Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5533

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Charron .
Qtiamuis fanfla eins tot adhuc Ecelefia verbis Perfonet eloquii , Verique in triplice libro Fortiter haereticae frangat mendacia fedtae .
Siehe lc Jiigement et Cenfure de ! a Doärine Curieufe , im 1623 Jahre zu Pari« «druckt , auf der >69 S . Die Prosa diese« Schriftstellers ist für den Peter Charron nocl , ruhmlicher . Man lese das XI Cap . seiner Beur - theilnng der voürine curieuK . - : wo man die Widerlegung des Garasse , wegen der vorgegebenen Beweise der Gvttesverleugnung des Canonicu« zu Condom findet . Man lese auch die Gegenantwoi t des Garasie , lich seine Apologie conrre l' Auteur de la Cenfure de laDoärine Cu - rieiife , chap . XXI und XXII . pag . - 59 . u . f . sie wird so gut , als etwas anders dazu dienen , seine Verwegenheit zu beweiset , ; denn alles , was «r von dein Charron anführet , ist entweder richtig , oder übel angezogen oder
kann einen guten Verstand leiden .
Allein , möchte man lagen , hat denn dieser Mann nicht gesaget , daß sich alle Menschen mit Unrecht rühmten , eine Religion zu haben , die von Gott käme ? Hier sind seine Worte . Die Religionen wüsten durch eine außerordentliche und himmlische Offenbarung ubec bracht , unö durch eine gottliche und vom Himmel gekommene Eingebung angenommen worden seyn . Also sagen auch alle , Sie dieselben halten und glauben , und alle brauchen dieses Ge , schwane , daß sie nicht von Menschen und einiger Crcamr , son - Sern von Gott scy . Allein die Wahrheit zusagen , nicht zu cheln und nicht« zu verhohlen , so ist nichts daran . Sie sind , man säge rvas man will , von menschlichen - Händen und Mit , kein entbanden . LKarrcm de la Sagefle Livr . II . cliap . V . p . m . zz6 . Ich antworte , daß er in der andern Ausgabe die wahrhaftige Religion davon ausgenommen hat . Dieß if J allezeit von den falschen gionen wahr , fährt er fort , welche nichts als bloße menschliche oder teuflische Erfindungen sind : die wahre , wie sie eine andere Triebfeder hat , so ist sie auch von einer andern Hand gekommen und angenommen worden , und muß allenfalls unterschieden wer« den Die Annehmung . die erste und allgemeine Aundmackung und Linsenung derselben ist , Domino cooperante , fermonem con - tirmante feqnentibus fignis , göttlich und ^wunderbar . Harte er nicht ein wmig zuvor qesagct , daß die Ungläubigen und Ruchlosen dämm so sind : weil sie ihre eigne Vernunft allzusehr zuRathe ziehen und hören , und die Religionssächcn nach ihrem Verstau - de und nach ihrer Fähigkeit untersuche» und beurtheilen , und sie durch ihre eignen und natürlichen Werkzeuge handeln wollen . txian muß einfältig , gehorsam und sanftmütbig feyn , um geschickt ut seyn . die Religion anzunehmen ; man muß glaubm , und sich au« iLhrfurci't und Gehorsam unter den Gesetzen halten , sein Ur - cheil der öffentlichen Gewalt unterwerfen , und sich von ben führen lassen : Captiuantes intelleöum ad obfequium tidei . Ebendaselbst 585 S . Diese Worte können ihm zum Schild ? wider alle Pfeile seiner Feinde dienen ; denn wen» man ihm vorwirft , daß er An - merkungen mache , welche die Religion angreifen , und »reiche bezeugen , daß er mehr von der Starke seiner Anmerkungen , als von den Wahrheiten überführet ist , die er angreift , so kann er antworten : Ich wurde den »enige seyn , wie ihr saget , wenn ich mich nachdem kleinen & tch» le meiner Vernunft richtete ; allein ich vertraue mich einem sol - chen Wegweiser nicht , sondern ich unterwerfe mich der Gewalt Gottes , ich nehme meine Vernunft unter dem Gehorsame des Glaubens gefangen .
( M ) Ich bewundere , daß Moreri die parte / Charrons ge , nommen tut . ] Er hat sie mir großer Hitze genommen , so gar , daß er saget , es habe sich Dupleix nach feiner Gewohnheit auf eine nünftige Act erhitzet . ( Dieses Wort ist mit Recht in dem holländischen Moreri ausgelassen worden . ) Dieser Ausdruck scheint mir zu stark iu seyn ' Du Ple>r , wenn er von den Begardö redet , saget in SorelS französischer Bibliothek , welcher die ftanzösische Historie des Du Pleix unter Carln dem schönen anführet , das sie geglaubt : . . man konnte nicht «fehlen , wenn man der Natur folgte , und daß er in seiner Jiu , . aend den perer Charron . Domherrn zu Condom , vertraut ge , „ kannt , welcher von dergleichen Icrthümern eingenommen ge - „ wesen' und sie in seinen'RanzelreOen geprediget habe , und daß „ er noch verschiedene andere gefährliche Meymingen gehcgcr , „ davon er einige in die Thorheiten seiner fteyaeisterischenWeis , „ heit eingeflicket hätte . „ Dieß ist eine große Seschimpfung , die dieser Schriftsteller dein Charron erwiesen hat . Vielleicht ha , den sie einigen Streit unter einander gehabt , der ihn mit solcher Feindseligkeit gegen ihn reden lassen Diese Worte sind vom Sorel . ( hieraus hat Moreri fast den ganzenArtikel CKarrons gezogen . ) Er erhitzet sich «»ich allzusehr , indem er nicht begriffen , daß Du Pleix mehr einen Gegensatz und ein Wortsviel im Sinne gehabt , al« beißende S ckimps - werte wider ihn zu sagen . Man merke , daß Nkoreri dasjenige sehr iibel er'äblet , was CharronS Begierde , ein Cartheuser zu werden , betrifft . Er erkläret nicht , warum ein sieben und vierzig jährige« Alter hierbey Hin - deruna gemacht , und er giebt vor , baß sich Charron erstlich , nach seinem vergeblichen Mönchsgelübde , dem geistlichen Stande gewidmet habe . Dieß ist höchst falsch .
01 ) den Pyrrhonianern vortkeilhaftige Figur ist . ] Charron hat in der Aufschrift seines Buche« die Weisheir durch eine ganz nackte schöne Frau> n ? person vorstellen lassen , - - , mit einem gesunden mannlichen und lachendenGesichte - - ' mit über einander geschlagenen Füssen aufeinem Würfel : auf dem Ropfe eine Rrone von Lorbeer - und Velblättern , dieß ist das Zeichen des Sieges und Friedens : einen leeren Raum um sie Herum , welcher die Freiheit bedeutet . Auf ihrer rechten Seite die Worte : Schweis nicht ! welches ihr Wahlspruch ist , und auf der linken Seite die - se andern Worte : Friede und wenig ! welches der Wahlspruch des Verfassers ist . - - - Unter ihr sind vier kleine , haßliche , armselige , ruinlichce und gefesselte Frauensbilder , deren Retten bis zu dein Würfel , unter den Füssen der Weisheit , reichen und an demselben mir den Enden fest gemacht sind , welche sie ver , achtet , verdammet , und mit Füßen tritt ; darunter zwo auf der rechten Seite der Aufschrift des Ruches , nämlich die beiden - schast und Meinung sind . Die Leidenschaft ist mager mit ei ,
nem verstöhrten Gesichte ; die Meinung mir verwirrten flüch - tigen , und besiürzren Augen , von einer Menge Personen , nämlich dem pobel . unterstüner . Die zwo andern stehen auf der andern SeiteSer Aufschrift , nämlich Oer Aberglaube , mitcrstarrtem Ge , sichre , und zusainmen gesclilagenen - Händen , als eine vor Furcht zitternde Sklavinn , und die Wissenschaft , eine gekünstelte , er , langte , pedantische Tugend oder Erfahrung , von Gesetzen und Gewohnheit ? ! : bedienet , mit aufgeblähtem , prahlerischem , Hoch« muchigem Gesichte und erhobenen Augenbraunei» , die in einem Luche liest , worauf geschrieben sieht : Ja , Nein . Aus der Er - klarung des Kupferblattes zu Ende der Vorrede zu seinem Buche von der Weisheit genommen .
( 0 ) Man muß etwas von demjenigen sagen , was Sorel von unserm Schriftsteller beobachtet . Z Er saget unter andern Dingen , es gäbe Leute , welcl>e versichern , daß Charron viel gefährlicher , als Montagneist . der ein iLdelinanngewesen , weil man , Sa erDoctor der Gortesgclahrtheit und Prediger ist . sein Buch , als ein Stück liest , das zur christlichen Unterweisimg dienet , und gleichwohl sehr üble Religionsme / nungen enthält . SorelS französische Biblio - thek ys S . Sorel führet zwo derselben an : wie er aber die Worte des Originals allzusehr abkurzer , so behalte ich mir vor , sie zu Ende dieser An , merkung , in ihrem ganzen Umfange zugeben . Man antwortet hier , auf , verfolget er , daß Charron Profeßic»» gemacht , nach seinen Gedanken mir Offenherzigkeit zu reden , und daß er wegen die , ses Fehlers nicht zu radeln wäre , weil man alle seine Worte übel auslegre , wenn er eine gure Absicht gehabt . Wir wollen im Vor - begehen sagen , daß ein weltlicher Schriftsteller und der in keiliem Amte steht , einer viel größern Freyheit genießen muß , alles zu sagen , was er denket , als ein Doctor der Gvttesgelahrrheit , als ein Prediger , als ein Professor : denn man vermuthet , daß dergleichen Leure alles als einen Unterricht vorgeben , und die Welt ihrer Meyniingen überzeugen wollen . Hierauf setzet man voraus , daß sie ihre Lehren wohl untersuchet haben ; und wenn man an ihr Amt gedenket , so läßt man sich leichtlich von dem Gewichte ihres Ansehens hinreißen . Wenn man aber bedenket , daß eS ein Läye ohne Titel ist , welcher redet ; so wird man nicht wankend ge - macht : man sieht seine besondern Meynungenals weggesetzte Kinder an , und felglich zieht fei« PyrrhonismuS keine Folgerungen nach sich . Es ist also wahr , daß das Gift , welches in den Schriften des Montagne seyn konnte , unvergleichlich weniger gefährlich seyn würde , als dasjenige , das sich in den Büchern CharronS finden könnte . Ich habe anderswo von einer Sache geredet , die Sorel beobachtet hat , daß nämlich ein Arzt , Namens Chanel , wider den Charron behaupter , daß die Thiere keine Vernunft haben . Er setzet darzu , daß jemand ( dieß ist Balzac , wenn wir dem Moreri in dem Artikel perer Charron glauben dörfen , ) ge« Inger ; es fey Charron nur Secretär des Montagne und des Du Vair gewesen . > der Chat hat Charron viel philosophische Sage von Worte zu Worte aus den Versuchen des Montagne genommen , und seine Beschreibung der Leidenschaften gehöret ganz und gar dem Du Vair . Ersetzet darzu , daß viel ehrliche und redliche ^ . euce Charron« partes gehalten haben SorelS franzö - sische Bibliothek 95 , 96 S . Der gelehrte Naude hat in seiner Bibliothek gesager : „ er schätze ihn so hoch , daß er ihn dem Sokrares vorzöge , daß „ Sokrates gegen seine Schüler verwirrt , und nach den Borfällen gere - „ det , da hingegen Charron die Weisheit in die Form einer Kunst ge - „ bracht , welches ein Göttliches Werk wäre , und daß er , wenn er an eini - „ gen Stellen , wie Seneea und Plutarch gereder , dieselben allezeit viel „ weiter gesuhret , als sie hätten gehen wollen . , » Endlich darfman nicht glaube» , daß ein Mann von guten Sitten , wie Charron , dessen Leben ohne Makel gewesen , und welcher in einer exemplarischen Mäßigung g« , lebt hat , die geringste böse Absicht in seinen Schriften gehabt hätte . Dieser Beschluß ist unendlich besser , als die lateinische Uebersetzniig de« Gabriel Nande . Hier sind dessen Worte pag . m . iz . der politischen Bibliographie . Petrus Charondas vel hoc ipfo Socrate fapientior aeftimandus venit , quod lapientiae ipfins praeeepta primus , quod feiam , admirabili prorfus methodo dexfirina , iudicio in artem redn - xerit . Sane eins über , et Ariftotelem nobis exhibet , et Senecam , et Plutarchum , ac diuinius etiain aliquid prae fe fert , quam Antiquiori . bus cimctis et recentioribus fiierit concefiiim . Es ist offenbar , daß Sorel den Gedanken des Naude verdrehet hat .
Wir wollen die zwo Stellen anführen , die ich versprochen habe . „ Man „ muß »nanchmal Dinge rechtfertigen und bekräftigen , die nicht allein „ gut , sondern auch zuweilen böse sind ; gleich als ob man gut zu seon , ein „ wenig böse seyn müßte . Dieftö sieht man nicht allein bey der Polieey „ und Gerechtigkeit , sondern auch bey der Religion , welche deutlich zeiget , „ daß alle menschliche Gewohnheit und Aufführung aus kränklichen Stu - . . eken gebanet und zusammen gesetzet »st . Dieß ist die erste : man fin - det sie im VI Cap . des l B . von der Weisheit auf der 25 S . der be von Bourdeaur >60 , . Der Urheber laßt die letzten Zeilen in der Ausgabe von Paris 1604 an« . Er ist stehen geblieben , »aä ) dem er im XXXVIII Cap . de« I B . paa . m . >z» , gesaget , und dieses zeiget sich überall in der polieey , Gerechtigkeit , Wahrheit und Religion . Allein man merke , daß er nichts von demjenigen ausgelassen hat , wa« er zum Beweist seines Satzes angeführer . Endlich , hatte er gesaget , was beweist die menschliche Schwachheit besser , als die Religion^ Er hat dieses mit der Schrift und deutliel^n Begriffen bewiesen . Diese ganze Stelle ist in der Ausgabe erhalten worden , die er verbessert hat , iiiid die nach seinem Tode untersuchet worden ist . Wir können Hieraue sehen , daß man bey vielen Begegnungen nur wegen der Art de« Ausdrucks ketzerisch scheint . Man nehme gewisse Worte »veg , die . zu dunkel zu seyn scheinen , man brauche andere , die eben dasselbe bedeuten , aber nicht so spröde sind , so wird man an statt de« RiisS eines Ketzers , den Namen eines wahren Gläubigen erhalten : der Druck eures Wer . kes wird nicht untersaget werden . man wird den Verkauf desselben zu - lassen . Im Grunde ist dieser Satz CharronS sehr wahrhaftig , wie er in seinem Buche bewiesen und einwickelt scheint . Hier ist die andere Stelle : „ die Unsterblichkeit der Seele ist die Sache , welche von der . . ganzen Welt am durchgangigsten , heiligste» uiid scheinbarsten angenom - „ mm wird , ( ich verstehe eine äußerliche und öffentliche Bekein>tn>ß , kei» nen innerlichen und ernsthaften wahren Glaiiben , von welchem hernach m de« II B . V Cap . geredet werden wird . ) , , sur das allernü^lichste ge - „ halten , am schwächsten bewiesen , und durch menschliche Veriiunftschlüsse
„ und

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