Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5875

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Cimon .
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fcuro ainorc filiam Euryptolemi Megaclis filii , luftam tarnen vxo - rem , eft Cimon profequutus , eiusque mortem tulit aegerriine , qua - tenus coniicere licet ex fcriptis ad lenicndum luehim eius elegiis , quas Panaetius philofophns condidifle phyficum Archelaum putat , rieque abfurde ducit ex temporibus coniedturam . Plutarch . in Ci - mone , pag . 481 . Wir wollen im Vorbeygehen sagen , daß ein Gerüchte herum gegangen , es habe Cimon seine Ehfrau , des Callias Toclirer , da er entdeckt , daß sie sich im Ehbruche venvickelt , hinrichten lassen . Die Lehrer der Redekunst , haben hierüber viel Reden gehalten : Siehe die XXIV Controvers de« Seneca , - 4 ? S . bey mir ; der Titel derselben enthält folgende Worte : Callias iordide diues natiis redemit eum a republica et pecuniam folnit , eique üliam fuam collocauit , quam ille deprehenfam in adulterio , deprecante patre occidit . Ingrati i * eüs eft . Denn sie haben voraus gesetzet , daß er der Undankbarkeit unter dem Vorwande beschuldiget worden , weil er durch die Heirath dieser Frau , das Mittel erhalten , die Schulden zu bezahlen , um welcher willen er in dem Gefängnisse gehalten worden . Einige sagen , es sey dieses ein erdichteter Fall , dessen Art die Lehrer der Redekunst verändert hätten , um ihre sinnreichen Einfälle desto besser gen . Rutgerlius , Variar . LecV . Lib . I . cap . IX . pag 45 . Dicß könnte styn ; allein die Ursache , woraus man sich gründet , scheint mir nicht über - zeugend zu seyn . Callias , saget man . hat die Geldbuße bezahlt , nicht , um dadurch seiner Tochter den Vortbeil der Heirath mir dem Cimon zu verschaffen ; sondern um sich selbst das Glücke zuwege zu bringen , sich mit der Elpinice , Cimons Schwester , zu verheirathen . Könnte nicht je , wand antworten , es habe Callias ber> Auszahlung der fünfzig Talente , wegen dieser beyden Heiratken einen Vertrag gemacht ; ich will sagen , daß er den Cimon genörhiget , ihm die Elpinice zu geben , und seine Tochter zu Heirathen ? ES findet sich herüber große Verwirrung bey den Schriftstellern ; denn Tzetzes erzählet . Chil . I . Hiftor . XXII . es habe Callias CimonS und der Jsodice Sohn , snnfzig Talente bezahlt , die Strafe von seinem Vater abzuwenden : daß er bey seiner Schwester ge - schlafen hatte . Wir wollen diese Blutschande kühnlich unter die Un - züchngkeiten CimonS sehen . Die Trunkenheit betreffend , so sehe ich nickt , daß sich Plutarch sehr angelegen seyn läßt , ihn dießfallS zu ent , schuldigen ; er saget nur , daß sie ihn nicht gehindert , große Tharen zu verrichten . Hier sind seine Worte : Et feruntur triti Eupolidis de Ci - mone hi verfus :
Malus haud erat : fed negligens , bibaxque erat :
Aliquando dormitauit et Lacedaemone ,
Solam relinquens Elpinicen hic fuam .
Equidem fi focors ille ebriofusque tot vrbes cepit , tot viftorias re - portauit : vtique fobrius et attentus rebus fi fuiflet , nemo rebus geftis eum neque priorum neque pofteriormn graecorum antecellu - iget . Plutarch . in Vita Cinionis , p . 177 . Tom . II . Edit . de Anno 1592 . So lautet das Griechische des Eupolis : Ka * oc ! piAc * orijc 3i
xifMAif'c . Kaviar' lenixoinxr aj iv AxxsSxlfXOVi , K«v E / tiv ( k> ) v ti ) v 3f
xxtxalkuv fiSvl ( V .
( DD ? cl> hatte viel Dinge , rregen seiner - Herrath mit seiner Scdrvcfter . ; u sagend Der Umgang Cimons und der Elpinice . wird verschiedentlich erzählet : einige sehen denselben als eine erlaubte Sache an , andre als eine unerlaubte . Cornelius Nevos ist von den erstern : Neque enim Cimoni fuit turpe Athenienfium fununo viro , fororem gerinanam habere in matrimonio : quippe quum eines eius eodein vterentur inftituto . Also redet er in der Vorrede Habebat autem , saget er im l Cap . des Lebens C>mons . in matrimonio fororein luam gerinanam , nomineEIpinicen , non magis amore quam more dudht» ; nam Athenienfibus licet , eodem patve natas , uxores ducere . näus redet auf eine ganz entgegengesetzte Art davon : er sager , daß Ci - mon wider die Gesetze bey der Elpinice geschlafen habe . Ich habe seine Worte in der Anmerkung ( N ) des Artikels per , kle« anqefuhret . Ich Ixibe einen Mann angeführt , nach dessen Vorgeben Cimon wegen die - se« schäudlicken Umganges einer verdrießlichen Strafe ausgesetzt sen wären , wenn man nicht eine große Geldbuße für ihn bezahlt hatte :
Ka^kia ; 31 irsvT * «wra T«A«vra ^himStoii
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Decies talenta quinque multam Callias
Soluit , Cimon ne quid mali pateretur ob
Turpes fororis atque fratris nuptias . ^ Tzetzes . Chil . I . Hift . XXII .
Rutgersius , welcher diese Stelle , und nach diesem des Athenäus seine , M «vey Zeugnisse anführet , welche die Bestrafung dieser Blutschande CimonS bestätigen . zieht wegen eben dieser Sacke drev andre Sckrift - steller , den AndocidcS , Suidae und Varin an . Der erste versichert , daß Cimon die Strafe des Ostracismus erlitten , weil er wider die Gesetze bey seiner Schwester gelchlasen , f£<>Tf« * ic«v Kl / im» Six
eri TtJ rf ixurS Andocides , in Orat . contra Alcibia -
dem , apud RutgerC Variar . l . eÄ . Lib . I . cap . IX . p . 39 . Nack dem Sui - das , ist er wegen des BeyschlasS mit ihr angeklagt , und dieser Uebelthat wegen mir ihr verbannt worden . Suida» , in Voce ket dtrgx -
Varin beobachtet ebendasselbe . Varinus , in Voce Allein er setzet aus einem Gedächtnißfehler Aristides , anstatt Cimon . Alle diese Scr>benten erzählen Träume , wenn wir dem Rutaersius auf derzy S . seiner Var . Lec> . glauben wollen : er setzet ihnenemqe - gen , daß die Geseke der Athenienser , die Heirath zwischen Bnidern und Sckwcstern vom Vater erlaubt , welckeö er mit dem oben angeführten Zeugnisse des Cornelius Nepo« . mit dem Zeuanisie de ? Philo , rm iffrpitttä'u - ' " «3« und dem Zeugnisse des Schollasten Aristo - planes , in Nub . Aft . V . Sc , II . pag . m . iah . beweist . Er führet diese Worte deS MiNUtiuS Felix , Athenis cum fororibus legitima coniugia , und den Seneca an . welcher in ludo de morte Claudii gesaqet , Athenis dimidium licet , Alexandriae totum , und den Plmarck welcher im ThemistoklrS , zu Ende auf der u8 Seite anführt , daß Archeptoli« , de«
ThemistokleS Sohn , die Mnesiptoleme , seine leibliche Schwester , gehet - rathet hat . oVeir«TfMv , eodem patre genitam . Er wendet noch dre Mittel an , er giebr vor ; daß der Ostracismus nicht gebraucht wor - den , die Laster zu bestrafen . sondern nur den Glanz einer beneideten Tu - gend zu mindern , und er läßt die Veränderungen derer sehen , welcke sa - gen , daß Cimon gestraft worden . Einige geben vor , er sey verbannet worden ; und andre , man habe ihn zu einer Geldbuße von so Talenten verdammt . Einige versickern . daß er zu dieser Geldbuße^ wegen de« Fehlers seines Vaters verdammt worden , und er führet uns deswegen vermiedene Schriftsteller , den Herodotus , Cornelius Nevos , Seneea deir Vater . Valerius Marimus und Justin an . Alles dieses sind höchst unnützliche und sehr Übel verstandene Anführungen ; denn sie haben nicht die geringste Verwandtschaft mir der Frage , die er untersucht , sie betres - - fen keinesweges die Strafe , davon die Schriftsteller , die er widerleget , haben reden wollen . Sie haben weiter nichts verstanden , als die Straft , womit Cimon nach einer langen Verwaltung der Republik beleget wor - den . Endlich führet er noch den DemostheneS an , welcher versichert , daß Cimon , da er sich die öffentliche Herrschaft zueignen wollen , ver - dämmt worden , fünfzig Talente zu bezahlen , und daß eS nur an drey Stimmen gefehlt , daß er nicht mit dem Tode sey gegast worden . De - moft . aduciT . Ariftocrat . pag . m 457 . Er führet auch eine Stelle de« 1 ) . Cvrillus im VlB . wider den Julianus an , worinnen man findet , daß sich Cimons Bestrafung darauf gründet ; weil man ihn überzeugt ge - habt , daß er nach der mmmschränkten Herrsä>aft getrachtet .
Wie mich dünkt , so hat Rutgersius in gewissen Stücken Recht und Unrecht . Er hat guten Grunh zu behaupten , daß die Gesehe der Athenienser den Mannspersonen erlaubt , sich mit ihren Schwestern zu verl ) eirathen , die nicht von einer Mutter gewesen , und daß die Heirath mit der Elpinice , zu der Verbannung Cimons nicht Ursache gegeben . Allein er hat Unrecht , dem Athenäus dasjenige beyzumessen , was er ihm beymißt . Athenäus beschließt die umstandlicke Beschreibung von den Uneinigkeiten des Perikles , mit der Begebenheit der Elpinice . Dieser Beschluß enthält vier Dinge : > , daß Cimon dieser Sckwester höchst straflicher weise genossen ; - , daß er sie nach diesem mit dem Callias ver - heirathet ; z , daß er verbannt worden ; 4 , daß Perikles , weil er ihn der zurück kommen lassen , mir dem Genüsse der Elpinice belohnet wer , den . Dieß ist eS , was Athenäus saget ; allein dieß heißt nicht gesagt , daß Cimon darum in« Elend gewiesen worden , weil er seine Schwester gebraucht . Rutgersius ist also zu tadeln , daß er der Uebersebung der griechischen Worte dieses Scribenten einen Zusatz eingeschaltet , den er nicht darein hatte sehen sollen . Man findet ihn in dm Klammer , ' , der folgenden Worte : Cum Cimon Elpinice forore quam poftea Calliae elocauit contra leges abuteretur , ac ( ob id ) in cxilium pulfus eflet . Rutgerlius Variar . Ledl . pag . 138 . Dalechamp in seiner Übersetzung de« Athenaus , hat da« ob id nicht dazu gesetzt . Er ist nicht der einzige , der sich hierinnen betrogen . Wewer in Minne . Felicem , pag . m . 304 . orge Caspar Kirchinaier , in Cornel . Nepot . Cimon . pag . m . 242 . und verschiedene andre , messen dem Athenäus ebendasselbe bev . Das schlimm - ste ist , daß sie es auch dem Plutarch Schuld geben , ob er gleich sehr deutlich gesager hat , daß die Ursache von dem Ostracismus Cimon« , der Verdruß gewesen , den man wegen einer Beschimpfung gefasset . welche die atheiüensifchen Soldaren in Lacedämon erlitten hatten . Plutarch . in Cimone , pag . 489 . Dieser Verdruß Hat die üble Neigung erneuert und verdoppelt , die man gegen den Cimon gefaßt Hatte , welcher von sehr langer Zeit , wegen allzu vieler Freundschaft , gegen die Lacedämonier verdächtig , imd der Partei ) des Volks verhaßt war , ( ebend . 488 Seite , ) weil er sich bemühet hatte , die Gewalt des Areopagus wieder herzustel , len , und die Richterstnhle mit Edeln zu besehen , die ihnen das Volkent - zogen . Die Ursache , welche diejenigen bewegen können , die ich Hier tadle , ist sehr schwach . Plutarch erzählet , daß die Bestrebungen zur Wiederherstellung der Aristokratie zum Murren , wider den Cimon laß gegeben , daß man das Volk wider ihn aufgeheht , und die Lästerun - gen wegen seines Umgangs mit der Elpinice erneuert . Ebendaselbst A . Ist dieß wohl eine tüchtige Ursache , zu behaupten , daß uns dieser Schriftsteller belehre , es sey dieser Umgang die Ursache von derVerban - nung CimonS gewesen ? Muß man nicht bekennen , daß unzählige Schriftsteller dasjenige übet untersuchen , was sie anführen , und daß man sehr wenige darunter findet , die richtig sind ?
Man giebt zu , wird man zu mir sagen , daß AthenauS , daß Plutarch dasjenige nicht gesagt haben , was ihnen verschiedene bevmessen ; aber deswegen bleibt cS deiinoch wahr , daß Cimon wegen des Umganges mit der Elpinice verbannet worden . Ich antworte , daß wir wegen dieser Sache kein ander Zeugniß . al«I des Redners Andocides , übrig haben ; denn man kann glauben , daß sich Suidas auf ihn gründet : und den Varin , ( das ist , Varinus Phavorinus , ) betreffend , so ist sein Zeugniß nicht von dem gerinqsten Gewichte ; er hat zu Ansänge de« XVI Jahr« Hunderts gelebet . Wir wollen aljo sehen , >vaS man für Staat auf den Andocides zu machen hat , und dabey erinnern , daß sich ein Redner kein Gewissen gemacht , die Sachen nach dem Nutzen seiner Sache zu ver - größern oder zu vergeringern . Er verdunkelt die Umstände , die ihm nicht anständig sind ; er nimmt das Zusallige für die Hauptsache , oder dasje - nige für was zufälliges , was die Hauptsache ist . Andocides hat entwe , der durch das Lesen , oder durch die gemeine Sage , gewußt , daß Cimon« Feinde , ihn nach ihrem ganzen Vermögen verschrieen , wenn sie gearbei - tet haben , ihm die Verbannung über den Hals zu ziehen . Sie deckten alle Fehler seiner Jugend auf . und vornehmlich haben sie den alten Ge , flaut von dem Umgänge mit der Elpinice wieder aufgerührt . Er ist verbannet worden , nicht dieferwegen ; sondern weil man ihn wegen allzu großer Herrschsucht in Verdacht gehabt , und seine Ergebenheit für die Angelegenheit derLacedamonier gehasiet hat . E« diente demAndocide« zu nicht« , diese wahre Ursache der Verbannung zu berühren ; dieserwe« gen hat er nicht davon geredet : weil es ihm aber sehr nützlich war , vor - zustellen , wie scharf ihre Vorfahren die ärgerlichen Sitten gestraft hät - ten , so ist er allein bey den Vorwürfen de« bose« Leben« stehen geblie« den , die von CimonS Feinden angeführet worden , und ftvh gewesen , die , selben als die einzige Ursache der Verbannung dieses großen Manne« anzugeben . Allein , wird man weiter eimvendm , saget denn Tzet»e« nicht , daß eine Menge Sckriftsteller erzählet haben : es habe Callias , monS und der Jsodice Sohn , ftinszig Talente , zur Abwendung de« Un , glücke« , bezahlt , welckcm sein Vater , wegen seiner Heirath mit der El - pinice , ausgesetzt gewesen ? Ich bekenne , daß er dieft« saget :

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