Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5434

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als zu offenbar , baß die Protestanten nach dieser Flucht Carl« des V , vor Moritzen , fast alles erlangt haben , was sie gewollt . Man sehe Maim - burgs Lutherthum II Th . »58 S . aufs 15 ; - Jahr . Ich verweise dahin , weil dieses Buch hundertmal gemeiner ist , als Sleidan , Thuanu« und Chytraus , die vom Maimbourg angeführet werden .
( 8 ) Und Saß er fast , als eirtÄutbecanec gestorben ist . ) Bran - tome soll der erste seyn , den ich anfuhren will . „ Dieses Buch ( näm - lich die Vertheidigungsschrift des Prinzen von Oranien . Ich habe die - ses in meiner Ausgabe nicht gefunden , welches die von 158' ist , sowenig , als was oben in der Anmerkung ( 0 ) angeführet worden . Siehe die Anmerkung ( T ) ) saget wohl , daß mehr als einmal von dem KcKerge - „ richte in Spanien in Gegenwart und mit Bewilligung des Königes , „ seines Sohnes , beschlossen worden , seinen Leichnam ausgraben , und als „ einen Ketzer verbrennen zu lassen , ( welch eine Grausamkeit ! ) weil er bey „ seinem Leben etliche leichtsinnige Reden von Glaubenssachen gefuhrer , „ weswegen er des Begräbnisses in heiliger Erde unwürdig und des „ Scheiterhaufens ( ehr würdig wäre , und weit er auch den Memnmgen „ und Einbildungen des Erzbischofs von Toledo angehangen , welcher für „ einen Ketzer , und bey dem Ketzergerichte lauge Zeit als ein Gefangener »gehalten , auch seines Bifchofthunis unfähig und verlustig erkläret wor - „ den , welches mehr al« hundert bis hundert und zwanzig tausend Duca - „ ten Einkünfte trägt : dieß ist wohl die wahrhaftige Ursache gnvesen , „ ihn für einen Ketzer auszugeben , um sein Vermögen und seine Beute „ zu haben . , , Krantome , Lapit . Etrang . Tom . I . pag . 39 . Der andere »Schriftsteller , den ich anzuführen habe , giebt noch eine viel gere Beschreibung von diesem allem . Unter den Gerückten , saget der Abt von S . Real in seiner Historie des Dom Carlos , wo er den Thuanus , Aubiqne . u . a . m anführet , vie t>oit der Absagung des Raifers in der MDclt berum gegangen sind , istdieallerseltsamste gewesen , daß der bestänvige Umgang , den er mir den Protestanten in ZVeutscklano gehabt , ihm einige Neigung 5» ihren Meinungen eingeflößt , und daß er sick deswegen in der Sinsamkeir aufhal - ten wollen , um sein Jleben in andächtigen Uedungen , Sie seiner geheimen Gemürbsverfassimg gemäß waren , zu beschließen . Seine rvahl ist wegen feiner Seelsörge auf lauter £eute len , die der Renerey verdacktig gewesen , alsdenDoctorCacalla , seinen Prediger , den Erzbifckof von Toledo , und vornehmlick den Constantin Pontius , Sifckofen zu Drosse und feinen Gewifi sensrath . Man hat nack diesem erfahren , daß die Zelle , worin - nen er zu S . Jvst gestorben , auf allen Seiten mir geschriebenen Zetteln von seiner eignen - Hand über die Rechtfertigung und Gnade angefüllet gewesen , die nickt allzuweit von Vermehre der Neulinge abgegangen sind . ( Man wende hier eine Sache an , sie mag wahr oder falsch seyn , welche man im Melanchthon über das XXV Cap . des Matthäus auf der 558 S . in meiner Ausgabe liest : Carolus V iuflit amoueri monachos a coniuge moritura , et iuflit praeceptorem filii fui proponere confolationes de Chrifto . ) Allein es hat diese Meinung nickrs mehr bestätiget , als fein leyrer rville . Es find darinnen fast gar keine gottselige Vermächtnisse , nock einige Stiftungen zu Geberhern , fondern auf fo versciiiedene Art von der eifrigen Rarboliken ihren gemacht gewesen , daß das Renergerickt in Spanien Reckt zuhaben geglaubt , stck darüber auftnhalcen . Gleickwokl har sick dasselbe nickr untersianden , vor der Ankunft des Röniqes loszrrbrecken ; allein da dieser prin , feine Landung in diesem Hanöe Surck Sie Todesskrafe al , ler Anhänger dieser neuen Mevnung berühmt gemackt : fo tff das Retzergerickte durch fein Seyfpiel viel kühner geworden , und har ersilick den Erzbifckofvon Toledo , hernack den Predi - ger des Raifers , und endlich den Constantin Pontius angegrif , fen . Nackdem sie der Ronig alle drey gefangen ncbmen'lasien , so bar das Volk seine Geduld als ein LNeisterstück seinesEiftra für Sic wahrhaftige Religion angesehen : allein das ganze übri , ae Europa hat den Seicktvarer Raiser Rarls . in dessen Armen DicfTc Prinz gestorben war , und der diefe große Seele gleickfam in seinen Sckoosi aufgenommen hatte , von den eignen - Händen des Röniges , feines Sohnes , der allcrgranfamsten und fchand , licksten Todesskrafe mit Absckeuüberliefern sehen . In derT^c Haidas ReN' - rgerickre beym Verfolg des procssies , da es sick einmal einfallen lassen , diese drez ? Personen zu beschuldigen , daß sie Theil an dem Testamente de» Raifers gehabt , die Rühnheit qezeiger , sie nebsi diefem Teskamenre zum Feuer zu verdammen . Der Ronig ist von diefem Urtheile , als von einem Donnerschlage , «ufgeweckr worden . Anfanzlick bat ihn die Eifersucht , Sie er über den Rubm seines Vaters gehabt , einiges Vergnügen empftn - den lassen , fein Gedacktniß dieser Beschimpfung ausgeseyl zu fe , hen : allein da er nack diefem die Folgerungen dieser GewalttKar berracktet , so hat er die XDirhmg desselben Surck die allerqelin - besten und geheimsten N ) ege verhindert , die er nur erwählen können , die lLhre des Retzergerickts zu retten , und kein / Loch in das Ansehen dieses hoben Gerichtes zu machen . > - Unter , t>clTen ist Docror Tacalla lebendig nebst einer Puppe , die den stantin Pontius vorgestellet , verbrannt worden , der einige Tage Mvor im Gefangnisse gestorben war , der Rönig war gezwun - gen , diefe Vollstreckung der Todesstrafe zuzugeben , um das Re - nergerickt dadurck zur Einwilligung zu vermögen , daß der chrzbifckof von Toledo sick nack Rom berufen dorfte , und daß nicht mehr von dem lellten UAllen des Raifers geredet würde . Wenn diese Dinge wahr wären , so mußte entweder der Kaiser d . e Co , mödie so weit gelrieben haben , als sie nur gehen wollen . oder die Ge - schichlschreiber , die von seinen Andachten , ( siehe den Strada Vec . I . I B . I4 , '5S . ) oder von seinem . szasse gegen die Ketzer gereder haben , ( sieht den Grafen de la Roea zz - >S ) müßten große Betrieger gewesen seyn . Man giebt vor , es sei , unter seine Sünden gerechnet worden , daß er Luther» , ui , geachtet des ihm enteilten sichern Geleites , nicht habe verbrennen lassen . La Mothe le Vayer , Tom . II . pag . 199 . gabe in 12 .
Man nehme feine Zuflucht zu dm Anmerkungen des Artikels Car , ranza , wo man verschiedene Dinge ? vn dieser Materie finden wird . Folgendes wird zu einem Zusätze dienen , und einige Fehler des Don Carlos anzeigen . I . Die spanischen Geschichtschreiber sind nicht einig , daß Constantin Pontius Gewissensrath oder Beichtvater Carls de« V ,
gewesen : sie bekennen nur , daß er sein Prediger gewesen . Pontius ist nicht sein Name gewesen ; ich habe es oben in einer angeführten Stelle bey dem Artikel Carranza erinnert . Man sehe auch den Ansang des Artikels ponce . II . Er ist nicht Bischof zu Drosse gewesen . Ich finde keinen einzigen Bischof in Spanien noch anders wo , der diesen Namen gehabt . Es ist wahr , Thuanus redet von einem Epifcopus Droflenüs im XXUI B . auf der 470 S . aufs 1559 Jahr , ( dieses hat ohne Zweifel den Verfasser des Don Carlos betrogen . ) allein er saget nicht , daß dieses Constantin Pontius gewesen : Es ist ein Prediger zu Sevilien , Namens Aegidius , ein Gefährte der Meynungen und des Glückes vom Constantin Pontius gewesen ; denn sie find all . ' beyde ge - storben , ehe das Auto de fc gehalten , und sie im Bildnisse verbrannt worden . Ebendas . Dieser Aegidius ist von dem Kaiser zum Bischöfe von Tortosa ernennet werden . Er hatte also Epifcopus Tortofenfis oder Dertoflenlis , oder vielmehr Dercufenlis genenn et werden sollen .
III . Es ist nicht wahr , daß das Ketzergerichte so lange getvarret har , den Doetor Caealla und den Constantin Pontius anzugreifen , bis Philipp in Spanien angekommen gewesen : er ist erstlich zu Anfange des Herbst - monats , 55v , daselbst angekommen , und diese zwo Personen sind bereits in dem Gefangnisse des Ketzergerichts vor dem Tode Carls de ? V , sen , welcher den 21 des Herbstmonats i ; ; 8 erfolget . Der Graf de la Roea erzählet in der Historie Carls des V , auf der 334 S . dasjenige , was von diesem Kaiser in Absicht auf das Unheil des Caealla und auf der 335 S . ebendaselbst , was von dem Gefängnisse Constantin« gesaget worden ist . Herrera Hiftor . General . Libr . VL cap . XVI . pag . m . 400 . erzählet , daß Caealla in dem Hause , wo man die Versammlungen der Reformirten zu Balladolid gehalten hat , den 21 März »5 ; ? , seine Todes - strafe erlitten , da sich Philippus noch in den Niederlanden befunden hat .
IV . Weil Constantin Pontius vom Ketzergerichte bey Lebzeiten Carls des V , gefangen genommen worden , fo hat er diesem Monarchen auf dem Todbette nicht den geringsten Dienst leisten können ; also ist es weit gefehlet , daß er diese große Seele in feinen Sckooß aufgenommen hat . Thuanus hat den Verfasser des Don Carlos betrogen ; Conftan - tinus , 559 . Dieß soll allen Schriftstellern zur Warnung dienen , daß man sich aus niemand blindlings verlassen darf . Wenn man sich verirren kann , indem man dem Thuan folget ; was hat man denn , nicht zu befürchten , wenn man den Geschichtschreibern von der gemeinen Art folget ? V . Die ganze Betrachtung , die man wegen einer erdichteten von ihm gegebenen Erlaubniß , den Caealla und Constantin nach feiner kunft in Spanien gefangen zu nehmen , wider den Philippus losgeschossen hat , ist ein Hirngespinnste ; denn diese zween Männer sind vor dem Tode des Kaisers im Gefängnisse gewesen . VI . Es giebt Geschichtschreiber , welehe sagen , ( Herrera , Hiftor . Gener . wie oben . ) daß Caealla Neue gehabt , und sich vergeblich bemüht habe , einen von seinen Mitschuldigen zu be - kehren , dessen Halsstarrigkeit so groß gewesen , daß er sich lebendig ver» brennen lassen . Dieß ist deutlich genug gesaget , daß Caealla erstlich nach seinem Tode verbraimr worden ist . VII . Allenfalls ist er nicht mir eU ner Puppe lebendig verbrannt worden , welcke den Constantin Pontius vorgesreller har ; denn die Vollstreckung von dem Urtheile des Caealla ist be ? dem Auto de fe den 21 März 1559 , zu Valladolid , un ! » des Constantins bey einem andern Auto de fe zu Sevilien geschehen . Ebendaselbst . VIII . Der König hat das Ketzergericht nicht qenöthjget , darein zu willigen , daß der tLrzbifckof von Toledo nack Rom ap« pellirr hat ; denn > ) ist die Sache dieses Enbischofs nicht durch Appel - lation nach Rom gediehen , sondern sie ist dahin abgerufen worden : und der Pabst , welcher gern gewollt , daß das Ketzergerichte in Spanien ihm diesen Gefangenen gleich anfänglich zugeschickt hätte , und sich genöthiged gesehen , die Untersuchungen dieses Tribunals zu billigen , hat sich allezeit das Endurtlieil vorbehalten . Pallauicini Hiltoria Concil . Trident . Lib . XXI . cap . VII . niun . 7 . Zum 2 ) hat der König Philipp so wenig ver - langt , daß Caealla nach Rom appellireu sollen , daß er vielmehr den Bor - steliungen des Pabstes , die Sache dieses ErzbifchofS ihm zu überlassen , lange widerstanden har . Die Väter zu Tridenr haben sich etlichemal bey den Legaren über das Verfahren des spanischen Ketzergerichts gegen den Caranza beklaget : die Legaten haben deswegen an den Pabst gefchrie - ben ; der Pabst I>at seinen Nuntien Befehl gegeben , die Sache eifrig zu treiben ; und man kann in dem Pallaviein , an angezogenem Orte , se - hen , daß diejenigen , welche geglanber , es habe der Pabst hierbei ) nicht len nothigen Nachdruck gebraucht , Leute gewesen , welche die Nothwen - digkeit nicht betrachtet haben , darinnen man sich befunden , den setzlichkeiten des Philippus aus Klugheit nachzugeben .
Man findet keine einzige von diesen Anmerkungen in den Gedanken eines winigen Ropfcs über Sie Neuigkeit , Dom Carlos betitelt , ( meine Ailsgabe ist die von Amsterdam von 16 - 4 . ) und gleichwohl thut die - ftr witziqe Kopf alles , was er nur kann , diese Neuigkeit nach allen Prädi , camenren durchzuziehen . Dieß wundert mich : denn darf man sich auch zu einem öffentlichen Richter eines Bnel>es aufwerfen , ohne daß man sich erkundiget , ob ei wider die Historie streitet ?
CT' Man führet die Sckunfclirist des Prinzen von GranieN ungefcklckt an . Z Brantome pralet , darinnen gelesen zu habe» , es ha - be Philippus der II , seine Einwilligung dazu gelben , daß der Körper Carls des V , auSqegraben , und als kenerifck verbrannt werden sollen . Er betriegr sich , und vielleicht habe ich die Ursache seines Jmhums nichc übel errarhen . Ich muthmaße , daß er diese Schubschrift , mir andern kleinen Schriften zilsainmen gebunden , gelesen har , die wider Philippen den II , znm Vortheile de« Prinzen Wilhelms hernmqeganqen sind . Er hat entweder geglaubt , daß alle diese Stücke , Theile der Schutzschrift wesen , oder sich nicht erinnert , in welchen von diesen Stücken er dasje , nige gefunden , das er anfiil , rer ; und weil ihn der Begriff von der Schutz - fchrift viel stärker gerührt , so hat er sich emqebildet , daß er diese seltsam ? Sache in der Schutzschnft gelesen hatte . Allein die Wahrheit ist« , daß sich dieser Vorwurf nicht darinnen befindet ; ( man merke , daß dieses Still» schweigen des Prinzen ein Merkmaal ist , daß er nicht den geringsten Grund Inder Sache gefunden hat : denn er schonet Philippen denll , kei - neswegeS , Er wirft ihm abscheuliche Laster vor : er würde ihm diese« eben so ftey , als die andern vorqewcrfen haben , wenn er es für ivahr ge - halten hätte . ) allein man trifft ihn in der Schrift eines Unbenannten an , die im Jahre unter dem Titel : Dilcoiirs für la Blefliire de
Monfeigneur

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