Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5882

Cimon .
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Qtiorifta tradant , longum id effet exequi ,
Nam funt eorum plurimi , qui haec fcripferunt ,
Diodorus , alii , Comici , atque Rhetores . Tzettes , Chil . I .
Hift . XXII , beym Rutgerf . Var . Leä . L . 1 , c . IX , p - 37 / 38 .
Mein z»m I , ist kein Schriftsteller übrig , welcher eines CalliaS , eines Sohnes Eimens , gedachte , noch erzählte , daß ein Sohn Cimons für sei - nen Vater bezahlt hätte . Zum II , geben uns die Schriftsteller , die uns übrig sind , Anlaß , an diesen Geschichten zu zweifeln , und also dörfen wir uns keine große Rechnung auf das Zeugniß eine« solchen Poeten ma - chen , der in einem von dem Alterthume weit entfernten Jahrhunderte gelebet hat . Znm III , bitte ich , zu beobachten , daß er hauptsächlich co - mische Poeten " und Redner anzeiget , Leute , die mit den Umständen spie - len , und dieselben nach ihrer Phantasie einrichten . Endlich sage ich , daß es denen Schriftstellern , die ein wenig gründlicher als Tzetzes sind , ge - wohnlich ist , verschiedene Scribenten zu Ende einer langen Erzählung anzuführen , ob gleich diese Schriftsteller nur den Inhalt dieser Erzäh - lung anführen . Wir können also voraussetzen , daß diese große Anzahl Schriftsteller' , wohin uns Tzetzes verweist , bloß von den verbothenen Liebeshändeln Cimons und der Elpinice geredet haben .
Es ist mir noch eine andere Schwierigkeit zu untersuchen übrig . Wenn es in Athen erlaubt gewesen , seine Schwester zu Heirathen , die nicht von einer Mutter gewesen , woher kömmt es denn , daß Cimon wegen einer solchen Heirath so verlästert worden ? Ich antworte , vermurhlich hat sich die wider ihn entstandene Lästerung nur auf die Voraussetzung ge - gründet , daß er bey Elpinicen geschlafen , ehe er sie geheirathet gehabt . Plutarch führet uns dahin ; denn nachdem er im Cimon auf der 480 S . F . beobachtet hat , daß man den Cimon wegen eines Übeln Umganges mit seiner Schwester fthuldig geglaubt : so setzet er dazu , daß audere sagten ; sie sev seine Ehsrau gewesen , und habe ihn , da sie keine an ständige Partie finden können , weil sie arm gewesen , ihren Bruder^ zu ihrem Ehmanne erwählet . Üsl i' »' ! rüv EAiriv / xifv , * «fvP« t« Kt / tmi , vmumi - jvri cvvQiKfitCM / u r ( ? c eäytvelecf vuptplu Site tijv irfvtotv
langStuv . Sunt qui Elpinicen non clam cum Cimone , fed aperte fe - rant contradlis nuptiis vt vxorem habitafle , quod fponfum pro gene - rh dignitate non inueniret ob inopiam . Ebel , das . q8l 0 . A . So wiß dergleichen Historien seyn können , so können wir dennoch zu Folge dieser Worte versichert seyn , daß Cimon seiner Schwester genossen hat , ohne daß sie seine Ehsrau gewesen . Plutarch de his , qui feroaNuminc puniuntur , auf der 552 S . setzet voraus , daß man gegen den Cimon we - gen des Umganges mit seiner Schwester einen peinlichen Proceß habe anstellen können . ? Kifiaiv« cwötTct rjj äoiAipi ) Si£>£ chelschriften in Sicherheit zu setzen , und sich gleichwohl der Annehmlich - keilen dieses Umganges nid>t zu berauben , dasjenige gethan hat , was die Gesetze erlaubten ; ich will sagen , daß er die Elpiniee geheirathet . Er hat es gemacht , wie viele andere , welche ihre Beyschläferinnen Heirathen , die sie entehret haben . Dieß ist in Ansehung der Obrigkeiten eine Erst - tzung der Ehre , aber nicht in Ansehung der Privatpersonen : diese fah - ren fort , die Fehler durch ihre Satiren zu bestrafen : die Gelegenheit ist alle - mal da ; es ist eine übel verharschte Wunde , die sie aus eine boshafte Art wieder aufteißen , wenn sich die Gelegenheit dazu eräuget . Man muß sich also nicht verwundern , daß sich Cimons Feinde seine alte Schande so oft zu Nutzen gemacht , wenn sie ihn haben kränken oder verfol - gen wollen . Wenn ihm die Geschichtschreiber vortheilhaft gewesen , so haben sie die Sache nur von der schönen Seite angesehen . Sie haben die Vor - bereitungen zur Heirath aiisgelassen . und sich begnüget , zu sagen , daß Elpinice seine Ehsrau gewesen . Cornelius Nepos ist diesem Wege blind - lingS gefolget , wie diejenigen andern Leute , deren Plutarch gedenket . Jtzo kann man leicht sehen , da man weis , >vas die Gesetze zu Athen erlaubt haben , daß man sagen können : es habe unser Cimon durch den Umgang mit seiner Schwester die Gesetze übertreten . Wenn man mich fraget , warum er sie nicht so gleich geheirathet . da er sie zu lieben angefangen har , so werde ich antworten , daß es darum geschehen , weil sie arm ge - wesen . Er hat sich lieber ohne einige Verbindung ergötzen wollen , die ihm hinderlich gewesen wäre , sich mit einem reichen Mägdchen zn verhei - ratben , wenn sich die Gelegenheit angebothen hatte . Da aber die Schan - de seines Umganges auf ihn fiel , so hat er sich anders entschließen , und den Concubinat in einen Ehstand verwandeln müssen . Wir sehen der - gleichen Veränderungen sehr oft .
Untersuchung der Critik des Muretus .
Es war mir nicht eingefallen , daß man sich dieser Unterscheidung be - reits bedient gehabt , die ich so gleich gemacht habe ; allein da ich zwey Capirel des Muretus von neuen , überlas , wo er den Cornelius Nepos tadelt , so habe ick gesunden , daß sie der lateinische Uebersetzer Plntarchs vor länger , als hundert Jahren , gebraucht bat . Wir »vollen den Inhalt dieser Critik ein wenig besehen . M»ret»s saget im VII B . I Cap . Var . Lcft . auf der 989 ® bey mir , daß er sich verwundert Härte , da er iu dem Cornelius Nepos gelesen , daß es dem Cimon keine Schande gewesen , seine leibliche Schwcsicr z» Heirathen , weil der Gebrauch der Athenien - - ser dieses erlaubt hatte ; denn er erinnere sich nicht , daß ein einziger anderer Schriftsteller eine solche Sache von den Atheniensern gesaget habe Er hat hierüber aufmerksam nachgedacht , und sich der Rede des Andoeides erinnert , wetinnen gesaget wird , daß Cimon wegen dieser Hei - rath als ein Uebertreter der Gesetze verbannt worden ; er hat also ge - glaubt , in dem Cornelius Ncpos einen Fehler zu finden . Zwey oder drey 'Jahre darauf , ( ebendaf . XV B . VCap . »Z« S ) hat man die Schutz - fchrift dieses alten Geschicktschreibers in den Noten über den Plutarch ans Licht treten sehen . Siehe die Noten J hie Leben Plutarchs 40 S . Der Vertheidiger bedienet sich zweyer Mit - ttl . Cr saget 0 daß Cimet , nur darum verbannt worden , weil er eher
mit seiner Schwester zu thun gehabt , als sie seine Ehftau gewesen - 2 " ) daß der Sohn des Themistokles seine Schwester vom Vater geheirathet , wie es Plutarch bezeuget , und daß also Cornelius Nepos nicht der einzige qe« weftn , der den Atheniensern einen solchen Gebrauch Schuld gegeben Die erste Beobachtung wird durch das Wort , contra Wes
bestätiget , dessen sich ein Schriftsteller bedienet hat , da er von diesem Umgange redet , ( AthenäuS im XIII 25 . ) ein Wort , welches unnützlich gewesen wäre , wenn die atheniensischen Gesetze in keinem einzigen Falle erlaubt hätten , bey seiner Schwester zu schlafen . Muretus hat geant , worter , es wäre nicht unbekannt , daß die atheniensischen Gesetze die Hei - rath einer Schwester , die nicht von einer Mutter gewesen , mit ihrem Druder erlaubt hätten . Siehe das V Cap . des XV B . seiner verschie - denen Lectionen . Theon . »erfolget er , hat mich davon in seinen Noten über den AristophaneS belehret ; und ich habe in dem Philo den Unter - schied unter dem Solon und Lykurgus gelesen : dieser erlaubet seine Schwester von der Mutter zu Heirathen , jener erlaubet , seine Schwester von Vater zur Ehftau zunehmen ; allein ich weis nicht . daß sie erlaubt hätten , die Schwestern vom Vater und von der Mutter zu Heirathen - und wenn Elpinice nickt Cimons Schwester von der Mutter aewesen' so ist es ein Schnitzer vom Cornelius Nepos , daß er sie fororem eer - manam genennt , und man hätte keine gerechte Ursache gehabt , den Cimon zu verbannen ; denn dieß ist keine Blutschande , sondern eine bloße Sure - rey gewesen , wenn man bey einer Frauensperson schläft , welche die Ge» setze zur Ehsrau zunehmen erlauben . Der Zusatz des Wortes beweist nichts . Es wäre eben , 0 viel , als wenn jemand zu mir sagen wollte , daß Cicero den Ausdruck , nefarie , nicht gebraucht haben würde da er von der Unternehmung des Catilina redet , wenn es in keinem ein« zigen Falle erlaubt wäre , wider sein Vaterland Verrätberey anzuspinnen . Nam illud quidem argumentum ex Athenaco , non fuifie additurum * «r« ? anifi idemfieri polfetetiam « TOfavo'fW . aeque bellum eft , ac fi quis , quia Cicero alieubi dicit , Catilinatn peftem patriae nefarie moliri , colligat , idem non femper nefarie , fed interdum etiam line freiere fieri pofle . Muret . Var . Le<5t . Libr . XV . cap . V . pag . 1138 , 1139 . Muretus schließt , daß Elpinice und Cimon einerley Vater und eine Mutter gehabt ; und daß dieses die Ursache gewesen sey , warum man ihre Hochzeit als eine Uebertietinig der Gesetze angesehen habe Er se , tzet dazu , daß der heil . Cyrillus im VI B . wider den Julianus dem Cimon diese HeiratH nicht als eine schändliche That vorgeworfen k>a - ben wurde , wenn sie den Gebräuchen der Athenienfer gemäß gewesen wäre . In diesem Falle hatte er den Solon verdammen müssen und nicht den Cimon . UUW
r N mo'kn einige Noten über diesen Streit des Muretus machen ^st eS so naturlich , die Beobachtungen des Scholiasten AristophanS und des Philo mit der Beurtheilung des Cornelius Nepos zu verbinde» daß man sich nichts anders einbilden kann , als es habe sie der Kunstrich - ter nur darum ausgelassen , weil sie ihm unbekannt gewesen . Ich berufe mich hier auf das Gewissen aller Gelehrten . Mit ihrer Erlaubniß , meine Herren : glauben sie wohl , daß ein geschickter Mann , der dasjeniqe für eine Lügen schilt , daß Cornelius Nepos gesagt , es sey nach den Gesetzen der Athenienser erlaubt gewesen , seine Schwester zu heirathen , die nickt von einer Mutter gewesen , sich damit begnüget , den AndocideS anzufüh - ren , und fein Capitel damit zu beschließen ; wenn er dasjenige weis , was ein Ausleger des Aristophanes und des Philo behauptet haben' Glau - ben sie , daß , wenn er sich erinnert hätte , daß sie uns sagen : es sev in Athen erlaubt gewesen , seine Schwester zu heirathen , die ein - andere Mutter gehabt ; er ferne Betrachtungen nicht darüber anqestellet und den Cornelius Nepos so eilfertig verlassen haben würde , ohne daß er der Welt von einem so merkwürdigen Unterschiede Nachricht gegeben hätte als die , er ist , den man unter den Gesetzen des Lyklirgus , lind unter den Gesetzen Solons sieht , welche die Heirathen der' Brüder mit ihren Schwestern betreffen ? Ich bin versichert , daß sie , wenn sie aufrichtig reden wollen , mit Nein antworten werden : und daß . wenn Muretus diese Anmerkungen nicht mit einfließen lassen , die einzige Ursache davon gewesen , daß er dasjenige noch nicht gewußt , was ihn Theo» und Philo nach diesem gelehrt haben . Wir wollen also sagen , daß er in dieser Stelle seiner Antwort gegen den Vertheidiger des Cornelius , ego autem non eram nefeius , iieuiffe Athenienfibus forores eodem patre , dumne eadem matre , natas vxores ducere . Docuerat nie id Theon . docuerat nie id Philo , ( Var . Lect Libr . XV . cap . V . ) der Scknvack' heit vieler Gelehrten unrergelegen hat , welche von ihrer Eitelkeit da« auftichtige Bekenntniß nicht erhalten können , das sie ihren BentXi , - ™ einige« Licht schuldig sind : ( siehe die Anmerkung ( Z b^ dem ArÄ Marciomten . ) sie mögen nun diese Verbindlichkeit gegen sie baben weil man es aus ihren Werken genommen ; oder weil man darinnen Dinge gejelien hat . welche zu Nachforschungen Anlaß gegeben haben , die man außer diesem nicht unternommen haben würde Dasjenige was mich in meinen Gedanken bestätiget , ist ; daß er , wenn er damals gewußt hatte , was diese beyden Scribenten gcsaget haben , die Unrichtigkeit seiner Critik gesehen haben würde : denn es hätte ihn , nicht unbekannt seyn können , daß der Geschichtschreiber , den er tadelt , ganz deutlich vor - aus setzet , es sev Elpinice Cimons Schwester , aber nicht von einer Muv ter gewesen . Habebat in rnatrirnonio fororem germanam fuam , mine Elpinicen : non magis amore quam patrio morc , dudhis . Nam Athenienfibus licet codem patre natas vxores ducere . Com . Nepos in Vita Cimon , cap . I . Mai , hatte ihn also weiter nichts , als ein un - eigentliches Wort beymessen können , indem man behauptete , daß foror germana eine vollbürtige Schwester vom Vater und von der Mutter bedeute . II . Muretus hat diese Note der Sprachlehre nicht verqessen da er dem Vertheidiger geantwortet ; allein wer seilte glauben dak ein zierlicher Schriftsteller zur Zeit des Augustiis Nicht geivußt hätte daß foror germana eine Schwester vom Batet bedeuten könne' Man bat dem Muretus gewiesen , daß seine Critik ubcl gegründet ist . Wowenw in Minuc . Felic . p . " - ^4 - «nd Rutgertmz , Var . Left . Libr . I cap . IX . pag . 41 . IU - Er hat sich fälschlich eingebildet , daß , weil es erlaubt ge - weftn , seine Sckwester von einer andern Mutter zu heirathen , es gen keine strafbare llebelthat gewesen , wenn man sich außer dem Eh - stände mit der , elben bejubelt hatte . Man muß voraussetzen , das ; die Ge , setze , indem sie gewi»e Dinge erlauben , diejenigen nicht von der Schan - de befteycn , die sie begehen Ich bin gewiß , daß wenig Leute unter den Xthenienfert , sich der , elben bedient haben , wie Cimon , und daß das ae - meine Wesen von dieser Art der Heinith geärgert worden . Man hat dabey , wenn ich mich nicht bekriege , etwas verhaßtes und ärgerliches ge -
fanden .

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