Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5447

Charles .
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Monfeigneur lc Prince d'Orange , herausgegeben worden . Man liest folgende Worte darinnen : Rann es wohl unter den Sterblichen eine elendere Crearur geben , als einen so undankbaren und türlichen Sohn gegen einen solchen Varer , Als der j & aifec ( Carl der V , gewesen , einen Raisir von so großem Namen und so großer Gewalt , der bcy feinem Aeben emcm bösen Sohne so große Schöne gegeben , und sich nur zweymal hundert raufend Ducarcn Einkünfte von Spanien vorbehalten , und dennoch so lange , als cr seine Königreiche abgetreten gehabt , nichts davon bekommen hat ? Einem Sohne , sage ich , der einen solchen ter seine übrigen Lebenslage bey den Mönchen zubringen , und ihn von seinen zurückbehaltenen Ringen und Gerathe crhaUm lassen , die er jtt suner Unterhaltung zu verkaufen und zu verse - «en gezwungen gewesen i Welch ein undankbarer Sohn , der erduldet haben sollte , daß die Relzerrichter in Zweifel gezogen haben : ob man die Gebeine seines Vaters ausgraben sollte , als ei - nesReners Gebeine verbrannt zu werden , weil cr bcy seinem Tode , auf die'Vorstellung des lLrzbischofs von Toledo , bekannt hatte , daß er fid ) allein auf das Verdienst Jcfn Christi verließe , und sonsk auf nichts seine - Hoffnung setzte . XPelch ein unnatürlicher Sohn , der alle Güter dieses ehrlichen Trzbischofs an sich gezo , gen , weil er dem Raiser , bis an seinen Tod , beigestanden , ihm Sen rveg zu seiner Seligkeit gezeigt hat , und ihn so lange gefangen gehalten hat , bis er gezwungen gewesen , ihn nach Rom gehen zulassen : allwo dieser ehrlicheErzbischof , nachdem er seine Sa - che gewonnen , von den gedienten dieses Rsniges mir Gift ver - geben worden , aus Furcht , daß er die zweymal hundert tausend Ducaren wieder erhalten möchte , welche das LLrzbischofthum von Toledo an Einkünften jahrlich tragt . Wenn man dieses in der Schutzschrift des Prinzen von Oranien fände , so mochte man Grund haben , e« vorzugeben , und in eine Historie einzurücken ; denn der Na - me eines so großen Prinzen , und das Ansehen , damit er sein öffentliches Manifest bekleidet hat . sind tüchtige Bürgen ( « ) . Allein eine unendliche Menge kleiner Schriften betreffend , die in dieser Zeit , ohne Namen des Verfassers und des Buchdruckers , herumgegangen find ; so verdienen sie eben so wenig angeführet zu werden , als diejenigen , die seit dreyßig oder vierzig Jahren beym Peter Marteau gedruckt sind , Europa überschwem - met haben .
( a ) Die folgenden Worte , und welche ein wenig weiter unten in der - selben Anmerkung stehen , sind , meinem Bedünken nach , diesen zuwider : „ Man kann auch behaupten , daß alles dasjenige , was in der Schutz - „ sehnst des Prinzen von Oranien vorgegeben wird , nicht wahr ist . Gro - „ tius versichert , daß derjenige , der sie ausgesetzet hat , und derjenige , der „ die Achrserkläruug dieses Prinzen aufgesetzt , in ihren Ausschweifungen „ das Wahre mit dem Falschen vermischt haben . , . Ich füge dazu : daß man des Grotius Zeugniß für verdächtig halten muß . Critifthe Anmerkung .
Beobachtung wegen der bey Peter Mainau gedruckten Bücher .
In dergleichen Gattungen von Schriften muß man keine Wahrhei - ten sncben , sie mögen zur Zeil des Herzogs von Alba undin dem Ueberreste des XVI Jahrhunderts , in der Welt herumgeflogen seyn . oder das Ta - geslicht erstlich zu unfern Zeiten erblicket haben ; und überhaupt erlaubet die Klugheit nicht , sich dabei ) aufzuhalten , so lange man nicht weis , wo sie hergekommen sind , daß solchergestalt ein ernsthafter Schriftsteller dasjenige am allerwenigsten annehmen kann , was er darinnen findet . Gemeiniglich sind dergleichen Bücher , der Kehricht der ZeituugSträ - ger vom Platze Maubert . Die Zuschneider derselben , welche sicher vor sind , daß sie keine Rechenschaft dafür geben dörfen , breiten alles das« jeuige verwegen aus , was sie sagen hören . Hier sehen wir eine sichtba - re Unwahrheit vom Erzbischofe von Toledo . Er hat seine Sache nicht ge - Wonnen , er ist gezwungen gewesen , sie abzuschwören , und fünf Jahre ab - gesekt worden ; und er ist dainals 73 Jahre gewesen : lsiehe den VarillaS in der Vorrede des V Bandes der Historie von der Ketzerey ) könnte man sich wohl einbilden , daß er über fünfJahre , nach einer so langen Gesan - genschaft , hätte leben sollen ? und allenfalls würde man so lange gewar - tet haben , ihn aus dieSeite zu schaffen , bis die fünf Jahre bald verflossen gewesen wären .
Man kann auch behaupten , ( ß ) daß nicht alles wahr ist , was in der Schnfjschi'ift des Prinzen von Oranien gesaget wirb . Grotiu« chert , daß derjenige , der sie verfertiget hat , uud der Verfasser der AchtS - erklärung dieses Prinzen , das Wahre und Falsche in ihren Ausschwel - fingen vermischet haben . Grotius Annal . Belg . Libr . III . zu Ende , p . m . 99 . 100 . Aduerfus noni moris ediftum Araulioneniis apud Ordines Belgicos et Chriftianos principes libello fe defendit , adiu - uante Petro Villerio , ( wir wollen in der Anmerkung ( E ) . des Artikels A . anguet , sagen : daß man mich geglaubet , es sey die Schutzschrift dieses Prinzen von Oranien , vom Languet verfertiget worden , ) komme Gallo , qiii fuba£him rebus forenfibus ingenium , adreligionern docendam , et hinc ad intimae Araufionenfis confilia tranftulerat . Exllat fcriptum vtrtimqiie pari acerbitate , qua poft crimina ad caufam pertinentia , hinc animurti ingratum et perduellem , inde faeuam ac perfidam do - minationem , veris falsis^ve narrationibvs T E R MIX T1 s » porro ad alia , rixantium more prolabcbantur .
( g ) Diese Worte : Man kann auch - - , - Grotiu» fers«' dwit , 1 '' ' öas ^ ? ahre und Falsche vermischt haben , sind
meinem Dednnkeii . denen oben angeführten : XVenn man dieses in der Schunschrift fände u . f . w . entgegen . Ich setze dazu , daß des Grotius Zeugniß verdächtig seyn miiß . Crirische Anmerk .
cVi iLr ist viel nüchterner als keusch gewesen . ] „ Man er - - daß er allezeit nur dreymal bey seiner Mittags - und " ^n^ / afel aetrunken , und sich im Essen und Trinken sehr mäßig ge - " Ä L 9 sXn er bey einem schönen Frauenzimmer geschlafen , „ «L - in Liebbaber davon , und für seine Gicht ein wenig all - . . denn er war em uevyao r . Liebe dreymal zu
»zu v'el , ) s° hat er es memms vv ^ ^^
ÜSS & föSff & SB * . « * - w * « * *
Ii Sand .
fung an . Uebrigens ist dieß das Mittel gewesen , sich diesem Vorwur - fe nicht auszusetzen :
Inachia langues minus ac me .
Inachiain fer nocie potes : mihi iemper ad vnum
Mollis opus . Horat . Libr . Epod . Od . XII . v . 14 .
Damit endlich meine Leser etwas haben mögen , woran sie sich im Unter - suchen üben können , ob dem Brantome mehr zu glauben ist , als andern ; so will ich sagen : daß Wilhelm ZenocaruS nicht allein die Mäßigkeit Carls des V , im Essen und Trinken , sondern auch dessen Keuschheit ge - lobet hat . Dieser Kasser , saget er in Vita Caroli V . Libr . III . beym Castrums . de Virtutibi» Princ . Germ . p . i24 . hat öfters seine Fenster selbst zugemacht , wenn er schone Frauenspersonen kemmen gesehen , oder wenn er gewußt , daß schönes Frauenzimmer vvrbeygehen wurde . Der Verfasser , der dieses ebendas . im V B . erzählet , saget : daß sich dieser Prinz also bezeiget , so lange , als die Kaiserinn gelebet . Andere haben bemerket , daß er die ehliche Treue beobachtet habe : La ( coniuge ) vi - uente feruafie Carolum perquam fandte coniugalem fidem fama eft . Strada , Dec . I . Libr . X . p . m . 612 . und daß cr seine Liebeshandel , so gut , als möglich , verhöhlt habe ; Thuan . Libr . XXI . p . 431 ; Si non cafte , faltem caute .
Gemeiniglich giebt man ihm nurzwey natürliche Kinder , Margare - then , Herzoginn von Parma , und den Dom Juan von Oesterreich : allein Jmhvff erzählet , daß Bernhard Justiniam in seiner Historie von Spanien , ihm noch zwey andere giebt , nämlich den Priamus Conrad von Oesterreich , uud nock einen Juan von Oesterreich . welcher im > ? jo Jahre , im siebenten Jahre seines Alters gestorben ist . Iacob . Wilhelm . Imhofius , Notitia Germaniae Procerum , p . » . tübingische Ausgabe , von 169z . Ich glaube , daß dieser PriamuS Conrad von einem gewissen Pyramu« Conrad nicht unterschieden ist , von dem ich oben in der Anmerkung ( C ) , bey dem Artikel Autriche , ( Johann von . geredet habe , welcher von der mütterlichen Seite für des Johann von Oesterreich Bruder gehal - ten worden . Man merke , daß ein Gerüchte herumgegangen ist : es ha - be Carl der V . die Fr < » - gehabt . Imperator , Vt nonnulli confir . mant , ex morbo Gallico laborat . Accedit ad niorbum huius belli ( Turcici ) impendentis metus . Hanc ego in malis voluptatein capio , quod eum , qui in nos tarn crudelis fiiit , non folum corpore aegrota - rc , verum etiam animo angi videre mihi videor . Bunellus Epift . XXVIII . p . in . 1U . Ausgabe von Toulouse , >6 , 7 . Dieses findet man in einem Briefe Bund« , von Venedig , im Brachmonate , >5 ? ? . geschrieben ; und hier ist die Note , welche Graverol über diese Stelle gemacht hat . An illud ( ex morbo Gallico ) xenit w6Sx , an in fenfu myftico intelli - gendum fit , disquirunt multi : fane quae fequuntur , Imperatorem ex morbo venereo laborafle confirmant : vtatur quisque hac in re iudicio fuo . Hoc vnum fcio , non omnes , qui grauioris funt fuper - cilii , rigidae virtutis efle fequaces : amauit Francifcus I , amauit et Carolus V , et ne quid tarn ftrenuo riuali in ludo amatorio expro - braret , morbo etiam Gallico laborauit . Felix ! et nimiimfelix , Ii grauiori non laborallct , fed norimt Hifpani , quid fit el rtmedto dt Carl»s quinto .
( X ) Man hat vorgegeben , daß sein Rorper vor der Faulunz verwahrt geblieben - ^ Einige spanische Schriftsteller behaupten , daß er sich ganz erhalten habe ; und wie er nicht einbalsamirt worden , so schreiben sie diese Ausnahme von der Verwesung , der Heiligkeit der Sit - ten und der unvergleichlichen Redlichkeit zu . welche sich , sagen sie , in der Aufführung dieses Prinzen gezeigt hat . Cum nullis balfamis aut me - dicamentis pollinaum fuerit regale cadauer , quae a corruptione praefernare potuifl'ent , ipfo Imperatore fic ante obituin iubente ; quid aliud dicere pofliimus , nifi eximium illitis animi candorem et virtutis fplendorem , cuius ingens femper dedit fpeeimen , pofte - ris Deum oftendere voluifle ? cuiui adhuc multo antea ccrtiHima in . dicia praeftolatus fuerat : nam cum anno 14 ab illius obitu , in coe - nobio S . Iufti corpus exhumaretur , non folum integrum et incor - mptiim inuentum eft , fed thymi qtioque ramufeuli , quibus mona . chorummore refperfuin fuerat , virides et Optimum odorem adhuc fpirantes apparuerunt . Gafpar a Reies , in Elyfio iueundar . Qiiaeft . Campo , Qiiaeft . XXXIV . mim . 26 . p . m . 41z . Anno 1656 , cum po - tentilfimi Regis noftri p h i l i p ? 1 iuflu antecefl'oruin fuorum Regia cadaucra , ad infigne illud Pantheonis monumentum traducerentur , inuiftiffimi Iinperatoris Caroli V cadauer adhuc incorruptum re - pertmn eft , labe nulla , nulla temporis edacitate , aut putredinis ca - rie infeöum : fpedlaculum fane mirificum , et plane admirandum , poft annos 96 incorruptum permanlille , vt tradit P . F . Francifcu» de los fanclos in Defcriptiom F * tric * e D . Laurentii tt Punthtonis . Ebendas .
( Y ) Sein Heben ist im 1559 Jahre italienisch von Alpbonso Ulloa herausgegeben worden , und seitdem haben s'icb viclc an , derc Federn an dieser schonen Materie geübt . } Ludwig Dolee hat die Historie dieses Kaisers gemacht . Wilhelm ZenocaruS von Sdiauenburg hat sie auch gemacht . Lateinisch ist sie 1 , 96 zu Antwerpen in Folio gedruckt . La Vida del Emperador Carlos V , por Don Antonio Figiieroa , ist 1656 zu Brüssel in 4 . gedruckt worden . La Vida y Hechos deI Emperador Carlos V , por Prudencio de Sandoval , ist zu Pampelona im 1614 Jahre in zwecn Foliobänden ans Licht getreten . Sie waren bereits , ei - nes nach dem andern , zu Valladolid gedruckt gewesen , das erste 1604 , und das andere 1606 . Ich übergehe die andern ; und wenn man alle diejenigen zählen wollte , welche an einigen £1 , Kilon dieser Historie beitet haben , so würde ich nimmermehr fertig werden . S . den Michael Herzius , in Biblioth . Germanica , Ml 1679 Jahre zu Erfurt gedruckt . Nun , 8» . u . f . Ich will nur von Wilhelm Godeleväus reden , welcher die Historie der Abdankung gemacht hat . Allein wir müssen den Ja , cob Maseniu« , einen demichen Jesuiten , nicht vergessen , von welchem im 1672 Jahre Annna Hiltoriac huius temporis in iuncSto Caroli V et Fernandi I fratnim Imperio repraefentata , zu Cöln in 4 . gegeben worden . Dieses Werk harte verdienet , dem Jesuiren nicht un - bekannt zu seyn , der den Alegambe fortsetzet hat .
( L ) Liner hat gesaget - , , darnach gestrebet , pabst
werden . } Brantome , den ich schon etlichemal angeführet habe , ist der einzige Schriftsteller , bey welchem ich diesen besondern Umstand gelesen Wenn er , saget Capit . Etrang . Tom . I . p . 36 . seinen Anschlag bat , te ausführen können , sich zum Pabste machen zu lasfen . wie er
T -
gewollt ,

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