Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5497

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Charron .
so viele Personen dem Verstände auflegen wölken , und daß man die Freyheit zu philosophiren billigte , wenn sie sich in gewissen Schranken hielte . Der allerhitzigstc «vtrafpredister , der sich wider dieses Buch der Weisheit aufgeworfen , ist der Jesuit Ga - raffe gewesen . Er hat den Charron in das Verzeichniß der allergefahrlichsten und boshaftesten Gottesverleugner gesehet Er war von den allerniederttachtigsten Vorurtheilen allzu sehr eingenommen f , als daß er die Starke haben sollte , zu erkennen , i einen großen Unterschied unter demjenigen , was ein Mensch , v
daß man einen groß
vermöge der Wirkung des Glaubens , glaubet , und unter nigen machen müsse , was ihm , nach seinen , ' offenherzigen Bekenntnisse die Vernunft , wegen der Lehren der Religion , darbiethet . Eine Sache , die dieser Jesuit am trotzigsten und boshaftigsten verurtheilet hat , ist im Grunde höchst vernünftig ; und wenn man sie mit Aufmerksamkeit liest , so muß man sie dastr erkennen , und sich entweder über die Unwissenheit , oder über die Bosheit des Zankers ärgern . Diese betrifft einen Grad der Stärke , welche Peter Charron denen zueignet , die das Daseyn Gottes ganz ab - schütteln wollen ( I ) . Seine Richter haben nicht auf die Erinnerungen Acht gehabt , die er gegeben hat , und welche so vermö - gend sind , sie von verwegenen Uttheilen abzuhalten ( K ) . Dem sey wie ihm wolle , so sind doch die Sitten dieses Mannes un - straflich gewesen , und es ist sowohl durch seine Schriften , als durch seine Verrichtungen leicht zu beweisen , daß er an den Wahrheiren des Christenthums nicht gezweifelt hat ( L ) . Das Uebel und die große Unordnung ist , daß man von hundert tausend Lesern zu einigen Zeiten kaum drey auslesen kann , welche der Unterscheidung fähig wären , die man machen muß , wenn es auf die Beurtheilung eines Buches ankömmt , wo man die Begriffe eines richtigen und metaphysischen VernunfrschluM , den allergemeinsten Meinungen entgegen setzet . Ich bewundre , daß Moreri Charronö Partey genommen hat ( M ) ; denn er hätte sich in die Critik verwickelt finden können , welche das Kupferblatt vor dem Buche von der Weisheit , der Welt vor Augen leget . Es scheint , daß dieses eine den Pyrrhoniern vortheilhafte Figur sey ( N ) . Es muß etwas von demjenigen gesager wer - den , waöSorel von unserm Schriftsteller beobachtet hat ( Ö ) . Dieß wird eine sehr natürliche Geleaenheir seyn , zwo Stellen anzuführen , welche das größte Geschrey wider unfern Gottesgelehrten erreget haben : eine betrifft die Unsterblichkeit der Seele , die andre bezieht sich schlechterdings auf die Religion . Ich glaube , ich könne sagen , daß die Redlichkeit^ mit welcher dieser ge - lehrte Mann die ganze Stärke der Einwürfe vorgesteller , sehr viel dazu beygetragen bat , an seinem Christenthume zu zwei - fein . Es ist gewiß , daß er die Schwierigkeiten der Freygeister nicht entkräftet hat . jch will ein Beyspiel davon geben , wel - che ? sich aus die Spaltungen der Christen bezieht ( ? ) , und auf den Haß / den sie gegen einander haben . Es ist merkwürdig , daß im 1607 Jahre , gar kein einziger männlicher Nachkomme vom Thlebold Charron h , dem Vater desjenigen , von dem ich in diesem Artikel rede , mehr übrig gewesen , ob er gleich fünf und zwanzig Kinder gehabt , viere von seiner ersten Ehftau , und ein und zwanzig ' von der andern k .
4 ) Ich führe die eignen Worte aus dem Lobe an . welches ich unten zu Ende der Anmerkung ( A ) anführen werde , t ) Er hat Zo - Hann Michael geheißen ; er ist als Generalprior der großen Carthause in dem Delphinare gestorben , c ) Siehe die Anmerkung ( A ) . d~ ) Sie ist zu Paris gehalten worden . « ) Aus dem Lobe des Perer Charrons vor dem Buche von derWeisheit . / ) Garasse mein Freund , quae fupra nos nihil ad nos ; die Bücher des Charron , sind ein wenig zu hoch für niedrige und pöbelhafte Gemüther , wie das eurige ist . Og'cr> Jugenient et Cenftire de Ia Doärine Curienfe , pag . 155 . g ) Lob des Charron zu Anfange , h ) Er ist ein Buchhändler zu Pari« gewesen . » ) Dieß ist die Mutter des Peter Charron gewesen . k ) Lob des Peter Charron zu Anfange .
( A ) Man hatte Ursache , ihn unter den Carcheusern nicht zunehmen . ^ Damit man nicht glaube , als ob sich diese Ursachen auf einen Fehler Peter CHarronS gegründet , oder daß er allzu leichtsinnig von seinem Gelübde abgestanden , so muß ich den Text dieser Anmerkung mit folgenden Worten erklären : Er hoch sich bey Vem prior der CarrHaus an , die in Paris ist , - t * allein er formte , achtet fernes eifrigen Sittens und beständigen Anhalten« , das er »bat , seine Aufnehmunz nicht erhalten , und dieses lediglich n>e< 607 .
( in < * r hat eine sebr genaue Freundschaft mir Sem Michel von Monragne ges Jiftet . ] Charron hat unvergleichlich viel Wesen aus den Versuchen dieses Schriftstellers gemacht , und verschiedene Grund - sähe aus denselben angenommen . Man kann ohne Verwegenheit glauben , daß dieser von den zween Freunden , welcher den andern hatte unterrichten sollen , dessen Schüler geworden ist , und daß der GotreSge - lehrte mehr Dinge von dem Edelmanne gclernet hat , als dieser von dem Schriftgelehrten . Es sind in den Büchern von der Weisheit unzahli - ge Gedanken . welche in den Versuchen des Montagne erschienen waren . Man darf nicht zweifeln , daß diese Gelehrigkeit Charron» nicht ein vieles zu der qanz besondern Zuneigung beygetragen , welche Mon - taane gegen ihn gehabt , und die ihn bewogen , ihm in seinem letzten Willen zu erlauben , nach seinem Absterben das ganze Wapen seines ad - lichen Geschlechts zu führen , weil er keine mannliche Erben hinterlassen hatte Ebenda»' . Charron hat eine gründliche Dankbarkeit durch seil» Testament bezeuget : denn er hat der Fräulein Äeonora von Montagne , ( Ebfrau Oes - Herrn Camein , parlementsrachs 5» Rourdeaux , der Schwester de» weyland - Herrn vonMonragne , Riners von dem Orden des Roniges . und seiner Gevatterinn , fünfhundert Thaler vermacht , und besagtem - Herrn von Ca - mein 5u seinem einigen und al gemement & rben eingesetzt , doch daß er die im Testamente enthaltenen Vermachtnisse befahlen müssen , welche sich beinahe auf die Summe von , 5000 Pfund Tournois belaufen . El>end .
( C ) <£r hat nt Bourdeaur sein Such von den drey Xvahr , heilen im >5Y4 Jahre herausgegeben . ^ Er hat seinen Namen nicht darunter geseher . Dieß sind diese drev Wahrheiten : die I , daß ein Gott und eine wahre Religion ist : die II , daß unter allen Religionen die christliche die wahre ist : die iii , daß von allen christlichen Gemein - schaften dl ? römische katholische die einzige wahre Kirche ist . Ben der ersten bestreitet er die Gottesverleugner ; bev der andern die Heiden , Juden und Mahometaner : und bev der dritten die Keher und Seeti - rer . Es ist eine gute Lehrart in diesem Werke . Er hat in dem legten Theile den Tractat von der Kirche anaeqnffen . den du Pleßis Mornai vor 16 Jahren herausgegeben hatte . Ein reforminer Schriftsteller hat
gar bald zu Rochelle eine Antwort , für diesen Tractat des Mornäu4 herausgegeben . Sie ist zu Genf im >595 Jahre vom Gabriel Lanier , in « wieder gedruckt worden . Das Werk von den drey Wahrheiten , ist von den Katholiken mir Beyfalle aufgenommen worden : man hat e« zu Paris zwen - oder dreymal nach der Ausgabe von Bcurdeaux gedruckt , Und nach diesem in Flandern unter dem Namen des BenedietuS Vail» w " t , Sachwalters des heiligen Glaubens , herausgegeben . Ebendaselbst . Die Ausgabe dieses Werks , machte den Charron bey dem - Herrn Am ton von lLbrard von S . Sulpirius , Sischof uns Grafen zu Caors , bekannt , welcher , ohne besagten Charron geseben zu ha , her» , ans bloßem Gefallen an seinem Suche , ihn zu sich kommen liest , mdem er ihn zu seinem Generalvicarius machte , und ihm das theologische Canonicac seiner Rirche gab , welches er anqe - nommen , und unter wahrendem Aufenthalte daselbst , sein Buch 5» Sourdeaur im 15^5 Iahre , zum andernmale drucken lassen , worunter er seinen Namen gesittet , und es mit einer Seantwor - tting der Antwort vermehrer bat , welche wider seine dritte UVbrkeir gemacht , und zu Rochelle gedruckt worden war . Ebendaselbst . Frauciscus du Jon , oder Juniu« , Professor der Gottes - gelahrtHeir zu Leiden , hat eine Antwort , welche ein großer Quartband ist , auf diese andre Ausgabe der drey Wahrheiten gemacht , und sie im 1 * 99 Jahre französisch herausgegeben . Er hat die ganze Schrift feines Widerlachers eingeschaltet . Man merke , daß sie Charron seit der Ausgabe von , 595 ubersehen und sehr vermehret , und eine zweyte Beantwortuna w'der seine dritte Wahrheit gemacht hat . Ebendaselbst . Alles dieses ist zum Drucke fertig , nach feinem Tode . in seiner Studierstube gesunde» worden . Man hat Hoffnung^gemacht , daß sein Universalerbe diese« Manu , er>pt herausgeben , undeS dem Cardinale von Joieuse zuschreiben wurde .
- v ^ ^ Er ließ im 1600 Jahre zu Bourdeaux seine christlichen Reden drucken . ^ Es derselben an der Zahl sechzehn , die ersten achte haiideln vom Nachtmahle ; die andern betreffen die Erkennlniß und Vorsehung Gottes , die Erlösung der Welt , und die Gemeinschaft der Heiligen . Ebend .
( E ) <6c tbat eine Reise nach Paris , einem Bischöfe T>ank tu sage» , der ibm Sie theologische Domherrnstelle seiner Rirche am geborhen hatte . ] Claudius Dormy , Bischof zu Bononien am re , und 'pr - or voll S . Martin des Champs zu Paris , ist derjenige ae - weftn . bey dem er sich zu bedanken hatte : er hatte sehr höfliche Briese von - hm erhalten , welche bezeugten , daß seine Bücher sehrVach dem ( Defchmadc dieses Pralatm geivesen , und daß es ihm lieb sevn würde
bet } l5' " erCatHedralkirche annehmen wollte Ebendaselbst . Man merke , dag sich derBeysall dieses Bischofs .
tf - r hL , ^ Weishm , alS auf die sechzehn Re -
den bezog . Cr hat dieses Anerblethen nicht ünqenommcn und ui cL
ZT3e ( k^' öaf ; ec Vi - se Stelle ganz willig ! / a ? annehmen wollen ; Saß aber die Luft ,
und die kalte , feuchre , und Sem Meere nahe Himmelsgegend , Nicht allein nach seinem ©emutbe und Naturelle , sehr unfteund« Iich und betrübt , sondern auch ungesund und fiüßig für ihn wäre ; weil er ganz und gar ein Sonnenmann , und die Sonne sein fühlbarer Gort , wie Gott seine unfühlbare Sonne wäre , weswegen er befürchte , daß er es niclit gewöhnen würde zu - Sonomen , weder gesund noch vergnügt zu leben , unv also nicht abgeretset ist . Ebenda» . Er ist nicht der einzige Gelehrte , welchem die kalten und seuchien Himmelsgegenden beschwerlich sind , und denen die Sonne ein fühlbarer Gott ist .
( F ) Der Druck der Köcher von der Weisheit ist , ungeackrer der unendlichen Schwierigkeiten , die man zu übersteigen hatte , vollendet worden . ] Wir wollen uns der Erzählung bedienen , die sich in seinem Lobe befindet . Er hatte dieses Werk , und die christlichen Re -
„ tar

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