Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5268

Cäsar .
i ) t dasjenige in dem Artikel de« Herzog« von Weimar , was von helm» , , dem l dieses Namens , Prinzen von Oranien , gesaget wird . Die Nothwendigkeit , dazu man sich gebracht sieht , gewisse Dinge zu thun , ist zuweilen viel geschickter , einen Prinzen für unglücklich , als preis - würdig anzusehen .
( E ) Er war nicht weniger geschickt 5« listigen Streichen , als ZU Schlackten . ] Es ist kein Mensch gewesen . der sich , im Falle der Roth , der Scheinheiligkeit undSchmeicheley besser zu bedienen gewußt , als er . Appian . Libr . II . Bell . Cinil . p . m . 227 . Er hat seine Karte so wohl zu mischen gewußt , da er Oberpriester werden wollen , daß er dieses Amt vor zween erlauchten Mitwerbern , dem Q . Lutatius Catulus und dem P . Servilius IsaurieuS , davon getragen hat , die viel älter , und wegen ihrer der Republik geleisteten Dienste , viel schätzbarer , als er , wa - ren . Sein großes Herz und fern natürlicher Hochmuch wurden so ge , schmeidig , daß er sich gegen diejenigen zu den niederträchtigsten Schmei - ckeleyenherunter gelassen hat , die ihm günstig seyn konnten ; ( Dio , Lib . XXXVII . ) und seinen Zweck desto besser zu erlangen , hat er große men erborget , damit er im Stande seyn möchte , sich die Stimmen da - durch zu erkaufen . Durch dieses Mittel hat er die Armen und Neichen in feine Angelegenheiten gezogen : jene , weil sie sich verbunden gehalten , einem Manne zu dienen , der ihnen so viel Geld gegeben hatte ; diese , weil sie sich befürchtet , niemals bezahlt zu werden , wenn Cäsarn sein Streich fehl schlüge . Appian . Libr . II . Bell . Ciii . Und er hätte in der That die Stadt räumen und Bankerott machen müssen , wenn er nicht zum Oberpriester erwählet worden wäre . Dieserwegen hat er zu seiner Mutter gesager , als er an den Ort gegangen , wo diese Wahl geschehen sollte : - Heute werdet ihr mich entweder als Oberpriester , oder als einen Flüchtigen sehen . Plutarch . in Caef . p . 710 . D . Sueton , in dessen Leben , im XIII Cap . redet also : Pontificatiun niaximuin pe - tit non fine profufiffitna largitione , in qua reputans magnitudinem aeris alieni cum mane ad comitia dcfcenderet , praedixifle matri ofculanti fertur , domum fe nifi Pontificem non reuerfurum . Kann man eine besser anSgesonnene List , als diejenige , verlangen , deren er sich be - dienet , zu verhindern , daß ihm seine Abwesenheit nicht schädlich seyn sollte ? Er hat , so zu sagen , alle diejenigen gefesselt , die zu Aemrern gestiegen sind ; denn er hat durch seine Kunstgriffe und sein Aysehen gearbeitet , alle diejenigen davon auszuschließen , die ihm nicht versprechen wollen , ihn nnrer währender seiner Abwesenheit zu nnterstüken : so , daß kein ander Mittel , durch seinen Vorspruch , zuAemtern zu gelangen , war , als daß man sich seiner Angelegenheiten annahm , und ihm einiger maßen et» neu blinden Gehorsam versprach . Er hat sich nicht allemal mit einer münd - lichen Versoreclmng begnüget , sondern auch zuweilen einen Eid und schriftliche Versprechungen gefordert . Ist es nun wohl schwer gewesen , voraus zu sagen , daß eine Republik , wo dergleichen Unordnungen geHerr - schet , nicht lange dauern würde ? Ad fecuritatem ergo pofteri tem - poris in magno negotio habuit , obligare femper annuos magiftratus , et e petitoribus non alios adiuuare aut ad honorem pati peruenire , quam qui fibi recepiflent propugnaturos abfentiam fuam , cuius pa - fli non dubitauit a quibusdam iusiurandum atqueetiam fyngfapham exigere . Sueton . inCaefare , c . XXIII . Sylla roch den Braten wohl , da er , als er dem vielfältig wiederholten Anhalten verschiedener Standesperso - nen nachgegeben , zu ihnen gesaget : daß es ihnen einst gereuen würde , ver - hindert zu haben , daß er diesen jungen Menschen nicht aus dem Wege ge - räumet hätte , der etliche Marier in seinem Busen verborgen trüge . Sa . tis conftat Syllam , cum deprecantibus amicillimis et orriafiflimis viris aliquamdiu denegaflet , atque illi pertinacifer contenderent , expu - gnatum tandem proclamafle ( fiue diuinitus , fiue aliqua conie6hira ) Vincerent , ac fibi haberent - dummodo fcirent , eum , quem inco - lumem tanto opere cuperent , quandoque optimatium partibus , quas fecum fimul defendiflent , exitio futurum : nam Caefari multos Ma - rios inefle . Ebend . I Cap .
( F ) <£t besaß nicht weniger Witz , als - Herx . Z Ich will mich der Worte des Plinius bediene» , um den weitläuftigen Umfang und die Thätigkeit dieses Geistes vorzustellen : Animi vigore praeftantif - limum arbitror genitum Caefarem Di & atorem . Nec virtutem con - ftantiamque nunc commemoro , nec fublimitatem oinmum capa - cem , quae coelo continentur : fed proprium vigorem celeritatem - que quodam igne volucrem . Scribere aut legere , fimul diftare et audire folitum accepiimis . Epiftolas vero tantarum rerum quater - nas pariter librariis diftare : aut fi nihil aliud ageret , feptenas . Plin . Libr . VII . cap . XXV . Cäsar las oder schrieb , indem er vielen Perso - nen zu gleicher Zeit dietirte . Was aber seine Unerschrockenheir und Herzhastigkeit anlangt , so besehe man den Sueton . in Caefare , LXu . f . Cap Siehe auch den Valer . Max . im III B . II Cap . Num . 19 .
( G ) rvir haben noch nvey von seinen Berken . ] Nämlich VII Bücher von dem gallischen Kriege , und III Bücher von dem bnr - gerlichen Kriege . Dieß sind eigentlich nur Nachrichten . Man findet darinnen eine große Zierlichkeit der Schreibart und alle ungekünstelten Schönheiten , die ein so glücklicher Witz , als Julius Cäsar , in einem Werke von dieser Art anbringen können , welches er in der Eil und oh - ne Kunst aufgesetzt hat . Caeteri quam bene atque emendate , nos et - iam quam facile atque celeriter eos confecerit fcimus . Hirtius Prae - fat . Libr . VIII . de Bello Gallico . Man wird dieses gerne für ein schmeichelhaftes Lob ansehen , was Hirtius davon gesaget hat , wenn man nicht ein gleiches Lob in einem Werke sähe , wo Cicero keine Lobrede an - stimmet , wie er in etlichen Reden gethan hat , als in den Reden für den Marcellus , den LigariuS und den König Dejotarus . Conftat inter omnes nihil tarn operofe ab aliis efle perfeftum , quod non horum eleeant'ia Commentariorum fuperetur : qui funt editi ne feien - <■ ; » tantarum rerum geftarum feriptoribus defit , adeoque probantur nrnnium iudicio , Vt praerepta non praebita facultas feriptoribus fiHMtiir Dieß sind die Worte des . Sirtius , in der Vorrede des VIII ÄTde S Gallico , und hier sind de - Cicero seine : Commen - SöuchS , de oeiio u rerum fuarum , Va ! de . . . . proban - tarios quosdam p et vcnulH , omni ornatu orationis tan -
dos : nudi eniin , ( jum v0 [ uit alios habere parata vnde fu - quam vefte hiftoriam , ineptis gratum fortalle fe -
merent , qui Vellent fcribere n fanQS quidem homines a
dt , qui volunt lila cala " u . ft " - a in hiftoria pura et illuftri bre - feribendo detem . it : LXXIV . Die ganze Welt hat
uitate dulcius . Cicero , in Bruto , «p frctlN wir erfahren
nicht so davon gelirtheilet , als Cicero uno > ?
II Sand .
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von dem Sueton , in Caef . L VI Cap . daß Asinius Pollio in diesen Nach - richten viele Nachlaßigkeit und Lügen gefunden hat ; entweder weil Cäsar falschen Berichren geglaubet , oder weil ihn bey Dingen , die er selbst ausgefuhret , die Eigenliebe oder ein Mangel des Gedächtnisses , veran - lasset hat , Unrichtigkeiten vorzubringen . Pollio Afmius parum diligen . ter parumque integra veritate compofitos putat , cum Caefar plera . que , et quae per alios erant gefta temere crediderit , et quae per fe vel confulto , vel etiam memoria lapfus perperam ediderit ; exifti - matque referipturum et corredhirum fuifle . Suet . in Caefare , cap LVI . Ein neuer Kunstrichter , nämlich Morhof , de Patauinitate Liuia - na , p . 45 . hat dieses Urlheil des Pollio sehr geradelt ; allein der Ber . fasser der Nouvellen , von der Republik der Gelehrten , hat sich wider die - sen Kunstrichter erkläret . Es wird schwer sevn , saget er im Brach - monate , >68 ; . auf der 629 S . den Alimus pollio ; u überführen , daß er die Nackirichten Casars fälschlich der - k^ügen beschul tzet hätte ; denn warum sollten wir nicht glauben , daß ein Schriftsteller , der ; ur selben Seit gelebet hat , und welcher , auf alle rveise , von gleichem - Handwerke mit dem Cäsar , einSolda , te , ein Geschchtjchreiber und Redner , fögut , als er , gewesen , nicht tausend Dinge gewußt haben sollte , die ihm ge ; ciger , daß Cäsar Fabeln vorgebracht harre i Uebrigens ist es mehr , als ? u gewiß , daß die Nachrichten dieses Eroberers auf eine all , » nachläßige Art geschrieben sind ; und wenn der prin ; von Con - de einmal auf die Gedanken kommen sollte , einen Bericht ron seinen Leld ? ügen nach dieser Art xr» machen : so rannte er c ? ewiß versichert seyn , daß sein Such von Rennern nicht bewundert werden würde , allein , unfehlbar würde man darinnen eine gan ) andere Stärke sehen . Ich bin gewiß versichert , daß wenig Verfechter des Alcerthums so eingenommen seyn werden , zu behaupten , daß die Nachrichten des Herzogs de la Nochefoucaur nicht besser , als CäsarS seine , sind . Man ziehe den Voßiuö von den lateinischen Ge - schichtschreibern , auf der 62 und 63 S zu Reiche , welcher zwey Dinge mit der größten Klarheit zeiget : 1 ) daß Cäsar der wahrhaftige Ur - hcl'er der Geschichtsbücher gewesen , die seinen Namen führen ; 2 ) daß die Wahrheit öfters darinnen qefparet worden . Siehe die Anmerkung ( l ) ) , bey dem Artikel Merellus , ( Lucius ) und hier unten die Anmer - kung ( 8 ) .
( U ) Man hatte Unrecht , ihn , in Ansehung der Vorsehung , für einen erwägenden Epikuraer ) u halten . ^ Man kann mir drey Dinge bey diesem Puncte einwerfen . Das I ist diese Stelle des Sallustius , in Bello Catilin . cap . LI : De poena , poffiim equidem dicere id quod res habet , in lu£hi atque iniferiis mortem aerumna - rum requiem non cruciatum eile , eam cundta mortalium mala dif - foluere , vltra neque curae neque gaudio locum eile . Also redet sar in dem Rathe , da er seine Meynung wegen der Strafe geben sollen , die man den Mitschuldigen des Catilina auflegen sollte . Er entschei , det rund und ohne die geringste Zurückhaltung , daß der Tod alles nn - fer Gutes und Böses endiget : das heißt die Unsterblichkeit der Seele schlechterdings leugnen . Man muß mit allem Rechte erstaunen , daß sich ein Ratbsherr erkühnet , in voller Versammlung also zu reden . Ca - to hat diese Lehre Cäsars nicht unberührt gelassen , allein er hat sie nur verdeckt und sehr gemäßiget beurtheilet . Bene , et eompofite , C . Cae - far paulo ante in hoc ordine de vita et morte difleruit : credo falfa exiftimans ea , tjutt de mferis memorantur , diuerfo itinere malos * bonis loca tttra , inculta , foed» , atque formidolof» habtre . Ebendas .
LII Cap . Der II Einwurf ist aus dem Lucanus genommen . Dieser Dichter erzählet : es habe Casar , da er Marseille belagert , befohlen , daß man einen Wald , der einer gewissen Gottheit geweiht war , umhauen sollte , welcher von den Einwohnern um so vielmehr verehret worden , weil sie dieselbe nicht gekannt .
Non vulgatis facrata figuris Numina fic metuunt : tantum terroribus addit Qiios timeant , non nofle Deos .
Lucanus , Pharf . Libr . III . v . 415 .
Die Soldaten getraueten sich nicht , ju gehorchen ; sie befürchteten , es möchten ihre Aexte auf sie zurücke prallen^ also mußte Cäsar zuerst die Hand anlegen , und sie nicht allein durch den Fortgang seiner Hiebe , die er einem von diesen geweihten Bäumen gegeben , sondern auch durch die Erklärung aufmuntern ; daß er alle Schuld und Gottlosigkeit über sich nehmen wollte , die sie dadurch begehen würden . Endlich folgte der Gehorsam : nicht so wohl , weil man sich nicht mehr gefürchtet , als weil man sich lieber dem Zorne des Himmels , als dem Seinigen , aus - setzen wollen .
8ed forte» tremuere manus , motique verenda
Maieftate loci , fi robora facra ferirent ,
In fua credebant redituras membra fecures .
Implicitas magno Caefar terrore cohorte»
Vt vidit , primus raptam librare bipennetn
Aufus , et aeriam ferro profeindere quercum ,
EfFatur merfo violata in robora ferro :
Iam nequis veftrum dubitet ftibuertere filuam ,
Credite me feeifle nefas . T . mc paru . t omms
Imperiis non fublato fecura pauore
Turba , fed expeniä Superorum , et Caefans ira .
Ebendaselbst , v . 429 .
Wenn sich alles dasjenige , was ich aus der Erzählung Lucan« nökhig ha . be nickt hier endigte : so wurde ich seine Anmerkung »och dazu sehen . daß sich die Einwohner zu Marseille , anstatt , daß sie über den Verlust ihres heiligen Waldes betrübt seyn sollen , ungemein darüber erneuet , weil sie sieb eingebildet : es könne eine so große Gottlosigkeit nicht un - qestrast bleiben ; allein sie haben erfahren , saget LueanuS , daß sich die Götter nur wider die Unglilckseligen erzürnen .
Muris fed claufa iuuentus Exultat : quis enim laefos impune putaret Elle Deos ? feruat multos Fortuna nocentes ,
Et tantum miferis irafei niimina poilunt . Ebend . v . 446
R Dieß

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