Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5606

I
Chatel .
die LiebeShZndel Franciscns des l , mit der Gräsinn vvn Chateau - Briand , eben auf die Art . als Varillas , und beschließt im I Th . p . m . > ? z . also : „ Einige Kunstrichter haben vorgegeben , daß Varillas , aus „ welchem ich diese Nachrichten gezogen , übel unterrichtet gewesen ; daß „ die Gräsinn von Chateau - Briand sich mit ihrem Gemahle wieder „ versöhnet , und nicht eher gestorben , als zehn Jahre nach der Zurück - „ kunft des Königes : allein er hat so wohl darauf geantwortet , daß „ ich geglaubet , es müsse das klägliche Ende dieser Grafinn , als eine ge - „ wisse 'Sache stehen bleiben ; und ich habe keine Schwierigkeit gemacht , „ diesem berühmten Geschichtschreiber von Worte zu Worte zu folgen . „ Man halte dieses für einen Betrug . Ich habe einen von meinen Freunden gebethen , sich nach dieser Antwort des Varillas zu erkundigen , und hier ist dasjenige mit seinen eignen Worten , was er mir in einem Briefe von Paris , unter dem 10 des Brachmonat« , 1695 , berichtet hat :
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„ Es mag der Verfasser von den Galanterien der Könige von Frankreich „ sagen , was er will ; so hat man hier keine einzige Schrift des Varillas ge . „ sehen , durch welche er sich gerechtfertiget hätte , was der verstorbene Hcvin , „ Parlementssachwalter zu Reimes , wider ihn , wegen der Grafinn von „ Chatcan - Briand geschrieben hat : und Herr von Hozier hat mir hier - „ über gesaget , daß Herr von Caumartin , einer von unfern sechs Aufse - „ Hern der Finanzen , in seiner Bibliothek das Factum hat , welches der „ Connestabel von Montmorenci , wider die Erben des Herrn von Cha - „ teau - Briand , zur Behauptung der Schenkung machen lassm , die ihm „ mit diesem Landgute gemacht worden , und daß diese« Factum mit die - , . sen Worten anfange : Die Unglücksfalle , welche das Heben de» „ - Herrn von Chareau - Briand begleitet haben , sind in „ Frankreich so bekannt gewesen , daß es unnochig ist , dieselben „ anzuführen . „
Ehatel , ( Peter du ) Großalmosenier von Frankreich , unter Heinrichen dem II , suche Castellan .
Chatel r ( Tanaquillus du ) ein bretannischer Edelmann , war einer von den Helden des XV Jahrhunderts . Er comman - dirte in Italien die Kriegsvölker Ludwigs von'Anjou , Königes von Sicilien , und schlug das Kriegesheer des Königes von Nea -
bey dleser Xbat eme offenbare Treulosigkeit . Es ist erstaunlich , daß der P . Anselm nichtö^davon gesaget hat'c - s - in & t\\\ schweigen ist Ursache an des Vioreri seinem gewesen . Der Mord des Herzogs von Burgund ist nicht der eimiae den quil du Chatel begangen hat : er hat auch den Dauphin vonAuvergne ( C ) im 1424 Jahre ermordet , und zwar in Geaen . wart des Königes und in vollem Rache . Diese That zog viele Personen , von dem ersten Stande , von dem Dienste Carls des VII ab , und duChatel mußte sich vom Hofe entfernen , wohiner , nach einigen Schriftstellern , nicht wieder gekommen ist dere wollen , daß er dahin zurück gekommen ( D ) , und daß er eine andere Ungnade erlitten , welche ihn nicht verhindert für das Leichengeprange Carls des VII zu sorgen ( E ) , welches von den Hofbedienten verabsäumet worden . Er hat einen Vetter habt , Namens Tanaquil du Chatel ( F ) , welcher an dem französischen Hofe , unter Ludwig dem Xl . viel Aussehens gemacht . Einige haben ihn , vermöge eines Hauptfchnitzerö , mit denjenigen vermenget , der den Herzog von Burgund ermordet Hat ( G ) Ein italienischer Schriftsteller hat hier grobe Fehler begangm ( H ) , wie wir in der lehren Anmerkung sehen werden .
a ) Anfelme , Hiftoire des grands Offiders grands Oftkiers , p . 143 .
p . 143 . i ) Dieß ist der König Carl der VII gewesen . « ) Anselme , «Moire de»
( A ) ( £c bat dem Dauphin viel Dienste geleistet . ^ Die burgun - discl ) e Partey , welche in der Nacht , den 28 May , 1418 , Pari« über - rumpelt , würde den Dauphin in die Hände bekommen haben , wenn Tanaquil du Chatel , der damals Prevot zu Paris war , nicht nach seinem Bette gelaufen wäre , ihn in seinen Schlafrock gewi - ekelt und in die JSafülle , und von da nach lNelun gerettet hatte . Mezerai , Abrege Chronol . Tom . III . p . 201 . Wir werden in der folgenden Anmerkung sehen , mit was für Hifje er den Feinden dieses Prinzen auf der Brücke zu Montereau - saut - Ponne Widerstand ge - than hat .
( L ) t£c hat ihn von seinem allergefahrlichstm Leinde befreyet - - - - Johann , - Herzog von Burgund gewesen . ) Wenn sich die französische Monarchie unter der Regierung Carls des VI und Carls des VII nur zwey Finger breit von ihrem Untergänge gesehen , so ist das Verbrechen der Prinzen vom Geblüt ? , und die unmaßige Herrschaft de« Aste« von Burgund Schuld daran gewesen ; welcher seit dieser Zeit nicht mehr Zärtlichkeit gegen da« Geblüte empfunden , daraus er entsprossen , als aegen das Haus der Ottomannm . Es hat beständig mit den allergrößten Feinden des französischen Namens in einem Bündnisse gestanden , bis es sich in der Person der Maria geendiget , welche diesen ganzen Haß auf ihre Nachkommen übergetragen hat . Johann , Herzog von Burgund , bar sich nicht begnüget , daß er den Herzog von Orleans , Carls des VI Bruder , meuchelmörderischer weise , im 1407 Jahre hatte ermorden lassen : er hat noch viele andere Gewaltthaten mit dieser verknüpft ; allein endlich ist er selbst im 1419 Jahre umgekommen . Die Diener des Herzogs von Orleans , und absonderlich unser Tanaquil du Chatel , nebst dem Prä - sidenren Louvet , hatten eine mündliche Unterredung zwischen dem zoge von Burgund und dem Dauvhin unterhandelt , in der Absicht , je - nen nieder zu machen . Dieses ist auf der Drücke zu Montereau - faut - Ponne ausgeflihrer worden , wo diese zween Prinzen einig geworden waren , sich mir einander zu besprechen . Als sich der - Herzog Johann einfand , ich bediene mich der Worte Paquiers , Rechercli . de la ce , Livr . VI . chap . III . p . 452 . sieng Tanaquil du Tharel einen nichtswürdigen Streit mit ihm an , indem er sagte , daß er dem Dauphin nicht die gehörige Ehre erwiese , und gab ihm mit ei - ner Streiran einen so derben Schlag auf den Ropf , daß er da - von starb .
( C ) Er bar auch den Dauvhin vonAuvergne ermordet . ) Ich will mich nochmals der Worte Paquiers im IV Cap . w S . bedienen : Die zween vornehmsten Bedienten der Tbaren Tarl ? , des VII , , mi ? vielleicht seines Unterganges , sind Tanaquil du Thatel und Louvet , Präsident der Provence gewesen ; denn sie haben den Tod des - Herzogs , Johann , verursacht . Diese haben ihn lange ? eit mehr , als andere , in ihrer Gewalt gehabt , und insonder , beit Tanaquil du Tkatel mir einem unendlichen - Hochmurhe , Daß er fich Öcc Gürigkeit seines Herrn gcmisbraucher , und in feiner Gegenwart und in seinem Rache den Grafen , Dauphin von Auvergne , >m 1424 Jahre ermorder , worüber die erzürnten Prinzen und - Herren , die Roniginn von Sicilien , Oes Röniges Schwiegermutter , der Tonnestable von Richemont und andere - Herren von großem Ansehen , ihn verlassen haben . Dieß ist Ursache aeweftn , daß Tanaquil gezwungen worden , seinen Play zu ver , 1 - ih n , und also louvet allein an seinem Orte geblieben ist . Ab ki» . da er sich von eben dem - Hasse verfolget gesehen , und den großen - Herren zu widerstehen . mehr vermocht , so hat er fleh serettet> und seit dem »st ferner von bcytxn mehr Ä Taget : es habe Carl der VIIversprochen .
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groß'nütb . g aufgeopfert , unD zur Belohnung , um seme «rlas .
sung angehalten habe . Mezerai , Abrege Chronol . Tom . III . n . zz6 Varillas qiebt vor , daß Carl der VII durch den Vertrag von Arra« gezwungen worden , den Chatel zu verlassen , der in ( ein Land geflüchter , und nicht eher nach Hofe gekommen wäre , als bis er erfahren , daß nie , mand für das Begräbniß diese« Prinzen sorgte . Varillai , Hiftoire de Charles IX , Livr . I . p . 4 . Diefemnach hatte er den Hof nicht eher , als im 143 * Jahre verlassen . Wir wollen sagen : woran man sich , dem Scheine nach , am besten zu halten hat , und wir wollen es einem Schrift - steller abborgen , ( Lernard d'Argentre' Hift . de Bretagne , Liv . X . cliap . XXX . ) welchem , da er sich in die Untersuchungen einschränket , welche Bretagne betreffen , bey demjenigen mehr zu glauben ist , was vom Tanaquil Du Chatel , dem berühmten Bretagner , gesaget wird , als denen , die nur in allgemeinen Historien davon reden . Ich nehme dasjenige aus , was zu seiner Vertheidigung gehöret ? denn darinnen sind die besondern Geschichtschreiber einer Provinz verdächtiger , als die andern : also kehre ich mich wenig an dasjenige , was Bertrand Argenire auf der 5Z> S . bey mir , von der Unschuld Tanaquils , in Ansehung des chelmordes , von dem Herzoge von Burgund , saget . Wir wollen dasje - nige sehen , was er von andern Sachen saget .
Er versichert , daß der Graf vvn Richemont . nachdem er den 7 März , 1425 , das Counestabelfchwerdt erhalten , nach Bretagne geschickt worden , daselbst Soldaten zu werben . Du Chastel ist zu eben derselben Zeit , als Abgesandter Carls des VII , dahin geschicket worden , bey dem Herzoge voii Bretagne um die Erlaubniß anzuhalten , Volk in seinen Staaten zu werben . Man sehe , was die Könige von Frankreich zur selbigen Zeit gewesen . Sie waren mit vielen kleinen Regenten umaeben , die ihnen tausend Streiche gespielet . Also ist es eine große Verblendung , wenn man saget : daß die Engländer ehmals fast ^anz Frankreich erobert ge - habt . Man hätte sagen sollen : daß sie mit Hülse der größten und ansehn - lichsten Provinzen Frankreichs die übrigen bey nahe erobert hätten . Allein hiervon ist die Rede nicht . Du Charel hat keine andere Antwort zu - rück gebracht , als daß man dem Könige eher keine Hülfsvölker geben würde , als bis er diejenigen Personen weggejaget , deren Entfernung man verlanget hatte . Er ist selbst einer von denselben gewesen , nnd er hat sich freywillig entfernen wollen , ohne sich der Begierde zu bedienen , die sein Herr hatte , ihn zu behalten . Sire , sagte er , ich bin ein Edelmann , und habe euch Dienste gethan ; allein ihr müsset die Dienste großer Personen , die euch gegen eure Feinde so viel hel , ftn können , wegen so kleiner Personen , als wir sind , nicht ver - lieren ; ob es gleich Meinungen sind , die sie auf Glauben ange , nommen haben ; allein , dem sey wie ihm wolle , so che deswegen in feine Noch gerarhen . Und weil dem also> ist , Su re , so unrersiünet mein Alter , das icli in eurem Dienste chet habe , und versorger mich durch e , mge mittel zu meinem Lebensunterhalte , meine übrigen Tage zu befanjepen ; auf diese Art werdet ibr meinetwegen nicht in die Verdrießlichkeit gera , thcn , eure Anverwandten und Freunde zu^entbehren , die ihr bey dieser Zeit so hochnothig habet . Der Ronig sah sich , jU fernem qroßen Ntisvergnügen . gezwungen , darein zu willigen , und sagte , mein guter VatecjmO Freund , »ch werde euch allezeit für meinen Varer halten . Icb we , s , was »ch euch von langer Seit schuldig bin , lind ick werde mich dessen Zeit meines Lebens er - innern , und eurer D'enste , die ihr für mich ins besondere , und für das Ronigreich gethan habet . <£s geschieht wider meinen rvillen , daß ihr euch von m , r entfernen müsset : allein da ich meine Sachen auf einen solchen punct gebracht sehe , daß ich rc>n andern Gesetze annehmen muß ; so bitte ich euch diesen 5u< fall zu ertragen , zu dem ich mchr als gezwungen bin , bis diese U ? olke vorüber »st , und bis ich fthe , ob diejenigen , die mich rem wegen verlassen wollen , etwas rhun werden , welches mir dasjenige ersetzet , was sie mir rauben . Ich habe diese Sache überdacht , unterdessen geht in Friedenach Beaucaire ; ich gebe euch das Seneschalamr dieses Ortes : Ihr sollet das Amt eine» • Ptwce

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