Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5758

178 Chrysippus .
und wegen der Laster bestrafen . Es haben keine Philosophen starker von der Nothwendigkeit des Schicksals der Dinge , und prachtiger von der Freyheit des Menschen geredet 0 , als die Stoiker . Man urtheile , ob Chrysippus , welcher fo viele Bände in Eil geschrieben , und einen sehr lebhaften und kühnen Geist gehabt , sich daraus hat helfen können , ohne daß er in seinen mora - ' ! behauptet hatte , die mir demjenigen nicht verglichen werden konnten , was er in den Abhandlungen
tischen Tractaten viele Sätze , MMR M . , v . , r
der Metaphysik vorgegeben . Plutarch beschuldiget ihn , er mache Gott zum Urheber der Sünde : Lipsius , welcher sich bemühet hat , ihn von diesem Flecken zu waschen , hat dabey keinen allzu guten Fortgang gehabt ( H ) . Ich verwundre mich nicht ber ; denn die einzige Erklärung , die Chrysippus von Gott giebt f , ist zureichend , begreiflich zu machen , daß er ihn von dem
Weltgebaude nicht unterscheidet ; so daß er ihn , wenn man Schlußfolgen machen will , zum Urheber so wohl des moralischen als physikalischen Uebels machen muß . Man kann dasjenige nicht ohne Grausen lesen , was er von der Sterblichkeit der Götter ret r I ) . Er hielt sie nicht allein für vergänglich , sondern er behauptete auch , daß sie bey dem Brande der Welt wirklich verge - irden , und wenn er den Jupiter davon ausnimmt , so unterwirft er ihn doch in der That der Veränderung . ^ Ein gewisses
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sich mit seiner Feder breit zu machen^ denn die Figur , die er in ihrer Partey gemacht ( L ) , hat Anlaß gegeben , alle Irrthümer einer so berühmten Privatperson aus die Rechnung der ganzen Äectc zu setzen . Wir sehen auch nicht , daß die großen stoischen Schriftsteller , Seneca , Epiktetus und Arrianus sich sehr angelegen seyn lassen , ihm ihre Ehrerbiethung zu bezeugen ( M ) . Diemeiste Zeit sind sie dabey sehr maßig . Ich finde nicht , daß man ihn wegen der Sitten angegriffen : dieß bewegt mich , zu glauben , daß er ein unsträfliches Leben gefuhrt hat . Man giebt ihm keine andre Hausgenossen , als eine sehr alte Magd ( N ) . Dich ist ein Beweis ner Keuschheit und seiner Mäßigkeit . Er hat sehr oft fünf Verse des Euripides angeführt welche die Verdammung des Wohl - lebens enthalten , und uils erinnern , daß die Narur unserer Bedürfniß durch Brodt und Wasser zureichend vorgesehen hat ; und er hat die Werke des Archestratus verdammt ' . Dieß kann uns veranlassen , zu glauben , daß er sehr nüchtern gewesen . Ich babe bereits gesaget , daß er sich ungemein auf die Vernunftlehre gelegt : hier setze ich noch dazu , daß er außerordentliche Bestre - bringen zur Auflösung eines ^ophisma angewendet , welches den Philosophen viel zu schaffen machte , und Gorites aenennet wur - de ( O ) . Dieß war ein Haufen von Fragen , wo man kein Ende fand . Den Bcyfall , den er als ein Difputirkünstler gefunden , und der ohne Zweifel sehr groß gewesen , hat ihm , die Schreibart betreffend , zu nichts gedient . Dionysius von Halikarnaß süh - ret ihn zum Beyspiele an , welches zureichend ist , zu zeigen , daß die vollkommensten Logikverstandigen die Regeln der Sprach - kunst , in Ansehung der Wortfügung , sehr schlecht beobachten ( P ) . DieseNachlaßigkeicin der Sprache erwecket wenigerVer - wunderung , als wenn man sieht , daß dieser Philosoph selbst den ganzen Grund derjenigen Wissenschaft untergräbt , darauf er so vielen Fleiß gewendet hat ( QJ ; allein dieß wird auch nicht mehr so seltsam scheinen , wenn man die Wirkungen einer langen und eifrigen Anwendung auf die Spitzfindigkeiten der Vermmstlehre aufmerksam erwogen hat . Es geschieht fast beständig , daß ein verstandiger Mensch , der sich allzusehr auf dieses Studium leget , ein unerträglicher Wortzänker wird , und durch seine Sophistereyen diejenigen Sätze selbst verwirrt , die er mit der größten Heftigkeit verfochten hat . Er würde viel eher sein eigen Werk vernichten , als sich des Dispucirenö enthalten , und er machet Schwierigkeiten wider seine eigene Lehre , die seiner Kunst ein Ziel setzen . Die spanischen Scholastiker sind ein redender Beweis davon . Sie haben nicht den Vortheil gehabt , den Chrysip - pus hatte ; sie haben nicht , wie er , die Kennrniß der schönen Wissenschaften mir der Erkenntniß der Vernunftlehre verbunden . Dieß war ein allgemeiner Mann , er verstund die Mythologie , die alten und neuem Poeten , die Historie , u . s . w . - . ES sind sehr wenig Materien , darüber er keine Bücher gemacht hat , und er hat sich so gar bis auf die kleinen Regeln von der Erziehung der Kinder erniedriget ( Ii ) . Wie dieses im Grunde eine höckstwichtige Sache für das menschliche Geschlecht ist , so müssen wir ihn wegen Abhandlung derselben loben . Dergleichen Beysall verdienet er weder wegen seiner Werke von der Sprachkunstf , noch wegen seiner Bücher von der Wahrsagung , wo er so gar die Vorbedeutungen der Träume ausleget " . Er hat sich wohl gehütet , die verufene Streitigkeit von den möglichen und unmöglichen Dingen zu vergessen ( S ) : sie gieng ihn als einen Philo - sophen und Gönner des Schicksals an . Er hat in seinem Tractate von der Vorsehung einen Gedanken angebracht , den man als einen sehr guten Entwurf eines der schönsten Grundsätze ansehen kann , den ein großer Philosoph des XVII Jahrhunderts vorgebracht , und ins Licht gesetzet hat ( TJ . Einige Schriftsteller haben vorgegeben , daß er zur Vermehrung der Stärke sei - nes Witzes , Niesewurz genommen hätte * . Er ist in der 143 OlympiaS gestorben > . Man hat ihm unter den Grabmälern der allerberühmtesten Äthenienser eines ausgerichtet * . Seine Bildsaule war in Ceramikum zu sehen ( V ) . Er hatte das atheniensische Bürgerrecht angenommen , welches weder Zeno noch Kleanthes gethan hatten . Die Critik Plutarchs hierüber , scheint mir allzu hart zu seyn ( X ) .
m ) Strabo , Libr . XIV . pag . 462 . t ) Diogen . Laertius , Lib . VII . in Chryfippo , in»« . 179 . e ) Valer . Max . Libr . VIII . cap . VII . fi1un . 11 . setzet voraus , daßKleanthes des CbrysippiiS Schüler gewesen - dieß heißt sich sch . mdlich bekriegen , ä ) Diogen . Laert . Libr . VII . in Chryfippo , num . 179 . t ) Ebendas . Nmn . >8 ? . / ) Ebendaselbst , g ) Siehe in der Anmerkung ( v ) , die angeführte . Stelle des Laer , tius . / m Diogen . Lagrt . Libr . VII . in Chryfippo , num . 183 . « ) Ebendaselbst Num . 184 . i ) Siehe die Anmerkung ( L ) . i ) Diogen . Laert . Libr . VII . Num . 188 . Siehe auch den Sextus Empiricus , Pyrrhon . Hypotypof . Lib . III . cap . XXIV . XXV . m ) Ebendaselbst , jmgleichen Empir . Pyrrhon . ; Hypotyp . Lib . III . cap . XXIV . Ich rede nicht von der Gemeinschaft der Frauen unter den Weisen ; er hat sie gelehret , allein es haben ihm andre Philosophen zu Wegweisern gedient : ür« hrvxövret rf Ivrvxxti1 vt quilibet illi congre -
diatur , qtiae fibi occurrit . Diogen . Laert . Lib . VII . in Zenone mim . 131 . vi ) Siehe seinen Tractat : de Repugnantiis Stoicorum , und den de communibus Notitiis contra Stoicos . 0 ) Siehe Praeftantium cniditor . viror . Epift . Ecclefiaft . etTneol . pag . 640 . 659 . be von 1684 . p ) Siehe in der Anmerkung ( H ) , die Anführung deö Cicero de Natura Deorum , Libr . I . cap . XV . ? ) Aulus Geliius , Libr . VII . cap . XVI . r ) Siehe in der Anmerkung ( Mj , zu Ende die Anführung des Alhenäus . s ) Permulta alia colligic Chryfippus , vt eft in omni hiftoria curiofus , Cicero , Tulcul . Lib . I . cap . XLV . t ) Varro , de Lingua Latin» , Libr . VII . pag . m . 101 . gedenket der sechs Bücher des Chrysippus , Mm . Er nennet ihn hominem acutiflimum . u ) Siehe den Cicero , de Dininatione .
v . g . 1 . 19 . et Z0 . ctz9 . nnd II . i ; . etc . x ) Siehe oben dieAnmerkung ( E> , bey dem Artikel Carneades . f ) Diogenes Laertius , Lib . VII . num . 184 . Wege» der Umstände seines Todes , siehe die angeführte Stelle zu Ende der Anmerkung ( 8 ) . * ) Paufänias , Lib . I . cap . LV . Ausgabe von 1696 .
( A ) Tr hatte einen sehr scharfsinnigen ( Seift . ] Wir wollen se - gumentis , prohiberi pofle rem perniciofiflimam , beneficioriun nouas Heu , waS Seneea davcn gesaget ; allein seinen Gedanken desto besser tabulas . Seneca de Beneficiis , Lib . I . cap . V . Confer , quaePIutarchus zu verstehen , so müssen wir erinnern , daß er viele Kleinigkeiten getadelt de audiendis Poetis , p . z> . E . dixit . Man kann nichts sinnreickers , als hat , die von den Alte« in Ansehung der drey Huldqöttinnen vorgegeben diese Critik des Seneca , sehen : er hat sehr wohl gethan , daö Lächerliche worden . Chryfippus quoque , saget er . de B'enefic . Libr . I . cap . III . von denen poetischen Gründen zu zeigen , welche in einem Werke feil penes quem liibtile illud acumen eft , et in imam penetrans verita - gebothen werden , das eine von den vornehmsten Pflichten des bürgerli - tem , qui rei agendae cauflh Ioquitur , et verbis non vltra , quam ad chen Lebens betrifft . Dem sey wie ihm wolle , so erinnert er sich auf inteileÄuin facis eft , vtitur , totum librum Anim his ineptiis replet : eine billige Art , eines von den schönsten Zügen des Charaeters des ita vt de ratione dandi , aeeipiendi , reddendique beneficii pauca ad - ChrnsippuS in seiner Deurtheilung sehen zu lassen , dieß ist die Scharf« modum dicat : ncc his fabulSs , fed haec fabulis inferit . Und wie er sinnigkeit . Wir wollen die Beywörrer sehen , welche Cicero erwählet sich befürchtet , nuin möchte ihn radeln , daß er einen solchen Philosophen hat , wenn er von diesem Weltweisen redet : Chryfippus , qui Stoico - der Bennheiluttg untenvorfen , so bewaffnet er sich mir diesem Schilde : rum fomniorum vaferrimus habetur interpres , magnam turbam Tu modo nos tuere , fi quis mihi obiieiet , quod Chiyfippum in or - congregat ignotorum Deonim , atque ita ignotorum , vt eos ne con - dinem coegerim , magniim mehercule virum , fed tarnen Graecum , ieciura quidem informare poillnius , cum mens noftra quiduis vi - cuius acumen nimis tenue retunditur , et in fe iaepe replicatur : doatur cogitatione pofle depingere . Cicero , de Natura Deorum , etiam cum agere aliquid videtur , pungit non perforat . Hoc vero Libr . I . cap . XV . Chryfippus quidem quanquam eft acerrimo inge - quod acumen eft ? . . . Ad hanc honeftilfimam contentionem , nio , tarnen ea dicit , vt ea ab ipfa natura didicille , non vt ipfe repe - benefieiis beneficia vincendi , lic nos adhortatur Chryfippus , vt dicat rire videatur . Ebendaselbst II B . VI Cap . Et Chryfippus tibi acute verendum ellb , ne quia Charites Iouis filiae sunt» parum fe grate dicere videbatur , homo fine dubio verlutus et callidus . Verfuto» gerere , facrilegium fit , et tarn bellis pucllis fiat iniuria . Tu me eosappello , quorumceIeriter mens verfatur : callidosautem , quorum aliquid eorum doce , per quac beneficentior , gratiorque aduerfus tanquam manus opere , fic animus vfu concalluit . Ebendas . III B . bene merentes kam , per quae obligantium , obligatorumque animi X Cap . in de« II B . de Finibus , XIV Cap . wird er homo acutus et certcnt , vt qui praeftiterint , obliuifcantur , pertinax fit memoria de - diiigens genennt . Die Ergebenheit des Chryfippus gegen die Dispu« bentinm . Iftas vero ineptiae poetis relinquantur : quibus aures tirkunst , von tvelcher ich Meldung thun will , ist ein sehr starker Be - oblectare propofitum eft , et dulcein fabulam neftcre . At qui inge - wciS von seiner Scharfsinnigkeit .
nia fanare , et fidem in rebus humauis retinere , niemoriam officio - ( K ) Er Kar eine N7enge Dücber verfertiget , , , unter nim ingererc animis volunt , ferio loquantur , et magnis viribus welci ? en viele sinv , Vie vie Vernunftlehre betreffen . ^ Diogenes sgant : niü forte exiftimas , leui ac fabulofo fermone , et anilibus ar - Laertius im VII B . Num . 198 . pag . m . 485 . läßt sie bis auf z» , steigen .
DieK

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