Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5676

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Theil ansah , hütete sich wohl , ihm zmpider zu seyn . Die Partey derer von MediciS , und der Spam'er hatten liche Bewegungsursachen , ihn zu wählen ; solchergestalt wurde er durch die Stimmen aller 64 Cardmäle zum Pabste erwähletc , die sich in dem Conclave befanden f . Man findet sehr wenig Beispiele von dieser Einigkeit , bey den Pabstwahlen . Der Cardinal Chigi hat diesen Tag und die folgenden Jahre daö Lob verdienet , welches der Herzog von Guise Jnnocenrius dem X . gegeben ( B ) . Wie man den Abend vor der Wahl wußte , welchen der heil . Geist des Tag . '6 darauf durch sein Eingeben er - wählen zu lassen , beschlossen hatte ; so wünschten die Cardinale dieser Eminenz zuin Voraus Glück , der ihnen anfänglich mit Seufzen und Thranen antwortete ? , und sie besser zu wählen bath h : endlich faßte er ein Herz , und bedankte sich für ihre Zu»
ganzen Geprange der Anbethung , blieb er mit einem Crucistre in den Armen in einer ungemeinen Demüthigkeit auf der Erde liegen . So bald er in seinem Zimmer des Vaticans angekommen , befahl er , ehe er an etwas anders gedachte , seinen Sara machen zu lassemworinnen sein Körper nach seinem Tode liegen sollte , lind ihn unter sein Bette zu setzen , damit er sich durch diese bestandige Vorstellung des Todes immer mehr und mehr zur Heiligkeit aufmuntern möchte . Als man ihn mit den pabst - lichen Kleidern bekleidete , fand man unter seinem Heinde ein Harnes Kleid . Er fuhr fort zweymal in der Woche zu fasten , wie er als Cardinal gethan hatte . Den Tag nach seiner Wahl wies er die ^ - ignora Olympia hart zurück , die ihre Glückivünschung abstatten wollte , und sagte zu ihr : es wäre wider den Wohlstand , daß eine Frauensperson in den Pallast des Oberhaupts der Kirche den Fuß seßte . Er verborh seinen Anverwandten , ohne seine Erlaubniß , nach Rom zu kommen Die Folge seines Pabstchums hat gewiesen , daß es nur Verstellungen und Kunstgriffe aewefen ; und es haben viele Römischkatholische keine Schwierigkeit gemacht , sich über sein arglistiges Leben zu beklagen . Er gieng mit der Zeit freundlicher mit seinen Nepoten um ( C ) , und überschüttete sie mit Wohlthaten ; welches für den berufenen Widersacher des Fra Paolo eine verdrießliche Hin - derniß gewesen ( D ) . Dasjenige , was Moreri saget , daß sich Alexander der VII , mit einer wahrhaftigen varerliebe be , müht habe , den Frieden zwischen Frankreich lind Spanien , durch die Vermahlung Ludwigs desXI V , nur derJnfantinn , zu stiften , verdienet eine Verbesserung ( E ) . Er lobet ihn mit UnrechtbeyGelegenheit der Pyramide , die er in Roin aufrichten lassen , nachdem die Corsen den Herzog von Crequi beschimpft hatten . Dieser Pabst verdienet nicht das geringste Lob wegen der Genugthuung , die er Frankreich wegen dieses Vorfalls geleistet ; denn er hat solches zu seinem größten Verdrusse , und bloß zur Vermeidung eines Krieges , gethan , der ihn gar bald genöthiget haben würde , Rom zu verlassen . Frankreich ist niemals recht überzeuget gewesen , >^15 er feine Qhnrtentirtifeit ( teilen h / iiioifw nofinhr hAtte T\ii> C^neinier finh nicht iilfeieit mit feiner " Jltiffirfis
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er habe „ . ^ ,
den ( tt ) , und der Welt berichtet , daß er die verübten Gewalt Man hat stark von demjenigen geredet , was er zu protestantischen'
Bücher haben , nicht ohne ein Geheimnis ; darinnen zu finden , versic . . ^ Wß
des I V , gewesen ( K ) . Dieser Uinstand ist viel seltsamer , als derjenige , den ich anführen will . Alexander der VII , ist ein Schriftsteller gewesen ( L ) : wir haben einen Band von seinen Gedichte ! , . Er hat die schönen Wissenschaften geliebt , und sich mit gelehrten
Personen , von der Dichtkunst , der Historie und Staatskuiist unrerreder . Er hat diM ' " M " "
es auf ihn angekommen wäre , so würde die Stadt Rom gleich prächtig und regelmäß der öffentlichen Plätze und Häuser geworden seyn . Das übelste war , daß diese Unk
und daß die anbefoblne Niederreißung vieler Gebäude , die der Ordimng der Baukunst einen Uebelstand machten , die Eigenrhümer aii den Bettelstab brachte * . Es ist etwas großes in dem Entwürfe des Collegii der Weisheit , dessen Erbauung er vollendet
" ^ r'c " rj * i— * ' " * * 1 jg — " stonal Sachwalter haben dieferwegen eine schöne
von den Jesuiten , als von den Iansenisten , be -
>at , und das er mit einein sehr schönen Büchervorrathe geziert hat . Die consistorial Sachwalter haben dieferwegen eine schöne lusschrift auf ihn gemacht Er ist den 22 A ! ay 1667 gestorben , und mehr'
dauert worden .
« ) Angelo Corraro , Relation de la Cour de Rome . b ) Er ist nach diesem ein Jesuite und Cardinal gewesen , c ) Angelo Corraro , Ebendaselbst , <0 Conclave d' Alefländro VII . Siehe auch die Historie des pyrmäischm Friede ! , « vom Gualvo priocato . , ) Den 8 April 165 ; . f ) Siebe das Conclave Alexanders des VII , Lateinisch , durch lokann 8ckvarT^opliui , beym Heidegger , ttittor . Papamr ,
xag . 404 und f . z ) Egli de principio pianfe tenendo agl' occhi la mano , e doppo fattoli animo ringratiava tutti del loro buon affetto . Conclave de Alefländro VII . t ) Cratulationes excepit Chifius profulis lacr
Aus den , Conclave Alexande ipi _ , / ) Sie wird vom Spizeli
geführt . Siehe das Mufaeum Italicum des P . Mabillon , 17om . I . pag . l ; o
eüändro VII . h ) Gratnlationes excepit Chifius profilfi» lacrymis , lubinde orans , vt digniorein alinin elige - • Papatus , pag . 406 . «' ) Aus dem Conclave Alexanders des VII , beym Heidegger Hittor . Papat . pag . 406 . k~ ) Angelo Corraro Relat . de la Cour de Rome . / ) Sie wird vom 8pi ? elius , in Diflert . praelimin . Speciminis Biblioth . Vniuerf . tletto . Conclave rent . Heidegger . Hiftor . Papatus , pag . 406
( A ) Er ist ; u Münster - - - tNittler gervcsen . Er bar feine Person rvohl vabey gespielt . ] Ein neuerer Schriftsteller hat beobachtet , daß , nachdem die Vermittelung vvn Dänemark , welche an . fänqlich bey den Friedensnntcrhandlungen zu Münster beliebt gewesen , endlich von Schweden venvorfen worden : „ die ganze Vermittelung „ dem Pabste , und einiger maßen der Republik Venedig geblieben sen , „ welche sieb uit Vollendung eines so rühmlichen Werkes der Gaben des „ Ladio Ckiqi' und des 2Uojfto ( TonMrmi bedienet hatten . Der „ erste bat unter andern großen Eigenschaften diejenige besessen , daß er „ seine bösen Eigenschaften so vollkommen , und mit einer solchen Argli - „ stigkeir zu verbergen gewußt , daß das ganze Cardinalscollcqium diesel - „ ben nicht eher gewahr geworden , als bis es ihn zum Pabste erwählt „ hatte . Der andere ist ein ehrlicher Mann gervesen , und hat sich vieler „ Gesandtsclxssten rübmlich entlediget , daß er sich auch dadurch den Ruhm „ eines von den geschicktesten Staatsleuten seiner Zeit erworben hat . , . Wicquefort , Traite de 1' Ambassadeur Tom . II . pag . 308 , 509 . Der Ritter Angelo Corraro bemerket , daß , obgleich Fabio Chigi den Nu hm deS katholischen Glaubens nicht glücklich unterstützet , weil die Protestan« ten bey der westphalischen Friedensversammlung den Katholiken überle - am gewesen , er dennoch nicht untei lassen habe , seine Pflicht genau zu beobachten : Fece almeno le parti fue egregeamente . Corraro p . 12 . fo gar , daß er die Geschicklichkeit gehabt , die Hochachtung der Spanier und Kaiserlichen zu erhalten , ungeachtet er es ihnen sehr bitter verwiesen , daß sie in einen , der kathol . Kircheso nachtheiligen Frieden gewilliget hatten .
( B ) Er bat 4 i t Vas , 2 . 0b verdienet , welches Oer - Herzog von Guise Iniocentius vem X , gegeben . ^ „ Die Reden , welche der „ Cardinal Grimaldi gegen ihn gefuhrer , und des Herm von Fontenay „ und des Herrn Abt« von S . Nicolas Art zu unterhandeln , lagen ihm „ sehr am Herzen , und waren ihm unerträglich , indem sie , wie er sagte , „ überall ausstreuten , daß er einBettüger wäre , besten Worten man nicht „ trauen dörfe , noch könne , weswegen er so viel Verdruß gegen mich „ blicken lassen , daß ihm die Thranen vor Zorn in die Augen gestiegen . „ Jedoch dieses hat mich nicht sehr empfindlich gerührt ; weil ich wohl „ wußte , daß er weinen konnte , wenn er Lust dazu hätte , und daß er ein „ großer Comödiante war . , , Memoire , du Duc de Guife , p . 6 . pariser Ausgabe von >68' , in
( C ) <£r gieng mit Oer Zeit freundlicker mir seinen Nepoten um . ] Niemals IM ein Pabst die Spotterey Pasquins , et homo fa - 6his eft , mehr verdienet , und sich der Vorrechte des Nepotismus bester zu Nutzen gemacht , als dieser . Man saget , aber ich weis nichts davon , er habe geschworen , niemals seine Anverwandten in Rom aufzunehmen , und wegen der Heiligkeit seine« Eide« nicht gewußr , wie er der Freund .
schaft ein Genügen thun sollen , die er gegen seine Familie gehabt : daß ihm der P . Pallavicin auS diesen GewissenSscruveln geholfen , indem er ihm gerathen , seine Anvenvandtschast etliche Meilen von Rom za empfangen , und zu erkmnen gegeben : daß der Eidschwur Sr . Heiligkeit nicht enthielte , daß sie ihre Anverwandten nicht auf dem Wege vvi» Siena n«ch Rom , sondern daß sie dieselben nur nicht in Rom empsan - gm wollreu ; daß der Pabst , auf eine so sinnreiche Unterscheidung ge« gründet , seiner Familie entgegen gegangen wäre , und sie aus dem halben Wege empfangm hätte . Seit dieser Zeit hat er die Ehrenstellen und Pfründen stromweile über seine Anverwandtm regnen lassen . Sein Bruder , Don Mario , ist zum Statthalter im Kirchenstaate gemacht worden . Flavia Chigi . des Don Mario Sohn , ist Cardinalparron ge - worden . Sigismund Chigi , ein Waise von einem andern Bruder des Pabstes , ist mit vielen guten Jahrgeldern versehen morden , bis zu dem Älter , wo man ihn mit einiger Wohlanstandigkeit zum Cardinale ma - chen konnte . Heidegger auf der 452 S . saget , daß er von Alexander» dem VII . denCal - dinalshutim siebenzehnten Jahre seines Alters erhalten l>abe Allein ich finde , daß er erstlich im 1667 Jahre vom Clemens dem IX , Alexanders , des VII , Nachfolger , zu dieser Würde erhoben den . Augustin Chigi , Sigismund« Bruder , der zur Stütze des Hauses bestimmt gewesen , ist mit einer sehr reichen Muhme des Prinzen Borghese verheirachet worden . Auguttinum futurum Chifianae fami - liae columen , ctii Principis Borghelii neptim opulentiflimam coniu . gern , dote centum nüllitira ducatorui« et viginti infuper millibusdu - plionum loco margaritarum expenfis , denique fexaginta millibus du . plionum in mamis ipfms fponfi refianatis impetrauit . Heidegg . Hift . Papat . pag . 432 . Einer von den Söhnen der Schwester des Pabste« , welche zu Siena mit dem Herm Bicki verheiratet gewesen , ist zum Cardinale gemacht worden ; der andere , welcher Ritter von Maltha gewesen , ist General der Galeeren geworden . Donna Berenice , de« Don Mario Ehgattinn und ihre Töchter . haben gleichfalls reiche Ge - schenke erhalten . Ebendaselbst . Flavio Chigi , welcher Cardinalpatron gewesen , und als Legat a Latere nach Frankreich geschickt worden , Genugthuung wegen der Corsen ihre« Unsuas zu leisten , hat viel von sich zu reden gemacht . Er ist den iz des Herbstmonats 1693 , in einem Alter von 6z Jahre» , mit Gutem und Titeln beladen , als Viredechant de« heil . Collegii , Bischof von Porto , Erzpriester des heil . Johann vom La - teran , Präfeetu« der rechtlichen Signatur u . f . w . gestorben . Er hat zu seinem Haupterben den Don Livio Chigi , seinen Vetter , eingesetzt ; und zehn tausend Thal« nebst dem Genüsse seiner in Siena habenden Güter , hat er dem V ? . irquis Zandedari , seinem Schivager , mit der ' er seinen Namen , und das Wappen de - Hause«
Bedingung vermacht ,

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