Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5580

Chastelain .
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„ behalt feincö HRftmittels , deswegen wider denjenigen unverschämter „ weise schändliche Gerüchte und Thoren auszusprengen , von dem er kein „ ander Wort geredet l ) atte , als einen derben Verweis und eine Verflu - „ chung seines Kirchenraubes . „ Ebendas . VICap . 137 , 138 Seite Der Scl ) Uhschriftmacher zieht aus allen Kräften wider diesen Misbrauch des SacramentZ der Buße los ; erhält ihn für eine Gottlosigkeit und einen Kirchenraub , und will nicht , daß man sich mit vorhergehenden Beyspie - len entschuldigen könne . „ Es ist zwar zuvor , saget er , dergleichen von „ zweenen andern von ebenderselben Rotte gethan worden , davon der eine „ ein offenbarer Feind und Ketzer , der andere ein Verräther und Heuchler „ gewesen . Der erst ? davon ist Sautour , ein Champagner gewesen , in „ der Person deSDoetorS und Predigers Mauclere , den er auf dem We - „ ge von Troyes ergriffen , wo er die Fasten geprediget , und da er im >589 » . Jahre nach Paris zurückgegangen . Bey welchem er diesen Streich „ gebrauchet : nachdem er ihm alles Todesschrecken eingejaget , und von „ ihm erfordert worden war , daß er einen Beichtvater haben möchte . „ Der andere ist Marin , ein Gafconier , der Vetter des Herrn von Be - „ lin gewesen , eines von den reformirten Predigern der Berrathcrey „ zu Paris , welcher , zu diesem Ende , in derScadt zurückgelassen worden , „ an der Person eines Wundarztes , eines Hausgenossen des Herrn le „ Bailleur , im 1594 Jahre , kurz vor der Vmathmi ) , wegen eines nahmen Ringes , in dem Hause einer allzu bekannten elenden Frauen - „ person , welche er , wie andere , von seinen nächsten Verwandten , da - „ mal« misbrauchte ; und wegen seines gefaßten Verdachtes , daß ihn der „ Wundarzt , der sie im Verhafte verbunden hatte , genommen hätte . „ Bey welchem er , nachdem er ihn , bey dieser Gelegenheit die Hände ge - „ bunden , und ihn , nach vielen andern Gewalttaten , des Nachts , mit „ verbundenen Augen zu dem Flusse gefnhret , um ihn hineinzuwerfen , „ endlich , da der arme Geplagte zu beichten verlanget , eben wie der an - , . dere verfahren , und sich für einen Beichtvater ausgegeben hat . Und „ den Morgen darauf ist der Ring der Dame durch einen andern von „ ihren Liebhabern wieder gebracht worden , der ihm zum Spaß wegge - „ nommm hatte . Ebendas . III Th . III Cap . » - 8 , 12 ? S . - - - Al - „ lein , wenn jenes eines Spitzbuben , Straßenräubers und Ketzers wür - »big ist , ( wie dieses eine Erfindung des Hurenhauseö und eines Ketzers „ ist , die Frauen zu misbrauchen und der Kirche zu spotten , ) wie schicket „ sich solches für eine GerichlSperson , sür einen Verweser des Schloß - „ Hauptmanns , der mit einem Ordenskleide und den , Rosenkranze einen „ Jesuiten vorstellet ? Wenn sich die Ketzerey mir den Waffen , die Toll - „ fühnheir und Wuth des MarS , mit dem Hurenhause der Venus ver - „ einiger : so läßt man diesem Kirchenraube völlige Freyheit ; allein war - „ um läßt sich die Bescheidenheit und Weisheit derer , die man Götter „ nennet , und die Katholiken heißen , zu gleichem Verbrechen und zu ei« „ ner großen Ruchlosigkeit verleiten ? Wo ist die Gleichheit zwischen dem „ Kriege , der keine Gesetze höret , und der StaatSernsthastigkeit derer , „ die von Gesehen reden ? zwischen der Barbarey und Frechheit der „ Waffen und derMajestat der Gerechtigkeit ? Man setze eine geweihte „ Person voraus u . s . w . „ Ebendas , III Cap . >zc> Seite . Er wider - leger auch diejenigen , welche sagen wollen : dast man den Fußtapfen Ver Vornehmsten von diesem parlememe gefolger , welche bey Ven großen Gericiirstagen ; u Poitier» Sie Priester ernennet , Sie deichte koren sollen , mit dem Verkoche , zu andern 5» gehen , und von denselben gefordert , daß sie , Key Strafe des Lebens , Sie abgelegten deichten offenbaren sollten ; welches sie seit dem
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Erzählung ist von dieser sehr unterschieden , was das Papier betrifft , wor - auf der Mörder seine allgemeine Beichte geschrieben gehabt . ThuanuS , im in B . p . m . 652 saget : daß diejenigen , welche zu Johann C Hostels Vater geschickt worden , bey Durchsuchung aller Winkel de« Nauses da» Papier gefunden hätten . worauf dieser Unglückselige seine allgemeine Beichte geschrieben gehabt : er hat sich zu dieser Schrift bekannt . Er hat sich darinnen der Sodomiterey schuldig erkannt , und daß er mit sei , ner Schwester harte Blutschande begehen wollen . Ich habe es auf das Zeugniß des Apolsgiste» nicht glauben wollen , daß man sich bemü - her hat , dasGeheimmß durch einen verstellten Beichtvater zu entdecken : allein ich weis nicht , ob man wohl thun wird , wenn man es gänzlich leugnen wollte ; denn wenn es die Richter bey ordentlichen und ganz ge - ringen Untersuchungen für erlaubet halten , tausend Lügen anzuwenden , die Angeklagten oder Zeugen zum Bekenntnisse der Wahrheit zu bringen ; warum sollten wir denn glauben , daß sich die Richter , da von dem Le - ben Heinrichs des IV gehandelt wurde , von welchem damals daSgemei - ne Wohl abhieng , ein Gewissen sollten gemacht haben , den Weg des Beichtstuhls zu gebrauchen ? Sie wußten , daß die Schwäche des Gei - ste« , welche einen Menschen der Gefahr unterwirft , sich zu dergleichen Meuchelmorde überreden zu lassen , ihn zu einer außerordentlichen Stär - ke der Herzhaftigkeit fähig machet . Diejenigen , welche ihm , durch den Bewegungsgrund des Wohls der Kirche , den Vorsatz eingeblasm , einen Prinzen zu ermorden , hatten ihm auch durch die Hoffnung von dem Ruhme des Märtyrcrthums den standhaften Entschluß eingepräget , alle Martern auszustehen , und ihn überredet , daß er das ganze Verdienst feiner That verliehren würde , wenn er feine Mitschuldigen entdeckte ; seine Srandhaftigkeir aber , wenn er die Starke hätte , zu schweigen , ihm ransend nnd tausend Segen auf der Welt , und einen hohen Grad der Herrlichkeit im Paradiese zuwege bringen wurde . Sie mußren also glauben , daß Johann Chastel alle Marter uberstehen wurde , und daß also das einzige Mittel , zu entdecken , woher dergleichen gefährliche und klägliche Rarhschläge kämen , welche das Leben des Koniges so vielen schändlichen Gewaltthaten aussehen , der Gebrauch eine« falschen Deicht - vaters wäre . Wenn das Papier , welches man in feines Barer« Hause gefunden , dasjenige enthalten hätte , was man gesucht , so wurde man dieses ohne Zweifel für einen von denen unwiedersprechlichen Beweisen angenommen haben , aus welche man mit Recht ein Todesurtheil grün - den kann . Die Richter der Frau vonBringuillierS haben auf diese Art verfahren , ohne daß sie auf die Gründe ihres Sachwalters gesehen hät - ten . Man merke aber , daß sie auch noch andere Beweise gehabt , als dieje« nigen , die aus der Schrift genommen gewesen , in welcher sie ihre Sün - den zur Beichte aufgese - tzet hatte . Man sehe das Factum des Ni» velle , für dies» Dame , welches im >676 Jahre zu Paris gedruckt worden .
( F ) Man muß erstaunen , daß die Berichte von diesem ab , scheulichen Meuchelmorde so verschieden gewesen sind . ] Man hat in der vorhergehenden Anmerkung eine Erzählung gesehen , die ich aus einem lateinischen Berichte genommen habe , welcher im , 595 Jahre zu Straßburg gedruckt worden , und von welchem Jacob Grecser , einen Auszug zu Ende seiner , >596 zu Ingolstadt in 8 , gedruckten , lateinischen Uebersetzung der Antwort desFranciscu« des Montagnes . ( dies ? ist eine Maske , unter welcher sich der Jesuit Richeome versteckt hat . Siehe des Alegambe , , 08 S . ) auf die gerichtliche Rede Anton Arnaulds gege -
m . . . , I ■ ben hat . Dieser Auszug ist , in Ansehung des erdichteten Beichtvaters !
fortgesetzt Kaden , und noch Keunges Tages auf eben dieselbe von der Erzählung des Apologisten für den Johann Ebastel merklich im Art . 5» Parisssortjus'cnen scheinen , dieDeichrvater 5»ernennen : verschieden , und kömmt » '
Veten sie sich noch unter dem Vorwande bedienen , daß es zu ei - ;
ncm guten Ende geschähe ; damit sie in der Gerechtigkeit nicht fehlten . Rein Schuldiger entwischte und kein Unschuldiger litte , und also kommen sie gemachlich zu einer GewohnKeit , indem sie behaupten , daß es wobl gcchan ist : ( ! ) lacherliche Schein ,
Heiligkeit und verdammliche Bosheit ! ebendas . >z> Seite . Er hauptet , daß die Priester niemals die Beichte offenbaren sollen , die Person mag seyn , wer sie will , und der Defehl mag kommen , von wem er will ; und daß sie gehalten sind , eher [ den Tod auszuste» hen , welcher ihnen ein wahres Märtyrerthum seyn wurde . Er lobet de« , weg - n den Jacobiner , Anton Antonin Temermanns , gebürtig von Dunkirchen , welcher im 158 - Jahre zu Annverpen erdrosselt worden , weil er die Beichte des Jaureguy , Mörders des Prinzen von Oranien , nicht hat entdecken wollen .
Der Bericht , davon ich in der folgenden Anmerkung reden werde , er , zahlet die Sache nicht auf die Art , wieivir sie hier oben gesehen haben . Er giebt vor : daß . nach Johann ChastclS Gefangennehmung , einige von den Vornehmsten des Hofes sich aller ersinnlichm Mittel bedienet , ihn zu bewegen , seine Verführer zu entdecken ; daß sie ihn zur Erde gewor - fen und ihm den Dolch auf die Brust gsseket , mit der Bedrohung , ihm so gleich das Herz zu durchstoßen , wenn er nicht die Wahrheit offenbaren würde ; daß er geanworret : es habe ihn niemand zu dieser That tet , und daß er einen Priester verlanger , dem er beichten könnte ; daß man ihm diese Gnade bewilliget , aber einen Laye» genommen , der sich demselben , als ein Priester verkleidet , genähert , um seine Deichte zu hören ; daß Chastel diesen falsche» Priester die Unruhe des Gemüthes vorgestellt , welche ihn hinderte , sich seiner Sünden zu erinnern , und ihn gebethen , es zu vermitteln , daß er ein Papier bekäme , worauf er seine allgemeine Beichte et - licl>e Tage zuvor aufgefetzt gehabt ; daß man das Papier in dem Hause sei - yes VarerS gefunden , aber nicht die geringste Spur auf demselben entdecket , welche dasEinblasen einiger Personen bemerket hatte . Nachfolgende
mit demjenigen ganz und gar nicht überein , was man in dem ThuanuS von der allgemeinen Beichte dieses Meuchelmör - der« liest , die auf einem Papiere gefunden worden . Hier ist »och ein an derer Unterschied . Derjenige , welcher diesen Auszug herausgegeben , hat nichts vergessen , was den Jesuiten die Last abnehmen kann ; allein er unterdrücket alles , was ihnen zur Last gereichen kann . Er dringt alle Minuten darauf , daß Chastel niemand genenner , der ihm den Enr - schluß in den Kopf gesetzet , Heinrichen den IV umzubringen ; allein er saget nicht ein Wort von demjenigen , was ich in der Anmerkung ( A ) angeführet habe , und welches man für zureichend gehalten , die Jesuiten verdächtig zu machen . Die Aufrichtigkeit erlauber dergleichen Unterdrü - ckungen nicht . Es ist hierbey ein allzu ärgerlicher Kunstgriff Richeo - me hat die Untersuchung der Antworten nicht vermeiden können , welche Johann Chastel den Richtern gegeben hat : ( Siehe seine Plainte Apo - logetiqne , mim . 41 . p . rn . ls ? u . f . ) dieß ist ein übler Kandel für ihn gewesen , ob er qleich im übrigen die vorteilhaften Umstände für seinen Orden , die sich bey diesem Processe befunden , auf eine sehr geschickte Art in ihren Werth gefetzt hat . Siehe dasselbe Buch , Num . Z8 . u f . und feine Antwort unter dem Namen Rene de la F011 , an Plaidoie du Siciir Marion , chap . XIV . Wir müssen nicht vergessen . daß er sich vergeblich wider die Fragstücke sehet , ( Rickeome , Reponfe Apologet , a l'Anticoton , MIM . Z8 . p . 149 . ) die ich in der Anmerkung ( A ) , aus dem Cayet gezogen habe , und welche vom Thuanus und hundert andern Schriftstellern angeführet werden . Man merke auch , daß dieses falsch ist in einem Buche , wo man einen Seribenten widerleget , der sich fol - gender Worte bedienet hat : „ Hier sind die eigenen Worte der Besra - „ gung Ehastels , davon eure Majestät das Original sehen können , welch ? « „ auch mehr als dreyßig Herren Präsidenten und Räche , als wahrhaftig , „ bezeugen können , denen tausendmal mehr zu glauben ist , alS allem dem , „ jenigen , was die Parteyen in ihrer eigenen Sache davon sagen „ können Aus Befragen : wo er diese neue Gortcsgelahrtheie „ gelernet , hat er gesaget , daß solches , vermittelst Oer Philoso , „ phie , geschehen u . s . w . , »
( George ) lateinisch Caftellanus , ein wohl , und verfertigte etliche Tractate ( ^ ) , n ' hatte Vv ) . Er ist im 1475 Jahre gestorben .
^idischer Edelmann " , verstund die framofifrfw» c « .
welche nicht das Schicksal gehabt , daß ihnen Olivier de la fiS ? E - w» m d - m Haust dn°Herz»ge von Burgmd
> paues LadenliZ . Valerius Andreas I^ouclium omidebat . Valerius Andrea , Bibliothecae Belgicae
Bibliothecae Belgicae , p . - 6z .
me , P . . . 8 , in fran^s . «cken vg .
( A )
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gedruckt worden . Valerius II Sand .
ö ) Obiit eo ipfo tempore , quo Carolus Audar t Croix du Maine , Bibliothequc Fran< ; oife , p . 118 .
Tcmoel Oes Unterganges einiger unglücklichen Ldelleure , so wohl in Frankreich , als von andern fremden Völkern , als eine Nachahmung desBoca» , ju Paris , durch Galiot du Pre , im >5>7 Jahre gedruckt . Die Unterweisung eines iungen Primen , welche acht Capitel enthalt , und mit den andern Werken ge - 2E druckt
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