Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5349

Cham .
iZ7
Brachmonats , 1607 , in einem 79jährigen Alter christlich gestorben d . Verschiedene Schriftsteller haben ihm Lobsprü - che gegeben ( D ) .
Das V Buch , p . m . , zo u . f . b ) Er ist nach diesem erster Präsident ? eben desselbenParlements geworden . den Artikel J£t * et . - ) Und nicht Gondan , wie in der Schrift steht , daraus ich diesen Artikel genommen , d ) Aus dem Inhalte seines Leben vor seiner Uebersetzung des Seneca .
( A ) ( Bc legte fieb auf die Lesung und lleberseyung des Se , neca . ] Er hat die Uebersetzung Heinrichen dem IV im 1603 Jahre geschrieben . Sie ist zu Paris , bey Wilhelm Loyson , im 16 - 4 Jahre und bey Johann Richen im >654 Jahre in Folio nachgedruckt worden . „ Sam - „ marthan saget , daß er in seiner Uebersetzung des Seneca seine Ge - . . schicklichkeir , seine Treue und seinen Fleiß blicken lassen LammarrK . Elog . Libr . V . p . i ; o . Huetius , de claris Interpret . Libr . II . p . i8y , „ bezeuget gleichwohl , daß er sich nicht sehr angelegen seyn lassen , sich an „ seinen Grundiert zu binden , und ihn von Worte zu Worte zu über» „ setzen ; und daß man , anstatt , da nichts trockners und kürzers , als „ Seneca , seyn kann , fast nichts ausgedehntes und weitlauftigers , als „ dieseUebersetzung , sehen könne . , , Es ist Baillet , der sich also aus - drückt . Jiigem . des Savans , Tom . IV . p . ; Z5 . 536 .
( B ) iLr hatte , seine Leibesgaben ungerechnet , unter vielen schonen Eigenschaften , eine große Treue gegen seinen pritnen . ^ „ Unter währendem Studieren in seiner Jugend , hat er sich öfters eine „ GemüthSergetzung durch die allerehrbarsten Hebungen des Leibes ge - „ macht , die er in Italien gelernet harte : denn er saß sehr wohl zuPfer - „ de ; er war ein schöner Tanzer und der beste Ballspieler seiner Zeit . Er „ maßigte auch die Ernsthaftigkeit der RechtSlehre , durch die lichkeit der ftanzösischen und lateinischen Dichtkunst , in welcher er nicht „ einer von den letztern gewesen ; wie es aus seinen Versen erhellen wird , „ wenn sie seine Erben der Welt nicht misgönneren . Siehe den Aus - „ zug von dem Leben des Matthäus von Chalvet , vor seinem Seneca . „ - - - - Er hat viel Freunde gehabt : er hat dieselben auch zu „ erhalten gewußt ; allein vornehmlich ist zwischen dem Herrn duFauer „ von St . Jory , ersten Präsidenten zu Toulouse , und ihm , so wohl we - „ gen der Liebe zu den Wissenschaften , als wegen ihrer nahen Verwandt - „ schaft , eine besondere und vollkommene Freundschaft gewesen . Er ist „ lang und stark von Person gewesen , er hat freundliche Augen , lichtes „ Haar , ein leutseliges und ehrwürdiges Gesicht , und einen ernsthaften , „ sittsamen und majestätischen Gang gehabt ; sein Vortrag und seine „ Unterredungen sind die angenehmsten von der Welt gewesen , ( ven die - „ sem allen siehe die lateinischen Verse des Crilton , königlichen Prvfes - „ sorö , vor seiner Uebersetzung des Seneca . ) Fast niemand bat Zutritt „ bey ihm gehabt , der nicht gleichsam von ihm bezaubert gewesen ; denn „ er ist von einem gesprächigen , höflichen , wohlthätigen , sreymüchigen turelle , ohne Heuchelei ) , ohne Ehrgeiz und Geldgeiz gewesen , indem er „ sich viel williger für eines andern , als seine eigne Geschaffte bemühet , „ Gott gefürchtet , und alle Arten der Laster , vornehmlich aber die Ge - „ waltthätigkeiten und Neuerungen , auch in der Religion , verabscheuet „ und verdammet hat ; er hat die Ordnung , das Recht und den Frie - „ den geliebet - - - - unter den Verwirrungen Frankreichs ist „ er beständig in dem Gehorsame gegen seinen Prinzen beharret , und „ ist dessen Partey , welche er allein für gerecht und billig gehalten , alle -
„ zeit getreulich gefolget . Er ist auch , da das Parlemmt von Toulouse „ nach Ehasrelsarrasi verlegt wurde , unter allen erwählet worden , im »1594 Jahre nach Lion zu gehen , und dem König« in dessen Namen auftu - „ warten , worüber der König ungemein vergnügt gewesen , wie er solches „ durch den gnädigen Empfang , den er ihm erwiesen , und durch ein schenke bezeuget hat : und er hat sich höchst glücklich geschätzt , daß er „ der erste Bediente des Parlements von Toulouse gewesen , den derKö - „ nig , seit seiner Gelangung zur Krone , und seit dem er angefangen , Lan - „ guedoc unter seinen Gehorsam zu bringen , gesehen hat . Er ist im „ 1603 Jahre durch eben dieses Parlement von neuem an seine Maje - „ ( tat , wegen vieler wichtigen Geschässte , abgeordnet worden : bev welcher „ Reise ihn der König , zur ansehnlichen Belohnung seiner langen Dien« „ ste , aus eigener Bewegung und ohne Bitte zum Rath ? in seinem „ Staats und geheimen Rathe gemacht ; weswegen er den Eid in die „ Hände des Kanzlers von Bellievre abgelegt , mit welchem er in etwas „ verschwägert gewesen . , , Ebendas .
( C ) Uze fand fo viel Vergnügen , nach feinec iLmxiehung vo» Geschafften , daß er öfters ; u seinen Anverwandten gesager : er harre seine vorher vergangene Hebenamt gar nicht gdcbct . J Er hat sich alfo mir einem berühmten Manne vergleichen können , der unter dem Kaiser Hadrian Prasecrus Prätorio gewesen . Ich rede von dem Similis , welcher dieses Amt mit Verdruß angenommen , und es sreywillig niedergeleget hat , worauf er sich aufs Land begeben , nnd nach sieben Jahren gestorben ist . Er hat gewollt , daß man auf sein Grab setzen sollen : - Hier liegt Similis , dessen JLcben sehr lanz qervesen ; der aber nur sieben Jahre gelebet hat . Xiphilin . in Hadriane , p . 111 . - 66 . Man sehe viele Sammlungen von dergleichen Dingen in den historischen Meditationen des CamerariuS , im V Cap . III B . des I Bandes .
( v ) Verschiedene Schriftsteller haben ihm Lobsprüche gege , bcn . J Ich will zum Beweise davon nur die ersten vier Verse eine« lateinischen Sinngedichtes geben , welches Peter le Loyer an ihn gemacher :
Lum fua quisque tibi cnlto munufeula vertu ,
Offerat , et genio dedieet illa tuo ,
Haud ego poftremos inter numerabor amico» ,
Et leuia , at faltem munera grata , dabo .
Dieses Sinngedichte folget auf die französischen Verse , mit welchen der Verfasser diesem Präsidenten der Untcrsnchungskammer , seine Comö - die , der unvernünftige Stumme , zugeschrieben hat . Man sehe , wie er ihn lobet . „ Quand j'aurai tant d'or - . . . in dem ten bis ausblute , mit eingeschlossen , llnd weiter , MonChalvet the - „ re tete I . . . . bis auf Prens donc , ausgeschlossen 5 in dem „ Drucke der Werke und gemischten Poesien des Peter von Loyer , Fol . „ 12 - verlo . pariser Ausgabe , von 1579 . »
Eham f der jüngste von den drey Söhnen des Noa ( A ) . Man weis nichts anders von ihm , als daß er zu seinen Brü - dern gesaget : er habe den Noa in seinem Zelte ganz nackend gesehen Auf diese einzige Thar , hat man , ich weis nicht wie viel , wunderliches Zeug gebauet ; ein wenig Sauerteig hat bey dieser Begebenheit eine entsetzliche Menge 'Teig zum gehen ge - bracht . Man hat geglaubet , daß , weil Cham so viele Unbescheidenheit gegen seinen Vater sehen lassen , er eine verfluchte Seele gehabt , die alle Arten der Abscheulichkeiten begangen . Man machet ihn zum Echnder der Zauberey ( B ) , und man erzählet viel Dinge hiervon : man will , daß er ein schlecht erbauliches Beyspiel der Unkeuschheit gegeben ( 0 ) , das heißt , daß er seine Frau in der Arche selbst geschwängert hätte . Einige sagen : es sey der Fehler , den er gegen seinen Vater begangen , unendlich ab - scheulicher gewesen , als er in der heil . Schrift vorgestellt wird . Einige wollen , daß er ihn verschnitten habe ( D ) j andere , daß er ihn , vermittelst einiger Zauberkünste , unvermögend gemacht ( E ) ; andere , daß er Blutschande mit der Ehftau des Noa begangen hätte ( F ) . Das allerseltsamste hierbey ist , wenn die Schrift nicht bemerket , daß dieser Patriarche dem Chain etwas aechan hat ; er hat ihm nicht einmal ein böses Wort gesaget : er hat sich begnüget , den Chanaan , Chams Sohn , zu verfluchen . Allein dieser Fluch ist nichts anders gewesen , als eine Drophezeyung der Siege , welche die Nachkommen Sems über die Nach - kommen Chanaans unter dem Josua , das heißt : sieben oder acht Jahrhunderte , nach dem Fehler Chams , erhalten würden . Dieß ist die ganze Strafe dieses ungerathenen Sohnes gewesen ; denn dasjenige ist ein erdichtetes Mährchen , was man gemeinig - lich saget : daß er schwarz geworden , und seine Schwäne seinen Nachkommen mitgetheilet habe , und daß man daher noch heut» , ges Tages so viele schwarz Völker in Asrica sehe . Es ist sehr wahrscheinlich , daß er sich in Aegypten niedergelassen hat b , und daß er daselbst nach seinem Tode , unter dem Namen Jupiter HammonS , angebethet worden . Man hat kurzweilige Dinge auf die Frage geantwortet , wie eö Noa erfahren , daß sich Cham so übel gegen ihn bezeigt habe c . Moreri hatte weder sagen feilen : daß Cham des Noä gespottet , da er ihn nackend gesehen , noch daß Chanaan der erste gewesen , der des Noa Blöße gewahr den , und seinen , Vater gesaget , was er gesehen hatte ; denn weder die heil . Schrift , noch ein einziger Schriftsteller , die diese Sache wissen können , haben ein Wort davon gejaget . Wenn uns Moreri diese zwo Sachen , als die Muthmaßung einiger Ausleger gegeben hatte , so könnte man ihn nicht tadeln ; allein so giebt er sie uns als einen Theil von der Historie Chams , die aus der heil . Schrift abgeschrieben ist . Hier stecket der Fehler .
« ) I B . Mos . IX , 22 . 4 ) Siehe BochartGeogr . Sacra , Libr . IV . cap . I . 0 Siehe die Anmerkung ( < ? ) .
( B ) man machet ihn - um Erfinder der 3 Die aiachkomnien des Noa . UebrigenS ist es Cham nicht geivese» , der diese schwarze Wissenschaft er * sunden hat , eS sind die Engel geivesen , die sich m das weibliche ( Geschlecht verliebt hatten , und sie den Menschen gelehret haben . Siehe Bochart . Geograph . Sacrae , Libr . IV . cap . I . Wie sich aber Eham nicht ge - trauet hat , die Bücher von dleftr Materie mit in die Arche zu nehmen ,
( A " ) Der jüngste von den drey Söhnen des Noa . 1 D>eß ist klar und unwiderwrechlich , weil die heil . Schrift , nachdem sie Chams ? kat erzählet hat , ausdrücklich bemerket : daß Noa , da er von st - - ' vyvme erwachet , erfahren , rvas ihm feinklemster Sohn 1 Buch Mos IX , 24 . Und gleichwohl behaupten un - viel Ausleger , daß Cham verändere Sohn deSNoa gewesen -
S »£f * n einer so deutlichen Erklärung , als diese ist . die Worte vor , wo
£ breo Brüder in dieser Ordnung gestellt sind : Sem . Chamund^ ^ - ^rnehmsten Lehrsahe auf sehr harte Körper eingegraben .
«£> , ( fhm & af im >8 VerS , und hm und wieder an andern Orten . Und l , Sundfluth widerstehen konnten : er hat diesen
■ , m den von mir angeführten - 4 Vers zu entkräften , vor , daß sorafaltig versteckt , und ihn nach dem Ausgange aus der Arche
nicht von dem Cham , sondern vom Chanaan , den . En - MM gen - Orte wiedergeholet , wo er ihn hingeleget hatte Man d L Schnft Nt«yr^° ( daß Cham nur darum der k e nste von A^Achmacktm Possen bey dem Caßian : Quantum , saget er ,
denen Meynungen : heißt 0'^ - Redensarten der heil , uiterre ,
als seiner
. . ^'^5° ^ - " allnUrsten Redensarten der heil . in5erre ; inausm erat vna cum patre iiifto et fanftis fratribi
nen , welche vermögend waren , die alierr I ereücirtis , fceleOas arte ? , et prophana eomraenta diuerforum
Schrift zu verdunkeln ?
II S«nd .
taJlorum

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