habe . G . ■
( E ) ( T ) Ülinige

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