Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5765

Dieß lZßt mich bey demjenigm einige Dunkelheit finden , was Vale , riuS Maximus in VIII B . VII Cap . Num . >o . de 8mä . et Ind . saget , daß dieser Philosoph im achtzigsten Jahre , seinen neun und dreyßigsten Tractat von der Logik angefangen habe . Literiore» aetaris metas , leck non parui tarnen fpatii Chrylippi viuacitas flexit : nam oöogeiimo anno coeptum , vndequadragefiinum Acytxuv exa & iflhnae fnbtiiitatis volumen reliquit . Cuius ftudium , in tradendis ingenii fui moni . mentis tantum operae laborisque fuftinuit : vt ad ea , qtiae feripfit penitus cognofcenda , longa vita fit opus . Man findet Beyspiele , daß die Schriftsteller nicht jeden Theil eines Werkes nach seiner Ordnung herausgegeben . Wir wissen , daß Julius Cäsar Scaliger da« XV Buch seiner Exotericarum Exercitationum , ohne das XIV B . herausgegeben Hat , welches jenem hätte vorgehen sollen , und , wenn ich mich nicht irre , niemals ans Licht gekommen ist . Man wird ein gleiches Benspiel in dem Artikel Morison sehen . Man könnte also glauben , daß Chrysip - pus , da er ein logisches Werk in verschiedene Traetate eingerbeilt , den neun und dreyßigsten überhüpfet , und ihn bis zu einer andern Zeit aus - gesetzet hätte , und erstlich in seinem achtzigsten Jahre daran zu arbeiten angefangen . Diogenes Laertius im VIII B . Num . 198 . beobachtet , daß das Werk * * ? > t£v * iTx * eyonhm , neun und dreyßig Bücher
enthalt . Vielleicht muß man auch voraus setzen , daß es eine Einthei - hing aller seiner logischen Werke gegeben , nach welcher das neun und dreyßigste fast das letzte gewesen . Wir könnten hierdurch den Valerius Marimus , mit dem Diogenes Laertius vergleichen . Man merke , daß sich Moreri hier entsetzlich vergeht Valerius Marimu» erjahl« , sager er , Saß er einen logischen Tractat im achtzigsten 'jabte lendet , den er im vierzigsten angefangen bar . Menage über den Laertius im VII B Num . 189 . hat eben diesen Fehler begangen . Lu , cian hat nicht unterlassen , über die logische Spitzfindigkeit dieses Well - weisen zu spotten . Lucian . in Vitar . Auäione , 374 u , f . S . I Band , siehe auch seinen Icaromcnippus , pag . 295 . Tom . II . Uebrigen« laßt er ihn in Macrobiis , pag . 641 . Tom . II . ein und achtzig Jahre leben ; die - seS bestätiget das Zeugniß des Valerius Maximus von dem langen Le - ben des Chrysippus ; und also habe ich nicht Ursache zu haben bet , mich bey dem Diogenes Laertius aufzuhalten , der ihn im VII Buche Num . »84 . in einem Alter von drey und siebenzig Jahren sterben laßt .
Chrysippus . k ? ?
( D ) Seine Ginbildtmg ist sehr groß gewesen . ) Er hat öfter« zu seinem Professor gejaget , eö ist mir genug , daß man mir die Lehren zeiget , mehr brauche ich nicht ; die Beweise will ich schon selbst finden . Ebendas Num 179 - Wem soll ich meinen Sohn anvertrauen ? frag - te ihn jemand eines Tages : mir , gab er zur Antwort ; denn wenn ich Leute wüßte , die mich übertrafen , so wollte ich selbst unrer ihnen die Phi - losophie lernen . Ebendas . Num . >»z .
( E ) Scioppius har il , m sehr übel mitgespielt . ) Er sieht ihn al« das Haupt derjenigen Stoiker an , die der Seere Schande gemacht ; indem sie ihren Witz gemisbrauchet , und eireln Spitzfindigkeiten nachge - jaget , die zu nichts geschickt gewesen , als die stoische Ernsthaftigkeit iä« cherlich zu machen . Neqtie tarnen , saget Scioppius , Element . Philof . Stoicac Moralis , fbl . >5s . verfo , defendere ac negare velim , fuille Stoicorum non paueos , qui fpecie ingenii illeÖi , inanibus argutiis ludibria quaedam excitando dignitatein feueriilimae et grauilfimae rationis in contemtum adduxerint : quorum Princeps iure dici poffit Cbryßffus , qui cum esset magna quadam ingenii vi praedittis , inireque ad quiduis exeogitandum celer , acutus . nihil aeque folebat laborare quam , vt non reliquarum tantum feöarum inuentoribus contradiceret , fed a Magiftris etiam fuis Zenone et Cleanthe pleris - que in rebus dilfideret . Sein Hochmuch , setzet er dazu , hat ihn ver , mocht , über , für und wider die meisten Materien zu dispuriren , und viel au« Neid gegen den Epikur zu schreiben , welcher mehr Bücher , als eini , ger andrer Philosoph verfertiget hatte . Allein er mochte es macl>en , wie er wollte , so ist er diesem Nebenbuhler niemals gleich gekommen : er wiederholet öfters einerley Dinge , und er bringet noch viel öfter solche vor , die einander widerlegen . Saepe enim feripfit eadem , faepius fibi contraria ac repugnantia . Ebendas 166 . Bl . Dieserwegen bat Plu« tarch einigen Grund gehabt , vornehmlich diesen Stoiker anzugreisen , und seine Verwegenheit und Kühnheit zu unterdrücken . Dieses , fahrt Scioppius fort , tragt sich zu , wenn man bey einer Streitigkeit mehr an den Sieg , als an die Wahrheit gedenket . Sed folet hoc fieri , quoties vi & oriae maiorem , qui difputant , quam veritatis rationem dueunt , verumque eft illud Poetae :
Nimium altercando veritas amittifnr .
Qjiod Carneadi quoqtie euenifle Cicero teftatur , vt odio fcilicet Stoicorum in conftituendo bonorum fide , plurimum a reliquorum Academicorum , fuaque ipfius fententia difeederet . Man kann nicht

«■«• / r» iroirwov yf & fyw ycf ) covinit' ti tüv flxf *
tvfiäv irafx3 ( rn Ea vero tarn multa conlcripfit , quod de
eadem re faepe feribere aggrederetur , omneque quod incideret man - daret Iitteris , ac faepe emendaret , magnaque teltinioniorum mibe vteretur . Ebendaselbst Num . 180 . Man sieht in dieser Stelle ein sehr schlimmes Urtheil : denn man versichert darinnen , daß Chrysippus daher eine so große Anzahl Bücher verfertiget , weil er oft über enierley terie geschrieben , daß er alles genommen , was ihm aufgestoßen , daß er oft gebessert , und viel Zeugnisse angeführt hat . Hier sind vier Grün , de : der 1 , der - und der 4 sind sehr gut ; allein der z tauget nichts , und richtet so gar den Endzweck des Verfassers zu Grunde : angesehen die Mühe , ein Werk öfters zu übersehen , und es auszuputzen , die allerver - mögendste Sache von der Welt ist , einen Scribenten zu verhindern , daß er viel Bücher in die Welt schicken kann . Wenn er aber alles dasjeni - ge aufs Papier schmieret . was ihm einfällt , und was er in andern Schriftstellern findet , und wenn er dabey feine erste Arbeit nichtsehr verbessert , so kann er die Republik der Gelehrten mit seinen Werken über - schwemmen . Ich glaube also , daß Diogenes Laertius versichert hat , e« habe unser Chrysippus seine Arbeit die meiste Zeit nicht verbessert . Ich be , daß die Abschreiber bey dem Worte i«>f ShV " « * - oder vielleicht das Alpha priuatiuum vergessen Haben . Was mich in meiner Much - maßung bestätiget , ist , daß Diogenes Laertius an einem andern Orte bemerket , es Habe CbwsippuS , der so viele Bücher , al« Epikur , schreiben wollen , sich vieler Wiederholungen gebraucht , und alles , was ihm vor - gekommen , ohne Verbesserung herausgegeben ; er hat seine Schrift nicht wieder gelesen , er bat allzu sehr geeilet , und sie mit Anführungen ange - füllt . Diogen . Laert . Lib . X . pag . 724 . Genfer Ausgabe von 1S16 . El yig ti * / <• & + 3« i Et / k»foc , $ ( Aov«x« titsro y ( ä9 / voXi & xi ; tocvtu y ( yfx$r »zv to Ixca9ov vjh üSic ? Sut3v , ( die
Ausgabe von Amsterdam >692 , hat hier t« p» Irirttiv etc .
Eo quod non rclegeret et inemendata adiunxit , eo quod feftinaret . )
S / Mi tu ihhyh - Sroii . vg ) ri iiagTv^x ToeaCra Uh * c # * «'»»iv rit
ßißtjx . ' Nam liquid Epicurus feriberet , tantundem feribere et Chry - fippus contendebat . Atque idco faepius eadem feripfit . Vnde et tumultuarie feribere ac parum emendate illi ex feftinatione contin - gebat , totque teftimonia inferit , vt ex iis folis libri pleni eile vide - antur . Es ist offenbar , daß der Geschichtschreiber an diesen zwo Stellen einerley sagen wollen . und daß man also eine durch die andre verbessern müsse . Uebrigens hat diese Leidenschaft , viel Bücher herauszugeben , nn . fern Philosophen vermocht , Nicht allein viel anzuführen und zu wieder - holen , sondern auch sich zu widersprechen ; denn so oft als er sich selbst abschreibt , so oft widerleget er sich auch . Siehe in dem Artikel ( Epihic die Anmerkung ( El . Es ist kein einziges von seinen Werken zu uns gekommen : wir haben nichts , als die Titel davon ; dennoch glaubet man , daß wir auch etwas von der Stelle verlohren habm , wo sie Diogenes Laertius aiigemerket hat . Dieß ist des Jonsius Meynung . Man sehe seinen Tractat , de Scriptoribus Hiftoriae Philofophicae , im VIII Cap . des IIB auf der>5>u . f . S . imgleiä>en den Menage über den Laertius im VIIB in der 190 u . f . Num . Er bemühet sich daselbst , den Verlust dieser
^s^ , iniaermaßen zu ersehen . Mai , merke , daß Chrysippus niemals Sömae etwas zugeschriebm hat ; ( Diogen . Laert . Libr . VII . einem Konige , fjn ^ „ eS hochmuthigen und
" " ! ^' ? Ä^^ . mütheS gewesen , und man setzet dazu , daß er es abge - verächtlichen Smmch»S hMhen , welcher dm Kleaythe« gebethen sä ) lagen , den Pto^oma . fpmmen , oder ihm einen von seinen hatte entweder se^vst ju IM n n ( ! ejn Chrysippus ist in keiner ^iUsch^cn . ( E . . . djg . Gewehr verdienet er deSivegen
»on diesen zwoen Sachen s«deln^ " g „ ichts anstandiger , als auf gelobet zu werden : e« ist ? mem PH bessere Beweise von sei«
dergleichen Art zu verfahren , ncm hochmntbe geben .
II Band .
Ruhm , als für das Wohl der Sache arbeitet , so hält er sich vornehmlich an die besonder» Gedanken , die ihm seine Einbildnngskraft darbiethet . Es liegt ihm wenig daran , ob sie den Grundsätzen seiner Parten gemäß sind , es ist genug . , wenn sie nützlich sind , entweder einen Einwurf zu vernichten , oder die Widerlicher abzumarken . Er sieht , von seinen Er« findungen verblendet , die schlimme Seite nicht , er sieht die Vortheile nicht voraus , die ebendieselben Widersacher , oder eine andre Art von Feinden daraus ziehen werden . Er sieht auf nichts , als auf das genwärtige , er bekümmert sich wenig um das Zukünftige . Ueberdieß himfet er Biicher über Bücher , bald wider diese Secte , bald wider eine andre , und folclMgestalt kann er nicht vermeiden , sich zu widersprechen , und wei« nicht , m einer natürlichen Folge zu schließen . Er verräch durch dieses Wittel die Vortheile seiner Secre , und indem er eine Aus - schweifung auf da« stärkste zu vermeiden suchet , so fällt er in eine an - dre , und nach und nach in alle beyde . Das von dem Scioppius an , geführte Urtheil eines alten Poeren , daß wir durch allzu vieles Dispu - tiren die Wahrheit verlieren , wird viele Leute zu glauben bewegeii , daß der Proceß der Philosophie demjenigen von der Auster gleich ist , wel - chen Boileau in der andern Epistel , und la Fontaine in der neunten Fa - bel des IV Th . III B . pag . m . 44 . so wohl beschrieben haben . Allein man hat einen großen Unterschied zu beobachten ; denn wenn die Auster , darum man stritte , keinem von den Proceßirenden zugesprochen wurde , so ist sie doch »venigstenS einem dritten Manne zum Theile geworden : die Stteirigkeiren der Philosophen aber haben eine andre Wirkung : sie ursachen den Fechtenden , und den Zuschauer» des Gefechtes den Verlust der Wahrheit ; jemand bemächtiget sich derselben , niemand kann sich derselben bey der Sequestration bemächtigen , darinnen ma» sie unter währendem Processe laßt . Ich werde mich in der Anmerknng ( kh . bey dem Artikel Lmlides , bey dieser Materie etwas weillausriger auf - halten .
( F ) Die Gtoikcr beklagen sich deswegen über dcn Cbry - sippus , daß er so viele Argumente für die Sichren der demiker gesammlet , daß er sie nach diesem m'cbl widerlegen konnen . 1 Die Worte , die ich anführen will , sind sehr merkwürdig . Cicero läßt sie von einem Akademiker sagen : , De quibuj Volumina impleta funt non a noftris folum , fed etiam a Chry / ippo , de quo queri folent Stoici , diim ftudiofe omnia cynqüiiTerit , contra fenfus et perfpieuitatem , contraque omnem confuetudinem , contrgque tionem , ipfum fibi refpondentem inferiorem fuille : itaque ab eoar - maturn efle Carneadem . Cicero , Academ . Quaeft . Libr . IV . cap . XXVII . Plmarch hat sich hierüber weitläustig herausgelassen ; daß Chrysippus „ selbst , nicht an wenig Orten . sondern oft und an vielen „ Stellen , die seiner Meynung widrigen Auflösungen , mit vieler Sorg - „ fall , gekünstelter Bestrebung und großem Fleiße bestätiget und befesti - „ get hat , so daß niemand leichl ! entscheiden kann , welche ihm am meisten „ gefällt : diejenigen selbst , welche die Scharfsinnigkeit und Lebhaftigkeit „ seines Verstandes bewundern , sagen es und behaupten , daßKai iieades „ nichts von sich selbst , 'wchauS seiner eignen Erfindung qeh>ibr ; sonder» „ die eignen Beweile und Schlußreden , deren sich ChrysipvuS zum Be - „ weise seiner Lehrsahe bedient , wider ihn uwgekehret , so daß er ihw beym „ Disputiren etlichemal diesen BcrS Homers überlaut zugerufen :
Unglücklicher , deine Stärke rvird dick verderben ;
„ weil er denen selbst so große Blöße und starke Beweise gegeben , die „ seine Meynung umstoßen oder verlästern wollen . Allem dasjenige
'3 2 „ !

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