Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5770

180 Chrysippus .
„ betreffend , was er wider seine ordentlich« Gewohnheit vorgebracht hat ,
„ deswegen rühmen sie sich so stark , nnd pralen so öffentlich , daß sie sa - „ gen , es wären alle Bücher der Akademiker , zusammen genommen nicht „ werth , mit demjenigen verglichen zu »verde» , was Chrysippus von der , Ungewißheit der Meynungen geschrieben hat . Dich ist ein offenbare«
„ Zeicl^n von der Unwissenheit derer , die es sagen , oder von einer blin - „ den Selbstliebe : allein so viel ist wohl wahr , daß . nachdem er die Ge - „ wohnheit und die Sinne vertheidigen wollen , er sich dabei , unter sich „ selbst befunden , und der letzte Traetat viel schwächer und weicher sen , als der erste , worinnen er sich widersprochen hat , » , s . w . , , ? lntarch . de Kepugnant . Stoic . pag . 1036 . nach Amiote Ueber'etzung . Im Bor - beygehen merke man einen Fehler ? l'miots , diese Worte : er hat ihm beym Dispntiren etlichemal diesen Vers Homers überlaut gerufen , geben aus eine deutliche Art zu erkennen . daß Chrysippus und KarneadeS vielmal in geheim mit einander dlsputiret haben . Allein dich ist nickt wahr : ( siehe die Anmerkung ( E ) , bey dem Artikel Car - neades ) Chrysippus ist eher gestorben , als der andre im Stande sen , ihm Widerstand zu thun . ^ Das Griechische des Plutarchus , vj )
Aatpeyie daß er annock auf der Welt war : und man merke , daß Pwtarch an einem andern Orte , nicht weit von diesem , bemerket , wie dieft zween Philosophen nicht zu gleicher Zeit gelebt haben . Er führet einen Stoiker ein , welcher bemerket , daß es nicht von ungefähr , dern ans einer göttlichen Vorsehung geschehen , da» ? Chrvsippus nach vem Arcesilaus und vor dein Rarneades gelebt hatte , Sa - von der eine der Urheber und Beförderer des Nachtkeil» und dcrGcwaltrhat . die der Gewohnheit angerhan worsen . cmü der andre in grosierm Ansehen , 1659 S . B . nach AmiotS Usherßtzimg . Dieser Stoiker ist nicht einig gewesen , daß unser Chrysippus dem KarneadeS die Waffen dargebothen hätte ; denn er hat ihn mit eii , em Heerführer verglichen . der eine gute Besatzung in einen Platz leget , den die Feinde belagern sollen , und wel - cher den Soldaten mit Ver größten Ordnung und Klugheit die Posten anweist , die sie vertheidigen sollen . Ebendaselbst .
N7ai : konnte ihm vorwerfen , dafi er seine Rathschlage mir seinen Handlungen nicht wohl verglichen hat . ) Ich l^be in dem Texte des Artikels gesaget , wie es nicht scheine , daß er unredlich ge , handelt , und zu dem Betrüge Zuflucht genommen habe> die Einwurfe des Widersachers nur obenhin , und nach ihrer Schwache anziifiibtt ! , ^
Er erhielt denselben ihre ganze Stärke so getreulich , daß es ihm nicht Möglich gewesen , sie mir eben demselben Glucke 'zn widerlegen , als er sie vorgetragen hat . Man beschuldiget ilm . dH et Minnen seine eignen Grundsätze verleugnet habe . und dich ist einer v6n den Vorwürfen des Widerspruchs , die ihm Plutarch gerhan hat . Hier ist die Folge de ? in der vorhergehenden Anmerkung angeführten Stelle . - , , Solchergestalt „ widerspricht und bestreiket er sich selbst , angesehen man nach seinem „ Befehle die MeynMen und Urkhcile der Widersacher yjcht allzeit - s» anfuhren müsse , als wenn man ihnen DeyfaN gäbe : sondern nur im bei , gehen zeigen solle , daß sie wider die Wahrheirflnd , m , d sich nach diesem " als einenviel harte , ern nnd hitzigen , Ankläger , denn al ? einen Verttxldfc üaerseiner eignen Sprüche , ; eiaen müsse . Er giebt andern den Rath , sich 'vor widrigen Schlüssen zu hümi , al ? solchen , die d^Deutlichkei^M - ' derlich sind , nnd davon abwenden : und unterdessen ist et viel fleißiger , . 'die Beweise und Gründe zu sammle» undLN bestätigen , welche die „ Deutlichkeit vernichten , als diejenigen , die sie einfuhren und versech . „ ten . Und ob er gleich leibst dieses befürchtet , so zeiget er eS doch im „ IV Buche seiner Leben klarlich , wo er affo schreibt : Man m»lß die „ widrigen Meynnngen weder leicht und obenhin vorkragen , noch die „ wahrscheinlichen Schlußreden beantworten , die man ivider die tvahren „ Lehrsätze anführet . sondern man muß sich sehr , behutsam dabey auffüft - „ ren , indem man allezeit zu besürchren hat : daß nicht die dadurch irre „ gemachten Zuhörer . ihre deutlichen Begriffe , fahren'lassen . und . weil „ sie nicht vermögend find , die Auflösungen zureichend zn begreifen , «on - , dem sie nur schwach begreifen , ihre Deutlichkeit dadurch leicht tert und vernichtet »verde» kann ; angesehen diejenigen selbst , welche die sinnlichen Dinge , und die auf den Empfindungen beruhen , aus Ge«
" wohnheit begreifen , sie leicht fahren la^n , »nd sich an megarischen ,
''und noch starkern und viel häuf , gern Fragen belustigen . „ Plutarch . de Rernienant . Stoicornmj pSz . ioz^ . nach Annots Uebersetzung . Ich habe hier die Wortfügung in einer Stelle geändert , damit man den Ge - danken Plutarchs darinnen verstehen kann . Man greift ihn deswegen von zwo Seiten an . und man dringt auf eine entsetzliche Manier aus ihn los : denn man behauptet gegen ihn . daß sein Grundsatz bö , e ist ;
- , daß er sich gröblich widersprochen hatte , wenn er demselben nicht qe - folget wäre . Den erster . Pirtict betreffend , so lese man dic , e Worte Pln - tarchs : Er saget , dafi er es nicht überhaupt verwerfe , über ei - nerier Materie , so wohl für die eine a ! n andre partey zu difpu - tiren , aber ich räche auch , sich dessen sehr behutsam zu chen , und sehr eingezogen dabev ZU se^n , wie man zuwetten bey gerichtlichen Verfahren zu chun pfleget , wo man die Grunde der Gegenparteien anführet , nicht daß man dieselben behaupten , sondern bloß daß man sie widerlegen , und dasjenige zernichten will , was sich wahrscheinliches dabey befindet : denn widrigen , falls , sager er , machet man es , wie diejenigen , die anallen Dingen zweifeln , und ihren Verfall bey allen Dingen zurück behalten , weil dicfts ihnen darzu dienet , was sie verlangen . Allein jenigen , welche den - Herzen der Menschen , eine gewisse Xv - sfen , schaft einprägen wollen , nach welcher man sich unge , weifelt aufführen muß , müssen SasU ? >drige ergründen und von puncte zu puncre diejenigen darinnen begleiten , die man vom Anfange
bis ans Man kann nicht wohl begreifen , daß sich Chrysippus bey aller Scharf - simiigkeit wnes Verstandes aus diesem Übeln Handel hätte helfen sollen : denn feine Grundsätze sind einem Weltweiftn höchst unanständig ; mid wenn er sie hätte reel , tfertigen können ; so würde er hiedurch selbst den Proech wider siel» qngesteller , und ein Perdammungsurtheil wider seine Aufführung ausgesprochen haben , weil er dieselben übertreten hätte , da er die Sache der Akademiker , die er der Wahrheit so entgeaeu gesetzt Hielte , nach seinem ganzen Vermögen , und noch mehr , als Arcesilar^ selbst , behauptet hat . Man hätte , nach meinem Bedünken , nicht Un - recht , wenn man zu ihm gesagt , er habe sich von einer Eitelkeit der gend dermaßen einnehmen lassen , daß «r seine eignen Grundsätze der Be - gierde aufgeopfert , sich einer vorteilhaften Gelegenheit zu bedienen , um »ie Spitzfindigkeit fä«r Gedanken zutti Nachtheile der Wahrheiken jfr zeiaen . dielte <0torter - lehrten , Der Ruhni , den ersieh versprach , wemr man von ihm >> . gei , mußte , das ; er den Areesilaus übertrafen . und die Einwürfe derAkatmnie viel besser , als er , zurück gewiesen hatte , hatte ihn w - außer sich gesetzt , daß er sich um das übrige wenig bekümmerte . Also Hat man bey unsern Tagen einen Religio , isstreiter gesehen , der sich nicht dtr geringste Schwierigkeit gemacht , sich bty «ller Gelegenheit zu wider - sprechen . und die Vortheile seiner Kirche und die allerbekanntesten Wahrheiten unter den Christen auf eine gefährliche Weise in die Schanze M schlagm : wenn er nur den Ruhm erworben , neue W ? ge oder neue Arten anzugreifen , und zu vertheidigen , erfunden zu haben . Was hat er für einen Götzen gehabt , dem er geräuchert und geopfert ? Es mag so schlimm gehen , als es will , hat er zu sich selbst gesagt , so wird man doch bekennen , daß ich eine» weiklauftizen Verstand und eine glückliche Erfin - dungskraft habe .
Wir wollen die Unrichtigkeit von den Grundsätzen des Chrysippus ein wenig entwickeln . Er hat gewollt , daß diejenigen , welche eine Wahrheit lehrten , von den Gründen der widrigen Partey nur mäßig reden , und den Sachwaltern nachahmen sollten . Dieß ifc der allgemeine Geist der Doatr . atiker gewesen : fast Niemand , als die Akademiker haben die Ver - nunftschlüsse der beyden Parteyen mit gleicher Stärke vorgebracht . lein ich behaupte , daß diese Lehrart der Dogmaciker böse gewesen , und »aß sie sehr wenig von der bezüglichen Kunst der rhetorischen Sophisten unterschieden ist , die sie so verhaßt gemacht , und darinnen bestanden hat , eMe schlechtere Sache in eine bessere zu «envandeln : ( tcv 4 * ™ A * y«» x ? elTTv vrnetj . Caufam infirmiorem potiorem efKcere . Siehe Crefoll . Theatr . Sophift . Libr . I . cap . XI . pag . 79 . tt . f . f . ) denn eö ist einer von ihren vornehmsten Kunstgriffen gewesen , alle Vortheile der Sache zu verbölen , die sie bestritten , und alle schwache Stellen derjenige» , die sie verfochten , wvbey sie gleichwohl nicht vergaßen , sich zum Scheine einige auserlesene Einwürfe zu mache» , die am leichtesten zu widerlegen w . i - ren . Dieß ist es im Grunde , was Chrysippus von den Philosophen ausgeübt haben »vollen : er hat gewollt , daß sie über die vortheilhafteu Gründe der Gegenpartei und welche vermögend waren , die Ueberze : , - gimg des Lesers oder Zuhörers zu erschüttern , leicht wegwischen , und denjenigen nachahmen sollte , die rechtliche Händel in einer Richrerstube vertheidigen . Warum hat er nicht rund heraus gesagt , daß man es , wie diejenigen , die in einem Laden verkaufen , machen , nach Kaufmannsart philosophirm , nur vvn den guten Eigenschaften seiner Waarcn oder Stoffe reden , die Auslagen wohl ausputzen , nnd die Waaren des Nach - bars auf eine geschickte Art verschreyen müsse ? Warum hat er nicht noch gesägt , daß'man es wie diejenigen machen solle , welche , nachdem sie sich tüchtig abgrzankr haben , ihre Klagen noch vor den Richter brin - gen ? Jeder erzähl« die Sache dermaßen vortheilhaft für sich , daß man glaubm sollte , er hätte nicht das geringste Unrecht ; denn er unterdrücket alle« , was ihm zuwider und seinem Feinde vortheilhaft seyn kann . Man
ziehe

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