Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5363

Chamier .
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mern ( B ) , unhöflichern Menschen , in Ansehung der' Kunstgriffe , gesehen , welche der Hof zur Schwächung der Protestanten angewendet . Er ist es gewesen , saget man , der das Edict von Nantes entworfen Hat ( 0 ) . Er ist mit verschiedenen nungen beehrer worden ( D ) ; und bey einigen Versammlungen der Geistlichen Präsident gewesen d . Die Zeit , die er auf die weltlichen G ? schäffre der Partey verwendet , hat ihn nicht gehindert , sehr gelehrt zu werden . Er hat in dem Streite , wider den P . Coton , Proben davon gegeben ( E ) , wie auch in seinen Büchern ( 5 ) . Die Gedanken derer , die ihm ^um Haupte einer Partie , nämlich zum Haupte derMetaphoristen machen ( G ) , verdienen keine Widerlegung . Sie sind viel abgeschmackter , als die Verwegenheit derer , die uns die Secte der erdichteten Bezaniten bekannt gemacht haben .
« ) ttittvirc de l'Edit de Nantes , Tom . II . p . 86 . Siehe die Anmerkung ( v ) . b ) Den 16 des Weinmonat« , c ) Man schrieb diese« >694 . d ) Unter andern beym Nattonalsynodo zu Gap , 1603 .
( A ) Er wurde durck einen <5anonensckuß , unter wahrender lagerung von Maiiraa , im Jabre 1621 , weggerückt . ^ Man findet Ge - sckichr Weiber , welche sagen : er sey unter dem Gewehr , das beißt , mit der Pike in der Jcmriö und dem Panzer auf dem Leibe , gelobtet worden ; und daß er in der Predigt , die er denselben Tag gehalten , diese« drey - mal beym Beschlüsse wiederholet habe : Sie sollen nickt herein kommen ! Chanaieriw . . . quamquain propugnaculo tegebatur , forincn - taria pila in frufta difeerpitur , vix agnito vnde globu» , et qua jmmiflus ; in vtrumque paratus homo audax , thorace ferreo , halta - que ad manum venerat in hunc locum , additiirns militi animos , poftquam eademiriet die concione in templo pathetice habita , de re - giis ioquens , finierat in haec ipfa verba , quae diftinöa ter voce re - petierat : Non ingredientiir . Barth . Grammond . Hiftor . Galliae , Li . br . X . p . m . J02 . Der Bericht von der Belagerung von Montauban meldet uns nicht , daß er die Waffen ergriffen , sondern nur , daß er bej> dem Eintritte in das Bollwerk paillas durch eine Stück , kvgel weggenommen worden , und daß er in seiner predigt des vorhergehenden Tages über den 54 Vers des XXXVII <£«p . des Propheten Esaias , die Versprechung der Erlösung auf tauban gedeutet . welche der Prophet vom Rabsac , dem - Heer , führcr des Sennackeribs , dem belagerten Jerusalem gethan hat , und diese rvocce mir großer - Heftigkeit wiederholer habe : nein , nein , sie sollen nicht herein kommen ; sie sollen durck den tveg wieder zurück gehen , den sie gekommen sind . Von seinen Freunden hat man sagen boren , sehet dieser Bericht dazu , daß er geglaubet , er würde tn diestr Belagerung , durcb einen Tano , nensckuß sterben , - - - und Saß er des Sonntags frub das - jenige zufalliger weise propbezeyet , was ibm gegen den Abend begegnen würde . Josion , sein Amtsgenofie . bar ihn gefraget : ob es nickt an ihm wäre , des Nachmittags zu predigend keines - weges har er gesager : wisset ihr nicht , daß dieses mein Ruhe - rag ist . Liege de Montauban , p . m . 155 . Die katholischen Senben - Im haben entsetzliche Glossen über den Tod dieses berühmten resormir - reu Predigers qemacht . und daher Gelegenheit genommen , ihn als ei - nen Leithammel zu verschreyen , der sich nicht damit beqnüget , Aufruhr zu predigen , sondern auch zum Beyspiele gedienet , und einen Harnisch angezogen ; ohne zu erwägen , sagen sie , daß es den Dienern de« Evan - gelii eben so wenig erlaubet ist , Hand an den Degen zu legen , als es den Layen erlaichet sey , das Rauchfaß anzurühren . Man antwortet ihnen , wie für den Zwinqlius : daß es ihnen erlaubet sey , in dm Streit zu gehen , um Gott die gerechte Sache zu empfehlen , und diejenigen zutro , sten und zu stärken , die ihrer Hülfe nöthig hätten .
( B ) Man har niemals einen harter» , unbiegsamern Mann aesehen . 1 Der Geschichtschreiber des Cdiets von Nantes schildm den Geist Chamiers glücklich ab . Er hat lange am Hoft vergeblich gewarter , saget er im I Th . 446 , 447 S . aufs Jahr . 607 , wohin ihn der Synodus von Rochelle abgeordnet hatte , - - * Kr hatte nach einem ftcksmonatlicken Aufenthalte , noch nickt die Ebre erhalten können , mit dem Ronige zu reden . Seine Person war nickt angenebm , weil er von den , enigen Narren des Synodus war , ( der Urheber hatte auf der 44 ? S . gesager : daß es Leute auf dem . Synodo gegeben , welche der Hofdie Narren des Synodus genenner ; weil ? r gefunden , daß sie allzu harte Köpfe gehabt , und allzustark ausimre Sicherheit bedacht gewesen wären . ) die der Rönig nickt leiden ton ; nen : von denjenigen harten Röpsen , die nickrs beugen können : von denen vor aller Furcbt und Hoffnung verschlossenen - Her , ? en , welckes die starkjien Masckinen des - Hofes sind . Er hatte auf der 253 0 . gesaget : da er von den Abgeordneten , wegen der Same de« Edict ? von Nantes , redet , daß Chamier einer von den allerbar - testen , und deswegen bey - Hofe auck so verhaßt , als bey denRic - cken in Ansehen gewesen . Wir werden in der Anmerkung ( B ) , des Artikels Ferner sagen : daß er im >6» Jahre bey der Versammlung zu Saumur das Haupt derer gewesen , welcl>e gewollt , daß man sich mir aller Heftigkeit widersetzen , und nicht einen Finger breit , m Ansehung des EdietS von Nantes , weichen solle . Allein , wenn man die GemntvS . ort Cdamiers lind seine« gleichen erkennen will , so darf man nur das - jenige lesen , was Aubigne in einer etwas poßierlichen Schreibart davon aesager hat : Nun hat sick , saget er Confeflion Cathohque de Sanci , Uvr . II . chap . VII . p . m . 422 . 4 - z . an diesen - Leuten bey der knten Lriedenshandlung und bey den Versammlungen , die vier ? ahre gedauert haben , mehr Unversckamlbeit seben lasten , wo diese Halsstarrigen nickt allein den ansehnlicksten Abgeordne - ten , die der Ronig aus seinem Staatsrathe erwählen können , sondern auck den größten Herren von ihrer partey unverstbanit rviderl ? anden haben , welcke sie , in Ansehung der Geschaffte des ? ! »niareicks , 5» einigen Höflichkeiten bewegen wollen . Jbe fitet einen darunter mit einer ebernen Snrne austreten , der « . nd heraus saqet : die Vorschläge kommen mir der guten Z - Ncvnung nickt überein , die diejenigen , welcke uns abgeordnet ,
baben Man verlanget d , e Erklaruna von diesem , datiere tritt vor , und saget , statt der Erklärung , dieses :
Kliere rr öje x , rdic Gottes berricgen . ? ck ba -
^eme - Herren , da g . r ( t ron Villeroy geboret , welcker be dieser Tage von ^> ( tven ron Rosny und Tbuan , nebst zahlet , w . e er und 0 - e Herrmbm^en Äcuten bespro , andern , frbvteten tw» ^ ^emürher im Namen
t - «u , h . » w««
II Sand .
fahren , und mit der andern Hand seine Nagel mit einer Sckee , re abgescknirren , daß die Stücken davon dem Redner in Den Zart und Mund gesprungen sind : eines davon ist dem Rosny in die Augen gefahren , uno dieses Bezeigen widerspricht allem dem , was man von ihm sägen konnte .
( C ) Er ist es gewesen , saget man , der das Edict von Nan - tes entworfen hat . Z Ich habe dieses in einer Zuschrift von Var lla« gelesen . Wie die Rekerey . saqte er in der Zuschrift de« I T> ) . der Historie von der Ketzer >' , im Besine ist , niemals Sickerbe , ten ; u finden , die ihr uirdckend ju seyn sck - nen : so har auck Oer Cal - vinismus durck sein ungestümes Anhalten erlanget , daß alles dasjenige , was vorrheilbaft für seine Partey in den pacisica - rionsbefehlen - »»rhalren ist , auck dkm Äefeble von Nantes ein^ verleibet würde . Es ist dem gesckickresfen von ihren predi - gern dem Daniel Cb' . mier , aufgetragen gewesen , denselben ju entwerfen . Er hat ganzer drey Monate damit zugebrackt , und sick gerübmet , daß er nickrs vergessen hatte , was zur gung der Ruhe seiner Secre diente .
( D ) Er ist mir vermiedenen Abordnungen beehret worden . ^ Dasjenige , was lins Varillas itzo gleich gesaget hat , ist vielleicht falsch ; allein es ist gewiß , daß Chamier eines von den vornehmsten Häuptern bev den Versammlungen der Reformirten gewesen , wobey die letzte Pa - cifieation mitHeinrichen dem IV untersuchet und beschlossen worden ist . La Trimouille , du Pleßis , von Aubigne und er sind erwählet worden , über die Einricktung der Materien zu disputiren , welcke nickt ohne allzugroße Verwirrung von dem ganzen Rorper der Ver - sammlung in Ordnung gebrackt werden konnten , die damals aus 70 Röpsen und zuweilen aus acktzigen bestanden . Aubigne Hift . Vni« . Tom . III . Livr . V . chap . I . p . m . 6zz . Er ist gleichfalls bey der Versammlung zu Saumur im 1611 Jahre erschienen . Er har dabey die erste Stimme , als Unterprasidenr gehabt , und weil er die Sacken verstanden , ft> bat bey nabe der Be , sckluß auf der Einkleidung beruhet , die er denselben , bey Er , theilung seines Guracktens , gegeben . Hift . de l'Edit de Nantes , Tom . IL p . 55 . Der Schriftsteller , dem ich diese Worte abborge . ret uns von einer Sache , welche angeführt zu werden verdienet . Man kam auf den Einfall , saget er ebendas . 56 S ibm einen pcrfonli , eben Handel zu macken , um ihm einen Ekel vor den Verjamm - lungen zu erwecken , wo er allzu viele Gewalt harte . Das Rir , ckengerickte zu Monrelimar , wo er Prediger war , erwählte die Zeit seiner Abwesenheit und seiner Abordnung , seinen Platz ei« nem andern zu geben . 2>ieß gesckah , ohne ihn zu fragen iind zuhören : ick weis nickt , durck was für heimlicke Streicke , woran lZ . esdiguiere» vermurhlick Theil gehabt , weil dieses in seiner Provinz , vor seinen Augen und in einer Stadt gesckehen , wo er alles vermockt , was er gewollt . Allein die Besckimp , fung nock verhaßter zu macken , so ließ da» Rirckengerickr sein Haus durcksucken , und seinen Bückervorrarh mit ziemlicker Gewalnharigkeit berum werfen , unrer dem Vorwande , die pa , piere zurückzunebmen , die der Rircke zligehorten . Die Auf , führung des Rirckengericktes batte etwas fd hartes , und wo , bey sick so viel Verackmng qegen Chamiers Person blicken ließ , daß er auf das stärkste dadurck beleidiget wurde ; zumal , da sein Eigennun so wohl , als seine Ehre darunter litte - - , t ( Bt beklagte sieb'deswegen bey der Versammlung , als über eine Bescliimpfung , die von ibm , bis zu ihr gieng , und sckien im Be , griff zu stehen , von Saumur Nack Hause Zli reistn , und seine An , gelegenheiten in Ordnung zu bringen . Dieß war eben dasjeni , ge , was der Hof verlangte , die Partey eines so rückriqen Ropfe» zu berauben , vor dessen Widerstand er sick fürcktere , , , allein man hat den Chamier zurück gehalten , indem man ibm Gereckrigkcit wiederfabren laßen . Die Versnnnilung bat ihn bey seinem predigramre zu Monrelimar gcsckünet . J« finde , daß er die Kirche im i6< 6 Jahre verlassen hm , um die Gottesgelahrtheit auf der Akademie zu Die zu lehren . Simon Goulart bat e« an dei , Sealiqer geschrieben . Siehe der an Sealiqern qefchriebenen stanzdn» schen Briefe , III B . 447 S . Ich weis die Ursache nicht , die ihn genö , thiget hat , zu feinem ersten Amte zurück zu kehren .
( E ) Er bar Proben von seiner ÜVifiotsckast in dem Streite wider den P . Coton gegeben . ] Ich will dasiemge anfuhren , wa« ein neuerer Schriftsteller , ei» guter Protestant , davon saget : Chamier hatte zu Nimes im 1600 Jahre mit diesem Jewter> eine Unterredung gchabt , „ darinnen ein jeder , wie qewöbnllch . sich recht behalten zu ha - , . ben , gerühmt : so viel ist wahr , daß der Jesuit die Zuhörer durch seine
beredten Ausschweifungen verblendet , worüber sie alle Augenblicke die „ Materie der Disputation aus den Augen verlohren ; und daß Cha , „ mier . als viel gründlicher und wolastischer , den Jesuiren genöthiget «hat , sich durch diesen Feckterstreich zu retten . Diejenigen selbst , wel - „ che das Leben dieses ^e'uiten geschrieben haben , sagen zur Gnüge da - „ von , woraus man erkennen kann , daß Chamier« Trockenheit ihren „ Held aus dem Gleise gebracht haben würde ; wenn er nichr durch „ oratorische und nicht zur Sache gehörige Reden , die ihm keine Mühe , , gekostet , den Streich abgewender hätte . „ Hift . de l'Edit de Nantes , Tom . I . p . 447 .
( F ) , , - und in seinen Bückern . ^ Sein Tractat , de Oe - cumenico Pontifice , und seine jesuitischen Briefe , haben Scaligers^och - achtung verdient . Chamierus de Oecumenico Pontifice et Epiftola» Iefuiticas edidit , bona opera ! 0 wie schön hat Chamier griechisch ge -
S - schrieben ,

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