Creator:
Bayle, Pierre Gottsched, Johann Christoph La Croze, Maturin Veyssiere
PURL:
https://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-5256

eine sehr seltsame Sache von der Niederlage de« Heerführers der lier . Die vom Julius Cäsar belagerten Einwohner zu Alexia erwar - teten mit Ungeduld , daß Bercingentorix mit breymal hundert tausend Mann , die Belagerung aufzuheben , kommen sollte : sie wußten nicht , daß Cäsar aufgebrochen war , diesem großen Kriegsheere eineSchlacht zu liefern ; sie erfuhren es nicht eher , als bis sie ihn von der Höhe ihrer Mauern , zu der Belagerung , als Sieger , zurückkommen sahen . Ihr Geschrey und Weh - klagen gab den römischen Soldaren , welche die Linien der Belagerung bewachten , die erste Nachricht von Cäsars Siege . Plutarch . in Caefar . p . ? 2> . Dieß ist noch seltsamer , wie es Pliitarch beobachtet . Er hat Recht zusagen , daß des Bercingentorix großes Kriegesheer , als ein Traum und Schatten verschwunden . oiru ( - - 5t« ; rotctton änrs * itSmAm h Ivtigov »ctf iifTitpä^ro . Tarn brcui momen -
to adeo immenfa manus ficut fpeftrum vel fomnium enanuit et ditfipata eft . Ebendas Dieß heißt die Geschwindigkeit unvergleichlich vorstellen , mit welcher Julius Cäsar seine großen Anschläge ausgefuhret hat . Im Nothfalle hat er hundert Meilen in einem Tage zurück ge - leger , er hat schwimmend über die Flüsse auf das jenseitige Ufer gesetzt , und ist also eher angekommen , als die Zeitungen von seinem Marsche . Longifllmas vias incredibili celeritate confecit expeditus , meritoria rheda centena pafliium millia in fingulos dies : fi flumina moraren - tur , nando traiiciens , vel innixus inflatis vtribus , vt perfaepe nun . tios de fe praeuenerit . Sueton . in Caefar . cap . LVII . Wenn ich ihn dem Blitze verglichen habe , so ist es nach dem Florus geschehen : ttunc ( Pharnacem ) Caefar agrefius , saget er im I V B . II Cap . Num . 6z . vno , et vt lic dixerim non totopraelio , obtriuit , more fvl - MINIS , , qiiod vno eodetnque momento venit , percuflit , abfcef - fit . Nec vana de fe praedicatio eft Caefaris , ante vidtum hoftem efle , quam vifuin . Folgender Gestalrlredet Sueton im Casar , XXX VII Cap . von der Geschwindigkeit , mit welcher Phamaces überwunden wor - den . Pontico triumpho inter pompae fercula triuin vcrborum prae - fUlit titulum , vENI . VIDI . VlcI . non aöa belli fignificantem ficut caeteri , fed celeriter confefti notam . Plutarch will , es hatte Cäsar diese drey Worte , veni . vidi . vici . an einen Freund geschrieben , um ihm die kurze Dauer dieses Krieges zu bemerken . Pliitarch . inCacf . p . 731 . E . Cicero hat ihn selbst zu der Zeit , da er vom Cäsar , alseinem Feinde , redet , als ein Wunderwerk der Geschwindigkeit und keit angesehen , fed hoc rtfai ; , horribili vigilanfia , celeritate , gentia eft . Cicero , Epift . IX . ad Attic . Libr . VIII . Es wird mir er - laubt seyn , das schöne Lob hier anzuführen , das er ihm in seiner Rede , wider den Piso , gegeben hat . Er betrachtet die großen Thaten Casars , als eine Sache , welche in Zukunft die Walle überflüßjg und unnützlich machen würde , womit die Natur Italien versehen hätte . Ich wollte , daß er diesen Gedanken von der Tapferkeit und Wachsamkeit CäsarS selbst gehabt hätte : Dicani ex animo , Patres confcripti , quod fcn - tio , et quod vobis audientibns facpe iam dixi , fi mihi mtnquam amicus C . Caefar fuifiet , femper iratus ; fi afpemaretur amicitiam meam , fefeqiie mihi implacabilem inexpiabilemque praeberet , rnen ei , cum tantas res geififtet , gereretque quotidie , non amicus efTe non pofl'em : cuius ego imperio non Alpium vallum contra ad - fcenfum , transgreflionemque Gallonim , non Rheni fofläm gurgiti - bus illis redundantem , Germanorum immaniflimis gentibus obii - cio , et oppono : perfecit ille , vt , fi montes refediflent , amnes exa - ruifl'ent , non naturae praefidio , fed vidtoria fua , rebusque geftis Italiam nuinitam haberemus . Cicero , in Pifon . fol . 22$ . C .
Diese geschwinde Thätigkeit ist kein Feuer gewesen , das seine Kräfte bald erschöpfet hat ; sie war mit einer beständigen Anivendung beglei - tet . Casar glaubte , nichts gethan zu haben , wenn noch etwas zu thun übria war . Er wollte bey den Kriegen nichts zurücke lassen , die er ange - fangen hatte : er würde geglauber haben , dem Glücke eine Gelegenheit fti d>e Hände zu geben , dasjenige zu vernichten , was er nicht vollendet hätte . Man wird uns dieses im Lateinischen auf eine sehr edle Art sagen :
At minquam patiens pacis , longaeque quieti«
Armorum , ne quid fatis mutare liceret ,
Aflequitur , gencriquc premit veftigia Caefar /
Sufficerent aliis primo tot moenia curfu Rapta , tot opprefläe deieöis hoftibtis arces :
Ipfa caput nnindi , bellorum maSima merces ,
Roma capi facilis ; fed Caefar in omnia praeceps ,
Nil adlum credens , dum quid fupereflet agcnduin .
Lucanus , Pharf . Libr . II . VerCöjo .
Dem Frieden ist er gram nnd haßt die Ruh der Waffen , Aus Furcht , dem Schicksaal Zeit zur Aenderung zu schaffen . Verfolgt sein schneller Schritt den tapfern Tochtermann . Ein andrer wäre froh , wenn er so viel gethan , o , ttl ersten Lause schon so mancher Städte Mauren , So manches Schloß geschleift , das ewig schien zu dauren .
. hier ist das Haupt der Welt , des Siege« größter Preis , Rom selber leicht besiegt . Hier glaubet CäsarS Fleiß .
Daß er noch nichts vollführt , so lang was übrig blieben . G .
Vornehmlich ist er in den kostbaren Minuten auf die Feinde losgedrungen , da ihm das Glücke ein freundliches Gesichre gemacht .
Dum fortuna calet , dum conficit omnia terror .
Ebendaselbst , VII B . z - , V .
Weil noch das Glücke blüht , das Schrecken alles tödtet .
Daher ist es gekommen , daß er niemals eine Schlacht gewonnen , dabey er sich nicht zugleich des Lagers seiner Feinde bemächtiget hätte : luni vnquam hoftem fudit , quin caftris quoque erueret : ita nulluni fpatium perterritis dabat . Sueton , in Caefare , cap . LX . Er hat es nicht , wie PornpejuS gemacht , welcher das Blutvergießen zu ersparen , die Gelegenheit aus den Händen gelassen , den Krieg zu endigen .
Dolet heu ! femperaue dolebit .
Quod fcelerum Caefar prodeft tibi fumma tiioruia Cum genero pugnafi'c pio . Lucan . Libr . VI . v . ZOJ .
Ihn , für seine Person . hielt nichts auf : ein halb überwundener Widerstand hat ihn nicht weniger , alö eine noch vollige Widersetzunz
aufgemuntert . Wir wollen sein Bildnifi und seinen Character in diesen Versen der pharsalischen Schlacht , I B . qz V . sehen :
Sed non in Caefare tan tum Nomen erat , nec fama ducis : fed nefcia virtus Stare loco : folusque pudor non vincere bello .
Acer , et indomitus ; quo fpes , quoque ira vocaflet ,
Ferre manum , et nunquam temerando parcere ferro . Succefliis vrgere fuos : inftare fauori Numinis : impellens quicquid fibi fumma petenti Obftaret : gaudensque viam fecifle ruina .
Wiewohl an Cäsarn war nicht nur der Nahm und Ruhm Von einem Feldherrn bloß : sein rechtes Eigenthum War stete Munterkeit , die nichts von Ruhe wußte .
Und wenn sie stritt , durchaus den Sieg erfechten mußte .
Erhitzt und ungezähmt , wohin ihn Zorn und Glück Nur halb zu rufen schien , dahin gieng Faust und Blick .
Sein Stal ward nie geschont , dem Vortheil nachzuringen , Den Göttern Huld und Sieg noch ferner abzubringen , Zu stürzen , was vielleicht ihm noch im Wege stand ,
Zum Gipfel aller Macht ; indem ihm Schwerdt und Hand Mit Lust , durch Roth und Graus , den Weg zur Ehre bähnten . G .
( v ) Xvenn man die cntfinlicbe Anzahl Ä . eure betrachtet , de» reo Tod , AcmutH oder Dienskbarkeie er verursachet har . so kann man sieb kaum des Adscheues gegen ihn enthalten . ^ Er hat in Gallien wider drey Millionen Menschen gefochten , davon nicht mehr , als das Drittheil entkommen sind ; denn er hat eine Million erschla - gen , und eine Million zu Gefangenen gemacht . Dieß ist Plutarch« Rechnung im Cäsar , 714 , 7 > ; S - Des Appians seine in Celticis ist eben die« ftlbe . in Ansehung der Anzahl der Tobten und Gefangenen , aber nicht m Ansehung der Zahl der Feinde . Es sind derselben vier Millionen gewesen , wie Appian saget , welcher dazu sehet , daß Cäsar in Gallien nber 800 Städte eingenommen . Plutarch saget es auch . Allein Cä - sar , in der Rede , die ihm Julian der Abtrünnige leihet , ( in Caefaribus , siehe die Ausgabe SpanheimS in 4 . 17 - S ) redet nur von 300 ten Städten , und zwo Millionen überwundenen Menschen . Velleju« Paterculus , welcher sich bemühet , den Ruhm dieses Eroberers vielmehr zu erheben , als zu verringern , läßt gleichwohl die Zahl der Todten nur auf viermal hundert tausend steigen . Per haec infequentiaque et quae praediximus tempora amplius quadringenta millia hoftium a C . fare caefa funt , plura capta . Velleius Patercul . Libr . II . cap . XLVII . LipsiuS verbessert oefingenta , anstatt quadringenta . Der P . Harduin über des Plinius VII B . XXV Cap . giebt vor , daß Paterculus nur von vierzig tausenden rede , ampli» , XL millium hominum a C . fare caefa esse . ES ist wahr , daß er in dem vorhergehenden Cap . gesa ? get hat : es wäre die Zahl der Todten und Gefangenen unzählbar ge - Wesen : Cum deinde immanes res vix multis voltiminibus explican - das C . Caefar in Gallia ageret , nec contentus plurimis ac felicifli - mis vi & oriis , innumerabilibusque caefis et captis hoftium millibus . Paterc . Libr . II . c . XLVII . Plinius geht noch viel weiter , als alle andere : er läßt die Zahl der Todten aufeine Million und 19 - tausend steigen ; allein er begreift auch alle Kriege Casars , ausgenommen den bürgerlichen , dar - unter . Wir wollen seine Worte sehen : wir werden daraus erfahren , daß Cäsar fünfzig Schlachten geliefert hat . Signis collatis quinqua - gie» dimicauit ; folus M . Marcellum transgrefliis , qui vndequadragie * dimicauerat . Nam praeter ciuiles viaorias vndecies centena et XCII . M . hominum oeeifa praeliis ab eo non equidem in gloria po - fuerim , tantam etiam coactam humani generis iniuriam , quod ita esse confessus eft ipfe , bellorum ciuilium ftragem non prodendo . Plinius , Libr . VII . cap . XXV . SalmasiuS , in Solinum , p . 49 . will , daß diese Worte nicht zu erklären wären , und daß man sie auf folgend« Art verbessern müsse , tanta etiam coaöa , in humani generis injuria . Der Gedanke , den er dem Plinius beyleget , kömmt darauf hinaus : eS fehler so viel , daß ich es für etwa« rühmliches für denJulius Casar hal« te , daß er diese Menge Menschen umS Leben gebracht ; daß ich auch glauben würde , man hätte dem menschlichen Geschlechte einen großen Schaden zugefüget , wenn man eine solche Anzahl von verschiedenen Oettern zusammen gebracht hatte . Der P . Harduin hat diele Critik nicht qewürdiget , ihrer zu gedenken ; er hat sich begnüget , zu beobachten , daß nicht die geringste Schwierigkeit da ist . Plinius , saget er , hat sa - gen wollen , daß er ein solches ? ^eheln nicht für etwas rühmliche« anfä - tie , das dem menschlichen Geschlechte so schädlich wäre ; wenn auch gleich Cäsar durch eine erlittene Beschimpfuna gezwungen worden , dergleichen große« Blutbad anzurichten . Qiiaerit Salmafiiis , p . 49 . qui haec verba fibi explanet . Non opus eft vate in re planiflinia . Ait Plinius minime fe in laude aliqua pofiturum , oeeifa tot hominum millia , ob tantam humani generis cladem : licet ad hanc inferendam coadhis videri for . taflis aliena iniuria queat . Harduinus , in Plin . Libr . VII . cap . XXV . Jedermann sieht , daß die Erklärung dieses Jesuiten unvergl - ichlich bes . ser ist . als des Salmasius seine . Gleichwohl kann ich nicht glauben , daß Plinius . dem Julius Casar zum Besten , die Entschuldigung hätte verstehen sollen , davon der P . Harduin redtt . In der That hat Cäsar mir dieser Entschuldigung nichts beschönigen können , als den Krieg mit dem Pompejus . und die andern bürgerlichen Kriege , die aus jenem ent - standen sind . Nun saget Plinius ausdrückliä ) , daß die Million und 192 tausend Mann , die Cäsar in seinen Schlachten erleget , von denen , die er in den bürgerlichen Kriegen erschlagen , unterschieden gewesen . Es ist also keine Wahrscheinlichkeit , daß Plinius die Absicht gehabt hatte , die der P . Harduin voraus sehet . Ich wollte lieber sagen : daß der Sinn diese« Schriftstellers folgender wäre : Das Niedermetzeln von einer LNillion und >92 raufend Vttmfcbm iff ein so wichtiger Schade für das menschliche Gcscl ? lccl ? te , daß ich dasselbe für nichts rühmlictics halten formte , rvenn man auch dan» gen gewesen wäre , ausgenommen in den r>ertheidigenden Rricgcni und wcil Casar das Blutbad der bürgerlichen Rriege unter , druckt hat , so muß cr die rvahrheic meincs Grundsayes er» bannt haben . Diese Mcynung machet dem Plinius Ehre , und ich könnte große KriegSobersten nennen , welche sich auf dem Tcdbctte vor dem obersten Richter der Welt gefürchtet haben : wenn sie sich des Blu , res erinnert , das in den Religionskriegen vergossen worden , die sie für höchst gerecht gehalten , und darüber sie die Aufsicht gehabt hatten . Sie -

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