Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
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Chrysippus .
fed toti hirmano generi tulerunt . Epiktetus weist diejenigen ab , die sich rühmen , die Meynungen des Chrnstvpus zu erklaren , und befiehlt ihnen , bey sich selbst zu sagen : wenn TKrysippu« nicht dunkel ge , schrieben hatte , so Hatten wir uns über nicht« ; u rühmen . Epi . 6t« . Enchir . cap . LXIV . Zlrrian greift diejenigen öfters an , welche sich auf das Lesen dieses Philosophen legen , und dieses für eine große Hel - denthat halten . Siehe Arriani Epiöetum , Libr . I . cap . X . XVII . Libr . II . cap . XVI . und anderswo . Wie mich dünkt , so kann man nicht gewiß sagen , daß er ihm den Schimmer und die Ehre zueigner , dieer aus einer Betrachtung der göttlichen Ehre machet , welche man dem Tripto - lemus erwiesen hat . Ebendas . I B . IV Cap . Jacob Sckegkius , sein lateinischer Uebersetzer setzet auf den Rand , Chryfippus Triptolemo diuinis honoribus dignior . Ich glaube , er versteht überhaupt , daß derjenige , welcher den Menschen die Wahrheit und den Weg zur Tu - gend entdecket hat , mit mehrerm Rechte Altäre verdiene , als diejenigen , die sie gelehrer , Getraide zu saen .
( N Er hatte keine andere - Hausgenossen / als eine sehr alte Magd . ^ Diogenes Laertius , im VII B - Num . >» ; . redet zwey oder dreymal davon . r» y^xülm novt * , fola autein anicula conten .
tus erat . Er hat bereits gesagtt , man hätte von dieser alten Magd er - fahren , daß Chrysippus gewohnt gewesen , jeden Tag fünf hundert Zei , len zu schreiben . tt ö' ir ? saßurtt avrü iteytv etc . Anus ,
quae illi alfidebat , dicebat etc . Ebendas Num . >8> . Menage , im VIl B 539 0 . über den Laertius , bekriegt sich wenn er vorgiebt , daßPlu - tarch von derselben Alten in denen Worten geredet hat , die ich anführen will : Scribit etiam Chryfippus in cominentario de Iotie , et libro de Diis tertio , frigidum eile , absurdum , et infolens huiusmodi virtutis effefta laiidare , quod mufeae morfinn fortiter pertiilerit , quod carte fe abftinuerit a tnoribunda vetula . Plutarch . de coinm . Notitiis , p . 439 . Tom . III . Franks . Ausg . siebe auchbeym'Amiot äeKc . pugn . Stoicor . pag . 1038 . 1039 . Chrysipvus Hat hier überhaupt und ne die geringste Absicht auf seine Magd geredet . Sein Richter ver - steht es also ; und er führet dieses nur an , den Stoickern vorzuwerfen , daß sie sich widersprechen , und die gemeinen Begriffe bestreiten : Sie behaupten , hatte er kurz zuvor gesaget . daß diese« gleichgültige Dinge sind , für sein Vaterland ; u sterben , und sich der Ä . iebe einer Alten ; » enthalten , die an dem Rande de« Grabe« steht , und daß einer und der andere auf gleiche Art dasjenige rhue , was die Pflicht erfordert ; und daß sie doch dearregen , ^ als für eine große und rühmliche Sacke , bereit und geneigt waren , das Heben n» verlieren , da , wo es eine Schande und Spott ist , wenn man sich dessen rühmen wollte . Ich habe es huudermal ge - saget , man seket sich der Gefahr aus , falsche Anwendungen zu machen , wenn man sich einer Stelle bedienet , ehe man das Vorhergehende und Nachfolgende untersuchet hat . Menage dienet hier zum Beweise da - von . °iich habe etwas in dem AthenauS gesunden , welches die gute Meynung bestätiget , die man von der Keuschheit des Chrysippus haben soll . Man lese folgendes : Xpuantiov 2' a . 2fi ( IpUov rev t>k Toä {
I\ytpivot XXTX iroXKi S«ni & ifiij tri näAirj itixiv» , roy
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»i ; ) fv äva^ffäTDU TO iretfl AQpoliclm ä * oAje ? ov tvyy pum , o amici viri , Stoicorum dneem ac prineipem , ego mehercle in multis admiror , ob id tarnen impenfius laudo , quod famofum suis de obfoniis feriptis Archeftratum in eodem loco ac nuniero feinper collocarit cum Philaenide cni tiirpifiimuni de venereis opui adferibunt . Athen . Libr . VIII . p . 335 .
( Ol Er hat außerordentliche Bestrebungen , ur Auflosung ei * ttes Sophisma angewendet t > - das Sorites genenner wurde . ! Auf Griechisch , ? « . • ? £ / ? > , ; , von dem Worte welches
sceruus bedeutet . Daher kömmt e« , daß die Lateiner qeqlaubet , sie könitten dieses Sophisma acerualem nennen . Cicer . de viuinat . Lib . II . cap . IV . lUpian , I . 25 . ft " de Reg . lur . hat es beschrieben , cum ab eiiidenter veris , per breuiflimas mutationes dilputatio adea , quae euidenter falfa funt , perducitur . Cicero beschreibt es in des IV B . XXVIII Cav , der akademischen Fragen , auf eine Art , welche die Ablei - tung des WorleS zu erkennen giebt : Primum quidem hoc repre - hendendum , quod captiofifliniogenere interrogationis vtuntur . Quod genus mini nie in Philofophia probari folet , qutiin aliquid minuta - tim et gradatim additur ant deniitur : Soritas hos vocant , qui acer - uum efficiunt vno addito grano . Man hat ein Korn Getraide zum Exempel genommen , wie man hier unten sehen wird , und aus diesem ganz wahren Satze , ein Rorn ist kein - Haufen Getraide , hat man sich bemühet , es »ach und nach so weit zu führen , daß man diese offen - bare Unwahrheit behauptet : ein Rorn ist ein Haufen Getraide . Man kann in dem Sextus Empiricus einige Beyspiele sehen , wozu man dergleichen verfäiwliche Fragen gebrauchet . Ich werde bald eine lange Stelle aus dem Cicero anführen , welche uns belehren wird , daß man , vermittelst des Sorites zeigen wollen , es könne der Verstand des Menschen niemals zur Erkenntniß eines festen Punctcs gelangen , wel - cher die einander entgegenstehenden Eigenschaften unterscheidet , oder wel - cher die Natur eines jeden Dinges gewiß bestimmet . Worinnen beste - het fragte man , das Wenige , das Viele , das Lange , da« Breite , das Kleine das Große » . d . m , machen drey Körner Getraide einen Hau - fen ? 'Man mußte antworten : nein ; machen denn viere einen ? eben die vorige Antwort : man ftihr unendlich und ohne Aufhören , von einem Korne bis zum andern , zu fragen fort ; und wenn man endlich antwor - tele : dieß ist ein Haufen , so gab man diese Antwort für albern aus , weil sie voraus sehte , daß ein einziges Korn den Unterschied zwischen demjenigen machte , was kein Hausen ist , und demjenigen , was ein Hau - fen ist . Ick werde , vermittelst dieser Lehrart beweisen , daß ein Saufer sich niemals volltrinkt . Ich will ftagen : berauschet ein Tropfen Wein ? Nein , wird man antworten . Wie denn zween ? keineswegs ! weder drei , noch viere ? Ick werde mit meinen Fragen vom Tropfen zu Trop - fen fortfahren , und wenn man wir bey <>99 antwortet , er ist nicht rauscht , und bey lausenden , er ist berauscbr , so werde ich schließen , daß ein Tropsen Wein , den eigentlichen Unterschied , unter der Trunken - heil und Nicht - Trunkenheit eines großen Trinkers machet , welches ab« gesckmackr ist . Wenn die Fragen von drey Maaßen zu drey Maaßen geschahen , so würde man leichtlich den Unterschied unter genug und zu - viel bemerken ; allein die Verfertiaer der Soriten haben die Wahl der Waffen , und sie bedienen sich der kleinsten Theile von der Menge , und
gehen von einem zum andern , um zu verhindern , damit ihr keinen fe - sten Puuct findet , der die Nicht - Trunkenheit von der Trunkenheit , das Wenige von dem Vielen , dasGenug von dem Zuvielen , u . s . w . unterschei« der . Ein Weltmann würde , mit allem Rechte , über dergleichen Zanke - reyen lachen ; er würde sich auf die gesunde Vernunft und denjenigen Grad der Einsicht berufen , der in deni Gebrauche des bürgerlichen Le - bens zureichend ist , uns überhaupt das Viele u . d . m . unterscheiden za lassen ; allein ein Disputirkünstler von Proseßion , kann zu diesem terstuhle keine Zufluckt nehmen : er ist verbunden , förmlich zu antwor - ten , und er würde zum wenigsten , wenn er keine Auflösung nach den Regeln der Kunst finden könnte , die Wahlstatt verlieren : seine Nieder - läge wäre der unvermeidliche Ausgang . Heutiges Tages würde ein irr - ländischer Magister , der einem Professor zu Salamanca mit hundert logischen Zungendreschereyen zu Leibe gienge , und sich mit dieser Antwor« abgefertiget sähe , die gesunde Vernunft , die allgemeine Xvijsen» schaft zeigen uns juc Genüge , daß deine Folgerungen falsch sind , für den Sieger gehalten werden , und man würde mit Recht sagen , daß der Professor überwältiget worden wäre : denn es war seine Schuldig - keit , in der Forme und nach der Borschrift des Handwerks zu antwor» ten , weil man seinen Satz nach dieser Vorschrift angegriffen hatte . Chry - sippus , welcher in diesem Punete , seine Pflicht sehr wohl gewußt , hat deutlich begriffen , daß der Sorites der Disputirkünstler zu Megara , eine richtige und kunstmäßige Auflösung erforderte . Man wird seine Erfin - dung sehen , nachdem ich zuvor ein wenig Latein werde angeführet ha - hen : Sed quoniani tanturn in ea arte ( Dialedlica ) ponitis , also läßt Cicero einen Verrheidiger der Ungewißheit reden , videte , ne contra vos tota nata lit , quae primo progrefTu feftiue tradit elernenta loquendi , et ambiguoriun intelligentiam concludendique rationern , tum pau - cis additis venit ad Soritas , lubricum fane et periciilofum locurn , quod tu modo dicebas esse vitiofum interrogandi genus . Quid er - go , iftius vitii num noftra culpa eft ? Reruin natura rnillarn 110 - bis dedit Cognitionen ! finiuni , vt vlla in re ftatitere poffirnus , qua - tenus nec hoc in aceruo tritici folum , vnde notnen eft . Sed nulla omnino in re niinutatiin interrogandi diues , pauper , clarus , ob . feurus fit , multa , paiica , magna , parua , longa , breuia , lata , an . gufta , quanto aut addito aut dernto certuin rcfpondeamiis non ha - benuis . At vitiofi sunt Soritae . Franste igititr eos , fi poteftis , ne molefti fint . Eruntenim , nifijCaueatxs . Cicero , Academ . Qiiaeft . Libr . IV . cap . XVI und XXVIII . Chrysippus hat kein ander Mittel gefunden , als daß er nur auf eine gewisse Anzahl Fragen geantwortet , und hernach stille geschwiegen hat . Man hat seine Erfindung , die Lehr - art der Ruhe genennt . Multum in eo Chryfippus fudauerat , vt fini - torem acenii inueniret , fed friiftra : quare fpe inueniendi quod quaerebat deiechis , mt« Mrego» nva itAb» , quod aiimt , exeogi - tanerat quem vocabat tov ievyjkijtna myov' ( man könnte bieffä , durch der Guietiste übersetzen , und diesen Kunstgriffder Disputation also nennen , wie man die andern der Schnitter , der Lügner u . s . w . ge - nennet , ) cum interrogatus fuftinebat fe priusquam ad finem inter . rogans perueniret . Cafaubonus in Periium , Sat . vlt . verfo vltimo . p . m . s>u Man ziehe den Causaubon in seiner vortrefflichen Ausle - gung über diese Worte des Persius , in der letzten Satire am Ende , zu Rath« : depunge vbi fiftam , Inuentus Chryfippe tui finitor acerui . Diese Erfindung des Chrysippus ist nicht glücklich gewesen : und wir werden sehen . wie sie Karneades übern Haufen geworfen . Cicero , Acad . Quaeft . Libr . IV . cap . XVI . Cautum eft , inquit . Placet enirn Chryiippo quum gradatim interrogetur ; verbi causa tria pauca fint , an ne multa , aliquanto priusquam ad multa perueniat quiefccre , id eft , qviod ab his dicitur Per nie vel
tas licet , inquit Carneades , non modo quielcas . Sed quid proficit ? Sequitur eniin , qui te ex fomno excitet , et eodem modo interroget , quod in numero conticuifti . Si ad enm numeruin vnum addidero , multane erunt ? 1 progrediar rurfus quoad videbitur , quid plura ? Hoc enirn fateris , neque vltiinum te paueorum , neque primum multorum refpondere posse . Cuius generis error ita manat , vt non videam , quo non poflit accedere . Nihil me laedit , inquit . Ego enirn vt agitator callidus , priusquam ad finem veniam eques fiiftine . bo , eoque magis fi locus is quo ferentur equi praeeeps erit . Sic me , inquit , ante fuftinebo , nec diutius captiofe interroganti re - fpondebo . Si habes , quod hqueat , neque refpondes fuperbis : fi non habes , ne tu quidem perfpicis , quia obfeura concedis . Sed negas , te vsque ad obfeura progredi : illuftiibus igitur rebus infiftis . Si id tantummodo vt taceas , nihil aflequeris . Qiiid enirn ad illum qui te captare vult , vtrum tacentem irretiat te , an loquentem ? Sin autem vsque ad nouem , verbi gratia , fine dubitatione refpondes pauca esse , in deeimo infiftis , etiam a certis et illuftrioribus co - hibes assenfum , hoc idem me in obfciiris facere non finis . Nihil igitur te contra Soritas ars ifta adimiat , quod nec augendi nec mi - nuendi quid aut primum fit , aut poftremum , docet .
( * ) Dieß beweist , daß hier eine Lücke indem Diogenes Laertius , VII Buche , in Zenone , num . 82 . ist : denn das Beyspiel , das man daselbst von dem Sophisma obuelatus sieht , kömmt ganz klarlich dem SoriteS zu . Dieses haben Cujaz . Traft . V . ad Africanum , und Gassendi , Operum , Tom . I . p . 41 . sehr wohl bemerket .
Die Skeptiker haben jich diese Erfindung des Chrysippus zu Nutzen gemacht . und sie zu einem Argumente , ad hoininem , dienen lassen . Man sehe des Sextus Empiricus , Pyrrhon . HypotypoC . Libr . II . cap . XXII . Man merke , daß Horaz die Bewunderer der Alten mit einem Sorites angreift : die Stelle ist schön ; es wird mir also erlaubet seyn , der Versuchung nachzugeben und sie herzusetzen :
Si meliora dies , vt vina , poemata reddit ,
Scire velim , pretiiim chartis quotus arroget annus ?
Scriptor abhinc annos centum qui decidit , inter Perfe & os veteresque referri debet ? an inter Viles atqtie nouos ? excludat iurgia finis .
Eft vetus atque probus , centum qui perficit annoi .
Quid ? qui deperiit minor vno menfc , vel anno ,
Inter quos referendiis erit ? veteresne Poetas ?
An quos et praesens et poftera refpuet aetas .
Ifte quidem veteres inter ponetur honefte ,
Qui vel menfe breui , vel toto eft lunior anno .
Vtor perraisso , caudaeque pilo« vt eqmnae
Paulatim

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