Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5693

17 * ^
„ darnieder . Der Tod des Grafen . - - brachte alle seine Anschlä - „ ge in Unordnung . Er bildete sich ein , daß er wohl ein gleiche« Schick - „ sal haben könnte ; er sah sich einer Freystadt beraubet , allein in wah . „ render seiner Unschlüßigkeit - - - ist er zum Cardinale und ersten „ Secrerar der apostolisclM Kammer gemacht worden . Es hat weiter „ nichts gebrauchet , den Saamen der Wahrheit in des Chigi Herzen zu „ ersticken , der noch zur Zeil keine starke Wurzeln geschlagen hatte : der „ Glanz des Purpurs hat ihn geblendet , - - - und er ist , vermit - „ telst der Detriegereyen , die jedermann weis , Pabst geworden . Er bat „ sich , so lange er Cardinalgewesen , beständig krank gestellt . Er yat „ sein Zimmer schwarz behängen , und in feine Kammer einen Sarg und „ Todtenkopf sehen lassen . ( Heidegger in der Historie des PabstthumS , auf der 411 S redet von diesem Sarge , erstlich nach der Zeit seiner Er - Hebung . Wegen der vorhergehenden Zeit saget er nur , daß Chigi auf der harren Erde geschlafen , und die Woche zweymal gefastet . ) „ - - - „ Er ist in seinen , Herzen ein Calviniste gewesen . So sehr er sich bey „ der Sache der Iansenisten verbergen wollen ; so hat man ihn dennoch „ entdecket . Es sind unter seiner Regierung , in Flandern Bücher ge - „ druckt worden , die ihn der Ketzerei ) beschuldiget . Diese Bücher hat die „ ganze Welt gesehen . Amyrald hat eines Tages mit dem Herzoge von „ Longueville ein Gespräche in feinem Hause zu Pleßis - Belleau gehabt , „ welches mit demjenigen sehr wohl übereinkömmt , was wir gesaget ha - „ ben . ( Man ziehe hierbey zu Rathe , was den dem Artikel Ämvrauc , in der Anmerkung ( D ) , gesaget worden , und sehe , ob nicht eine Vermi - schung verschiedener Sachen in dieser Erzählung ist . ) „ Amyrald ist auf - „ richtig gewesen . Er hat erzählet , daß diefer Prinz ? welchen er zu sehen , öf - „ ters die Ehre gehabt , ihm gesaget : daß er , als er Gevollmächtiger zu Mün - „ ster , wegen Sr . allerchristlichsten A ! ajestät gewesen , diesen Pabst aus „ dem Grunde gekannt , der damals den Stuhl besaß ; daß er große Nei - „ gung zu einer Glauben'Sverbesserung gehabt , und daß die Hugenotten , „ wenn sie nur etwas hätten nachgeben wollen , niemals eine schönere genheit Hütten finden können , sich zu vereinigen ; weil sie versichert seyn „ können , daß ihnen daö Haupt der Kirche nicht zuwider gewesen ftyn „ wurde . „
( t ) Wicquefort im II Bande de« Abgesandten aufder 648 S . säget : es habe sich dieser Nuntius erkläret , daß er keine Gemeinschaft mit den Kebern haben , und nur bey den katholischen Prinzen Mittler seyn wolle . quefort nennet diese« einen wunderlichen Eigensinn des Geiste« bey dem Fabio Chiqi und bey denen , die ihn gebrauchet , und selber ihn der Auffuh - . rungdesDevilaqua entgegen , dcsNuntius bey den Unterhandlungen zu Nimwegen , welcher nicht allein den Umgang mit den Ministern der protestantischen Fürsten und Staaten nicht verabscheuet , sondern sich auch erbothen hat , ihnen mit seinen Höflichkeiten zuvor zu kommen , wenn sie dieselben beantworten wollten . Angelo Torraro saget auch : daß Chigi nicht den geringsten Umgang mit den protestantischen Abge - sandten gehabt : CO» i quali rifpetto egli efiere Miniftro di chi era , non poteva havere corntminicatione . Allein der Urheber des SyndicatS Alexander« des VlI , auf der 36 Seite , versichert das Gegentheil .
Ich bin versichert , daß e« der Verfasser der oben angeführten Erzählung nicht übel nehmen wird , wenn ich meinen Lesern die Erläuterung mitthelle , die mir Amyrald . der Sohn , gegeben hat . Er hat mich versichert , nicht die ge - ringst ? Wissenschaft zu haben , daß sein Vater jemal« mit dem Herrn von Longueville , weder wegen des Nuntius Chigi , noch de« Pabste« Alexanders des VII gesprochen l ) ätte . Daß zwar der Herr von Lou - guevill^ ein Landaut , drey Meilen von Sanmnr gehabt , welche« aber nicht Pleßis - Sclleau , sondern N»onstreuil , Scllai geheißen . Er hat es dem Marschälle von Meillerane verkaufet . Daß derselbe . wenn er dahin gegaiMN , nicht ermangelt habe , dem Amyrald sein Cvmpli , ment machen zu lassen : welcher seiner SeitS sehr genau beobachtet hat - re , ihm seine Aufwartung zu machen , und daß er allezeit sehr willkom - wen gewesen ; so , daß diese Hoheit denen großen Herren bengezählct werden kann , welche diesem Prediger ihre Hochachtung bezeuget haben . Siehe oben den Artikel Amyraur , im Texte . Allein , weil Amyrald . der Sohn , niemals etwas von diesen Gesprächen des Herrn von Len - zueville . wegen Alexanders de« VII , hat reden hören , so muß man ohne Bedenken schließen : daß Amyrald , der Vater , niemals etwas dergleichen in den Unterredungen mit dem Herrn von Longueville erfahren hat . Und wir haben hier ein Beyspiel , welche« uns erinnert , wie wenig man dergleichen Erzählungen trauen darf , die sich auf bloßes Hörensagen gründen . Nunmehr halte ich dafür , daß der Urheber dieser Reise in die Schweiz , völlig überzeuget seyn wird , daß man wider dergleichen Sagen sorgfältig aus der Huth seyn müsse .
( H ) Die bolländischen Zeitungen haben ihm viel £ob gege , ben . ] Dieses belehret mich ein Brief , welchen Courcclle« , arminiani - scher Professor zu Amsterdam , den des Christmonats , >655 , an den Sorbieres geschrieben hat . Er ist anfänglich absonderlich in « gedruckt worden . Man findet ihn unter den Praeftantium ac eruditorum Vi . roriun Epiftol . Ecclef . auf der » ? <> 0 . nach der Auegabe in Folio , von 1 * 84 . Jchwill glauben , saget er , daß Alexander der VII ein gmes Tbeil von den tobsprueben verdienet bat , die ihm der gemeine Ruf giebt . Die amstcrdamer Zeitungen , irclebe sonst nicht ge - wobnt sind , die pabste mir . ^ . ovcscrhebunaen , u beehren , m'e die pariser sehr oft rbun , haben^uns so viel Gute» von ihm ge - saget , daß es unmöglich ander« feyn rann , es muß etwas daran seyn . Sic haben auch das Zeugmß abgeleget , daß er die vor kurzem rviVer sie armen Waldenser , in Sen piemontifeben Iba - lern , verübten Grausamkeiten gcmisbilllger und gesaget : Saß man nicht also verfahren müsie , di'e Jrrgla : ü ? igen in denScbooß der Rirche zurück 51t bringen . Wenn es wahr ist , daß dieser Pabst die Aufführung des Herzogs " von Savoyen gemisbiiliget hat , so hätten sich die Waldenser deswegen mit weit mehrerm Gnmde rühmen kön - imi , al« sich die Reforniirten in Frankreich über das Urtheil haben rüh - wen können , welches Pabst InnoeentwS der XI , der Sage nach . von der Dragonerbckehrung gefäller hat ; denn das imbnge Gcmuf & e dieses Pabstss , gegen de» franzönichen Hof , konnte ihn allein veranlassen , zu sagen , daß er dergleichen Bekchrungsarten misbilligke .
( I ) Man hat frark von demjenigen geredet , was er zn pvote , stantischen Edellrutcn gesaget , d : e ibm die Füße küssen wollen . ] Sorbiere , ( sein Brief ist mit te< Courelles seüiem in 8 «edrnckr morden . ) in der Antwort auf einen Brief , worinnen man ihm geschriebm , daß ihn
seine Reise nach Rom zu der resormirten Kirche zurückbringen würde , erklarer : daß er in Rom nichts gesehen , das ihn nicht erbauet hätte , und daß die Pracbt dieses Hofes nicht verhindere , daß man an demselben nicht viele Leutseligkeit und Bescheidenheit habe . Xoas mich anbe« langer , fahrt er fort , so kann ick euch versichern , mein - Herr , daß ich an keiner einzigen von denen Eminenzen , welchen ich mich zu nahern , Sie l£ . bvc gebabr , so viel - Hocbmuch bemerket , als ei - nige Prediger von unserer Äekannlschafr baben , und daß ich bey allen Geboren , die ich bey unserm beil . Vater gehakt , mit eben derselben Freiheit gegen lm gesprochen , als ich mich mit euch unterrede , indem seine Sanstmuth dieses allen denen an« befiehlt , die Zutritt bey ibm baben . Ich will euch hiervon eine merkwürdige Äegebenbeit sage» , die ihr vielleicht nicht im# gern erfahren werdet . Rur ? vor meiner Abreise baben einige englische Edelleuce von Oemienigen Zeuqen seyn wollen , was ich euch von Sr . - Heiligkeit « . nable , und sieb unter diejenigen mischt , die ihm aus den Rnien ibre Ebrerbietbung bezeuget . Er bat sie gefraget : wo sie ber wären , und darauf : ob sie stanten waren , welches sie bekannt . - Hierauf bat ihnen Se . - Heiligkeit nur einem lachenden Gesichte beantwortet : So steht denn auf . ich will nicht , daß ihr , nach eurer Meynung , eine Abgötter ? » begehen sollet . Ich werde euch meinen Segen nicht geben ; weil ihr m : d ) nicht für denjenigen haltet , der ich bin : allein ich will Gott bitten , daß er euch fähig machet , denselben zu empfangen .
Ein berühmter protestantischer Religio , , «streite» erzählet diese rie übel . Dieß sind seine Worte : ich nehme sie von der > ; z Seite sei - «er Antwort , auf ein Buch de« Herrn Bruey« , welche betitelt ist : Suite du Prcfervatif contre le Changement de Religion , im Haag , 1683 . „ Ich muß den Herrn Brueys zu einem solchen Bekehr - „ ten verweisen , wie er ist ; dieß ist Sorbiere , welcher irgend«wo saget : „ eS hatten Engländer , die in Rom gewesen , den Pabst Alexander den „ VII sehen , ihn grüßen und ihm den Pantoffel küssen wollen . Dieser „ Pabst , als er erfahren , daß sie Engländer wären , hat sie gefraget : von „ was für einer Religion sie wären ? Sie haben sich gefürchtet und „ Schwierigkeit gemacht , zu bekennen , daß sie Protestanten wären . „ Nachdem ihnen 'Alexander der VII deswegen einen Muth zugespro - „ che» , so haben sie bekannt ; und hierauf hat er gesaget : nach der gion . von welcher ihr seyd , erlaubet euch euer Gewissen nicht , mir die „ Ehrerbielhung des Fußkusse« zu erweisen . Ich nehme dieselbe nicke „ als ein weltlicher Fürst von Rom an , und weiter erkennet ihr an mir „ nichts : ich neyme sie als der Statthalter Jesu Christi an ; welche Ei - „ genschaft ihr nicht erkennet . Ich will Gott bitten , daß er euch bekeh - „ rc , ich gebe euch meinen Segen ; allein von eurer Erleuchtung , die von „ oben herab . kommen muß , fordere ich nicht von eud> , daß ihr das ge - „ ringst ? wider eure Religion und euer Gewissen thut . Ich weis nicht , „ ob Sorbiere dem Pabste Alexander dem VII zu Ehren diese kleine Hi - „ storie erfunden hat . Dem sey , wie ihm wolle , so ist dieses die Ge - „ müthsbeschaffenhcit eines ehrlichen Mannes , nnd nach diesem Grund - „ sähe , sollte man seine Aufführung in Religionsmaterien einrichten . „ Man sieht wohl , wenn man diese zwo Erzählungen gegeneinander hält , daß unser Controversist die Schrift des Sorbiere niemals gelesen , oder sie wenigstens nicht vor den Augen gehabt , als er dem Brueys geant - wertet . Er hatte von der Sache nur überhaupt reden hören , und den AuSputz derselben über sich genommen . Die Klugheit will diese« nicht ; man darf seinem Gedächtnisse nicht trauen . Wenn man eine lung in diesen zwee» Punkten verfälschet , erstlich , daß die englischen Edelleute sich gefürchtet , und zum andern , daß ihnen der Pabst den Se - qen gegeben hat : so kann man sie auch in vielen andern Stellen verfäl - scheu , und es ist ein bloßer GlückSstmch , wenn man sie nicht in kineo wesentlichen Sache verändert . Ich könnte über das Schicksal der Re - ligionsstreiter viele Betrachtungen machen ; allein sie würden zur Unzeit seyn . Der llrheber des PräservatisS hat nicht voraus gesehen , da er die Grundsatze Alexanders des VII gelober , daß er über das irrige Gewissen schreiben , sich selbst widerlegen und Grundsätze einfuhren würde , nach welchen dieser Pabst sehr Unrecht gethan hatte , sich der Kniebeugung der Engländer zu widerseben .
( Ki Andere baben versichert , - - < daß er ein Anverwandte» dcs Großsülra»^ Mabomets des IV , gewesen . } Icb habe das Buch nicht , in welchem man dieses bewiesen hat ; also kam» ich meinen Lesern nur mit diesen Worten aus dem Heidegger dienen : Mabometcm eo ipfo tempore Imperatorem Turciaim quinto gradu confanguinitati» , cx Alano Moruglio , communi ftirpe et atano vtriusque parenti * Pontilicii et Turcici , peffimo vtique online , contigit , vtiquidem Paltorius in Henninge rediuiuo , p . 157 . denvonftrauit . Heidegg . Hill . Papatus , p . 415 .
Ich bade unlängst ein Buch angetroffen . weiche« die Verwandtschaft Alexanders des VII und des Großtnrken erkläret . Man giebt vor , daß Acargaretha Marsiii . die Tochter des Nani Marsiii , eines sienesischen Edelmanns , Solimann« Gemahlinn und Selims de« ll Mutter gewe - sen . dessen Sobn Amurarh der III , Ma>met den III , al« Sohn erzielet hat . Dieser ist Achmers des I Vater , welcher Amurath den IV gezeuget , gewesen , dessen Sohn Ib cahim , der Vater MahometS de« IV gewesen . Ueberdieß hat Leo , . , Harb Marsiii , der Margare - then Bruder , einen Sohn . Namen« ? . ( L ) Alexander der VII ist ein Schriftsteller gewesen . ] Die al - krfchonste Ausgabe feiner lateinischen Gedichte ist au« dem Louvre . in Folio , vom Jahre . 656 . Man findet darinnen epische . elegische und lyrische Verse ; die lekrern übertreffen die ersten an der Zahl . Man findet auch ein« Tragödie darinnen , Pompejns betitelt . Der Urheber bat sie im 162 , Jahre auf dem Lande gemacht ; er bat sich den Seneea , sowohl was die Einrich - tung . al« das Versmaaß des Stückes betrifft . zum Muster vorgestellet . Ein Brief , der vor dieser Sammlung steht , belehret un« , daß er mit genauer

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.