Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5791

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urtheilet man die Bücher de« Mävius nach denen Stücken , die Titius , sein Widersacher , daraus anführet , und nach der Beurrheilung , die er anhängt , so wird man sagen , daß Mävius weder zuschreiben , noch zn schließen weis , und daß er keine gesunde Vernunft hat .
Man merke , daß ich nicht zu behaupten verlange , als wenn die Ge - richte der verbotenen Bücher von der Übeln Folgerung ausgenommen waren . Siehe die Nouvelles de la Republ . des Lettres , im Herbst - monate - 685 , 1053 S - Brachmonate von i6«6 , III Art . 639 S - monate von >686 , VIII Art . 8>o S .
( tt ) plutarck beschuldiget ihn , er mache Gott jum Urheber der Sünde : Lipsius , welckxr f'ich bemüht hat , ihn von diesem Lleckcn zurvascken , hat dabey keinen allzu gmen Fortgang ge - vabr . 'i Man findet die Beschuldigung in der Anmerkung ( G ) bey dem Artikel paulicianer . Wir wollen sie nicht von diesem Orte wegneh - men , weil sie in der ersten Ausgabe dieses Werkes dahin gesetzt worden . Wir wellen hier nur die Mittel der Rechtfertigung untersuchen , welche vorzubringen , sich Justus Lipsius die Mühe genommen hat ; allein vor allen Dingen müssen wir die Gedanken des CdrysippnS von der Natur Rottes besehen . Ait ( Chryßpptis ) vimDiuinam in ratione efle po - fitam , et vniuerfae naturae animo , atque mente : ipfuinqiie mundum Deum dicit efle , et eius animi fufionem vniuerfam : tum eins ipfius principatum , qui in mente et ratione verfetur , communemque re . mm naturam vniuerfa atque omnia continentem , tum fatalem vm - bram ; et neceflitatem rerum futurarum . Ignem praeterea , et cum , quem antea dixi aethera : tum ea , quae natura fluerent , atque mana - tent , vt aquam , et terram , et aera , folem , lunam , fidera , vniuerfi - fatemque rerum , qua omnia continerentur , atque homines etiameos , qui immortalitatem efient confeeuti . Idemque difputat , aethera efle cum , quem homines Iouem appellarent , quique aer per maria ma - naret , eum eile Neptunum : terram eam , quae Ceres dlceretur : fimi - liqüe ratione perfequitur vocabula reliquorum Deorum . Idemque etiam legis perpetuae et aeternae vim , quae quafi dux vitae , et ma - giftra officiorum ( if , Iouem dicit efle : eandemque fatalem tem appellat , fempiternam remm futurarum veritatem , quorum hil tale eft , vt in eo vis diuina inefle videatur . Et haec quidem in primo libro de Natura Deorum . In fecundo autem vult Orphei , Mufaei , Hefiodi , Homerique fabellas accommodare ad ea , quae ipfe primo libro de Diis immortalibus dixerat : vt etiam veterrimi
Chrysippus .
oetae , qui haec ne fufpicati quidem fint , Stoi'ci fuifl'e videantur . icero , de Natura Deorum , Libr . I . cap . XV . Der Proceß würde

tionis , volubilitatem autem non dedit , fic vifum obie & um imprimet illud quidem , et quafi fignabit in animo fpeciem fuam , fed afienlio noftra erit in poteftate , eaque , quemadmodum in cylindro didhnn eft , extrinfecus piHfa , quod reliquum eft fuapte vi et natura mouebi - tur . Cicero , de Fato , cap . XVIII . Man beobachte , daß Cicero gesagt , eS habe sich Chrysippus dergestallt verwickelt , er , er möge wollen oder nicht , die Nothwendigkeit des Schicks - 's bestätige . Dum autem verbis vtitur fuis , delabitur in eas difficultates , vt neceflitatem fati confirmet inuitus . Ebendas . IX Ca» Dieß erhellet in diesem Werke des Cicero nicht allzusehr , und dieserwegen wollte ich mit dem Lipsius leichtlich glauben , daß in dieser Stelle etwas mangelt , wie es gewiß ist , daß in etlichen andern etwas fehlet . 8ed quod in Vifo Cicero dicit , et haeret , et partim pro inferiore ipfa reuidetur , et credo , plura ad - didifle , quae aeuo exciderunt . Lipfius , Phyf . Stoic . Libr . I . Diflert . XIV . Lipsius hält sich an den Aulus Gellius , welcher uns diese Erklärung des viel richtiger erhalten hat . Ich bin versichert , man wird
zu seiner Beschämung durch diese einzige Stelle abgethan seyn , wenn dieß ein Mensch wäre , der fest bey seinen Grundfitzen geblieben : wie er aber alle Tage anders geurtheilet . und bald weiß , bald Ichwarz behauptet , so haben seine Berti , ewiger Hülssmittel , und können ihn durch Beyhulfe seiner Widersprechungen und Übeln Folgerungen als einen Rechtgläubigen handhaben , und die Gerichte einige Zeit hinters Licht führen . Man sieht aus der Stelle des Cicero , daß ich ein unbegreifliches Geschwätze , und ein viel verwirrter Chaos , als der Poeten ihres , anführe : allein gleichwohl sieht man klärlich darinnen , daß Gott , nach dem Chrysippus . die Seele der Welt , und die Welt die allgemeine Ausdehnung dieser Seele ist ; und daß Jupiter das ewige Gesetze , die fatale Nothwendig - feit und die unveränderliche Wahrheit aller zukünftigen Dinge ist . Die nothwendige und unvermeidliche Folge hiervon ist , daß die Seele des Menschen ein Theil Gottes ist , und daß alle seine Verrichtungen kein« andere Ursache , als Gott selbst , haben . Gleichwohl wollen wir diesem Phi - losophen die Freyheir lassen , ganz willkürliche Unterscheidungen zu dichten , so wird er doch endlich nach allen Umschweifen und Umwegen in den Abgrund fallen . Er setzet voraus , daß sich die Seele von einer allgemeinen Nothwendigkeit befreyet Hätz er nimmt sie von dem Zustande aller andern Dinge aus . er machet sie ftey . Ac mihi quidem videtur , quuin duae fententiae fuiflent veterum philofophorum : vna eorum , qui cenferent omnia ita fato fieri , vt id fatum vim neceflitatis affer - ret , in qua fententia Democritus , Heraclitus , Empedodej , Ariftoteles fuit : altera eorum , quibus viderentur fine vllo fato efle animorum motiis voluntarii : Chryfippus tanquam arbiter honorarius medium ferire voluifie , fed applicat fe ad eos potius , qui neceflltate motu« animos liheratos volunt . . - Cicero , de Fato , cap . XVII . und f . Chryfippus autem cum et neceflitatem improbaret , et nihil velletfinc praepofitis caufis euenire , caufarum genera diftingtiit , vt et tem etfiigiai , et retineat fatum . Caufamm enim , inquit , aliae funt perfeäae et principales , aliae adiuuantes et proximae . Qiiamobrem quum dicimus , omnia fato fieri caufis antecedentibus , non hoc intel - ligi vohimus , caufis perfeöis et principalibus , fed caufis adiuuanti - btis , antecedentibus , et proximis . Ebendaselbst . Man sieht , wie er nicht leugnet , daß ein jedes Ding nicht von einer vorhergehenden Ursa - che hervorgebracht worden wäre ; allein er läßt zwo Gattungen der chen zu , davon die lehren die Freyheit nicht vernichten . Die menen und Hauptursachen . saget er . erlauben nicht , daß eine Handlung sren ift * allein die Ursachen , die nur helfen , und keine Hauvtursacken sind , verhindern nicht , baß sie es nicht ist Wie er also vorgiebt . daß unsere Begierden nicht von einer äußerlichen Hauptursaclx , sondern nur von einer äußerlichen Ursache abhangen , die keine Hauptursache ist , und nur reizet : so schließt er . daß sie unsere Seele aus eine neye Art hervor - bringe und dieGebietKer . nn darüber fty Sie hat nothig , von den genständen gereizer zu werden , ohne welches sie ihren Beyfall niemals qeben könnte ; allein die Gegenstände , die sie reizen , bringen die Hand - jungen ihres Willen - nicht hervor ; sie entfließt sich , vermöge ihrer eignen Kraft , nachdem ihr die Geaensiande die erste Bewegung gegeben haben , Cr erkläret dieses durch eine Begleichung . Derjenige , der nen Cylinder fortstößt , saget er , giebt ihm die erste Bewegung , aber nicht die Behendigkeit : dieser Cvlmder rollet endlich , vermöge seiner eignen Kraft fort , und also beweget sich unsere Seele , die von den den erschüttert worden , endlich von sich selbst . Qiiarnquam allenfionon polfit fieri nifi comniota vifo , tämen quum icl : vifiim proximam cau - fam habeat non prinzipalem , hanc habet rationcm , vt Chryfippus vult , quam dudum diximus , non vt illa quidem fieri poflrt nulla vi extrinfecus excitata , necefl'e eft enim aflenfionem vifo commoueri , fed reuertitur ad cylindrum , et ad turbinem firum , guae moueri in - cipere nifi pulfa non pofl'unt . Id autein qimni accicht , fucpte ra , quod fuperell , et cylindrum volui , et verfari turbinem putat . Vt igitur , inquit , qui protrflfit cylindrum dedit ei principium mo -
mir erlauben , dasjenige , was er gesaget , ein wenig weitlauftig anzufüh - rm ; denn diese Materie ist so doch , so verwirrt , so unerklärbar , daß man sich keinen Ruhm aus der Kürze der Anführnngen machen darf . Die Abkürzungen würden nur zur Verdunkelung desjenigen dienen , was nicht abgekürzt worden . Man wird anfänglich in dem Aulus Gellius die Erklärung des Schicksals , nach dem Chrysippus fthm ; und darauf die Folgerung , die man daraus gezogen hat , daß der Mensch nicht dige , und daß man alle Uebelthaten dem Verhängnisse beymcssen müsse , und endlich die Antwort dieses Weltweisen . Fatum , quod Graeci xewfaijxiv> ) v vel vocant , ad hanc ferme fententiam
fippus Stoicae princeps Philofophiae definit . Fatum eft , inquit , fem . piterna quaedam et indeclinabilis feries rerum et catena , voluens fe . metipfa fefe , et implicans per aeternos confequentiaeordines , exqtii - bus apta connexaque eft - - - Aulus Gellius , Libr . VI . cap . II . Aliaruin autem opinionum difciplinarumque auflores huic defini - tioni ita obftrepunt . Si Chryfippus , inquiunt , fato putat omnia ueri et regi , nec declinari tranfcendique pofl'e agmina fati et mina : peccata quoque hominum et deliaa non fuftentanda neque condicenda funt ipfis voluntatibusque eorum ; fed neceflitati cuidam et inftantiae , quae oritur ex fato ; omnium quae fit rerum domina et arbitra ; per quam necefle fit fieri , quicquid futurum eft : et propte - rea nocentium poenas legibus inique conftitutas , fi homines ad ina - ieficia non fponte veniunt , fed fato trahuntur . Contra ea Chryfippus tenuiter multa et arguta diflerit . Sed omnium fere , quae fuper ea re fcripfit , fententia huiuscemodi eft . Qiiamquam ita fit , inquit , vt ratione quadam principali neceflärio coadla atque connexa fint fato omnia ; ingenia tarnen ipfa mentium noftrarum proinde funt fato obnoxia , vt proprietas eorum eft ipfa et qualitas , nam fi funt per naturam primitus falubriter vtiliterque fidla ; omnem illam vim , quae de fato extrinfecus ingruit , inoffenfius traöabiliusque transmit - tunt . Sin vero funt afpera et infcita et rudia , nullisqne artium bo - narum adminiculis fiilta : etiam fi paruo fiue nullo fatalis incommo - di confliftu vreearttur ; fua tarnen fcaeuitate et voluntario impetu in aflidua deliaa et in errores ruunt : idque ipfum vt ea ratione fiat naturalis illa et necefläria rerum confequentia efficit , quae fatum vo - catur . Eft enim genere ipfo quafi fatale et confequens , vt mala genia peccatis et erroribus non vacent . Ebendaselbst . Hierauf zählet Aulus Gellius das Gleichniß vom Cylinder . und den Schluß , den Chrysippus aus dieser Rede gefolgert : nämlich , daß sich niemand mit dem Verhängnisse entschuldigen könne , und daß man die Uebelthäter nicht hören müsse , die zu einer selchen Freystadt Zuflucht nehmen . Propterea negat , oportere fern audirique homines aut nequam aut ignauos et nocentcs et audaces ; qui , cum in culpa et in maleficio reuifti funt , perfiigiunt ad fati neceflitatem , tamquam in aliquod Fati afylum ; et , quae peflime fecerunt , eanon fiiae temeritati , fed fato eile attribuen - da dicunt . Ebendaselbst .
Man sieht ohne Mühe , daß sich dieser Philosoph nicht aus dem Schlamme hilft , und daß ihm die Unterscheidung unter dm äußerlichen Ursachen , welche zwingen und welche nicht zwingen , zu nichts nutzet . Er geht nur um den Brey herum , und endlich befindet er sich an eben demselben Orte , als wie diejenigen , welche der unvermeidlichen Roth - wendigkeit des Schicksals alles unterwerfen . Sich davon zu überzeugen , darf man nur das Gleichniß vom Cylinder und das Bekenntniß mit einander verbinden , welches er von den innern Eigenschaften der Seele ableget , daß dieselben sie zu dem Bösen antreiben , und eine natürliche und nothwendige Folge des Schicksals sind . Idque ipfum vt ea ratione fiat , naturalis illa et necefläria rerum confequentia efficit , quae fa . tum vocatur . Ebendaselbst . Er sager , daß es gleichvomAiisangewohl - gebildete Seelen gebe , welche ohne Schaden den Sturm aushalten , der von Seiten des Fati auf sie fällt ; und daß man andere so rauhe und übel geartete finde , welche , wenn sie das Schicksal nur ein wenig anstoßt , ja auch ohne den geringsten Stoß des Schicksals , aus einer ftemvilligen Bewegung gegen die Laster zu rollen . Dieß ist ein natürlicher Unstern , der dieses verursachet . Nun hat er gesager , daß die Nothwendigkeit des Schicksals aller Dinge der Ursprung ist , warum es wobl oder übel beschas - seiie Seelen giebt : also muß er sagcn , man könne iind solle dem Sck - ck - saie alle Uebeltbaren beymessen . welche die Menschen begehen , so daß er» da er außer diesem eine Vorsehung erkennet , wenn er wohl schließen will , Gott als die Ursache aller Laster ansehen muß . Und folglich ist die Be - fthuldigung PlutarchS sehr wohl gegründet : denn damit das Gleichniß von dem Cylmder richtig sey , so muß man das Schicksal nicht dem er - stm , der da kommt und es treibt , sondern dem Werkmeister , zutheilen , der e« gemacht hat , und ibm nach diesem den Stoß giebt . Daß der Cylinder lange Zeit fortrollet , kömmt von seiner Figiir ; weil aber der Tischler ihm diese Figur gegeben hat , die eine nothwendige Ursache einer dauerhaften Bewegung ist . so ist er die wahrhafte Ursache von der Dauer dieser Bewegung . Der ganze Unterschied zwischen einem Würfel , der nicht rollet , und einem Cylinder , welcher fortrollet , alle Folgen , alle Regel - Mäßigkeiten und Unregelmäßigkeiten der Ruhe des einen , und der fort , daurenden Bewegung des andern , müssen dem Werkmeister zugeeignet werden , der diesen zween Körpern die Figur gegeben hat , woraus diese ! - ben norhwendiger weise entspringen . Jedermann kann die Anwendung davon auf die menschlichm Seelen machen . Lipsius ist dieser Verwir - runa wohl gewahr worden ; dieserwegen setzet er , seinen Chrysippus aus der Sache zu helfen , voraus , daß die Stoiker die Mängel der lichen Seele , eimm wesmtlichen und »nverbesserlichen Fehler der Materie
und

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