Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5469

Charnace .
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sehen Rednem , Dichtern und Gefchichtschreibern , damals aufCarl den V gemacht worden . Allein , wir dörsen ihm nur dasjenige zurücke schieben , was Ludwig dem XIV für ungeheure Lobeserhe - Hungen und unverschämte Lügen vorgesaget worden . Hat man nun einem Konige , der doch lange nicht so groß gewesen , als ser Carl der V , dieses alles auf eine so ausgelassene Art vorsingen und sagen können : warum sollten die damaligen Gelehrten einem Herrn , der wahrhaftig erhabene Eigenschaften gehabt , auch anLän - dem und Völkern der mächtigste Fürst , seit der Römer Zeiten ge - wesen , nicht eben dergleichen haben sagen können . Wem die Lob - sprüche Ludwigs noch nicht bekannt sind , der darf nur die Haran - gucs de l'Academie Frarujoife nachschlagen , wo fast keine einzige , ohne die handgreiflichsten Schmeicheleien , vorkommt . Man lese auch die Poeten dieser Zeiten , sonderlich den Boileau , der , ob er wohl wegen seiner satirischen Poesie sich in den Credit setzen woll - te , daß er nicht einmal dem Könige schmeicheln könnte ; dennoch dieses Handwerk so hoch getrieben , daß er auch , bey Eroberung ei - niger kleinen Vestungen in den Niederlanden , seinem Könige pro - phezeyet : daß er ihn in ein paar Jahren am Hellesponte , oder an der morgenländischen Grenze von Europa erwarten wolle . ESA gut , daß der Poet nicht selbst voran gereist ist ; denn sonst hätte er seinen Helden wohl noch daselbst erwartet , wenn sie gleich beyde so lange gelebet hätten . HerrBayle hat sich selbst über diese und an - dere solche lächerliche Prophezeyungen , die man diesem Könige ge - macht , belustiget , und sie verspottet : man sehe die Gedanken über den Cometen , von >68' , an verschiedenen Stellen nach ; sonderlich auf der 49 und 87ö S . der deutschen Uebersetzung , 1741 , in 8 . G .
Baume , auf einmal etliche Sprößlinge ausgestoßen , die 4 bis 5 Fuß lang und mit Blättern versehen gewesen . Dieß ist im Herbste und an einem verschlossenen und bedeckten Orte geschehen , nahe bey dem Tem - pel , den man seit diesem den Labadisten angewiesen . Das andere Wun - der ist gewesen , daß alle Bäum« in dem Garten der Prinzeßinn , im Herbste geblühet , welche diese kleine Kirche zu beschuhen versprochen halte . Das dritte , daß sich ein Bienenschwarm in eben denselben Gar - ten angeleget , ohne daß man gewußt , wo er hergekommen . Nach den Sätzen der Zeichendeuter sollte dieses alle« eine rühmliche und lange Dauer versprechen ; nichts destoweniger ist diese Secte gar bald gezwun - gen worden , Herford zu verlassen .
( EE i Er hat niemals eine gerechtere Unternehmung angefan , gen , und niemals ist ein Fortgang unglücklicher gewesen , als sie , ser . ] Heinrich der II . welcher mir einigen Prinzen in Deutschland Bündnisse batte , war zum Beschüber der deutschen Freyheit erkläret worden , ( Mezerai , Abrege Chron . Tom . IV . p . 670 . aufs Jahr 155z . ) und er hat sich gerühmet , bloß nach diesem Titel zu handeln . 8leidan . Libr . XXIV . fol . m . 695 . Nichts destoweniger hat er sich der Reichs - stadt Metz bemächtiget , und sie , durch die allergrößten Betriegereyen , um ihre Freyheit gebracht . Man kann die vorgegebene Kriegeslist nicht ohne Abscheu lesen , der man sich bedienet hat , diese kleine Republik un - ters Zoch zu bringen , welche diesen Monarchen als einen Schutzherrn angesehen . Damals hatte man Recht , zu sagen :
Cußodes ?
Scd quis cuftodiet ipfos
Innen . Sat . VI . ver£ Z45 .
( DD ) Xvir wollen ein Xvort von der Zilie sagen , die er in feinet Einsamkeit gepflan ; et bat . ] Er hat sie zu Ende des Augusts , 1558 , qepflanzet , und ist den 21 des folgenden Herbstmonat« gestorben . In der Iiimute seines Todes hat diese - ü . ilien ; rviebel auf einmal einen Stengel , 5wo Ellen hoch , mit einer unvergleichlichen Zölume getrieben , welche so vollständig und wohlriechend gewesen , als dergleichen Blumen in Goanien , 5» ihrer gewähnlichen Jahres - feit ? u feyn pflegen . Ich Bediene mich der Worte des Priors der P . P . des Oratorii zu Pari« , welche er in der Anrede an die Königinn von Spanien , im 1679 Jahre , gebrauchet hat . Seine ganze Rede steht im II Th . de« Mercure Galant , vom Weinmonate , 1679 . S . die Gedanken über den Cometen , zz6 , z ? 7S . § . 99 . Ich übergehe die lächerliche Weißa - gung , die er in diesem Wachsthum gefunden hat ; allein ich muß merken , daß der Graf de la Roca die Sache nicht mit denselben Umstän - den vorgebracht : „ Ein redlicher Schriftsteller schreibt , daß es in ei - „ nein kleinen Garten , vor dem Fenster diese« Kaisers , eine Lilie geae - „ ben , welche zu Anfange de« Frühlings zweene Stengel getrieben , dessen „ eine Knospe aufgebrochen , eine Blume gebracht , die von einem angeneh - „ mm Gerüche gewesen u . endlich verwelker ist . Der andere , ob er schon von „ gleichem Alter , und noch nicht so hoch geschoben war , ist in seiner Knospe ge - „ blieben , worüber sich viele verwundert , weil es ihm weder an Wasser , noch „ an <3otme gefehlet : und in derselben Nacht , da die Seele des Kaisers das „ Gefängniß ihres Leibe« verlassen , ist diese schöne Blume verwelkt , mit „ Ehrerbiethung und Bewunderung abgeschnitten und auf den hohen „ Altar gesetzt worden . „ LcComteäe laRoca , Hift . de Charles Quint , " p . ni . 349 . z ; o . Das ganze Wunderbare des Redners von den P . P . des Oratorii zu Paris , verschwindet bey nahe völlig , wenn man die Erzählung des spanischen GeschichrschreiberS aufmerksam unterfu - chet . Ich kenne diesen redlichen Schriftsteller nicht . den er anfäh - ren wollen : allein ich bilde mir ein . daß entweder er , oder der Graf de la Roca , vom Famian Strada abgeschrieben worden : Man wird e« leicht glauben , wenn man die Worte diese« Grafen gegen folgende« La - kein hält : Nee illud admiratione caruit . In Caroli , quem dicebam , hortulo , binos eodem tempore ftylos emiferat candens liliuni . Alter Maio nienfe , vti afl'olet , calice dehifeente floniit : alter quamuis eadem cultura prouocatus , tumorem tarnen ac partus figna Vere to - to atque aeftate fuftinuit : eademque demum no<äe , qua Caroli ani - miis integumento fefe corporis euoluit , ille explicato repente folli - culo , intempeftiua nempe atque infperata germinatione promifit florem . _ Id vero et obferuatum ab omnibus , et lilio fuper Ära tem - pli maxima ad fpeftandum propofito , faufti candidique orninis loco aeeeptum eft . Famian . Strada , de Bello Belgico , Decad . I . Libr . I . p . m . 16 . Ich erinnere mich hier einer Beobachtung . die ich an einem Orte bey der Jungfer Schurmanninn gelesen habe . Sie ( Anna Maria von Schurman , " im II Ca ? , des II Th . Euclerias , ) erzählet : daß zur Zeit , da Lignon , einer von den Schülern Labadies , an der Einführung zu die - ser Seele , zu Herford , gearbeitet , drey Wunderwerke geschehen waren . Das erste ist gewesen , daß ein , seit 4 Jahren , dürrer Stock von einem
Also gaben alle Arten der Ursachen Carln dem V Recht , eine Stadt mit dem Körper de« Reichs wieder zu vereinigen , die auf eine solche Art davon abgerissen worden war . Er hat alle seine Kräfte darzu an - gewandt , aber schimpflich abziehen müssen ; uud endlich hat bey dem Friedensschlüsse zu Munster das Reich sich von diesem Stücke lossagen und eö Frankreich überlassen müssen . Es sind damals tausend Stücke in gebundener und ungebundener Rede herumgegangen , welche dein sen so rühmlich , als dem Kaiser schimpflich gewesen , und die Spötter i ) . : ben dabey Gelegenheit genommen , das plus vltra , seinen Wahlspruch in plus citra zu verwandeln . * S . die Historie des Herzogs von Alba . III B . XXIV Cap . - 84 S . Dieser Kaiser war bey seinen ganz ungerechten' Unternehmungen ganz unvergleichlich glücklich gewesen .
* Hier zeiget sich die Parteylichkeit der Franzosen auch an dem Herrn Bäyle , der doch oben den Deutschen und Niederländern ihre Verbitterung gegen Frankreich übel nahm . Denn was Carl dem V schimpflich ist , das erzählet er weitläuftig , was aber demFranciscus noch tausendmal schimpflicher ist , nämlich , daß er bey Pavia von dem Kayser gefangen worden , auf sehr harte Bedingungen los lassen worden ; aber auf gut französisch nichts von dem allen has . ten wollen , was er versprochen halte ; das verschweigt er mit allem Fleiße . Ich will es also hier mit Cluver« Worten , ( Epitom . Hift . p . 704 . Ed . Luga . 1641 . ) erzählen : At cum in Papiae obfidione fe - curius , quam decebat , ageret . . . fanguinolento praelio , fuo equique vulnere retardatus capitur , ingenti totius i ; alliae detrimento . - - Caefar minuendae inuidiae ergo dimittit Francifcum , fed diiris conditionibus . Iuribus enim regni nea - politani ac mediolanenfis ducatus renunciabat : reddebat Bur . gundiam . filios obfides dabat . Sed , über faftus negat promif . iionibus fe teneri , quas Caefar vltima Carcerii neceffitate er - preffiflet . Hier kann man einen unparteyischen Geschichtschreiber aus allen Sylbm erkennen , ob e« gleich ein Deutscher ist . G .
< ? F ) Die Pracht , mit welcher ihn die Fugger in ibvem i§aufe 5» Augspurg empfangen haben , muß mchr vergeben tvetrOenJ Wir werden in der Anmerkung ( A ) , dcö Artikels Fugger , von ihrem Reichthume reden . Hier ist ein schöner Beweis davon : „ Felibieit , ( Journal des Savans , vom 8 Jenner , >5»s , p . in . u . in dem Auszuge von dem vierten Theile der Entretiens für les Vies et les Ouvrage« des Peintres , ) „ erzählet einige artige Sache von den Fuggern , denen „ berühmten Handelsleuten in Deutschland . welche Carln dem V ihre „ Erkenntlichkeit zu bezeugen , der ihnen bey seiner Zurückkunst von Tu - . . ni« , da er durch Augspurg gegangen , die Ehre erwiesen , bey ihnen ab - „ zutreten , unter andern prächtigen Bewirthungen , ein Bündel Himmet „ welche« eine sehr theure Waare gewesen , in den Camin legen , und das5 „ selbe mit einer Handschrift anzünden lassen , welche sie von diesem „ Kaiser auf eine sehr große Summe in Händen hatten . « Siehe de» Artikel - Hadrian , der Kaiser .
Charnace , - ( der Baron von ) hat verschiedenen Gesandtschaften , unter der Regierung Ludwigs des XIII , glücklich vorgestanden ( A ) . Er ist nicht weniger ein tapferer Soldate , als ein geschickter Unterhändler gewesen , und hat in Holland zu . gleich die Würde eines Abgesandten , und die Bedienung eines Obersten gehabt . Er ist unter Verwaltung der letztem , bey der Belagerung von Breda , in , 167z Jahre geblieben ( B ) . Es ist nicht wahr , daß der Verlust seiner EHstau bey ihn : die klägliche Wirkung hervorgebracht , davon in dem ^lercure Galant geredet wird ( C ) .
« ) Sein Taufname war Herkule« .
( A ) Er hat verschiedenen Gesandtschaften , unter der rung Ludwigs des XIII , glücklich vorgestanden - Z „ Er ist von dem Cardinale Richelieu erwählet worden : welches gleich anfing - " lieft eine sehr vorkheilhafte Meynung von dem Gesandten geben muß . " Allein derjenige , von dem ich rede , hat diese« Vorurtheil« nicht nothig " aebabt Seine Unterhandlungen mit Gustav Adolphen , Könige in Nckweden welche den Vertrag von Berwalde den - z Jenner , ''bervoraebracht , und so große Wirkungen in Deutschland gehabt haben , " Ki ubeivuflende Beweise davon , wenn man gleich keine andere 'h e ErstcSqewescn , der die sel ) wedischen Waffen in« Reich ge - «nk den erstm Grund zu dem Bundnisse geleget hat , welche
" t " , Sr°nen so rühmlich gewesen , und eS noch itzo für Schwe - Unterhandlungen mit den , selben Könige und dem
„ hingen geflogen ; allein mit wenigem Fortgange , wegen der Übeln „ Gemüchsart St . Stephan« , ( Wicquewrt , auf der 780 Seite , „ de« I Bandes , des Traerates , der Abgesandte , saget hier ; „ Charnaee und St . Stephan , welche sich , von Seiten Frankreich« , „ im 1632 Jahre an dem bayeri , chen vose befunden , haben sich >n „ solchen Ausschweifungen verleiten lassen , daß sie sich mir einan - . . der im Zweykampfe schlagen wollen , so , daß ihre Zwistiakeit sie bey „ dem Chursürsten unnatzlich gemacht . ) eines Anverwandten de« P . „ Josephs , welcher , au« Eifersucht , einen geschickter» Mann , als sich ,
„ in dem Haag unterzeichnet hat , worauf er für geschickt gehalten „ den , denjenigen vom z Jenner de« folgenden Jahres zu schließen , wel - „ chem er , als einer von den Bevollmächtigten de« Könige« , beygewv>> . „ net . Vermöge des Vergleich« von >6z« , hatte der König verspreche , ^
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