Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
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Chamicr .
tallorum lammis , qttae fcilicet aquarum non corrumperentur iniu - ria , et duriffunis Iapidibus infculplit . Qpae diluuio pera & o , ea - dem , qua illa celauerat , curiofitate perquirens , facrilegiomm ac
ES
perpetiiae nequitiae feminarium transmifit ad pofteros . Man gicbt vor , daß Mizraim , Chams Sohn , von seinem Vater alle diese abscheulichen Geheimnisse gelerner , und daß also d : » Anhänger aller dieser Wissenschaften den Cham 5 als ihren ersten Stifter ansehen , und ihn Zoroaster , das heißt , den lebendigen Stern , nennen , und ihn als ei - nen Gott verehren . Chaimim eundem eile volunt cum Zoroaftre Mago . Huius fententiae primus author , quod quidem feiam , eft Pfeudodemens , qui libro 4 Recognitionum Magiam feribit homini - bus ante diluuium a miilierofis illis Angeiis traditam Aegyptiorinn conditorcm Mesraimum didicille a Chamo patre , et Chamum a po - fteris huius artis admiratoribus Zoroaftrem , feu viuuin aftrum , pro -
: erea fuifle diäum , et pro Deohabitum . Bochart . Geograph . Sacra ,
br . IV . cap . I . Man sehe hier unten die Anmerkung ( . E ) .
( C ) Man will , daß er ein sehr uncrbaulickcs Erempel der Unkeusckheit gegeben bat . ] Der heilige Ambrosius findet , daß die Ausdrücke der heil . Schrift uns zu glauben bewegten , daß die ehlichen Pflichten aufgeschoben und aufgehoben gewesen , so lange man in der Arche gelebet habe . Damals ist es gewesen , sagen einige Ausleger , daß man an den Grundsah gedenken müssen , den Salomen lange Zeit hernach kund gemacht hat : ein jegliches hat seine Zeit , und alles Vorneb - men unter Sem - Himmel , bat seine Grunde - - - - - Herxen hat seine Zeit , fernen vom Jerxen bat ftine Zeit . Pred . Salom . III Cap . > . 5 V . Das entsetzliche Gericht , welches Gott über das menschliche Geschlecht ausübte , sollte dem Noa und seiner Familie nichts , als bußfertige Gedanken eingeben . Qm ( . Ambrofeus ) etiara notauit , tam in ingrelTu , quam in egreflii arcae , feorlim viros omnes ab vxo - ribuj nominari : vt ex ipfa deferiptione infinuaretur , perfeuerans eoniuguin continentia ab ingreflu ad egreflum vsque : idque adino - dum veritimiliter . Nam , vt ait Salomon , Tempus Ampleyandi , et tempus lange fieri ab amplexibus . - - - - Et vero lachrymarum potius et orationum id tempus fiiit , ad placandam diuinam iram , horribilem in moduin faeuientem . Salianus , Tom . I . p . 190 . num . 7 . Er führet den heil . Ambrosius , de Noe et Area , cap . XXI . an . destoweniger ist dieß eine sehr gemeine Meynung , daß Cham sich nicht halten . und daß seine Ehfrau mit dem Chanaan in der Arche nicderge - kommen . Man saget auch , daß Chanaan deswegen boshaft gewesen , weil er die Frucht einer zur Unzeit geschehenen Beywohnung gewesen . Enstes , saget man , welcher die Blöße des Noa am ersten gewähr gewor - den , und seinem Vater mit spöttischen Minen Nachricht davon gegeben . Wenn dieses wäre , so würde man leicht begreifen , warum der Fluch des Noa auf den Chanaan , und nicht auf den Cham gefallen . Wenn man einige Lehrer fraget : durch welches Mittel dieser Patriarch ? er - kannt hätte , daß es Cham gewesen , der seine Blöße entdeckt gehabt , so geben sie zur Antwort : er habe es aus der Unverschämtheit geschlossen , die Cham gehabt , die Arche durch Beywohnung seiner Frau zu entweit hen . Coniedhiram Hebraei coniminifcuntur eiusmodi . Nempe Noachnm in ipfa adhuc arca Chami libidinofum animum arcam in . tempeftiua Venere polluentis notafle . Hinc expergefa & um ftatim culpam ludibrii huius in eundem coniecifle . Heidegg . Hiftor . Pa - triarch . Exercit . XX . pag . 627 . Er führet dm Rabbi Salomon Ephraim an , welcher gesaget bat : daß dieses die Tradition einiger Mei - ster wäre . Wir wollen bey Gelegenheit die Antwort anderer anführen : sie sagen , daß Cham , feit dem er sein Gesicht an einem solchen Gegen - stände geweidet , eine außerordentliche Veränderung an seinem Körper erlitten . Die Augen wären ihm rorh geworden , seine Haare und sein Bart wären vertrocknet ; seine Lippen wären krumm geworden ; er habe nicht gewußt , was er gethan , so , daß er sich nackend ausgezogen und in dieser Gestalt berumgeganqen . Als Noa alles dieses gesehen , so hat er dar - aus geschlossen , daß ihn Cham verunehret hatte . Allein , etliche wollen , daß er dieses aus einer bloßen prophetischen Erlnichtung gewußt habe . Der heil . Chrysostomns ist sehr vernünftig , wenn er glaubet , daß Noa , als er sich mit einem Mantel bedeckt gesehen , der ihm nicht zngehöret , gefraget habe : was dieses wäre ? und von seinen zweenen guten Söhnen erfahren , wie die Sache vorgegangen wäre . Eöend .
( D ) Einige rvollen , daß er seinen Vater verschnitten hatte . ] Einige jüdische Lehrer haben vorgegeben , ( wie Rabbi Levi im IX Cap . des « B . Mos . beym Salianus , I Th . 297 S . anführet , ) daß er zu die - fer gewaltsamen THat verleitet worden , um zu verhindern , daß er ihm keine neuen Bruder zeugen sollte . Hat er sich wohl befürchten können , daß sein Erbtheil bey der Bertheilung der ganzen Welt zu klein seyn würde ? Es haben sich ansehnliche Leute die Mühe genommen , solches sehr ernstlich , durch diese Worte der heil . Schrift , zu'widerlegen . daß Noa , da er von seinem Xveine erwachet , erfahren , was ihm sein kleinster Sohn gethan hatte . Wenn man an ihm , sagen sie , eine so schmerzhafte Arbeit verrichtet hätte , als diese , wovon die Rede ist , so würde er eher aufgewachet seyn , al« er seinen Wein ausgeschlafen Härte : der Schmerz würde ihn gar bald aufgeweckt haben , und er winde den Uebelthäter auf der THat ertappet und nicht nöthig gehabt haben , zu ftagen , wer es gewesen wäre . Id Scriptura fatis refellit , quae ait Noe «um ex vino euigilaffet didieiffe , quae fecerat ei filius fuus . At non euigilaffet e vino , confumtis fcilicet vaporibus fed in . genti dolore fömnus exeuffus fuiflet , nec opus fuiflet dileere , quid fecifl'et Cham , fed eum in ipfo facinorc deprehendillet . nus , ebendaselbst . Hier triumphieren die Herren Freunde der Ebräer : sie geben vor , man könne nicht weiter leugnen , daß alle Götter des Hei - denthums aus der jüdischen Tradition genommen worden . Sieht man nicht , sagen sie , daß Noa der Saturnus der Heiden ist , und daß man das Mährchen der Poeten , daß Jupiter seinen Vater Sarurnus
schnitten / aus der Begebenheit Chams genommen hat ? Der Graf von GabaliS muß uns hier mit einem Stücke aus seiner Comödie beschenken . Er setzet voraus , daß Noa uach der Sündfluth seine Ehfrau , Vesta , dem Salamander Oromasis , Fürsten der feurigen Geister , abgetreten , und seinen drey Söhnen gerathen habe , auch ihre drey Ehftauen den andern Fürsten der übrigen drey Elemente abzutreten . Entretiens für les Sciences fecretes , p . m . 204 . Cham , setzet er darzu , hat sich , wider den Rath des Noa , empöret , und den L . iebrei ; ungen seiner Frau nickt widerstehen können ; allein seine wenige Gefälligkeit har seine ze sckwarze Nachkommenschaft bemerker : die entsetzliche Farbe der Völker , welche unter dem heißen Himmelsgürtel wohnen , ist die Bestrafung Oer gottlosen Brunst ihres Vater« - - - - - Man mag , jum iLxempel , glauben , verfolget er auf der 206 Seite , daß die Bejckimpfung , welcbe Cham seinem Varec erwiesen , dieselbe fey , wie sie nach dem Buchstaben ; u seyn sckcim : jo ist sie doch wahrhaftig gan ; was anders gewesen . Noa , welcher nach dem Ausgange aus der Arcke gefthen , daß seine LLHfrau durck ihren Umgang mit ihrem liebsten , Gromasi« , sckoner geworden , bar sich vom neuem in dieselbe verliebet . Cham , welcker befurcb - tct , es mochte sein Vater den Erdboden nock mit solcken R . m - Sern bevölkern , die so sckwar ; , als seine Aerhiopier wären , bar eines Tages , da der gute Greis voll rveins gewesen , seine Zeit in Acht genommen , und ihn ohne Barmherzigkeit ver , schnitten .
iE ) Andere sagen , daß er ihn durck einige xauberiscke tXlitt tel unvermögend gemacht . ] Der Berosus des Bemegero von Vi« lerbo , berichtet uns Viesen Traum . Er saget : daß Noa , welcher die un - ordentlichen Sitten seines Sohnes Chams nicht erdulden können , der sich wegen seiner großen Ergebenheit gegen die Magie den Namen Zo - roaster erworben , diesem Sohne verhaßt geworden ; und solches um so vielmehr , da er viel Zärtlichkeit gegen seine andern Sohne gehabr , die jünger als Cham gewesen . Dieser hat eine Gelegenheit , die er zur Rache gefunden , nicht entwischen lassen . Er hat die natiirlichen Glieder femeS mit Wein erfüllten Vaters ergriffen , und einige Worte hergemurmelt , die ihn auf seine übrige Lebenszeit unvermögend gemacht . Na & us op - portunitatem , cum Noa pater madidus iaceret , illius virilia compre - hendens taciteque fiibmurmurans , carmine magico patri illufit , 11 . miil et fterilem perinde atque caftratum eftecit , neque deiii - ceps Noa femellam aliquam foecundare potuit . Berofus , Libr . III . p . in . 80 . Nichts destoweniger hat dieses den Noa nicht bewogen , die - ftn Sohn wegzujagen ; er hat ihn wegen anderer Verbrechen wcggeja - get . Dieser Unglückliche har gelehret : man müsse leben , wie man vor der Sündfluth gethan habe , alle Arten der Blutschande und noch was ärgers begehen ; und er hat seine abscheulichen Lehren ausgeübet . At vero Chem , cum publice corrumperet mortale genus , aflerens et re ipfa exfe - quens congrediendum eile , vt ante inundationem , cum matribus , fororibus , filiabus , mafculis , brutis , et quouis alio genere , ob hoc eieäiis a Iano piifiiino , et caftimonia atque pudicitia refertilfi - mo . Eben das . Man lasse sich dieses mit keinem Vorurtheile gegen den Cham einnehmen . Der von mir angeführte Schriftsteller ist ein Gewe - be von Erdichtungen und Hirngefpinnsten . Die Rabbinen verdienen eben so wenig Glauben ; denn sie sagen von der Aufführung Chams das - jenige , was ihnen gefallt . Man merke diese Worte des Gabriel Nau - de , Apologie pour les grans hommes , Liv . I . c . VII . p . m . 153 . Nach dem Rabbi Salomen , in Fortalitio Fidei , Libr . III . p . 204 . hat er an seinem Vater „ eine so unflätige und abscheuliche Sache begangen , daß .
„ ich nichts von derselben sagen will , aus Furcht , keusche Ohren zu belei - izValla bey Ge'
MPW ©
„ quam me docente cognofci .
^digen ; als dasjenige , was Lorenz Valla bey Gelegenheit eines Wortes , von gleicher Unflärigkeit und Bedeutung gesaget hat : malo ignorari ,
( F ) Andere , daß er Blursckande mit der Ehfrau de« Noa be - gangen hatte . ] Dieß ist die Meynung des Herrn von der Hardt , Proftliors der morgenländischen Sprachen , auf der Akademie zu Helm - städt . Er glaubet , daß die Beschimpfung , welche dieser Erzvater von dem Cham erhalten , in der ehrlosen Verwegenheit bestanden hätte , die dieser - viehische Sohn gehabt , entweder bey seiner leiblichen Mutter , oder doch wenigstens bey seiner Stiefmutter zu schlafen . Er beweist diese Erklä - rung mit verschiedenen Stellen der Schrift , wo die Redensart : die Sckam einer Frau bloßen , so viel bedeutet , als bey einer Frau schla - ftn . Zn eben denselben Stellen der heil . Schrift , wird gesaget , dag die Blöße oder Scham einer Frau , die Blöße und Scham ihres Eh - manns ist ; und daß folglich »ach dieser Schreibart , die Blöße des Noä gesehen zu haben , eine verdeckte Redensart ist , welche bedeutet hat : er habe mit der Ehftau des Noa zu thun gehabt . Dieser Schriftsteller fe - her voraus : I . daß Cham zur Ausfuhrung feine« Streiches die Zeit in Acht genommen . da sich Noa im Weine betrunken gehabt ; II . daß ein jeder , der diese Schandtbat erfahren , den zween andern Brüdern Nachricht davon gegeben ; III . daß diese voller Eifer über diese , dem Pa - tnarchen angethane Beleidigung , in aller Eil dahin gelaufen , und da sie ihren Bruder auf ftisä>er THat ertappet , ihre Mantel auf ihn und sei . ne Mitverbrecherinn geworfen hätten ; IV . daß sie dem Vater von allem dem Nachricht gegeben , was sie gesehen ; V . daß der heftig erzürnte Noa in seinem letzten Willen verordnet : es sollte der , au« dieser Blutschan - de erzeugte Canaan , aller Erbfolge gänzlich beraubet seyn . Siehe das Buch Ephemeridum Philologicarum Tomus , j „ dem leipziger Tage - buche des WeinmonatS , 1693 , 466 S . Diese Meynungen sind gelehrt und scharfsinnig ; allein , wenn es einmal erlaubt ist , vorauszusetzen , daß die Erzählungen des Moses so verdeckt sind , so ist auch zu befürchten , daß man diese Lehrart auch bey den Historien von der Versuchung Christi und von dem Falle Adams einführen möchte , wie sich bereits einige zu thun unterstanden haben .
Er , m . . öffentlicher tehr 1621 Jahre wegaei ückt ^ ( A ) . niemand in der Welt dieser f~
tan maß sich verwundern , ' fähig . Wenn ^
der reformirten Partey , war in dem Delphinate gebohren . von da er im 1612 ^cchre nach Montauban gegangen , und durch einen Canonenschuß , unter währender Belagerung im daß niemand sein Leben gemacht hat . Außer den Franzosen , ist
Chamier von einer andern Nation gewesen wäre , so würde feine storie , die weitläuftig genug ist , dem Buchbinder etwas zu thun geben , und in allen Bibliotheken erscheinen ; zumal , da er Söhne terlassen hat , die voil seiner Profeßion gewesen , und deren Nachkommenschaft sich noch im Predigtamte befindet c . Er war bey ftiner Partey so wohl ein Bedienter des Staats , als ein Diener der Kirche . Man hat niemals einen härtern , unbiegsa -

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