Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5277

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Dieß heißt auf eine allzu weltgesinnte Art geredet : dieß heißt der Vor - sehung den Fehler bcvmessen , den man den weltlichen Richtern Schuld giebt , wenn man saget , daß die Galgen nur für die Unglückseligen gcbauet waren . Den III Einwurf biethet Sueton dar , welcher versichert , daß die Religion , das heißt , die üblen Vorbedeutungen der Opferthiere , oder andere dergleichen himmlische Warnungen de» Casar niemals halten , seine Unternehmungen anzufangen und zu verfolgen . Ne reli - gione quidem vlla a quoquam incepto abfterritus vnquam , vel re - tardatus eft . Cum immolanti aufugiflet hoftia , profeäionem ad - uerfus Scipionem et Iubam non diftulit . Sueton . in Caefare , cap . LIX . Er gab ein schönes Exempel davon an seinem Todesrage , weil er dennoch in den Rath gegangen , ungeachtet das von ihm verrichtete Opfer ihm nichts gutes verkündiget hatte . Dein pluribus hoftiis caefis cum litare nonpoflet , introiit curiam fpreta religione . Ebendaselbst LXXXt Cap . Dieß sind die drey Beweise , auf welche ich gleich antwor - ten werde .
Wider den I sage ich , daß er zuviel beweist : denn wenn die Stelle des Sallustius ein Beweis ist , daß Casar keine Vorsehung der Götter ge - glaubet , so müßte er auch sagen , daß Cicero keine geglaubt hätte ; cher in voller Versammlung eben so deutlich als Casar versichert hat , daß der Tod alles Elend aufhebe ; und da er alles dasjenige für Fabeln und Träume ausgegeben hat , was man von den Martern der Hölle jagte . Huic mortem maturabat inimicus , quod illi vnum in malis perfugium erat calamitatis ; qui fi quid animi , ac virtutis habuiüet ( vt multi faepe fortes viri in eiusmodi dolore ) mortem fibi ipfe confciflet : huie quamobretn id vellet inimicus otferre , quod ipfe fibi optare deberet ? Nain nunc quidein quid tandem illi mali mors attulit ? nifi forte ineptiis , ac fabulis ducimur , vt exiftimemus , il - Ium apud inferos impiorum fupplicia perferre , ac plures illic oöen - difle inimicos , quam hic reliquifle : a focrus , ab vxorum , a fratris , a liberum poenis , adhim efie praecipitcm in fceleratorum federn , at - que regionem . Quae fi falfa funt , id quod oinnes intelligent , quid ei tandem aliud mors eripuit , praeter fenfum doloris Z Cicero , pro Cluentio , c . LXI . Man merke , daß Cicero in der Rede für den C . Rabi - rius auf eine ganz andre Art redet . Man wurde das größte Unrecht von der Welt haben , wenn man aus dieser Stelle schließen wollte , daß Cicero weder ein ander Leben , noch die Vorsehung der Götter geglaubt hätte : seine Schriften bezeugen ganz offenbar dasGegentheil . Uebrigens giebt nicht jedermann zu . dckß eine nothwendiae Verknüpfung zwischen der lichkeit der Seele , und der Vorsehung Gottes sei , . Die Sadducäer leugneten die erste von diesen zwoen Lehren , und gaben die andere zu .
Sch bediene mich einer gleichmäßigen Antwort , in Ansehung des andern inwurss . Sylla ist der allerenrfernteste Mann in der Welt , von der Gottesverleugnung gewesen . Er hat eine große Ehrerbiethung gegen die Verordnungen begehret , die Gott vermittelst der Träume giebt : er hat seine Siege mehr der Gnade der Göttinn des Glückes , als seiner Klugheit zugeschrieben ; ( Plutarch . in eins Vita , p . 454 , ) er hat die Wahrsagun - gen geglaubet ; ebendas . er hat einen Theil seiner Güter den Göttern gelobet ; und die Gepränge auf das genaueste beobachtet , die ihm die Priester vorgeschrieben . Ebendas . 474 S . Unterdessen , da er bey der Belagerung von Athen Holz und Geld nöthig gehabt , hat er sich nicht den geringsten Scrupel gemacht , die heiligen Baume umhauen zu lassen , und die Schätze aus den Tempeln , ja so gar aus dem zu Delphis zu rau - den , die er darinnen gefunden . Ebendas . 459 S . Er hat auf eine kurz - weilige Art den Scrupel seines Abgeschickten verspottet . Wir wollen also sagen , es beweise die Kühnheit Cäsar« wider den h . Wald zu Mar - stille nicht , daß er die Vorsehung geleugnet : sie beweist nur , entweder , daß er ins besondere dieses Aberglaubens der Einwohner zu Marseille gespottet ; oder daß er die Regeln der Religion überschritten , wenn es ein sehr wichtiger Nu Ken seiner Geschäffte erfordert hat . Die christlichen Fürsten , welche sich im Nothfalle der Kirchengüter bemächtigen , wissen sehr wohl , daß sie übel thun ; allein sie wollen lieber dieß Verbrechen be , gehen , als von ihren Feinden überwunden werden : eben auf diese Art übertreten sie lieber die Gesehe der Keuschheit , wider ihr Gewissen , als daß sie ihre Begierden kreuzigen . Der dritte Einwurf ist nicht viel stärker als die vorhergehenden : er zeiget nur , daß man dasjenige vom Cäsar sagen müsse , was wir von den Christen sagen , die den Glauben und keine christliche Liebe haben ; welche an das Evangelium glauben , ohne dessen Gebothe zu beobachten : mit einem Worte , welche Glanben ohne Werke haben . Cäsar hat die Religion der Auguren geglaubt , und sie um Rath gefraget ; allein er hat sich derselben nicht gemäß bezeigt , wenn ihm seine Klugheit , oder seine Leidenschaften das Gegentheil ge , rathen haben . Eben auf die Art , wie sich die Christen in Ansehung der GcwissenSräthe bezeugen : sie ziehen sie zu Rache , aber sie gehorchen ih - nen nicht . Wie aber die Sorgfalt , mit welcher sie dieselben um Rath fragen , ein Merkmaal ist , daß sie von den Lehren der Religion überredet sind , so muß man gleichfalls sagen , daß die Sorgfalt Cäsars , die Einge - weide der Opferthiere , ( Dein pluribus hoftiis caefis cum litare non pofTet . Sueton . in Caef . cap . LXXXt . ) und die andern Orakel der Wahrsagerkunst um Rath zu fragen , bezeuget : daß es ihm in diesem Puncte nicht am Glauben gemangelt habe . Den Tag , an welchem er ermordet worden , hat er bey sich angestanden , ob er ausgehen wollen oder nicht ? ob er gleich gewußt , daß dieser Tag zur Entscheidung vieler Sa - chen von der äußersten Wichtigkeit - , in dem Rache bestimmt gewesen . Die Ursache seiner Unschlüßigkeit ist nur von einem bösen Traume sei - ner Frau hergekommen . Er wurde durch diesen Traum unschlüßig ge - mackt , aber nicht so weit , daß er nicht hätte ausgehen wollen . Diesen Schluß zu fassen , hat er erfahren müssen , daß die Opfer , die er den tern bringen lassen , nichts gutes verkündigten . Hierauf beschließt er . in den Rath nicht zu gehen ; dt Si w io ) lüe xxTxBvtavrn oi n & vrott
2'pxtav ctvTU ivt'tfiTv , »yviu AvtwvMV , cetpüvou tijv cvyx^rov .
Vt vero multis iam caefis hoftiis renuntiauerunt ei arufpices litari non polle , ftatuit mifTo Antonio Senatum dimittere . Plut . in eius Vita , pag . 738 . B ; und er würde auch nicht hingegangen seyn , wenn nicht einer von den Verschwornen die Geschicklichkeit gehabt , ihn bey sei , ner Schwäche anzugreifen . Er hat unter andern zu ihm gesaget : ZVan werden deine Feinde säaen , rvemt sie erfahren , Saß du an - stehst , sie wichtigsten Geschaffte der Republik in Gcdnunq ; u bringen , bis Verne Frau einen glücklichen Traum gehabt haben
rvird i Ii Si rt ( aüzoU xxSt & uhttt , vCv fify ciTa & äTlsSai ,
Si auSic irx - ' fvTv%ai ßiArlonv iiftgat KaArafv / « , rinete Ae'ym tw» praefentia vtdifcedant , redeantque vbi nadVa fuerit Calpurnia lae - tiora fomnia ; quales futuri funt apud inuidos fermones \ selbst C . Wir haben also hier einen Mann , welcher den Weissagungen Glauben beygemessen . Wir wissen anderswoher , daß er verschiedene Bücher von der Wahrsagung aus dem Vogelfluge verfertiget , ( Macro - bius , Saturn . Üb . I . cap . XVI . pag . m . 267 . führet das XVI davon an , ) und daß er durch ein Wunderwerk aufgemuntert worden , über den Ru - biconzu setzen . Eatur , saget er beymSuetonXXXIICap . quo deo - RVM oftenta et inimicorum iniquitas vocat : iafla aleaeft ! Wir wissen , daß er sein Gebeth an die Götter gerichtet , als er fich zu der Hauptschlacht wider den Pompejus fertig gemacht , nsgix * e>lf
vot trjf ) TOit Üsots xugirarle TIf» ty & fMyya . Ibi laetUS et
deos preCaTVS aciem ornat . Plut . in Caef . pag . 728 . E . Wir wisse« , daß er ein vollkommenes Verttauen in fein Gluck gesetzet , wie es erkellet , da er seinem Schiffmanne einen Much zugesprochen : Quid times ? Caefarem vehis : XDotfoc fürchtest du dich i du führest Lasarn . Florus , Libr . IV . cap . II . num . 37 . Seine Worte in dem Plutarch sind viel nachdrücklicher , n<«< / » rij rix * yv« Kxin unsere Geschäffte mi - scher . Siehe bey dem Artikel Timoleon , die Anmerkungen ( I ) . und ( K ) .
Ich habe eine Religionshandlung vergessen , die merkwürdig ist . Die Einwohner zu Auvergne haben sich gerühmt , das SchwerdtIu« liu« Cäsars zu haben , und dasselbe noch zur Zeit Plutarchs in einem , von ihren Tempeln aufgehangen , gezeigt . Cäsar hat es gesehen , und darüber gelacht , auch seinen Leuten nicht erlauben wollen , es wegzuneh - men . Er hat es als eine heilige Sache angesehen . Dio im XLIIB .
pag . m . 234 .
Ich führe die Hochachtung , die er für ein Denkmaal gehabt , nicht als einen Gewissensscruvel an . Er hat sich nicht unterstanden , daS Siegeszeichen zu verwüsten , welches Mithridateö nach der Niederlage des Triarius hatte auftichten lassen . ( Dio , Libr . XLII . pag . m . 234 . ) Er hat sich nicht unterstanden , sage ich , es umzuwerfen ; weil es ein den Kriegsgötteri» gewidmetes Denkmaal war , ( siehe oben die Anmerkung ( II ) , zu dem Attikel Aurelian . ) Allein er hat denselben gegenüber ein anderes Siegeszeichen aufgerichtet , nachdem er den Phariiace« über - wunden gehabt . Er hat sich begnügt , einem Denkmaale ein Denkmaal entgegen zu setzen , damit das seinige das andere verdunkeln , und eini - germaßen vernichten sollen . KoSeA«» / xin yicg t« rä ßzfSägH u * hfa -
yuieev , «5 { ; vj / J Toiif inreAepioit äeei ( hgänevov . rf 3i Si rü Ulis irctgxt & att >jh ««« ev - . fcnixei , vjv rgoirov nm k * thgi^e . Euertere quidera trophaeum barbari non eft aufus , vtpote belli Deis confecratum ; fed fui ipfius trophaeum conftituendo illud aliud obfcurauit , quodarn - que modo deiecit . Dio , Libr . XLII . pag . 234 . Er könnte wirklich eine Furcht gehabt haben , die KriegSgötter zu beleidigen : er konnte auch nerlich dieses Rcligionsartikels gespottet haben . Wir wollen also bey die , sem Beweise nicht beharren ; wir wollen zugeben , daß man geglaubet , er habe sich , ob er gleich im Grunde der Seele keine Ehrfurcht gegen den Mars , die Bellona , oder Minerva , u . a . d . gehabt , als ein guter Staats« mann enthalten , dem gemeinen Wahne ein Aergerniß zu geben . Allein hier ist eine Sache , welche nicht zu zweifeln erlaubet , daß er abergläubisch aewesen . Er hat eine Gebethssormel gehabt , welche er dreyinal wieder - holt , wenn er sich in seinen Wagen gesetzt gehabt : und dieses yat er gerhan , um sich eine glückliche Reise zu verschaffen , auch diese Andacht nickt eher zu gebrauchen angefangen , als seit dem er einmal beynahe mir seinem Wagen umgeworfen worden . Caefarem Di & atorem poft vnum an - cipitem vehiculi cafum , ferunt femper , vt primuin confedifiet , id quod plerosque nunc facere fcimus , carmine ter rcpetito ftcurita - tein itinerum aucupari folitum . Plin . Libr . XVIII . cap . II . AilS allem diesem schließe ich , daß er auss höchst - nur ein Epikuräer in der Ausübung gewesen seyn kann . Man nehme auch das Vergnügen an Wohlleben davon aus . Siehe den Sueton , in dessen LIII Cap . wo er dasjenige anführet , was Cato gesaget : Vnum ex omnibus Caefarem ad euertendam rempublicam fobrium acceffille . Siehe auch des Pa - terculus , Lib . II . cap . XLi . »
_ ( ! ) Ihre Lurckt ist nicht allm übel gegründet geivcsen . 1 Die Lieblliige Casars sind in ihrer Art viel begierlicher und unersätlli - cher gewesen , als er selbst . Sie haben ihm aus keiner andern Ursache den Konigstitel verschaffen wollen , als weil sie unter dieser neuen Re , gierungsftrm eine größere Gewalt zu erlangen gehofft . Das erste , was sie hierzu angewendet , war ein Religionsstreich : sie haben unter dem Volke ausgestreuet , die Gemüther einzunehmen : daß die Verse der Sybillen deutlich sagtet , , es würden die Römer die Parther unter das Joch bringen , wenn sie ein mächtiges Heer unter der Anführung eines Königes wider sie zu Felde schickten ; außer diesem aber würden sie die - selben allezeit unüberwindlich finden . Hierauf haben die Lieblinge einen Versuch gemacht , ob das Volk genugsam vorbereitet wäre : denn sie ha - ben dem Casar , da er eine« Tages in die Stadt zurück gekommen , den Königesnamen beyqeleqt . Allein das Volk murrte darüber , und hier« auf nahm Cäjär dessen Partey auf eine listige Art , und verwarf diesen Titel : ( man ziehe hierbey dasjenige zu Rothe , was in der Historie von den Werken der Gelehrten , im Monate Jenner 1699 , aus der 7 Seite , bey dem Auszuge der Nachrichten des Ludlow , von dem Cromwel gesaget wird . ) Allein er begab sich voller Verdruß weg , da er sehen müssen , daß ihm das Volk nicht widersprach ; als er sich der Begrüßung seiner Schmeichler widersetzte . Diese ließen sich nicht abschrecken : denn un - ter währenden . Feste der Lupercaliei ? , näherte sich Marcus Antonius , welcher Consul war , dem Cäsar , und wollte ihm den königlichen Haupt«
schmuck

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