Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5617

164 Chl
Prevot zu Paris behalten , weswegen euch kein Naclitheil zuge - zogen werden soll , und ihr sollet so gute und gewisse Iahrgelder angewiesen bekommen , daß ihr die Armurh nicht zu befürchten haben werdet : zur Sicherheit eurer Person , sollet ihr fünfzehn JTIann zurXvache haben , die . aufs 1425 Jahr ,
Ich glaube , man könne aus dieser Stelle folgern , daß sich alle dieje - nigen bekriegen , welche den Abschied Tanaquils du Chatel nicht ins 14 - 5 Jahr sehen , oder ihn niemals zurück kommen lasse» ; oder die ihm Gesandt - schaften bey dem Pabste , oder das Amt desOberstallmeisters von Frank - reich , oder eine« Marschalls von Frankreich , oder die Großmurh beyle - gen , Carln den VII zu begrabe» . Man unterscheidet den Oheim nicht von dem Vetter : alle beyde haben dm Namen Tanaquil du Chatel ge - führt . Allein wenn es wahr wäre , daß der Oheim in Gesandrschaft jenseit des Gebirges im 1446 Jahre und im >448 Jahre gewesen , wie uns der P . Anselm sagen wird : so »väre die Nachläßigkeit des Argen - tre nicht zu entschuldigen , weil er hier nichts davon saget , lind , wenn er im Xl B . IV Cap . 5Z> <0 . aufs 1448 Jahr , von der Gesandtschaft nach Rom redet , nicht bemerket , ob Tanaquil , einer von den Gesandten , eben - derselbe gewesen ist , der im 14 - 5 Jahre den Hos verlassen hat .
Man liest in des Rusfi Historie von Marseille , VI B . IX Cap , daß dieser hier im isz , Jahre einer von denen gewesen , welche einen Still - stand zwischen den Marseillern und Cataloniern unterhandelt haben . Er ist damals Generaleapitain derLandsoldaten in Provence gewesen .
( I ) ) Er hat sich von - Hofe entfernen müssen . wohin er nach ei - nigen Schriftstellern nicht wiedergekommen ist . Andre wollen , Saß er dahin zurück gekommen sez ? . ^ Der P . Anselm , nachdem er Hift . des grands Officiers , pag . 142 . gesaget , daß Tanaquil zum Besten der Sachen Königes Carls des VI / , im >455 Jahre den Hof verlassen habe , so fährt er also zu reden fort : Seit diesem ifi er zum Gene - schal der Provence ernennet , und im 1446 Jahre nach Genua ge - schickt worden , die Unterwürfigkeit dieser Stadt unter den Ge - horsam des Röniges zu vermitteln , welche ihn zu ihrem - Herrn verlangt hatte , und im 1448 Jahre ist er mir dem Erzbischofe von Rheims , Sem Bischöfe von Aleth , und andern in Gesandt - schaft nach Rom an den Pabst . Nicolaus den V , qeschickc rvor - den , demselben den kindlichen Gehorsam zu erweisen nach dem Berri - Heraulr . ( Die Chronike von Frankreich , von Bellesorest aus dem Monstrelet , Nicole Gilles , u . a . m . gezogen , saget es auch . ) Er ist kurz darauf gestorben , ohne daß er von seiner Ehfrau , Jfis bellen von Vafer , Rinder hinterlassen hat . Moreri hat nicht alles dieses abgeschrieben : er ist davon abgehalten worden , weil er geglau - bet , daß Tanaquil du Chatel das Beqrabniß Carls des VII besorget hat . Wenn es der P . Anselm auch geglaubet hätte , so würde er nicht gesaqet haben , daß Tanaquil du Chatel , kurze Zeit nach seiner Gesandt - schaft in» 1448 Jahre gestorben wäre . Dieses ist mit demjenigen nicht zu vergleiche» , was so viele andre Geschichtschreiber bemerken , daß er die Unkosten zu dem Leichenbegängnisse des Königes seines Herrn hergege - ben , der im >46 , Jahre gestorben ist . Sie bekriegen sich .
( k ) Sie geben vor - - - daß er für das L . eichengepran , ge Carls des VII gesorgt . ^ Einige Schriftsteller sagen , es seyTana - quil in Ungnade gewesen , als Carl der VII gestorben : andre jagen , er sey wirklicher Großstallmeister gewesen . Fiinu« fuis fumtibus cura - nit Tanneguius Caftellus , fummus regiorum equorum magifter ( narn caeteriCaroli domeftici memLudouici filii fediuerfi fubduxe - rant . ) Bclcariiis , Lib . L num . i . Im ersten Falle wäre seine That „ 06 ) löblicher ; allein fie verdienet auch ihr Lob im andern Falle . Es ist allezeit eine schöne Sache , wenn man in seiner Pflicht beharret , da sie die andern ans den Augen sehen , und wenn man sein Geld zum Leichen - begängnisse seines Königes verwendet . Man saget , es habe Ludwig viele Jahre vorbey gehen lassen , ehe er die Summen wieder bezahlt , die Tanaquil vorgeschossen gehabt . Quam qiiidem pecuniam non ftatim repraefentauit Ludouicus , fed multis poft annis Caftilionif , Paciaci - que fundi atque aliorum aliquot venditione difloluit . Ebendaselbst Lib . XXIX . nun , . 10 . er saget , daß die Wiederbezahlung kurz darauf ge - fchehen , non multo poft . Dieser letzte müßte , bey dem Tode des Koni - ves , seines Herrn , sehr alt gewesen seyn , wenn er im >40 ? Jahre Feld - Herr über das Kriegsheer in Italien gewesen . Diese Summe , wenn man dem ThuanuS glauben will , hat sich auf 30000 Thaier belaufen . Mczerai , Hift . de Francis HjP - 44 - des III Bandes in folio , jaaet drey - malhundert tausend Thaler . Varillas in der Historie Carls des IX . 4 S . saget >68 tausend Franken . Argentre' , in der Historie von Bretagne . XII B . XVII Cap . saget über fünfzig tausend Pfund . Er ist mit dem Beaueaire wegen der Bedienung de« Tanaquil nichr eil , ig . Er machet ihn zum Oberkammerherrn , und gehöret unter diejenigen , die ihn inUn - gnade stehen lassen . Caftellus is perilluftri in Armorica prognatus gente , cubiculariorum nobilium Princeps fub Carolo VII fuerat : et quainuis optime de rege ac regno meritus cum dorn , im relegatus esset , mortuo hero ftatim in aulam accurrit , et in ftinus regiun , ab omnibus negle6him , de fua pecunia 30 millia aureonim , eeregio gra - ti animi exemplo dependit . Thuan . Lib . XXV . p . 524 . Wir werden hier unten unsre Zuflucht zu dem Herrn von Argentre nehmen , um die Umstände von allem diesem desto besser zu erkennen . Siehe die kung ( G ) zu Ende .
( ? ) Er hat einen Vetter gehabt , Namens Tanaquil du Cha - tel . ] Dieser Vetter ist bey seinem Obe . me an dem französischen Hofe erzogen worden ; er ist ein herzhafter Mensch gewesen . Er hat sich den Diensten deS Herzogs von Bretagne gewidmet , und ist Oberhofmeister seines Hauses geworden . Er har ihm im 1464 Jahre bey einer kützli - chen Angelegenheit , einen sehr guten Rath gegeben ; denn es war die Frage , wie man denen von Ludwigen dem XI , gelegten Fallstricken ent - gehen könnte . Siehe Beaueaire , Liv . I num . 15 . und Varillas , Hift . de Louis XI , Liv . III . p . 188 . Uebi'igcn« ist er ein redlicher Mann ge - wesen , der seinem Herrn bey dem Artikel der Lebensausschweifungen
nicht geheuchelt hat . Der Herzog von Bretagne machte ungefähr in seinem dreyßigsten Jahre , nicht viel au« seiner Gemahlinn , der Tochter de« Königes von Schottland , und führte überall eine Beyschlaferinn mit sich herum , in die er sterblich verliebt war . Sie hieß Antonette von Mailleze , und war des Herrn von Villequier Ehfrau . Tanaquil har diesem Herzoge öfters und frey die Züchtigungen vorgesteller , welche die göttliche Gerechtigkeit über unkeusche und ehbrecherische Prinzen verhän - get ; allein er hat sich dadurch nur verhaßt gemacht . So bald er des Zorns seines Herrn inne geworden , hat er sich demselben nicht länger aussetzen wollen , und sich in sein Haus begeben . Die Frau von Vllle - quier ließ ihm die Versöhnung mir dem Herzoge anbielhen , wenn er , demselben fernere Vorstellungen zu thun , unterlassen wollte . Er hat diesen Vorschlag verworfen , und , obgleich diese Dame ihr Ansehen mehr dazu anwendete , Personen von Verdiensten zu befördern , als die ihr erwie« senen Beleidigungen zu rächen , so hat er sie diesem ungeachtet gefürchtet , ( Dieß ist nicht wohl mit demjenigen zu vergleichen , was man in der folgenden Anmerkung nach dem Argentre sagen wird . ) Ludwig der Xl har , da er die Neigungen erfahren , darinnen sich du Chatel befunden , demselben schöne Bedienungen angebothen . Sein Anerbierhen ist an - genommen worden , und unser Tanaquil auf diese Art in die Dienste des französischen Hofes gekommen . Beaueaire , Liv . II . nun , . 12 . Varillas , Hift . de Louis XI , Liv . IV . pag . 289 . Man hat ihm die Statthalter - schaft von Roußillon und Cerdagne gegeben . Wir werden bald sehen , daß ein Rechtsgelehrter , dem es nicht an Gelehrsamkeit gefehlt , das Land Cerdagne für die Insel Sardinien genommen har . Tanaquil ist im >475 Jahre zu dem neunjährigen Wassenstillstande gebraucht worden . Matthieu , Hift . de Louis XI , Liv . XI . pag . m . 747 . Er ist in der lagerung von Bouchain im 1478 Jahre geblieben . Mezerai , Hift . de France , Tom . II . p . 737 . UebrigenS ist derjenige , ( wenn wir dem Peter Matthäus , in der Historie Ludwigs des XI , im II Buche auf der 87 S . glauben wollen ) , der Carl den VII begraben hat , ebenderselbe Tanaquil gewesen , der den Herzog von Bretagne so christlich zur Keuschheit er - mahnet hat . Er ist der Nesse des Tanaquils gewesen , der den Herzog von Burgund ermordet hat . Der Verdruß , daß er die Wiederbezahlung der aufgewendeten Kosten auf Carls des VII Leichengeprättge nichr wieder bekommen können , hat ihn genöthiget , bey dem Herzoge von Bretagne Schutz zu suchen . Dieß verdienet , untersucht zu werden .
( G ) Einige haben ihn - - - mit demjenigen vermengt , der den - Herzog von Burgund ermordet har . ] Ich habe diesen Schnitzer in dem ForeatuluS gesundet , , nebst einigen Sachen , die den Tanaquil du Chatel den Neffen betreffen , und hier angeführt zu werden verdienen . Forcatulu« , de Gallor . Imperio et Philofophia , Lib . VII . pag . m . im . u . f . saget , daß Tanaquil einer von den ; 6 Nit - kern des Michaelordens , bey der ersten Stiftung gewesen , die von Lud - wigen dem XI , im 1469 Jahre geschehen . Er ist dessen sehr würdigge - wesen , fährt ForeatuluS fort , weil er unter Carls des VI Regierung die Statthalterschaft zu Paris mit so vielem Glucke , und mit so vieler Klugheit geführt har . Hier stecket das Versehen . Tanaquil du Chatel , der Ritter des Michaelsordens , und Statthalter von Roußillon , im >469 Jahre , hat im 1475 Jahre einen Waffenstillstand unterhandelt ; also ist er nicht eben derselbe , der unter Carln dem VI , Prevot zn Pari« gewesen : denn dieser hat im 1409 Jahre , ein Kriegsheer in Italien commandirt , ein Merkmaal , daß er wenigstens dreyßig Jahre alt ge - wesen . Er ist also ungefähr im iz8vsten Jahre gebohren gewesen . Sollte er wohl ein Bevollmächtigter im 95 Jahre seines Alters ge - wesen seyn ; ohne daß ein einziger Schriftsteller etwas von der langen Dauer dieser Kräfte des Verstandes hätte sagen sollen ; eine viel seltsa , mere Sache , als ein lmndertjähriger Mensch 7 Wir haben oben in der Anmerkung ( C ) gesehen , daß sich Tanaquil , der Prevot zu Paris , im , 4 - 5 Jahre , als einen Alten angesehen : er ist also über dreyßig , und we - nigstens vierzig bis fünf und vierzig Jahre alt gewesen , da er in Italien eommandirr hat . ForeatuluS bemerket , daß Tanaquil einer von den Richtern des Cardinais Bellue gewesen , und daß ihm der König den Hausrath , und die schone» Tapeten dieses CardinalS gegeben har . Er machet eine vortheilhafte Beschreibung von der schönen Ordnung , die Tanaquil in der Provinz Roußillon eingeführt . Er hat einige Abnei - gung aezeigr , diese Statthalterschaft anzunehmen : Dubitans ne non Hifpa - iica gens Imperium fuum ferre poilet , aut ipfe mores eins et Licentiam . Fore'at . de Gallor . Im per . et Philof pag . 1112 . Argentre , Hift . de Bret . Liv . X . chap . XXX . ist in verschiedenen Dingen mit dem Forcatulus einig . Man vergißt seine Reise in das Kloster Roncevaux nicht , noch die schönen Ermahnungen , die er an die Mönche gehalten , noch die Frage , die er an sie gethan , nachdem er ihren Büchen'orrach besehen gehabt , ob sie kein Stuck von der Leyer , oder dem Kopse des Orpheus hätten ? Wenn man mich frager , warum dieser Rechksgelehrte so weitläuftig von dieser Reise Tanaquils du Chatel redet : so muß ich cinttvermi , daß es darum geschehen , weil sein Aeltervater viel Theil an der Wvlilgewogenheit diese« Statthalters von Roußillon gehabt ; aber gleichwohl nicht so viel , al« ein Edelmann , Namens Polermus , aus dem Hause von Grammont entsprossen , welcher Tanaquils Verweser in Cerdaqne gewesen ist . Bey dieser Gelegenheit bringet ForeatuluS eini - ge Verse Claudia , , s und Manials vor , welche die bose Luft in Sardi - nie , , verschreyen . und wuchert , daß Polermu« , welcher gute Kundschaft von den Unordniinaen dieser Jiisel gehabt , die Statthalterschaft darin - nen mit seinem größten Verdrusse angenommen habe Audierat vero Polermus mfula crebra dominorum mutatione impacatam et turbis deditam . Forcat . ebend . 1120 S . Dieß ist dasjenige , was ich zu Ende der vorhergehenden Anmerkung versprochen habe .
Ungewißheit , worinnen uns die Geschichtschreiber lassen .
Die bisher gelesenen Veränderungen können allen meinen Lesern die Nachllißigkeit begreiflich machen , mir welcher die Geschichtschreiber die Umstände der Sachen beschreiben . Die wenige Uebereinstimmung . di» sich unter denselben findet , verhindert uns gerades Weges , eigentlich zu wissen , wem , Tanaqml du Cbatel Carls des VII Hof verlassen hat ; ob er vor dem Tode dieses Prinzen wieder zurück gekommen ist ; ob er Oberstallmeister oder Oberkammerherr gewesen ; wieviel er auf das Lei - chenbeqängniß seines Herrn verwendet hat ; ob derjenige , der den Herzog von Burgund ermorder hat . ebenderselbe gewesen , der Carln den VII begraben lassen ; ob derjenige , der die LiebeSausschweifungen des verzog« von Bretagne getadelt , derjenige gewesen , der den französischen Hos

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.