Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5508

dm , einem von seinen vertrautesten Freunden , Sachwaltern des Parle , ments , Namen« George Michael von Rochemaillet , auf das nachdrück - lichste empfohlen . Dieser Freund hat solchergestalt dafür gesorget , daß sie aus der Presse gekommen ; „ ungeachtet der Schwierigkeiten und . . Verhinderungen , die ihm von boshaften und abergläubischen schen gemacht worden , welche von niedrigem , schwachem und dunkelm „ Verstände , und perquam limiles Noctuis , quarum oculi tantum „ fplendorem ferre non poterant , et ad iftius Solii lumcn caliga - „ bant , gewesen ; welche den Glanz und die schönen Einfällt dieses beson , „ der» , seltsamen , lebhaften , wunderbaren , erleuchteten und göttlichen „ Geistes nicht erdulden und ertragen können . Denn man hat namenl - „ lich den Druck seiner Bücher von der Weisheit verhindern wollen , und „ zu solchem Ende die Gewalt des RectorS der Universität , und einiger „ Doctoren der Sorbonne , imgleichen der königlichen Fiscäle , so wohl bey „ dem Parlemente als Chatelet , darzu angewendet , und noch über dieses „ den Simon Milanges , Buchdrucker zu Bourdeaux , wegen seines be - „ sondern Nutzens , darwider einkommen lassen ; welcher an verschiedenen „ Orten , bevm Chatelet , beymRequetenamte , beym Parlementshose und „ geheimen Rache , deswegen Klagen eingegeben , welche auch dem Könige „ ftlbst zu Ohren gekommen ; so daß man die abgedruckten Bogen , nebst „ dem Entwürfe des Urhebers , zu dreyen verschiedenenmalen weggenom - „ men . Weil aber der treue Freund zwo bis drey Abschriften davon . . hatte , und durch tüchtige Deweise zeigen wollen , daß seine gegen den „ verstorbenen Herrn Charron gehabte Freundschaft , nicht durch seinen „ Tod erloschen , so hat er es so eingerichtet , daß endlich alle Bücher ge , „ druckt worden ; doch ehe er sie verkaufen können , hat er sie an ver - „ schiedenen Orten verrl , eidigen müssen : und endlich haben sie die Herren , . . der Kanzler und derGeneralprocurator des Königes , zweene Doctoren „ von der Sorbonne sehen lassen , welche dasjenige schriftlich aufsetzen „ sollten , was sie wider diese Bücher zu sagen fänden , welche nur von der „ menschlichen Weisheit , moralisch und philosophisch abgehandelt , rede - „ ren . Und alles wurde dem Herrn Präsident Jeanin , Staatsrathe , „ einer der scharssinnigsten und erfahrensten Personen dieser Zeit überge - „ ben , welcher , nachdem er sie gesehen und untersucht , öffentlich und beut - „ lich gesaget : daß diese Bücher nicht für den Pöbel , und das niedrige „ Geschlecht der Welt wären ; angesehen es nur den stärksten und «ha - „ bensten Geistern zukäme , davon zu urtheilen , und daß es wahrhaftige . . Staatsbücher waren . Und hierauf ist dem Buchhändler , der sie dru - „ cken lassen , nach seinem erstatteten Berichte an den geheimen Rath , „ der Verkauf derselben erlaubet , und fteye Hand über alle weggenom - - „ menenen Exemplarim gegeben worden . Nach diesem hat man gezeigt „ und gerechtsertiget . daß seine Bücher seit dem ersten Drucke zu Bour - „ deaux . im , 6c» Jahre , von dem Verfasser verbessert und vermehret „ worden , und daß er durch diese Zusätze und Verbesserungen seine . . Schlüsse erläutert und bekräftiget , und an einigen Orten gemildert Heu „ be , ohne Veränderung des Sinnes und des Wesen« , bloß den Boshaft , , rigen das Maul zu stopfen , und die Einfältigen zu vergnügen , daß er „ sie einige von seinen besten Freunden , scharfsichtigen , und von aller „ Schulfüchserey befreytm Leuten , sehen lassen , welche dadurch sehr er - „ bauet und vergnügt worden , und daß er sich und seine Bücher über - „ Haupt der Beurtheilung , und dem Ausspruche der katholischen , aposto - „ lischen und römischen Kirche unterwürfe . „
Man begreift aus dieser Erzählung sehr wohl , daß die Ausgabe von Paris 1604 , der Ausgabe von Bourdeaux 1601 , nicht in allen Stucken gleich ist . Diese enthält Dinge , welche in der andern entweder unter - druckt , oder verbessert , oder gemildert worden . Dieserwegen wird die Ausgabe von Bourdeaux , von dm Liebhaben , mehr gesucht , und deswe - qen haben die Buchhändler an verschiedenen Orten das Buch wieder drucken lassen , ( siehe den Vorbericht an die Leser , in der pariser Ausgabe von >607 . ) und aus derselben Ursache , hat auch ein Buchhändler zuPiv ris eine Ausgabe verschafft , worinnen er zu Ende des Buches , alle Stel , Im der ersten , welche ausgelassen , oder verbessert worden waren , und alle diejenigen beyaefüget hat . welche der Präsident Ieanin , denvon dem - Herrn Ramler , die Äeurtheilung und Unterstellung dieses Duckes . aufgetragen gewesen , einer Veränderung werth ge , fthayet hane . Ebendas Dieser Ausgabe , welche man , 607 zu Pa - ris gemacht : ist in dem Wiederdrucke dieses Werkes zu Rouen 163» , und an andern Orten gefolget morden . Sie verdienet außer Zweifel den Vorzug vor der erstm ; denn man sieht darinnen das Buch ganz , so wie es der Ver» fasser durch die andre Ausgabe vermehrt und verbessert hatte , und man tlndet auch überdieß dasjenige noch darinnen , was die zu Bourdeaux ab , sonderliches hat . Alle gerichtliche Nachforschungen sind deswegen unnütz , lich gewesen .
( G ) Ts haben sich große Leute in diese Sacke gemischt , «je Ut auch allezeit gewünsckcr , Personen von d»eserSesckaffmhe , t »u seinen Ricktern zu haben . ) Er hatte bey seinem Leben wohl „ empfunden , und voraus gesehen , daß unter andern , sein Buch von der „ Weisheit , bey schwach« und abergläubischen Gemüthern nicht will , kommen seyn , und von einbilderischen , hoffärtigm , und aus ihrer Mey - nung beharrenden , halsstarrigen und hartnäckigten Haberechten verur - theilct werden würde , welche sich einbilden , alles zu wissen , und die ' klügesten und erfahrensten Leute zu seyn ; ob sie gleich meistentheils die " ungeschicktesten und dümmsten , und mit einer bey nahe unheilbarenKrank - " heit befallen find , wider welche man kaum ein Hülssmittel zu finden " weis . Dieserwegen hat er wenig Monate vor seinem Absterben eine " kleine Abhandlung der Weisheit aufgesetzet , welche den Inhalt seines " < ? >uches und eine Schuhschrist und Antwort auf die Klagen und Ein - " würfe enthält , so man wider dasselbe aemacht , welches im 1 * 06 Jahre , " ^sonderlich , nebst einigen christlichen Reden , von David le Clerc , Buch - " Wern aedruckt worden , und welches er dem Herrn von Harlay , er - " » - «^»Mdenren desParlementShos« zu Paris zuschreiben wollen : weil mobl aewußt , daß er zur Vertheidigung und unparteyischer Beur , „ er wohl ge p . solche Männer , als besagter Herr , war , nothig „ rheilung seine . ^ starken , großmüthigen , erhabenen und keinen „ hatte , die mim Y vobelhafte» Geist hätten : welche« auch nach sei -
Chai ron . in das Verzeickniß der aller ,
Gottesverleugner gifcRct . ]
gefährlichsten und c Man bat niemals eine . . . .
man würde ein Buch machen müssen , WMN II Sand .
Charron . 15z
schreiben wollte , die er in seiner Summa der GotteSgelahrtheit , in sei , ner voürine curieule , u . a . m . wider den Charron ausgesprochen hat . Wir wollen uns ansetzt mit dieser Stelle begnügen . Ick habe , saget er , Sornme Theologique , pag . 66 . 67 . die viehische , dumme oder sckwermüthige Gottesverleugnung erklärt , als ein gewisses verwirrtes Namrel , das die Lehren des Diogenes in das Chri , stentbum übergetragen bar : vermöge dieses Namrels treibt ein zu seinen matten und unnüNen Schmermüthigkeiren verwöhn , rer Geist , über alle« mir einer finstern , lackerlicken und schuh fücksisciien Ernsthaftigkeit , seinen Spott . Diejenigen , welche die Weisheit und die drey Wahrheiten gelesen haben , werden dasseni - ge wobl verstehen , was ick m , k diesen Worten sagen will . Denn dieß iff das Narurel dieses natürlich abgemalten Sckrist , stellers - - , Der Teuftl , als der Urheber der Gorrcsver - leugnung und Affe der Werke Gottes , hat zu unsrer Zeit ne weltgesmnre Geister erweckt , dem Sckeine nach ^beißen , in der Thal aber Gottesverleugner , um zur Nacliahmung Salo , mons eine Weisheit zu verfertigen ; einen Mailander « . dich ist Cardan , ) der sie lateinisch ausgeftrzc , und einen Pariser , der sie in seiner Muttersprache gemackt har ; beyde glcick gefährlick und große Leinde Jesu Christi , und der ehrbaren Sitten , wie wir an seinem ( Pete bey Anführung und Untersuckunq ihrer boshaftenSaye sehen werden . Dieß beißt mit einemXVovte , daß diese zwecn Äosewickter sick bemühet haben , zu zeigen es be , stehe die wahre Weisheit in der Verachtung der Religion und der guten Sitten . - , - Termllian hat im XIV Cap . seiner Schuyschristen ein gutes Wort gesagt , welche« mir hier ? um Bürgen dienen kann ; denn wenn er vom Marcus Varro redet , man habe die Weisheit , 9er Romer hock geschätzt , so zeiget er , daß er in seinen Schriften , die zum guten Glücke , und Gott sev Dank ! verlohren gegangen , ein größerer Gottesverleligncr uns Tyniker , alsMenippr^ uudDiogenes gewesen : um so viel mehr , da er die Gonesverleugnung mit einer Arr der Ehrerbierbung , der Eingezogenheit und Wabrscheinliciikeir gesckrieben ; ansiatt , daß die andern , welcke Gottlosigkeiten gesckrieben , dieselben durch die blsße Schreibart verdächtig gemackt . Ick sage eben vieses von den sckwermüthigen und matten Scribenren , die un - rer dem Namen der Weisheit , der Wahrheiten , der karholi , scken Reden , die Empfindung der Gottseligkeit ganz sackte ver , nickrer haben . In seiner Schutzschrift wider den Prior Ogier auf der 66 . 67 S . saget er : Charron ist viel gefährlicher für die Jugend und Weltleute , die nur halb gelehrt sind , als die Bücher des Theophile und Lueilio Vanino ; um so viel mehr , da er mehr Abscheulichkeiten , als sie , aber mit ein wenig Erbarkeit saget , das heißt , um so viel gefährlicher ist er , da er so wohl auf seiner Hut ist , und man seine Weisheit als ein andächtiges Buch liest . Der Abt von S . Cyran Kar Charron« Ehre der vergifteten Lästerung dieses Splitterrichters nicht Preis gegeben : er hat seine Partey genonimen , da er die Fehler der theologischen Summa de« Garasse aufgedeckt hat . Siehe Tom . II . de la Somme des Faufie - tez capitaies , contenues en la Sonitne Theologique du Pere Garafle , 346 u . f . S Ich erinnere mich unter andern Dingen , daß er sich über die Unbilligkeit dieses Beurtheilers beklaget , welcher wegen eines Druck - fehler« Lästerungen , auf eine ganz seltsame Weise , ausgestoßen hat . Die ganze Folge von der Rede Charron« zeiget , er habe sagen wollen , daß Gott nach zeitlicher Arr handle ; allein die Buchdrucker haben statt temporellement , temerairement , gesetzt . Man sehe hier unten , wa« ich von dem Prior Ogier anfuhren werde .
ll ) Dieß betrifft einen gewissen Grad der Rraft , weh cken Peter Charron denjenigen zueiqnct , welcke das göttliche Däfern gar nickt glauben wollen . ^ Seine Lehre bey diesem Puiiete wohl zu beurtheilm , so muß man alle seine Motte sehr genau erwägen , und nicht da« geringste davon weg lassen . Hier ist also auch die ganze Stelle , so viel dazu geHort : »Diese Art der vornehmsten , „ offenbaren , formlichen und allgemeinen Gotte«verleugnung . ( nämlich „ derer , welche die Gottheit schlechterdings leugnen , und durch Schluß - „ reden beweisen wollen , daß gar kein Gott sey , ) kann nur in einer star - „ ken und kühnen Seele wohnm
„ Uli robur et act triplex ,
„ Circa pedtus erat . Horat . Lib . I . Od . 3 . v . 9 . 10 .
„ Gewiß ei scheint wohl , daß es eben so viel , und vielleicht noch mehr „ Stärke und Standhaftigkeit der Seele brauchet , die Furcht vor Gott „ und den Glauben an ihn zu verachten , und mit einem Entschlüsse sah - „ ren zu lassen , als sich beständig und fest an ihn zu halten . Dieß sind „ die sehr seltsamen und schweren etnanber entgegen gesebten Enden ; lein das erste ist noch v . el schwerer . Alles , was die Mittelstraße halt , „ ist von einer mittelmäßigen Stärke und Tugend ; nämlich , daß man „ sich von Gott nicht losmachen kann , jedoch sich nur leichtsinnig und „ wankelmüthig an ihn halt . Hier befinden sich fast alle nach einer un - „ endlichen Anzahl Grade mehr oder weniger - - - M M und „ unverbrüchlick an Gott zu halten , wird eine sehr^oße Stärke und „ Aufmttkfamkeit der Seele , die beständig auf '^ " Hut ist . eine höchst - „ vortreffliche und absonderliche Gewogenkeit und gottliche Gnade , ein „ beständiger Beystand des heiligen

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