Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5555

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Ebastel .
und willens gewesen war , die Gurgel zu treffenc , war nur achtzehn oder neunzehn Jahre alt . So bald der Stoß geschehen war , ließ er das Messer fallen und mischte sich unter das Gedränge . - - - Iederman war erschrocken , und dadurch verhin - dert , ihm Schaden zu thun , und es fehlte sehr wenig , so wäre dieser junge unglückliche Wolf entkommen . - - - Einer dar - unter warf die ? 4ugcn auf ihn und ergriff ihn auf ein gerathe n ? c>hl d . „ An seinem verstörten Gesichte erkannte man , daß , er den Stoß^gerhan hatte Der Ronig befahl dein Hauptmann« . ' von den Trabanten , der ihn ergriffen hatte , ihn ~ " " e . Da er aber erfuhr , daß eo ein Schüler der Jesuiten rvar ,
Dieser Königsmörder wurde in das Gesang - md er erklärte die Ursachen , die ihn zu dieser Unternehmung bewogen hatten ( A ) . Er wurde den Tag darauf in das Parlementsgefängniß gebracht , und wiederholte jenige , was er bey dem ersten Verhöre ausgesaget hatteb . Er wurde durch einen Parlementsspruch den 29 des Ehristmo -
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unter welchem der
. . . . . . , . _ v . erunten anführen , zu
was für einer Strafe sie verdammt worden ( C ) , und wir wollen eine kleine Zergliederung von einem Werke geben , welches ei - nige Zeit darauf gedruckt worden , und den Titel gehabt : Schuysthrifc für dm Johann Chastcl ( D ) . Der Urheber dieses Buches erzählet , daß man einen Layen als einen Priester verkleidet , und dem Johann Chastel als Beichtvater zugeführet , um dadurch das ganze Geheimniß der Sache zu erfahren ; daß aber der verstellte Beichtvater seine Person nicht zu spielen gewußt ( E ) . Man muß erstaunen , daß die Berichte von diesem abscheulichen Meuchelmorde so verschieden gewesen sind ( F ) . " Und dieses ist nicht der ärgerlichste Umstand bey dieser Begegnung . Du Pleix hat Unrecht gehabt , zu sagen , daß Johann Chastel den Richtern geantwortet : es habe ihn der Teufel zu diesem Meuchelmorde angetrieben ' .
Gabrielle von Estre t ) Meierai Abrege Chronol . Amsterdamer Ausgabe bcv Wolfgang 1676 , l'om . VI . pag . 127 . t ) Cayet Chrono ! . Novenaire aufs Jahr 1594 , folio 432 verfo . d ) Pasquier , Catechisnie des Je'fuites , Livr . III . chap . VIII . p . m . 37 ? . # ) Me - zerai , Abrege Chronol . Tom . VI , pag . 127 . f ) Cayet Chronol . Novenaire aiifsJahr 1594 , folio 432 verfo . g ) Ebeudas . h ) Ebend . folio 433 verfo . » ) Siehe die lehce Anmerkung des Artikels Guignard . t ) Thuann» , I^ibr . CXII . pag . m . 653 . i ) Du Pleix Hirt , d'Henri IV , pag . m . 163 .
( A ) Er Hat einen meuckelmorderischen Anschlag auf das L . e - den - Heinrichs ves IV , gemacht - - - und die Ursachen er - klarer , die ihn zu dieser Unternehmung bewogen harren . 3 Ich weis mich keines Zeugnisses zu bedienen , welches weniger verdächtig re , als des Geschichtschreibers seines , dessen Worte ich anfuhren will . „ Dieser Königsmörder , saget Cayet , Chronol . Novenaire , aufs 1594 „ Jahr , folio 432 verfo , welcher in das Gefänglich des Fort l'Eveque „ geführet worden - - * hat bekannt : daß er schon lange Zeit bey , , sich selbst bedacht , diesen Stoß zu thun , und denselben noch thun wollte , „ wenn er könnte ; weil er geglaubt , daß es der Religion nützlich wäre . „ Daß er vor acht Tagen feine Unternehmung wieder zu überlege» angefan» „ gen , und ungefähr gegen eilf Uhr des Morgens den Schluß gefaßr . däsjeni - „ ge zu thun , was er gethan hätte ; nachdem er das Messer von dem Schenk - „ tische in dem Haufe feines Vaters genommen , welches er in seine Stu - „ dierstube getragen , und darauf mit feinem Vater und mir andern Per - „ fönen zu Mittage gespeist hätte . Auf Befragen nach seinem Stande , „ und wo er studiert hätte , hat er gefaget , daß solches hauptsachlich bey den Jesuiten geschehen , wo er drey Jahre gewesen , und zulekt unter „ dem P . Joh . Gueret , dem Jesuiten : daß er besagten P . Guerer Freytags „ oder Sonnabends vor dem Streiche besucht , zu welchem er vom Peter „ Chastel , seinem Vater , wegen eines Gewissensferupels , geführet worden , „ der darinnen bestanden , daß er wegen seiner großen , von ihm begang - „ nen Sünden an der Barmherzigkeit Gottes gezweifelt : daß er den „ Willen gehabt , viele abscheuliche Sünden wider die Natur zu begehen , „ die er sehr oft gebeichtet hätte : daß er zur Verbüssung dieser Sunden „ geglaubt , er müsse eine berühmte That begehen : daß er oftmals den , LLillen gehabt , den König zu ermorden , und von diesem Gnfalle und „ Willen , den er gehabt , solches zu thun , mir seinem Vater geredet ; wor - „ auf ihm sein besagter Vater geantwortet , daß diese ? Uebel gerhan wäre . , , Dieß ist die Antwort gewesen , als er von dem Scbloßkauptmanne be - ftagt worden , und hier ist das>enige , was er den Bedienten des Parle - ments geantwortet hat . „ Auf Befragen , was er durch die berühmte „ Thac gemkynt , die er zur Verbüßung seiner großen Verbrechen aus - „ üben wollen , womit er sein Gewisien beladen gefühlt , har er gesaget , - - daß , er in der Meynung , von Gott vergessen , und gewiß , als . . der Widerchrist , verdammt zu seyn . aus zweven Uebeln das schlimmste er - „ wählen wollen , und , da er einmal verdammt wäre , lieber gewollt , daß sol - „ ches vt quatuor als vt OÄO geschehen sollte . Auf die Frage , ob er , da er „ in die Verzweiflung gerarben , gedacht habe , entweder verdammt zu seyn , „ oder durch diese boshafte That seine Seele zu erretten , har er gesaget : „ er hätte geglaubt , daß diese von ihm begangene That zur Linderung sei - , ner Martern dienen würde : weil er gewiß gewesen , daß er härrer ge - „ straft werden würde ; wenn er stürbe , ohne daß er den König zu tödten „ getrachtet hätte , und daß seine 6 träfe geringer seyn würde , wenn er „ sich bestrebte , demselben das Leben zu nehmen : daß er solcherqestalt da - „ für gehalten , es wäre die geringere Straft eine Art der Erlösung , in „ Vergleichung einer härter , , Strafe . Auf Befragen , wo er diese neue „ Gottesgelahrtheit gelernet hätte , ist seine Antwort gewesen , daß dieses „ vermittelst der' Philosophie geschehen . Auf die Frage , ob er die sophie in dem Collegio der Jesuiten studiert , antwortet er , ja : und zwar Gunter dem P Gueret bey welchem er zwey und ein halbes Jahr gewe - „ sen . Auf die Frage , ob er nicht in der Meditationskammer gewesen , „ wohin die Jesuiten die allergrößten Sünder führten , welche daselbst „ die Abbildungen vieler Teufel in verschiedenen entseuchen Gestalten „ erblickten . unter dem Scheine , sie zu einem bessern Leben zu bringen , „ die Gemüther schüchtern zu machen , und sie durch dergleichen nungen zur Begebung einer oder der andern großen THar anzutreiben ? „ hat er gesaget , daß er öfters in dieser Kammer der Meditationen gewe - „ sen . Die Frage , durch wen er überredet worden , den König zu tödten , „ hat er beantwortet , er habe an vielen Orten gehört : man müsse es für „ einen wahrhaftigen Grundsah halten , daß es löblich wäre , den König „ umzubringen , und daß diejenigen , die solches gesaget , ihn einen Tyran - „ nen genennet hätten . Auf Befragen , ob die Jesuiten nicht gemeiniglich „ Vorschläge thäten , den König zu ermorden ? hat er gesaget : er habe von „ ihnen sagen hören , daß es löblich wäre , den König zu tödten ; daß er „ außer der Kirche wäre , daß man ihm weder gehorchen noch für einen Kö - „ mg halten müsse , bis er von dem Pabste bestätiget worden . Auf neues „ Beftagen in der großen Kammer , wo die Herren Präsidenten und Räthe „ derselben , und der Tournelle veriammler gewesen , bat er eben dieselben . . Antworten gechan . und hauprlachlich diesen Grundsah angeführet und „ behauptet : daß es löblich» wäre , die Ronige , auch so gar den „ regierenden Rönig zu ermorden , welcher nicht in der Rir -
„ cke wäre , weil er , sagte er , nicht von dem Pabste bestall« , , get wäre . . , *
* Daß dieser Mörder hier nicht zuviel gesaget habe , erhellet aus etlichen Casuisten dieser strengen Sittenlehrer . ' So schreibt Tolet . in Summa Libr . V . cap . VI . num . 17 . pag . 738 . Eft autem vnus cafus , in quo licet priuatt cuilibtt , occidere eum ( Regem ) piu ta fi tyrannus eft in ciuitate aliqua quem aliter non pofliint eines expellere . D . i . „ Es giebt aber einen Fall , wo NB . ein „ jeder Privatmann , seinen'Fürsten ermorden kann ; nämlich „ wenn ein Tyrann im gemeinen Wesen ist , den die Bürger nicht „ anders los werden können . „ Ebeii das will Marian« , in sei - nem Werke , De Rege et Regis inftitutione : Qiii votis public« fauens , schreibt er , eum ( Principem " ) perimere tentauerit , haud quaquam inique eum feeifle exiftimaDO . D . i . „ Wer nach dem „ Wunsche des Volkes einen Fürsten umzubringen gesucht , den will „ ich nicht ftir einen Uebelthäter erklären . „ Bey dieser schönen Lehre , nun spricht Lcßius den Fürsren noch einen Muth ein , und saget : sie hätten nichts zu besorgen , wenn sie gleich von dem ganzen Volke für Tyrannen gehalten würden , dafern nur das Volk gelehr - ter »ud ansehnlicher Männer Rath folget , wie Mariana verlanget ; diese aber , Jesuiten waren . Principibus nihil periculi immi - net , quando totins Populi fenfu pro tyrannis habentur ; fi po - pultis fequatur doäorum et grauiuin viroriun , quod Mariana exigit , confiliuni , Iiqut fint lefuitae . Endlich behaupten sie auch , der Pabst könne eine ganze königliche Familie ausrotte« , und durch die Macht der Waffen einen andern katholischen Herrn in ein Land sehen , wenn die rechtmäßigen Regenten Ketzer würden . So schreibt Vafquez in Difput . fuper funim . S . Thoniae T . II . Difp . 169 . c . IV . pag . 123 . n . 42 , 43 . Quodfi omnes de ftirpe regia haeretici fint , tunc deuoluitur ad regnum noua regis eleöio : nam iufteaPon . tifice omnes illi fucceflöres regno priuari pofliint , quia bonum fidei conferuandae , quod maioris momenti eft , ita poftulat . Quodfi etiam regnum infechmi efllt , Pontifex vt fuprenuis hi - dex in caufla fidei , affignare poflet catholiciun regem , pro bono totius regni , et ipfum vi armorum , fi opus effet , introduccre : nam bonuin fidei et religionis hoc expofeit , vt fupretnum eede - fiae caput tali regno de rege prouideat , et iura regni transgre - diatur . Siehe Parallele de la doörine desPayens , avec celledes Jefititcs etc . Edit . Amft . 1736 . in 8 . chap . XI . pag . 220 . feq .
( B ) 594 ; um Tode verurrbeiler Z Die umständliche Beschreibung der Strafen zu erkennen , wozu man ihn verdammet har . muß man sol - gendes lesen ! Das parlemenr - - - - har besagten Johann Chastel verdammt , unv verdammt ihn vor der grofien Cbüre der Rirche zu pari« , im bloßen - Hemde mit einer brennenden XVacbskerze , von , we^ Pfunden , in der - Hand , Rirchenbufie 5» thun , und daselbst auf den Rnien zu sagen und ^«bekennen : da^ cr bo . - ikaftiger und verratherischer rveise besagten unmenscbli - ciien und abscheulicken Ronigsmord unternommen , und denRö - nig mit einem tNesier ins Gesicht verwunder habe : und dast er aus falschen und verdammliclxn Lehren Hey besagtem Procesie gesaget , es sey erlaubt , Ronige zu ermorden , und da^ der int gierende Rom'g , - Heinrich der IV , niclit in der Rircbe wäre , bis er die Seftarigung des pabstcs erhalten hatte : welclies ihn reue , und weswegen er ( Sott , den König und die Gerechtigkeit um Verzeihung darbe . IVenn dieses geschehen , soll er auf einem Sciiinderkarren auf den Plan Greve geführet : daselbss an den Armen undSelienkeln mit giftenden Zangen aeklippen ; seine rech» re - Hand , in welcher cr das Mester halten soll , womit er besag - ren Ronigsmord zu begehen sich bestrebt , abgehauen ; hierauf sein Rorpcr mir vier Pferden zerrisstN , seine Glieder und sein Rorper ins Feuer geworfen und zu Ascl ? e verbrannt . und die Asclie in den tbind zerstreuet werden . Ea hat alle und jede sei - ner Güter dem Ronige verfallen , erkläret , und erkläret sie dafür . Vor der Vollstreckung soll besagter Johann Chastcl auf die or - dentliche und aufierordemlielie Folter geleger werden , um die ttOfthtbeit von feinen M - tschuldigcn und einigen aus besagtem Procc ste entspringenden Fällen , zu erfahren . Ebendas . 43 , Blatt .
Wir müssen bemerken , daß dieser Parlementsspruch von Paris zu Nem in das Derzeichniß der verbothenen Werke gesehet werden . Der Verfasser des Antieotonhat diesen Umstand nicht vergessen ; allein hier ist
die

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