Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5651

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Chigi .
Flavio Chigi , des Don Mario Sohn , wurde ^um Cardinaspatron gemacht . Er liebte die Wollust sehr ( 15 ) , und er war noch allzu jung , als daß er sich durch dieAufführung eines Staatsmannes hatte in Hochachtung seßen sollen ( C ) . Er war wenig be -
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Alexander der VII , große Sorge gehabt . Der älteste , Augustin Chigi , der zum Haupte der Familie bestimmet war , heira - thete eine - von den größten Partien in Rom , nämlich die Nichtel des Prinzen Marcus Antonius Borghese . Sie hatte igo tausend Thaler Vermögen , sie war schön und bey einer Dame von vortrefflicher Tugend erzogen worden f . Vielleicht wäre diese Heirath nicht geschehen , wenn der Oheim nickt gestorben gewesen ; der Oheim , sage ich , welcher , da er die erste An - Werbung mit großer Höflichkeit anhörte , doch nicht unterließ zu fragen , was man dem Don August» , für Güter und Würden geben wollte ? Dieß hieß ziveifeln und nicht glauben , daß die^vchwäaerschafr deö Pabstes allein , so viel als dieses Fraulein werth wäre . Nun gefiel dieß Sr . Heiligkeit nicht . Ueberdieß hielt der Sohn des Connetable Colonna um die Schöne an , und qe - - fiel ihr besser , als Don Auguftin . Allein so bald der Prin ; MaraiS Antonius Borghese mir Tode abgegangen war , winde die Sache durch die guten Dienste der Prinzeßinn von Rossane ( D ) , der Fraulein Mutter , mir der größten Eilfertigkeit völligen . Eine von so vielen Seiten so vcrcheiihafte Heirath machte die Liebe des Don Augustin nicht' beständig ( E ) . Der Pabst kaufte ihm das Fürstenchum Farneft , welches ein Lehn des deutschen Reiches im Kirchenstaate ist , und ihm 170 tausend Thaler kostete . Siyionuind Chigi , der Broda - des Don Augustin , wurde von dem Pabste Alexander« dem VII , mit viele» , reichen Jahrgeldern begnadiget , und vom Clemens den , IX , im 1667 Jahre zur Cardinalswürde erhoben h .
Der von mir angeführte Bericht des Angelo Corraro enchält , daß diese Familie unter der pabstlichen Regierung Julius des II . sich in Rom in die Höhe zu schwinge ! , angefangen habe : allein man muß dieses verbessern ; denn sie hat daselbst unter Alexander» dem VI , in Ansehen gestanden ( F ) .
a ) Der wahrhafte Name ist Ghigi . i ) Siehe unten die Anmerkung ( F ) . e ) Nc di altro fi compiace che di trovar modi «U accumular denari . Angelo Corraro , Relazione di Roma , pag . 15 . d Sie war eine Sieneserinn aus der Familie Delle sandtens von Venedig , im Jahre 1663 zu Leiden gedruckt . Siehe auch le Nepotifme I Partie Livr . IlI . h ) l'Idee du Conclave pre'fcnt , zu Amsterdam 1676 gedruckt .
( A ) Augustin Chigi , Aufseher der Einkünfte Julius des II»
hat - « > vie norhige Treue gehabt . ^ Ich bin meinem Origi - nale genau gefolget , welches enthalt , daß man niemals Ursache zum Verdachte wider die Redlichkeit dieses Reittmeisters gehabt . X'onhebbe rnai Giulio che oinbrarfi dell' integrita di che l'eflcrcitava . Relazio - jie della Corte Romana , fatta dal Signor , Angelo Corraro , p . 9 . Le Journal de Trevoux , im Heumonate 1702 , pag . 4 ? . die französische Aus - gäbe belehret uns , daß Du Tot . Parlementsratl , zu Reuen , der Urhe - der dieser Relation von dem Hose zu Rom ist . Siehe auch il Sindicato di Alefländro VII , pag . 29 . Ausgabe von 1668 .
Erstaunliche Verschwendung bey einem Gastgeboche .
Es ist mir außer diesem nicht unbekannt , daß man ganz seltsame Sa - chen von der Verschwendung Augustins Chigi bekannt gemacht hat . Cr hat eines Tages den Pabst und das ganze heil . Collegium mit einer sol - chen Pracht bewirthet , daß man gesaget , er habe die Ausschweifung des Bitelliuö selbst übersteigen wollen . DerUeberfluß , die Sehleckereym , die Wahl der Speisen , waren zureichend gewesen , dieses Gastgeboth zum Wunder zu machen ; allein man wollte sich dadurch nicht hervor - thun : man ließ bey jedem Ganqe alles in die Tyber werfen , was von der Tafel gehoben wurde , obgleich alle Geschirre von Silber gewesen : und zuletzt hat man eine Menge Papagoymzungen auftragen lassen , die aus hunderterley Art zugerichtet gewesen . Ein Steuereinnehmer , der sich auf dergleichen Art bezeiget , hat nicht das Ansehen , daß er sich allzurechtmäßig bereichert hat . Ich wollte wünschen , daß der Schrift - steller , der mich dieses belehret , die Giftigkeit und Billigkeit gehabt hatte , Mich gleichfalls zu belehren , bey welchem Scribenteii « dieses gelelen hätte . Der Fehler ist nicht meine , wenn er gewollt , daß man ihm auf fein Wort glauben soll . Jedoch hier ist , was er saget : Privatum ho - nunem ad prodigiofi hixus enormem licicationem non niacellivnius , fed peregrini quoqueorbk conturbatricem afpiralVe quis non merito maximo demiretur ? Is fuit Auguftinni quidam Chkfius , Ronianus Trapezites , qui Leoni X Pontifici Maximo totique purpurei Scnatus coetui , exterorumque Regum Legatis , ob filiuni ab illo baptifmi la - vacvo tindum , fplaididillitna , Vt ita dicam , repotia conftituit , in quibus non fatis fuit eduliorum onmis eeneris itiiflinirnque exqnifi - tiffimorum apparatui modtmi omneni aaemifie , nifi etiam lances , pi - naces , caetcraque cum efearia vafa , tum potus inftrumenta ex argen , to aftäbre fafla omnia in Tibcris praeterlabentis alueum inani luxus oftento praeeipitarentur , idque non vna modo fed pluribus quoque vieibus , quotiefeunque fcenicum illnd ferculorum et menfarum cho - ragium mutandunj foret . Atque ifta paruo conftitide aeftimandum erat , nifi et alieno ex orbe petitanim immani pretio auitim ( quos Plittacos nominamus ) folae Linguae variis in patinis conditae , vlti - mo ferculo omnem luxus oftentationem longe fuperaflent . Hadrianus Iunius , Animaduerf . Libr . IV . cap . VIII . Dieser Schriftsteller net sich des Wortes , Trapezites ein Wechsler . bey Bemerkung dcs Standes unser« Chigi - Dieß ist besser , als der Ausdruck des M«erai Abrege Chronol . Tom . IV . p . m . 45 . aufs tuo Jahr , wo er saget , Auanfsin Cbigi , Pachter von den SakMen Ves pabste« ( Julius des II , ) welcher sich bey Sr . - Heiligkeit darüber beklagt .
Diejenigen , welche Lateinisch verstehen^ sollen hier mit einer Erzählung beschenket werden , die ich in dem Paul Jovius gefunden babe , und die dasjenige bekräftiger , waS man von der Verschwendung unsers Cl'iai ge - lese« , hat . Man wird auch daraus erfahren , daß er eine Beyschläferinn gehabt , welcher er einen Fischkopf siim Geschenke gegeben , den ihm der Cardinal von S . Severin , sejn Schuldner , zugeschickt hatte . Ein be - rufener Schmarui^er ist diesem Fischkopfe bis in das Haus dieser Buhl - schwester nachgegangen , und hat endlich feinen Heißlninger vcrqnüqet , nach dem er sich durch das Nachlaufen dieses guten Bissens ziemlich ab - gemattet harte . Diese Erzählung hat im Onqinale viel AnnehiNlichkei - im : ich will nichts davon abkürzen . Paul . Iouius de PifcibusRonianis , cap . V . pag . 49 M . f - ftobenianifche Ausgabe Lam ( VmbrAm hodie Romani Vmbrinam vocant . Caplta Vmbranim , iicuti et Silurorum Triumuiris rei Romanae confcruatoribus dona dantur , qui pil'cato - res inuetcrata qtiadam confuetudine eorum capitiun tributi nomine veöigales fecerunt . - - - Extat adhuc in ore quorundam face - torum ridenda tabula deT . Tamifio , qui Romanis aulicisque falibus erat infignis , fed gulae adeo proftitutae , vt infam ! » haberetur . Is quum per feruum , qui in foro pifeario in cam curam intentus die
folebat , ingentis Vmbrae caput Triumuiris delatum esse cognouifiet , in Capitoliutn protinus afeendit , vt fimulato apud magiiVratuii ] ne - gotio , fermoneque de induftria protra & o , prandium captaret . Ve - nun illud Triumuiri iam Riario Cardinjli donandum decreuerant 5 ita Tamifius aiuim limine curiae efferri ingenti coronataque patina caput illud nooile confpexilTet , primo deeeptus confilio , illud fubfe - cutus eft praemifl'o feruo , qui veftigiis aeferentium miniftrorum iniifteret . Ncc midto poft , quum Riarianis aedibtis inferretur , benc habet , falua res eft , inquit Tamifius , opipare excipiemur : eratenim in priinis menfae Riarianae , quae longe omnium fcmpeT lautiflimÄ fuit , familiaris . At Riarius , vt erat natura muniikus , niaximuin inquit , hoc Triumuirale caput maximo debetur Cardinali , ftatimque Federico Sanfcuerino proceritatis admirandac Cardinali transmitti - tur . Colligit extemplo togam Tamifius , Riarium intempeftiuae mil - nificentiae ineufans , in mulamque refilit , et inunus ad Sanfeuerianam domum confequitur . Idem pari libcralitate facit Federicus , caput - que ipfum fplendidis exornatum verbis , ( so steht es in der baselijchen Ausgabe , die ich anführe ; und in der bafelifchen von > ; 6> , in 8 . bey Heinrich Petri ; und in der baselischen von >577 , in Folio , bey Peter Perna . allein eS ist ohne Zweifel eitt Druckfehler für herbis . ) auratal qiie illatum patina Ghifio publicano ditiffimo deferri iubet , quod ei multo aere alieno , grauibusque vfuris obftriäus erat . Volitat tenia iam fpe auidam fhiftratu» gulain aeftuans Tamifius , feftinabundus - ( L ) Aar'io Chigi - « - liebte sie XToUus ? sehr . ] Es wirtz dasjenige nicht schwer zu verstehen seyn , was Angelo Corraro sagen wol - Im . wenn er , efrne sich zu stellen , als wenn er daran gedächte , gefaat , daß dieser Cardinal das Bette öfters gehütet , als es seine Jugend zu erfordern geschienen unddaß er seine Leibarzte gebethen . dem Pabsie die Ursache davon nicht zu sagen , damit seine Heiligkeit nicht auf die Einbildung känv , als wenn er gutes Essen und Trinken und das Frauenzimmer allzulieb hätte . Go . derebbe assai niigliorc fanita , fe fofl ? piu temperato nel mangiare , nel che eccede ogni precetto di viver fano , con largo e fueeofo pafto . Vogliono anco che non iia fobrio quando dovrtbbe ne' pia - ceri del fenfo , onde e che piu fpeflö di quello che doverebbe afpet - tarfi dalla fua gioventn , viene obligato al letto . I medici pero noi ) riportano al Papa le vere ragioni dclla fua decumbenza , cofi avertiti dal Cardinale , accio fua Santita non concepifca fmiftra opinione di lui , come di craptilone e incontinente . Corraro , Relat . della Corte Romana , pag . 16 . Man hat gewollt , daß die dem Herzoge von Crequi , Abgesandten zu Rom , im 1662 Jahre erwiesene Beschimpfung , lich von einem Liebesbandel hergekommen sey , den der Cardinalpatron im Kopfe gehabt . Bußi Rabutin hat auf diesen Grund gebaut , wie man in seinen Satiren sehen kann . ( Gesetzt , daß er der Urheber derAmour« du Palais Roial ist , welches er nicht bekannt hat . Siehe zn End« dieses WönerbucheS die Dissertation von Lästerschriften in der Anmer - kung ( D ) ) Dem sev wie ihm wolle , so ist der Cardinal von Chigi von Seiten der Venuswerke in einem sehr ubeln Rufe gewesen , da er sich im , 664 Jahre in Frankreich befunden , und man hat im ganzen reiche unzählige Gassenlieder auf seine Rechnung abgesungen . Er ist als Legat a Latere nach Frankreich geganqen zur Genugthuüng wegen der den» Herzoge von Crequi erwiesenen Besd ? impsung . Die langwie , rigen Kränkbeiten , die er in seinen letzten LebmSjahren ausgestanden , und davon die offentliä , en Zeitungen so viel geredet haben , sind zwey» deutige Beweise einer ausichweifmdet^ Jugend . Siehe die Anmer - kung ( C ) des folgendm Artikels .
Ver -

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