Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-3969

Borrede des zweyten Bandes .
noch dem schönen Lateine , noch denen , die es können , und gescheidte Bücher darinnen schreiben , feind bin ; sondern nur den Stolz demjenigen demüthigen wollen , die bei ) dem Mangel cher Sachen und gründlicher Wissenschaften , auf ihre Kenntniß alter Wörter so trotzen , als ob alle Gelehrsamkeit in lateinischen und griechischen Redensarten bestünde . Allein weil man mich auch . in öffentlichen Schriften , die ich aber hier nicht namhaft machen , sondern in der ihnen ge - bührenden Vergessenheit und Dunkelheit lassen will , angestochen , und für einen Feind aller schönen Latinität , und Verfechter der vermeyntlich einreißenden Barbarey ausgerufen hat : so habe ich nicht umhin gekonnt , auch hier etwas davon nachzuholen ; um meine Leser eines bessern zu beleh - ren . Ich bitte also auf folgende Erinnerungen Acht zu geben .
I . ) Hat Herr Bayle , und nicht ich , in der Anmerkung A . zum Artikel Babylon , vier gro - ßen Criticis , nämlich Scaligern , dem Bossius , dem Marsham , und Dodwellen Schuld ge - geben , daß sie in einer verderbten Stelle des Plinius , den falschen Vernunftschluß nicht wahrge , nommen ; der sie doch auf die Verbesserung falscher Zahlen hatte führen können . Was kann nun ich dafür ? Ist hier jemand , der den Criticis die Vernunft abspricht ; so bin ichs doch nicht , son - dern Herr Bayle thuts : an diesen müssen sie sich halten . Ich habe in meiner Note nur gezeigt , wo - her solches komme : weil nämlich viele von ihnen keine Philosophie lernen , die den Kopf auf - räumet , und richtig denken lehret . Allein es hat keine Roth . Auch Baute hat es nicht durch - gehends von allen sagen wollen ; indem er gleich darauf den Harduin und Perizon anführet , die diesen Fehler wahrgenommen haben , ob sie gleich auch Critici waren . Hier ist ja also die Eh - renerklärung gleich angehängt ; und mm hat nicht Ursache , über seine Unbilligkeit zu klagen .
Ii . ) Zeiget eben die Aufbürdung , die man mir wegen meiner Anmerkung hat machen wollen , als ob ich nämlich ein Verachter des schönen Lateins wäre , auf eine fthr deutliche Art : daß es auch bey so Hellem philosophischen Lichte dieser Zeiten , diese Stunde noch Liebhaber des Lateins und der Critik giebt , die schlechte Helden in der Vernunftlehre sind . Der Schluß mei - ner Gegner erweist es zur Gnüge . Denn wie folget das ? Cajus saget : ein großer Sprachen - Held , der keine Philosophie getrieben , sondern sich mit lauter Wortregistern , Manuscripten , verschiedenen Lesarten , Schreib - und Druckfehlern beschädiget ; die Sachen und Wissenschaften aber verabsäumet hat , kann und muß zuweilen falsche Schlüsse machen , oder sie an andern nicht wahrnehmen : Ergo ist Cajus ein Feind des guten Lateins , ein Verfechter der Barbarey , ein Homunrio je . Vortrefflich geschlossen ! Wer nur ein Vierteljahr die Logik gehört hat , wird sich des Lachens nicht enthalten können , wenn er gleich diesen Paralogismus in dem schönsten Lateine von der Welt vortragen , und mit einer großen Wehklage über den Verfall der Gelehr - samkeit begleiten höret .
III . ) Bin ich weder der erste noch der einzige , der über die ängstlichen Grübler im Latei - ne , und Verächter aller andern Wissenschaften und Künste , Klagen führet . Man lese nur , was Erasmus in seinem Cl'ceronianus wider diesen Eigensinn geschrieben . Er verspottet einen La , teiller , der sich ganz blaß , elend und mager studieret hatte , indem er sich ein Ciceromsches Lexi - con zusammen trug ; dessen erster Theil schon so groß war , daß ihn ein paar vierschrötige Last - träger kaum auf den Rücken forttragen konnten , der andre , dritte und vierte aber noch viel grö - ßer wurden . Nun weis man zwar , daß Scaliger sehr dadurch erbittert worden , und ein paar tige Reden wider ihn drucke» lassen ; davon ich die Tolosanische Ausgabe in 4 . von 1621 . besitze , Allein , so grob er hier wider den grossen Erasmus losgezogen , so sehr hat er es nachmals bereuet . ( S . die Scaligerana p . 140 . 141 . ) und nicht nur eine höchstrühmliche Grabschrift auf ihn , sondern in seinem Hipponaftes folgende höchstvernünftige Palinodie gemacht :
Plus poenitet me temporis , quod impendi ,
In Grammatiftas & leues locutores ,
Vanas Poetarum atque perditas nugas ,
Quam Barbarorum quae leguntur in libris .
Haec eft mearum tota fumma fummarum !
Stultum ac fupinum eft plumbeique delirii ,
Rebus relidtis confcnefcere in verbis .
Hat nun Erasmus , der doch zu Wiederherstellung der freyen Künste in Europa so unendlich viel beygetragen , ein sehr guter Scribent werden können , ohne sich zu einem geschworneil Cicero - nianer aufzuwerfen ; hat man seine Briefe , der muntern Einfälle , lebhaften Schreibart und schö - nen Sachen halber , den Briefen des Bembus und Politianus vorgezogen , die doch solche ängstliche Stilisten waren , s . Stoll . Hist . der Gelehrt . 159 . S . ; haben Ludewig Vives , den ich in den Artikeln
# 4 Bem -

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