Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5291

1Z2 Cäsar .
aufgenommen Habenz und durch Annehmung derselben hat er sich der Eitelkeit ausgesetzt , angesehen die alletbescheidensten Menschen sich durch dieses Gift verderben lassen , und sich einbilden , dasjenige zu seyn , was man saget , daß sie sind . Siehe die Nouvellen der Republik der Gelehr - len , Drachmonat 1686 . 1 Art . 6zi S . Man findet darinnen die Worte der IV Satire 70 V - Juvenals :
Nihil eft quod credere de fe Non poflit , cum laudatur , Diis aequa poteftas .
Siehe auch des XVI Br . 19 B . des I B . des Horaz :
8ed vereor , nc cui de te plus , quam tibi crcdas etc .
To yiig räv te tipm »j ) t«v Ixahuv xai / vwr^fa ? * " « K^f
tb ; nd . u ? <« - « ? , »7» k«ie tüv ixxhm «AhS«« ytyjeöbxi Soküci , «01« .
Nam immoderati honores laudesque , leuitattm animi etiam 1110 - deftiflimo cuique atferunt , vt fe iam tales efle , quales praedicantur , exiftiment . Dio , Lib . XLII . p . 274 .
Wir wollen die Ursache ein wenig untersuchen , warum man nicht glauben wollen , daß Cäsar aus Furcht sitzengeblieben , es möchte ihm sein Durchfall einen Übeln Possen spielen . Sie scheint mir nicht ge - gründet zu seyn ; denn daraus , daß er kurz darauf zu Fuße nach Hause gegangen ist , folget nicht , daß er bey der Annäherung des Rathes nicht heftiges Schneiden empfunden haben könnte . Ein Durchfall ist ja nicht bestandig unhöflich . Allein wenn auch diese Entschuldigung ihren guten Grund hätte , so würden wir doch Materie haben , die seltsamen Begebenheiten zu bewundern : wir könnten sagen , daß die allerwichtig - sten und die allerkläglichsten mit Nichtswürdigkeiten verknüpfer wären ; und daß ihnen die allerarmseligsten Triebfedern den Schwung geben .
Cäsar hat seinen Untergang beschleuniget , weil er sich , wegen einer klei - nen Unordnung ih seinem Eingeweide , in keiner höflichen Stellung zei - gen können , die bey einer andern Gelegenheit ohne Folgerung gewesen seyn würde ; allein damals ist sie eine große Sache gewesen ; und der Zufall , den man beym Aufstehen befürchtet , hat verdrießliche Folgen ge . habt . Er hätte dem ganzen römischen Volke zum Gelächter gedienet , und die Übelgesinnten würden ihm eine entsetzliche Auslegung gegeben haben . Was für eine Verachtung der Religion , und des Rathes ! Wie ! in dem Tempel der Venus selbst , und in Gegenwart der aller er - lanchtesten Gesellschaft von der Welt ! Diese That hätte von so viel Sei - ten vergiftet werden können , daß dieses auch einen Menschen selbst der alle Folgen dieser Ruhe sehr stark eingesehen hätte , zu dem Entsch«»Ne vermocht haben könnte , seinen Platz nicht zu verlassen . Hat sich Eon - stantin CopronymuS nicht einen sehr häßlichen und verächtlichen Bey - namen zugezogen , der sein Gedächtniß noch itzo verfolget ? Ist er nicht der Gegenstand von hundert Lästerungen , und unendlichen fchimvflichen Betrachtungen geworden , weil er sein Taufwasser ohne Gedanken und Wissen besudelt hat ? Impio patri fceleftiflima fuccedit proles Con - ftantinus cognomento Copronymi , quod infans baptismi lauacro admotus , mediis facris alimonii excremento aquam polluerat . loa .
Bapt . Egnatius , in Roman . Principibus . Dieß wäre noch ärger wesen , wenn ihm dergleichen in einer Kirche unter wahrender Zeit be - aegnet wäre , da er den Krieg wider die Beschützer der Bilder gesuhret hat . Man hat dabey zu allen Zeiten das Ansehen einer übermäßigen Verachtung , oder eine Ursache der Spötterey gesunden . K< * i av TanoiragSSv Kfoe ritt ßfcvTaf . Voloque oppedere veftris tonitru - bus . Ariftoph . in Nubib . A6t . 1 . Sc . IV . Vin'tu curtis ludaeis pedere ? Horat . Sat . IV . Lib . I . Siehe dasCatholckon von Spanien an dem Orte , wo von den Sitztagen der Abgeordneten an l»e Staaten auf der 37 S . geredet wird . Ausg . von >699 . Dem sey wie ihm wolle , so könnte man die Vertheidiger Cäsars viel besser , als durch die vom Dio angeführte Ursache widerlegen . Man könnte ihnen lagen , daß , wenn diese Leibesschwachheit Ursache gewesen , daß Cäsar nicht ausgestanden , er denen Rathsherren diese Ursache hätte melden sollen . Da er nun dieses nicht gethan hat , so ist es ein Merkmaal , daß er sich wenig darum be - kümmert hat , ob sie urtheilen möchten , daß solches aus einem Mangel der Höflichkeit , gegen diese erlauchte Gesellschaft geschähe ; und hierdurch ist er in die erste Verdrießlichkeit gefallen . Wir können uns vorstellen , daß sich die Rathsherren mit dieser Entschuldigung beftiediget haben wurden . Laban , ob er gleich sehr erarimmt gewesen , hat sich fast mit einer gleichmäßigen Entschuldigung besänftigen lassen , da ihn seine Toch - ter sitzend empfangen . Da sprach Rädel ; u ihrem Vater : mein - Herr , zürne nicht , Senn ich kann nicht aussieben geqen vir ; denn es geht mir nach der Frauen weise . IB . MXXXLC . XXXV . Hier ist noch ein ander Muster der Entschuldigung . Cäsar hätte sagen können : <^ch ) c im Herzen , ob ich gleich vor euch sitze , » . s . w . „ Einsmals be - fand sich der Cardinal von Perron in ziemlicher Verwirrung , da er vor der verstorbenen Königinn , de« Königes Frau Mutter , das Wort " für die Clerisey führte ; denn da er sich auf einem Stuhle befand , " worauf ihn dieGicht , vor einer so majestätischen Prinzeßinn . zu bleiben " zwana so wollte er derselben ein Ccmplimcnt machen , worzu er sich „ nicht vorbereitet hatte . Gnädigste Frau , sagte er zu ihr , ich liege „ auf ven Rnien des - Herzens , ob chr mich gleich sinend sehet .
- - - Da er bey diesen Worten es nicht für ehrerbiethig genug " fand , denjenigen Theil zu nennen , auf welchem er saß , und lange Zeit „ eine ehrbarere Ausdrückung suchte , ohne dieselbe zu finden : so mußte „ er endlich dazu setzen , auf den Schenkeln . , . Cottas , Suite de la Defenfe de Voiture , p . 189 .
Ich habe etwas gelesen , das uns an der Einsicht des Dio zu zweifeln Anlaß geben kann ; hier ist e« . Plutarch in Caefare , pag . ; j6 . tet : daß Cäsar über die UnHöflichkeit , in Verzweifelung gewesen , die er dem Rathe erwiesen , und die dem Volke so sehr miSfallen hatte . Jet doch man saget , setzet Plutarch . nach der Uebersetzung Amyots , ebenda - selbst darzu , daß er nach diesem »ur Entschuldigung dieses lers ftine Rrankheit angeführt habe : rr>eil dicicmgcn , Sie mir der sollenden Sucht beladen sind , nicht ihren völliqcn Verstand bekalten , wenn sie stehend vor einer Gemeine reden sollen , so daß sie sich leicht verirren , und osters in eine Gknmacht fallen ; allein dieß ist falsch gewesen . Dio hat den Plutarch gelesen ge , habt ; dieß muß man seiner Ehre wegen glauben . Woher kommt es denn , daß er nichts von dieser Entschuldigung gesaget , und eine andre angefnhret hat , die lange nicht fo wahrscheinlich , und gewisser maßen cherlich ist ?
( O ) Man hac ihn den 15 Mar ; 710 im Rache ermordet . ] Die Schriftsteller sind bey diesem chronologischen Puncte , wegen des Jahres nicht einig ; einige , als Sigonius , Calvisius u . a . m . sagen , Cäsar sey im 709 Jahre ermordet worden . Ich bin ihrer Meynung in dem Artikel Ärutus , ( Marcus Junius ) im Texte «cfolget , wo ich die Schlacht beyPhilippis ins Jahr 711 gesetzt , und vielleicht auch an andern Orten : allein ich finde die Meynung des Petavius vernünftiger , cher den Cäsar im 710 Jahre ermorden läßt . Dieß ist ietzo die ge - wohnlichste Meynung . Er ist sechs und fünfzig Jahre , und er was darüber oder darunter , gewesen : man hac ihm drcy und zwanzig Stiche gegeben ; ( Sueton . in Caef . cap . LXXXIII . ) jeder von den Verschwornen hat sich gedrungen , ihn zu verwunde» , und bey diesem Gedränge , haben etliche einander selbst verwundet . Plut . in Caef . 759 S . Sie hatten aeglaubek , es würde ihre That von dem Volke gebilligt werden ; allein sie harren sache den folgenden Tag daran zu zweifeln ; denn das Volk beobachtete ein tiefes Stillschweigen , als sie demselben eröffneten , was sie gethan hatten . Der Rath ermunterte sie wieder , indem er , da er an ei»er Seite dem Cäsar göttliche Ehre erwies , an der andern , denen Verschwornen viele Vortheile zugestund : allein Cäsars Leichenge , pränge kehrte alles von unterst zu oberst . Marcus Antonius hielt eine Rede , welche die Anwesenden dermaßen reizte , daß sie die Häuser der Verschwornen in den Brand steckten , und sie durch die ganze Stadt suchten , um sie in Stücken zu reißen . Am meisten hatte die Zuhörer gerühret , da er ihnen Cäsars Kleid ganz durchlöchert und voller Blut gezeiget . Plutarch . in Caefare , pag . 740 . Plutarch und Appian , sein Abschrei - der , versichern un« solches ; allein andre Geschichtschreiber berühren diesen Umstand nicht . Cicero , ivenn er dem Marcus Antonius sein Versah - ren an diesem Tage vorwirft , gedenket dieser Sache nicht Etil tum , cum Optimum te putabam , me quidem diflentiente , funeri tyranni , fi illud funusfuit , fceleratiflime praefuifti . Tua illa pulchra datio , tua miferatio , tua cohortatio , tiiillas faces incendifti , et eaS quibus feiniuftulatus ille , et eas quibus incenfa L . Bellieni domits deflagrauit . Tu illos impetus perditorum hominum , et ex maxiina parte feruorum , quos nos vi manuque repulimus , in noftras domus immififti . Cicero , Philipp . II . cap . XXXVI . Und man merke , daß Sueton , anstatt , baß er dieses gedenken sollte , vielmehr saget : Marcus Antonius habe seine Leichenrede nicht gehalten . Laudationis locoCon - ful Antonius per praeconem pronunciauit S . C . quo omnia ei diui - na ( imul atque humana decreuerat : item iusiurandum , quo fe cuncH pro falute vnius adftrinxerant ; quibus perpauca a fe verba addidit . Sueton . in Caefare , cap . LXXXIV . Ist es nicht was seltsames , daß er an e ner Sache zweifeln können , welche Cicero in voller Raths - Versammlung , zu einer Zeit bejahet hat , da sie noch ganz frisch gewesen ? Es wären tausenderler , Betrachtungen über die Unterschiede anzustellen , die sich unter den Geschichtschreibern finden . Ich wundre mich nicht wenig , daß Casaubon , ad Sueton . in Caefare , cap . LXXXIV . die lung des Suetvnius , durch das ZeugnißAppians har bestätigen wollen ; denn Appian versichert augenscheinlich , daß Marcus Antonius eine sehr weitläuftige Rede gehalten har .
( ? ) Seneca bemerket , daß sich Lasar mit der Republik der« maßen vereiniget habe , daß man Oabe^ keine Trennung , ohne alles ; u verSerben und ; u Grunde 5» richten , vornehmen kon , tun . ' ] Er reder folgendergestalt : Olim ita fe induit Reip . Caefar , vt feduci alterum non poflit , fine vtriusque pernicie : nam vt illi bus opus , ita et huic capite . Seneca , de Dementia , Lib . I . cap . IV . Dieß ist der Beschluß der allerschönsten Grundsähe , die er ven dem Ge» horsame der Untetthanen vorgebracht hatte . Man gedenket derselben in einer Schrift , die ein Königlicher im 159z Jahre , wider die Liguisten , herausgegeben hat : Nec folum propter iram , id eft metu poenae illi» obediendum eft , fed propter confcientiam , quia nimirum omnes fci - re oportet , id ex diuina voluntate et conftitutione fieri debere . Quod etiam Ethnici agnouerunt , inter quos illo faeculo quo D . lus fcripfit , haec fapiens Philofophus dicebat : Principes Kegescjue et quccunque aIi0 nomin * funt , tutores flatus publici amandos etiam vltr * priuatas necejfitudmes . Et olim , inquit , it * fe induit Reif . Caefar . - . . ( Mai , merke , daß dieses im Seneca vor gen hergeht , was den Cäsar betrifft . ) Ille enim eft vinculum , per quod Respubl . cohaeret ; tili fpiritus Vitalis , quem haec tot willia trahunt ; nihil ipfa per ( t futura , niß onus et praeda , fi mens illa imperii ful - trahatur . Man findet diese Worte auf der 75 S . eines Werkes , wel - ches den Titel har : Vindiciae fecunduni libertatem Ecclefiae Gallica - nae , et Regii flatus Gallofrancorum , fub Henrico IUI Rege Fran - corum et Nauarrae . L . S . A . R . Man glaubet , diese vier Buchst« - den bedeuten Ludouicus Seruinus Aduocatus Regius .
( QJ Nach aller Wahrscheinlichkeit würde Cäsar , wenn er noch zehn re gelebt hätte , zur Ehre und zum Wohlstände des römischen Volkes , die schönsten Dinge gethan haben . Er wurde mitten in den größten Anschlägen umgebracht , die ein erhabner Geist , und ein heldenmäßiger Muth unternehmen können . Siehe Sueton . in Caefare , cap . XL1V . und Plutarch . in Caefare , p . 735 -
( Rj ) Wir

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